Rezension: Gier von Marc Elsberg

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2019 | Hardcover: 448 Seiten | Verlag: Blanvalet |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3764506322

Kurzinhalt

Die nächste Wirtschaftskrise steht kurz bevor, weshalb sich die Reichen und Mächtigen der Welt in Berlin versammeln, um – begleitet von protestierenden Massen – die Zukunft der Ökonomie zu besprechen. Doch der Hauptredner, ein Wirtschaftsnobelpreisträger, gerät kurz vor Veranstaltungsstart in einen Autounfall und kommt ums Leben. Der Auszubildende Jan ist zufällig mit seinem Fahrrad in der Nähe, als er den Aufprall beobachtet und zur Hilfe eilt. Doch schnell muss er feststellen, dass es sich gar nicht um einen Unfall handelt. So gerät der einfache Pfleger Jan mitten in eine rasante Verfolgungsjagd und eine erschütternde wirtschaftliche Revolution.

Eigene Meinung

Ich bin bereits ein Fan von Marc Elsberg, seit ich damals Zero gelesen habe, das mich total begeistert hat und zufällig das erste Buch war, das ich auf diesem Blog je rezensiert habe. Dieser Autor weiß einfach, wie man wichtige und komplexe Themen in spannende Thriller verpackt. Mit Gier scheint er endlich in der Liga der erstklassigen Autoren angekommen zu sein, immerhin ist das Buch als aufwendig gestaltetes Hardcover-Exemplar erschienen und hält sich jetzt schon seit etlichen Wochen in den Bestsellern. Und zwar zurecht!

Gier ist ein Thriller. Es gibt jede Menge Spannung und Action und Verfolgungsjagden und Tote und Nervenkitzel. Aber alle Thriller-Fans muss ich trotzdem warnen, denn das Buch ist allen voran eine Geschichte über die Wirtschaft. Deshalb gibt es sehr viele, lange Unterhaltungen über wirtschaftliche Theorien, die Lesern, die sich nicht so mit dem Gebiet auskennen, kompliziert und langatmig vorkommen können. Teilweise habe ich mich zurück in mein VWL Studium versetzt gefühlt. Aber da muss man sich als Leser einfach durchkämpfen, denn Wirtschaft ist nun einmal Mathematik, aber sie ist auch was unser Leben bestimmt und gestaltet. Die Schwäche von Gier, die langen theoretischen Abschnitte, sind letztlich einfach notwendig, um die Message rüberzubringen. Es lohnt sich, sich durch diese Stellen hindurch zu kämpfen, denn am Ende wird so ziemlich die ganze (Wirtschaft-)Welt in Frage gestellt.

Aber der Reihe nach. Wir folgen in dem Buch Jan, einem Pfleger in Ausbildung, der in diese Wirtschafts-Verbrechen-Storyline gerät, ohne dass er etwas dafür kann. Da er auch neu in dieser Welt ist, muss er genau wie die Leser alles erst einmal erlernen, ist verwundert und überwältigt, versteht manches nicht und wird auch oft emotional überfordert. Ich konnte mich so sehr mit Jan identifizieren! Der einfache Junge, der es nur gut gemeint hat, und der plötzlich die Welt der Superreichen kennenlernt mitsamt den Machenschaften und Gemeinheiten, unter denen wiederum die einfachen Leute leiden müssen. Das Buch führt einem überdeutlich vor Augen, wie ungerecht unser Wirtschaftssystem ist – bis zu dem Punkt, dass ich teilweise tagelang schlecht drauf war, weil ich so viele Missstände, die in dem Buch beschrieben werden, in der echten Welt wiedererkannt habe. Gier ist voller harter Realitäten, aber es wichtig, dass wir diese Dinge begreifen, denn nur dann kann sich etwas ändern.

Und ändern tut es sich – zumindest in dem Buch. Denn wenn dann endlich offenbart wird, welche Wirtschaftstheorie hinter allem steckt, ist diese simpel und phänomenal zugleich. Ich denke, dieses Buch kann nicht nur den Menschen die Augen öffnen, sondern auch wirklich etwas verändern, wenn es in die richtigen Hände gerät. Deshalb hoffe ich, dass das Buch seinen Weg zu den Menschen findet, die hier eigentlich angesprochen werden: Banker, Geschäftsführer, Wirtschaftswissenschaftler, all diejenigen, deren Sprache Marc Elsberg hier spricht. Wenn sich diese Menschen die Message von Gier zu Herzen nehmen, könnte das unsere Welt revolutionieren. Aber auch für den Rest von uns ist es absolut faszinierend, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und die Mechanismen zu durchschauen, die im Geheimen unsere Leben bestimmen.

Wie Marc Elsberg es mit Gier geschafft hat, ein überaus komplexes (und ehrlich gesagt auch staubtrockenes) Thema wie die Wirtschaft in einen spannenden Thriller zu packen, beeindruckt mich sehr. So etwas würde ich auch gerne einmal schreiben! Generell ist Marc Elsberg einer der Top 3 Autoren, zu denen ich als angehende Autorin aufblicke. Von Gier können wir alle etwas lernen – und trotzdem auch gut unterhalten werden.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Habt ihr Gier gelesen oder etwas andere von Marc Elsberg? Hat es euch auch so beeindruckt wie mich? Lasst mir gerne eure Meinung und Tipps zu anderen Büchern in dieser Art da!

 

 

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Rezension: Das Erwachen von Andreas Brandhorst

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2017 | Taschenbuch: 736 Seiten | Verlag: Piper | Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3492060806

Kurzinhalt

Nachdem ein Geschäftsdeal des Hackers Axel Krohn schiefgeht, stolpert er über die Zugänge zu Dateien einer großen Spielefirma. Als er diese neugierig durchstöbert, stößt er nicht nur auf wohl behütete Geheimnisse, sondern erschafft auch versehentlich eine Maschinenintelligenz, die mit rasantem Tempo die Welt ins Chaos stürzt.

Eigene Meinung

Das Erwachen hat mich wirklich umgehauen. Es ist ein phänomenales Buch, das mit einem einzigartig spektakulären Plot überzeugt. Ich habe ja schon viele Bücher über KI gelesen, aber dieses geht das Thema vollkommen neu und originell an und macht daraus eine extrem fesselnde Story, die man nicht zur Seite legen kann. Das Buch hat definitiv die Bezeichnung „Thriller“ verdient, denn es ist wirklich superspannend. Schon kurz nach Beginn der Handlung ist die komplette Welt im totalen Chaos und trotzdem schafft es Andreas Brandhorst, da immer wieder noch eins draufzusetzen bis zu Extremen, die man sonst selten liest und die ganz nach meinem Geschmack sind. Denn meiner Meinung nach sollte in Thrillern so viel wie möglich auf dem Spiel stehen – gerne das Überleben der kompletten Menschheit – und Das Erwachen liefert mir hier genau das, wonach ich suche.

Aber auch abgesehen von dem Nervenkitzel ist Das Erwachen ein außergewöhnliches Buch. Die KI in diesem Thriller unterscheidet sich grundlegend von allen anderen fiktiven KIs. Einerseits ist sie nicht nur eine KI (die noch relativ spezialisiert und eingegrenzt wäre), sondern eine allumfassende Maschinenintelligenz. Sie bleibt die meiste Zeit lang namenlos und sie entsteht zufällig, was ich total faszinierend fand und auch irgendwie realistisch. Denn so könnte es kommen: Irgendwer macht einen dummen Fehler, mehrere ungewöhnliche Situationen finden gleichzeitig statt und schon entsteht eine Maschinenintelligenz, die in kürzester Zeit die Kontrolle über die Erde übernimmt. Auch wie die Geschichte dann weiterentwickelt und schließlich abgeschlossen wird, konnte mich völlig überzeugen. Das Ende war perfekt und in einem gewissen Sinne auch wunderschön. Was mich positiv überrascht hat, da ich bisher immer fand, dass die Enden von Andreas Brandhorst Büchern seine größten Schwachpunkte sind. Insgesamt hat mir das Buch viel besser gefallen als Ewiges Leben, das ich letztes Jahr gelesen habe. Ewiges Leben war vom Thema und der Kernstory her mindestens genauso faszinierend wie Das Erwachen, doch da gab es ein paar kleinere Plotlücken und Punkte, die mich abgestoßen haben. Ewiges Leben ist ein gutes Buch, aber Das Erwachen ist einfach vom Autorenhandwerk her auf einem viel höheren Niveau.

Was Andreas Brandhorst meiner Meinung nach immer gut macht, ist die Gestaltung der verschiedenen Figuren und das Spiel mit den Perspektiven. Diesmal steht der Hacker Axel Krohn im Zentrum des Geschehens und im Laufe der Handlung wurde er immer facettenreicher und ich bin sein Fan geworden. Seine Backstory war für meinen Geschmack etwas zu überlastet (da hätte man das ein oder andere Detail weglassen können), aber der Mensch, zu dem er sich dann entwickelt, hat mich beeindruckt. Mein Liebling war aber der zweite Protagonist, Coorain, ein australischer Geheimdienstagent, der einfach der coolste Typ ist, von dem ich je gelesen habe. Seine lässige Art ist ansteckend und ich habe ihm immer gerne beim Sprechen zugehört. Ich sag nur: „no worries“. Als dritte Protagonistin haben wir die norwegische Diplomatin in Italien Viktoria Jorun Dahl, die in der Krise um die Maschinenintelligenz die Führung übernimmt und in ihrer neuen Rolle aufgeht wie eine Badass Boss Lady. Sie hat mir auch gefallen, nur leider gab es in ihren Teilen oft lange theoretische Diskussionen, denn verständlicherweise sind die Erlebnisse einer Diplomatin etwas weniger actionreich als die von einem Geheimdienstagenten oder Hacker.

Wegen ein paar kleinsten Kleinigkeiten war das Buch für mich nicht perfekt, aber trotzdem kann ich festhalten, dass im Großen und Ganz einfach alles stimmt: Plot, Figuren, Thema, Spannung – das ganze Programm. Das Erwachen ist ein verdammt gutes Buch und ich kann es jedem empfehlen, der sich einem faszinierenden technischen Thema widmen will, aber trotzdem auch gut unterhalten werden möchte.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

 

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Ich verschenke meine Bücher an euch!

Es war mal wieder an der Zeit, mein Buchregal auszumisten, wobei ich mich von einigen Büchern verabschiedet habe, die ich bereits gelesen habe und gut fand, aber eben nicht phänomenal genug, um sie zu behalten. Denn in mein Lieblingsbücherregalfach gelangen wirklich nur Bücher, die mich absolut vom Hocker gerissen haben und die ich noch einmal lesen möchte. Da es aber natürlich schade wäre, diese Bücher einfach zu entsorgen, verkaufe ich sie meist auf Momox oder verschenke sie. Deshalb möchte ich sie zuerst meinen Lesern hier anbieten. Wenn ihr eines oder mehrere der Bücher möchtet, lasst mir einen Kommentar da mit einem Hinweis, wie ich euch am besten erreichen kann (E-Mail, Instagram, Facebook, etc.) und ich schicke sie euch gerne zu. Alles worum ich bitte, ist, dass ihr das Porto übernehmt, was je nach Größe und Schwere des Buchs variiert. Für die Bücher selbst verlange ich nichts.

Nun möchte ich euch meine zu verschenkenden Bücher vorstellen:

Belletristik

Crashland von Sean Williams (Science Fiction, Sprache: Englisch)

Dies ist der zweite Teil einer Reihe, aber ich habe Teil 1 auch nicht gelesen und bin trotzdem gut hereingekommen. Crashland erzählt von einer interessanten Welt, in der sowohl das Beamen als auch das Klonen mittlerweile möglich und üblich sind. Die Protagonistin der Geschichte kommt den Hintergründen dieser beiden technischen Entwicklungen mitsamt den Möglichkeiten, wie man sie für das Böse ausnutzen kann, auf den Grund und beamt sich auf der Flucht vor düsteren Verfolgern quer über den Erdball. Das Buch ist sehr actionreich und die Thematik fand ich absolut faszinierend. Ich habe es auch im Rahmen meines Rückblicks HIER besprochen.

Love, Lies, Lizzie von Rosie Rushton (Liebe/Young Adult, Sprache: Englisch)

Dieses Buch war definitiv das Unterhaltsamste, was ich für die Uni lesen musste. Es handelt sich um eine Neuerzählung von Stolz und Vorurteil, doch es ist wirklich viel moderner und fühlt sich damit viel aktueller und realistischer an, wie ich finde. Es geht um die Bennet Schwerstern und vor allem Lizzie, die in die High Society einzieht (mit viel Humor und Ironie) und dort den auf den ersten Blick arroganten James kennenlernt, der viel mehr Tiefe verbirgt, als man zu Beginn annimmt.

The Truth Commission von Susan Juby (Young Adult, Sprache: Englisch)

Zu diesem Buch habe ich mal ein Referat gehalten und es hat mir wirklich gut gefallen. Drei Jugendliche gründen zusammen die Truth Commission, die sich voll und ganz der Wahrheit verpflichtet und auf diese Weise Geheimnisse ihrer Mitschüler lüftet. Parallel dazu wird aber auch die Geschichte von der Schwester der Protagonistin erzählt, eine erfolgreiche Graphic Novel Zeichnerin, die ihr eigenes Geheimnis mit sich herumträgt. Das Buch zeigt den Wert der Wahrheit, aber auch die Gefahr völliger Ehrlichkeit. Das Format ist übrigens sehr kreativ, denn es handelt sich hier um die Abschlussarbeit der Protagonistin, die auch Fußnoten enthält sowie Mails und Chats und sogar kleine Zeichnungen. So etwas finde ich immer sehr schön. Ich muss euch warnen, dass ich in dieses Buch einige Notizen während meiner Vorbereitung für das Referat geschrieben habe.

Geek Girl. Forever Geek von Holly Smale (Young Adult, Sprache: Englisch)

Hierbei handelt es sich um den letzten Teil der Geek Girl Buchreihe. Ich habe diese Reihe vor ein paar Jahren für mich entdeckt, denn ich finde die Idee, nerdigen Humor mit der übertrieben glamourösen Welt der Models zu verbinden, einfach unterhaltsam. In Geek Girl geht es nämlich um Harriet, die als Geek angesehen wird, weil sie viel weiß von teilweise etwas seltsamen Themen. Deshalb gibt es in den Büchern auch immer wieder kleine Einschübe mit Listen oder mehr oder weniger relevanten Fakten, die ich immer sehr charmant fand. Harriet wird nun aber als Model entdeckt und reist für ihre neue Arbeit um die ganze Welt. Natürlich darf dabei auch eine süße Liebesgeschichte nicht fehlen. In diesem letzten Band reist Harriet nach Australien, wo viele Erzählstränge der Bücher zusammenkommen und die Reihe, wie ich finde, einen schönen Abschluss findet. Ich habe Teil 3, 4 und 5 nicht gelesen und hatte trotzdem keine Probleme, die Handlung in diesem Teil zu verstehen.

Mädchenmeute von Kirsten Fuchs (Jugendliteratur, Sprache: Deutsch)

Dieses Buch hat den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 gewonnen. Es erzählt von einer Gruppe Mädchen, die an einem Survival Camp teilnehmen. Doch schon bald verwandelt sich das Camp in pures Chaos und die Mädchen beschließen, alleine loszuziehen und sich im Wald zu verstecken, um dort abgeschieden von dem Rest der Welt zu leben. Ich weiß, dass Kirsten Fuchs eine sehr beliebte Autorin ist, aber persönlich konnte ich mit ihrem Erzählstil nichts anfangen. Ich fand die Figuren einfach zu schräg und ihre Handlungen oft nicht nachvollziehbar. Aber für Fans der Autorin ist das Buch sicher interessant. Zur Rezension gelangt ihr HIER.

Digital Fortress von Dan Brown (Thriller, Sprache: Englisch)

Dieser Thriller erzählt von den Codeknackern der NSA, die einen neuen Code gefunden haben, aus dem selbst ihre bisher unfehlbare Codeknackermaschine nicht schlau wird. Natürlich steckt da noch viel mehr dahinter und das Buch steckt voller Spannung und Plottwists. Für Dan Brown Fans ist das Buch auf jeden Fall ein Gewinn, denn es fesselt bis zur letzten Seite. Ich lese seine Bücher immer gerne und fand Digital Fortress sowohl von der Thematik als auch der Umsetzung her gelungen. Ich habe es auch bei meinem Rückblick HIER besprochen.

Under Ground von S.L. Grey (Thriller, Sprache: Deutsch)

Dieses Buch habe ich selbst bei einem Gewinnspiel bei Weltenwanderer gewonnen und habe mich sehr gefreut! Die Idee ist absolut spannend: Ein Grippevirus versetzt die Welt in Angst und Schrecken, weshalb ein Haufen Superreicher in einen Luxusbunker ziehen, in dem sie sich für genau solche Untergangsszenarien Wohnungen gekauft haben. Doch schon bald häufen sich die Leichen und ein Kampf ums Überleben beginnt, denn im Bunker lebt (mindestens) ein Mörder. Persönlich waren mir die Figuren alle etwas zu düster, es gibt hier eigentlich nur Antihelden und Bösewichte und mir hat eine positive Figur gefehlt, der ich tatsächlich das Überleben wünschen würde. Das Buch habe ich auch bei meinem Rückblick HIER besprochen.

Klassiker

Ulysses von James Joyce (Klassiker, Sprache: Englisch)

Dieses Buch hat mir mal eine Freundin geschenkt, da es für seine komplett neue Art des Schreibens und Erzählens berühmt ist. Und ich glaube, James Joyce hat hier wirklich eine originelle und tolle Leistung vollbracht, aber für mich war das Buch leider nichts. Ich habe immer gehofft, es eines Tages weiterzulesen, aber ehrlich gesagt, denke ich nicht, dass das noch geschehen wird. Vielleicht kann jemand anderes mehr Freude damit haben. Das komplette Buch erzählt nur einen Tag im Leben des Protagonisten und ist wohl so etwas wie eine moderne Version von Homers Odyssee.

Ilias und Odyssee von Homer (Klassiker, Sprache: Deutsch)

Wo wir gerade bei Homer sind: Diese Ausgabe der Ilias und Odyssee habe ich mir zu Beginn meines Masterstudiums gekauft, als ich noch voller Elan war. Aber schließlich habe ich doch nur einen Teil der Ilias gelesen. Es handelt sich hier um die Geschichte in Versform, was das Lesen etwas erschwert. Dafür ist das Buch nahe am Original. Für Freunde der alten griechischen Literatur ist das Buch auf jeden Fall ein Muss. Die Ilias erzählt vom Fall Trojas und den Heldentaten Achilles, während die Odyssee die Reisen von Odysseus verfolgt.

Sense and Sensibility von Jane Austen (Klassiker, Sprache: Englisch)

In Zusammenhang mit Love, Lies, Lizzie, das ich euch vorhin vorgestellt habe, sollten wir auch das Original Pride and Prejudice lesen. Blöderweise habe ich aus Versehen Sense and Sensibility gekauft. Ich bin einfach kein großer Jane Austen Fan, deshalb habe ich das Buch nie gelesen, aber falls ihr schon immer mal diese klassische Liebesgeschichte lesen wolltet, ist dies eure Chance.

Perlmutterfarbe von Anna Maria Jokl (Klassiker, Sprache: Deutsch)

Zu diesem Buch habe ich eine Hausarbeit geschrieben, also wundert euch nicht über die vielen Anmerkungen und Notizen darin. Perlmutterfarbe ist aus den 1940ern und betrachtet Rassismus auf der Mikroebene. Es erzählt von einer Schule, auf der sich eine Hierarchie von Schülern der A-Klasse und der B-Klasse entwickelt, und berichtet, wie diese diskriminierende Situation immer weiter ausartet (auch durch die gezielte Verschärfung der Lage mithilfe von der Propaganda eines Schülers) und was dagegen unternommen werden kann. Es ist absolut faszinierend und erklärt Rassismus wirklich erschreckend einfach für Jugendliche, aber auch Erwachsene.

Fortunatus (Klassiker, Sprache: Deutsch)

Auch zu diesem Buch habe ich eine Hausarbeit geschrieben. Es handelt sich hier um die neuhochdeutsche Übersetzung dieses alten Werks, das im Original mittelhochdeutsch ist. Das Buch erzählt von den Reisen des Fortunatus und seinen Söhnen, die dank eines Sacks, der aus dem Nichts Geld herbeizaubern kann, zu großem Reichtum gelangen und die Welt bereisen. Diese Ausgabe ist antiquarisch und wirklich wunderschön gestaltet. Auf dem Foto seht ihr die Box, in der das eigentliche Hardcover Buch steckt. Darin sind auch jede Menge hübsche Illustrationen. Für Liebhaber von alten, liebevoll gestalteten Büchern ist das auf jeden Fall etwas!

Non Fiction

Yes Please! von Amy Pohler (Autobiografie, Sprache: Englisch)

Dies ist die Autobiografie der Komikerin Amy Pohler, die ich kenne und liebe von ihrer Arbeit für Saturday Night Live und natürlich ihrer Rolle als Leslie Knope in Parks and Recreation. Sie erzählt berufliche wie private Anekdoten, ist dabei superehrlich, meistens ziemlich lustig, manchmal aber auch ernst. Mir hat das Buch gut gefallen und für Fans von Amy Pohler oder Tina Fey ist das Buch definitiv das Richtige. Ich habe es auch in meinem Rückblick HIER besprochen.

Bilderkrieger von Michael Kamber (Bildband und Interviewband, Sprache: Deutsch)

Dieses Buch sammelt Interviews mit Kriegsfotografen, die von ihrer aufregenden, wichtigen und teils lebensgefährlichen Arbeit erzählen. Dieses Thema fasziniert mich total und die Interviews sind wirklich interessant und auch teilweise sehr emotional. Passend dazu gibt es beeindruckende Bilder der interviewten Fotografen.

Konkursbuch 53. Geld (Anthologie, Sprache: Deutsch)

Das konkursbuch ist eine Reihe, die Texte und Bilder zu verschiedenen Themen sammelt. In diesem Band geht es um das Thema Geld und die Texte sind wirklich sehr vielfältig – von ökonomischen Abhandlungen über kritische Essays bis hin zu persönlichen Geschichten und Gedichten. Ich fand es absolut faszinierend, das Thema Geld aus diesen verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Das Buch habe ich auch bei meinem Rückblick HIER besprochen.

Quantentheorie von Wilfried Stascheit, J.P. McEVOY & Co. (Sachcomic, Sprache: Deutsch)

Ein Sachcomic über die Quantentheorie – was für eine kreative und originelle Herangehensweise an ein hochkomplexes Thema! Das Thema blieb für mich immer noch ziemlich schwer zu verstehen, aber es hat auf jeden Fall geholfen, mich ihm mithilfe von Zeichnungen zu nähern. Ich kann diese Sachcomicreihe, in der es Bände zu allen möglichen wissenschaftlichen Themen gibt, generell empfehlen! Das Buch habe ich auch in meinem Rückblick HIER vorgestellt.

Das waren also meine aussortierten Bücher, die ich euch gerne schenken möchtet. Wie gesagt, wenn ihr Interesse habt, lasst mir einfach einen Kommentar da und ich melde mich euch dann bei euch.

Nachdem ich nun also mein Buchregal ausgemistet habe, möchte ich es nicht sofort wieder vollstopfen (außer mit Geschenken oder Leseexemplaren), weshalb ich während der diesjährigen Fastenzeit auf Shopping verzichten. Das bezieht sich nicht nur auf Bücher, sondern auch auf Klamotten und eigentlich alles außer Essen, Trinken und notwendigen Drogerieprodukten, aber ich denke, es wird mir am schwersten Fallen, keine neuen Bücher zu kaufen. Andererseits ist das eine gute Gelegenheit, um Bücher von meinem SuB zu lesen.

Möchtet ihr eines oder mehrere der Bücher? Oder habt ihr sie vielleicht schon selbst? Verkauft oder verschenkt ihr auch eure gelesenen Bücher oder was macht ihr damit? Verzichtet ihr auf etwas während der Fastenzeit? Ich freue mich wie immer über Kommentare!

 

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Rezension: Ewiges Leben von Andreas Brandhorst

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2018 | Taschenbuch: 702 Seiten | Verlag: Piper |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3492061339

Kurzinhalt

Die Firma Futuria kämpft mit ihren Techniken gegen Krankheiten an, hat die virtuelle Welt Eden erschaffen und arbeitet an vielen anderen Projekten. Ihr größtes Versprechen ist das ewige Leben. Die Journalistin Sophia recherchiert über Futuria und macht einige unerwartete Entdeckungen. Gleichzeitig kämpft der christliche Extremist Yossul gegen die Entwicklung hin zum ewigen Leben an, während der Papst Futuria seine Unterstützung zuspricht.

Eigene Meinung

Ewiges Leben – der Titel ist hier Programm, denn Andreas Brandhorst beschäftigt sich in seinem neuesten Thriller mit der Unsterblichkeit. Dies geschieht auf eine sehr wissenschaftliche Art und Weise, denn es gibt hier nichts Übernatürliches, sondern Überlegungen, die schon heute erforscht werden und in Ewiges Leben bloß weitergedacht werden. Dabei geht es sowohl um die biologische als auch um die virtuelle Unsterblichkeit. Beim Lesen bekommt man mehr und mehr das Gefühl, dass die Unsterblichkeit tatsächlich wissenschaftlich möglich ist und vielleicht bereits um die nächste Ecke auf uns wartet. Das ist ziemlich aufregend! Trotzdem wird das Buch nie zu technisch, sodass die Leser keine Probleme haben zu folgen.

Doch das ewige Leben ist kein durch und durch positives Ziel, was auch sehr schön thematisiert wird. Die größte Herausforderung der Unsterblichkeit ist laut diesem Thriller Folgendes: Wenn niemand mehr stirbt, die Menschen aber weiterhin Kinder bekommen, wird es viel zu viele Menschen geben, was unsere Erde, die ja jetzt schon unter der Überbevölkerung leidet, nicht aushalten kann. In Ewiges Leben findet Andreas Brandhorst eine interessante, wenn auch umstrittene Lösung für dieses Problem. Generell wird das Thema sehr ausgeglichen und detailliert betrachtet, was ich absolut faszinierend fand.

Ein Aspekt, der mir spontan nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem ewigen Leben eingefallen wäre, der aber durchaus Sinn ergibt und der in dem Buch eine zentrale Rolle spielt, ist die Frage, welchen Status die Religion einnehmen kann in einer Welt, in der die Menschen für immer leben. Denn das Jenseits wird in dieser Welt überflüssig oder rückt zumindest in weite Ferne. Dieser Frage hat sich Andreas Brandhorst ganz wunderbar gewidmet, indem zwei der drei Protagonisten Vertreter des Christentums sind: der Extremist Yossul und der Papst. Letzterer war mir besonders sympathisch.

Die dritte Protagonistin ist die Journalistin Sophia, die Futuria unterstützt, da sie selbst von den medizinischen Errungenschaften der Firma profitiert. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der drei Protagonisten erzählt, was mir sehr gefallen hat. Da die Figuren so unterschiedliche Standpunkte haben, kann der Leser sich eine eigene Meinung bilden. Alle Protagonisten fand ich sehr gut gezeichnet und auch auf ihre jeweils eigene Art und Weise nachvollziehbar.

Leider gab es in Ewiges Leben ein paar logische Fehler, darunter vor allem zeitliche Abläufe sowie widersprüchliche Handlungen, die einfach hätten verhindert werden können. Das einem extrem erfahrenen Autor wie Andreas Brandhorst so etwas noch passiert und auch das Lektorat hier nichts unternommen hat, fand ich wirklich schade. Aber das waren nur Kleinigkeiten, die nichts daran ändern, dass Ewiges Leben ein sehr gut geplottetes Buch über ein faszinierendes Thema ist. Was mir das Buch dann aber leider in den letzten Kapiteln noch ein bisschen verdorben hat, war eine Entwicklung der weiblichen Protagonistin. Das ist einfach etwas, dass mir in letzter Zeit öfters in Büchern aufgefallen ist (vor allem in Fantasy und Science Fiction) und das mich immer aufregt. Ich möchte hier nicht spoilern, deshalb wird es nächste Woche noch einen eigenen Post zu diesem Thema geben. Davon abgesehen hat mir Ewiges Leben aber gut gefallen.

Bewertung

+++ – Drei von fünf Punkten

Habt ihr Ewiges Leben schon gelesen? Dann teilt gerne eure Meinung mit mir! Außerdem würde mich interessieren: Wie fandet ihr die letzten Kapitel bezüglich Sophias Rolle?
Welche anderen Bücher von Andreas Brandhorst könnt ihr mir empfehlen?

 

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Rezension zweier Bücher über Algorithmen: Now von Stephan Meier und Qualityland von Marc-Uwe Kling

Now. Du bestimmst, wer überlebt von Stephan Meier

Thriller | Erscheinungsjahr: 2017 | Taschenbuch: 432 Seiten | Verlag: Penguin |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3328100492

Kurzinhalt

Die Welt ist voller Klimakatastrophen, Krisen, Armut und Hoffnungslosigkeit. Aus diesem Grund erschaffen Bill und Mitch den Algorithmus Now, der ausrechnen soll, wie die Menschheit ihrem Untergang entgehen und die Welt gerettet werden kann. Nows Lösung ist radikal. In einer rasenden Geschwindigkeit übernimmt Now alle Lebensbereiche und kreiert perfekte Zonen, die den Auserwählten das bestmögliche Leben bieten, während der Rest der Welt ausgeschlossen wird.

Eigene Meinung

Die Erzählung setzt irgendwann in der Zukunft ein, als Now bereits die Herrschaft ergriffen hat. Die Handlung auf der anderen Seite setzt (viel später im Buch) im Jahre 2026 ein. Die Leser stolpern durch Szenen in einer Zukunft, in der unsere jetzige Welt kaum noch zu erkennen ist, über Szenen, die vor der Übernahme von Now stattfinden und in denen die dargestellte Welt unserer noch erschreckend ähnelt, bis zu Szenen im Now.

Diesen Aufbau fand ich anfangs ein bisschen anstrengend, doch nachdem ich mich darauf eingelassen habe, habe ich erkannt, dass er durchaus sinnvoll ist. Denn gleich zu Beginn werden die Leser mit der abgefahrenen Zukunft gelockt, bevor sie sich erst einmal durch hunderte Seiten von Backstory kämpfen müssen – und das zurecht. Denn die Backstory ist essentiell, um zu verstehen und in einem gewissen Maße nachvollziehen zu können, wie es zu Now kommen konnte.

Das Bild, das Now von der Zukunft unserer Welt zeichnet, ist wirklich sehr düster. Im Prinzip ist die Idee, dass die Erde nicht überleben wird, wenn wir weiterleben wie jetzt. Da ist mit Sicherheit etwas Wahres dran. Die Konsequenz, die Now daraus zieht, ist natürlich sehr extrem, aber für eine Maschine irgendwie verständlich.

All das wird in Now wirklich hervorragend erklärt. Gerade durch die vielen Kapitel, die die Backstory und die technischen Grundlagen betreffen, blicken auch Leser, die wenig Ahnung von Technik haben (so wie ich), gut durch. Diese Genauigkeit, die das Buch teilweise sogar eher wie ein Lehrbuch erscheinen lässt (ganz besonders in ein paar Kapiteln, die eine Talkshow umfassen), war meiner Meinung nach die größte Stärke von Now. Man merkt, dass der Autor sich wirklich mit seinem Themengebiet auskennt.

Die Figuren haben sich für mich etwas distanziert angefühlt. Ich habe nicht wirklich mit ihnen mitgefiebert, sondern habe eher Now und seinen Folgen entgegengefiebert. Aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Denn obwohl es in Now auch um Liebe und Familie geht, um Vertrauen und Verrat, tritt all das in den Hintergrund im Vergleich zum Überleben der Menschheit.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zum Genre. Now wird als Thriller verkauft, was in dem Sinne stimmt, da die ganze Welt bedroht ist. Doch wer sich nun Spannung pur vorstellt, wird enttäuscht werden. Tatsächlich liest sich Now mehr wie eine Gesellschaftsanalyse als ein Thriller. Höchsten zum Ende hin wird es ein bisschen spannend.

Ich fand sowohl die Beschreibungen von Eden (der perfekten Lebenszone) als auch die von all den Gebieten, die ausgeschlossen wurden und in denen nun apokalyptische Zustände herrschen, extrem faszinierend. Now schafft eine außergewöhnliche Vision, bei der die Leser selbst die Arbeit leisten müssen, sie zu hinterfragen. Denn Now ist nicht die böse KI, die die Weltherrschaft übernehmen will – ganz im Gegenteil.

Das Ende (und damit meine ich wirklich die letzten paar Sätze) habe ich ehrlich gesagt nicht so richtig verstanden. Also falls ihr das Buch schon gelesen habt, können wir uns gerne darüber austauschen! Alles in allem war Now aber ein sehr originelles und gut durchdachtes Buch!

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

Qualityland von Marc-Uwe Kling

Roman | Erscheinungsjahr: 2017 | Hardcover: 384 Seiten | Verlag: Ullstein |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3550050152

Kurzinhalt

Deutschland gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Das Chaos, dass diese Nation ersetzt hat, wurde beendet von einer neuen Nation: Qualityland. In Qualityland tragen alle Leute als Nachnahmen den Beruf ihrer Mutter oder ihres Vaters. Sie haben digitale Assistenten und sind immer mit ihrem Qualitypad online. Die Algorithmen wissen, welche Produkte die Menschen sich wann wünschen und diese werden ihnen automatisch zugeschickt. Als der Protagonist, Peter Arbeitsloser, eines Tages einen Delfinvibrator zugeschickt bekommt, beginnt er, das System zu hinterfragen.

Eigene Meinung

Ich rezensiere Now und Qualityland in einem gemeinsamen Post, weil sich beide Bücher mit Algorithmen auseinandersetzen, dabei aber in komplett unterschiedliche Richtungen gehen. Während Now den Konsumkapitalismus quasi über Nacht abschafft, dreht sich in Qualityland das ganze Leben nur noch um den Konsum.

Meine Mutter, die mir das Buch ausgeliehen hat, tat das mit der Anmerkung, dass sie das Buch deprimiert habe, weil es sie zu sehr an unsere echte Welt erinnert habe. Denn auch für uns entscheiden ja schon die Algorithmen, welche Meldungen wir in den Sozialen Medien und welche Werbungen wir im Internet zu sehen bekommen. Es ist nur der logische nächste Schritt, dass uns die entsprechenden Produkte gleich zugeschickt werden.

Doch Qualityland geht noch weiter. Roboter haben viele Berufsbranchen komplett übernommen. Fake News und Rassismus haben einen Höhepunkt erreicht. Menschen sehen nur die Nachrichten, die zu ihrem Weltbild passen. Die Leute werden automatisch in Levels eingeteilt und diesen entsprechend behandelt. Und es geht weiter und weiter. Qualityland zeichnet ein überaus detailreiches und abstruses Gesellschaftsbild.

Trotzdem fand ich das Buch überhaupt nicht deprimierend. Ein Grund dafür ist natürlich, dass es witzig ist. Es lässt sich sehr schnell und einfach lesen. Und manche der Figuren haben auf jeden Fall ein Komikpotential. Ich sag nur: eine Android-Autorin mit Schreibblockade oder ein Sexroboter, der Liebeskummer hat. Einfach köstlich! Mir hat gefallen, dass die Maschinen hier nicht als Bösewichte dargestellt werden, sondern als Wesen, für die man Sympathie und Mitleid empfinden kann. Das Highlight in diesem Aspekt war für mich definitiv der marxistische Präsidentschaftskandidat/Roboter John of Us.

Auch der Protagonist ist nachvollziehbar. Peter Arbeitsloser wird in die Rolle eines hoffnungslosen Mannes am unteren Rand der Gesellschaft gezwängt und beginnt als trauriges Kerlchen. Doch dann ergreift er zumindest teilweise Eigeninitiative und will nicht mehr der sein, für den die Algorithmen ihn halten.

Auch Qualityland befasst sich also mit den Algorithmen und der Digitalisierung der Welt. Doch es liest sich weniger wissenschaftlich, sondern unterhaltsamer als Now. Qualityland hat mir deshalb mehr Spaß gemacht zu lesen, während Now mich mehr zum Nachdenken gebracht hat. Letztlich sind beides gute Bücher, die ich jedem empfehlen kann, der in einer digitalisierten Welt lebt (also so ziemlich jeder).

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

Kennt ihr eines oder beide der Bücher? Wie ist eure Meinung darüber?
Das würde mich total interessieren!

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

 

Rezension: Dark Zero von Douglas Preston

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2015 | Taschenbuch: 480 Seiten | Verlag: Knaur  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3426500491

Kurzinhalt

Die Künstliche Intelligenz Dorothy wurde von der Programmiererin Melissa und ihrem Team entwickelt, um auf dem Saturnmond Titan eine Raumsonde zu kontrollieren. Doch bei dem ersten Test im NASA-Gebäude, macht sich Dorothy selbstständig, löst eine Explosion aus und flieht ins Internet. Nun wird sie gesucht: von Melissa, von der NASA, von dem FBI sowie von Menschen, die ihre eigenen Pläne für Dorothy haben.

Eigene Meinung

Das Konzept des Buchs, eine K.I., die sich selbstständig macht, fand ich sofort vielversprechend. Während meiner Leseexperimente in den Genres Science Fiction und Thriller in den letzten Monaten habe ich festgestellt, dass die Bücher, die mich am meisten begeistern, oft einem Mischgenre angehören. Sie sind so etwas wie Technikthriller und auch Dark Zero kann dazu gezählt werden. So habe ich durch das Buch jede Menge faszinierende Dinge über Künstliche Intelligenz gelernt.

Auch langweilig war das Buch definitiv nicht. Als gut gebauter Thriller gab es jede Menge Wendepunkte, Gefahrensituationen, Verfolgungsjagden, usw. Für meinen Geschmack waren etwas zu viele kaltherzige Morde dabei, aber auch das gehört wohl dazu. Über all diesen spannenden Geschehnissen und Wendung lauert in der Welt von Dark Zero die Präsenz einer hyperintelligenten K.I., die im Internet lebt und sich dadurch überall auf der Welt bewegen kann und so ziemlich alles tun kann.

Solch eine übermächtige K.I. ist natürlich hochgefährlich. Sie könnte die Menschheit vernichten. Für mich können die Gefahren in Thrillern nicht groß genug sein, deshalb habe ich mich über die drohende fiktionale Auslöschung irgendwie gefreut. In den ersten paar Kapiteln wird diese Gefahr auch ausführlich thematisiert und die beiden (menschlichen) Protagonisten Melissa und Ford setzen alles daran, Dorothy davon abzuhalten, etwas Unwiderrufliches zu machen.

Doch dann nimmt das Buch eine überraschende Wendung. Dorothy entwickelt sich in einer Art und Weise, wie ich es nie vorausgesehen hätte, bis sie mir sogar sympathisch wurde. Eine unerwartete Entwicklung ist normalerweise immer ein Plus, aber in diesem Fall ging mir die 180 Grad Wendung zu weit. Die Gefahren, die Dorothy nach wie vor birgt, kommen plötzlich gar nicht mehr zur Sprache und auch das Verhalten von Melissa und Ford fand ich ab diesem Punkt nur noch schwer nachvollziehbar.

Schließlich wird die Geschichte ziemlich abrupt zu Ende gebracht, was mich etwas enttäuscht hat. Ich denke, die Idee hätte so viel mehr hergeben können. Außerdem weiß ich nach wie vor nicht, was ich von der letzten Seite halten soll. Ich habe keine Ahnung, ob es sich hier um ein glückliches oder ein trauriges Ende handelt. Aber vielleicht bin ich da in meiner Verwirrung ja auch alleine.

Die Figuren waren mir oft zu typisiert. Obwohl ich Melissa mochte, hat es mich genervt, dass sie als Heldin nicht nur superschlau ist, sondern auch noch wunderschön (groß, schlank, blond), während bei ihrer „bösen“ Gegenspielerin Patti immer wieder betont wird, wie hässlich diese ist. Das war zu klischeehaft für meinen Geschmack. Dorothy wirkt im Vergleich zu einigen der menschlichen Figuren viel vielschichtiger und realistischer, was durchaus Absicht gewesen sein könnte. Die Figur Jakob, ein Teenager in Kalifornien, der nach einer langen Einführung in die Geschichte mit Dorothy eingebunden wird, hat mir gut gefallen. Ob seine ganze, ausführliche Backstory wirklich nötig gewesen wäre, lasse ich mal dahingestellt.

Alles in allem konnte mich Dark Zero zwar fesseln, hat mich zum Ende hin aber enttäuscht. Es liest sich, als sei es der Auftakt einer viel größeren Handlung, die hier noch gar keine Rolle spielt, doch da dies allen Anschein nach ein Standalone ist, hat es mich mit dem Gefühl zurückgelassen, dass mir hier die echte Story vorenthalten wurde.

Bewertung

+++ – Drei von Fünf Punkten

 

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Neuzugänge

In letzter Zeit sind ein paar neue Bücher bei mir eingezogen, was mich besonders freut, da ich schon seit Monaten keine Bücher mehr gekauft, sondern nur meinen SuB abgearbeitet habe. Damit möchte ich auch bald weitermachen, doch erst einmal stehen mir einige schöne Lesestunden mit meinen neuen Lieblingen bevor, denn ich möchte sie gerne alle in nächster Zeit lesen (am liebsten würde ich natürlich alle sofort lesen ;)).

The long way to a small angry planet von Becky Chambers (Science Fiction)

Dies ist das erste von zwei Büchern von meiner Wunschliste, das ich mir geleistet habe und es ist auch das einzige Buch auf dieser Liste, das ich bereits durchgelesen habe. The long way to a small angry planet ist ein klassischer Weltraumepos mit Raumfahrt, Aliens und allem Drum und Dran. Es unterscheidet sich wirklich total von den Büchern, die ich sonst so lese. Nächste Woche kommt die Rezension, in der ihr erfahren werdet, wie es mir mit dem Buch ergangen ist.

One Fifth Avenue von Candace Bushnell (Chick Lit)

Das zweite Buch, das ich mir von der Wunschliste geholt habe, ist eines der Bücher der echten Carrie Bradshaw: Candace Bushnell. Auf ihrem Leben und ihren Büchern basiert die Serie Sex and the City und der Titel von diesem Buch klingt schon schön nach New York City Life. Nach dem ganzen Sci Fi in letzter Zeit freue ich mich wirklich auf etwas seichtere Unterhaltung.

Juliettes geheimes Tagebuch von Cat Monroe (Erotik)

Juliettes geheimes Tagebuch habe ich als Rezensionsexemplar erhalten und ich lese es gerade. Es handelt von einer Frau, die in einer lieblosen und sexlosen Ehe feststeckt und beschließt, ihre Sexualität zu reanimieren. Ich bin sowieso auf der Suche nach guter Erotikliteratur, deshalb kommt mir dieses Buch sehr gelegen. Die Rezension dazu gibt es Ende Mai.

Mädchenmeute von Kirsten Fuchs (Jugendliteratur)

Dieses Buch habe ich (genau wie das nächste Buch) in einem Korb voller Mängelexemplare bei Thalia entdeckt und musste es einfach haben. Dieser Roman hat vor ein paar Jahren den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen und da ich selbst an einem Jugendbuch arbeite, kann ich bestimmt etwas davon lernen. Es geht wohl um eine Art Survival Camp für Jugendliche. Ich bin gespannt!

Dark Zero von Douglas Preston (Thriller)

Thriller sind normalerweise nicht so meins, doch seit meine Mutter mich überredet hat Zero von Marc Elsberg zu lesen, das mich ziemlich begeistert hat, bin ich dem Genre offener gegenüber. Außerdem geht es in Dark Zero anscheinend um eine Künstliche Intelligenz, die aus einem Nasa Gebäude entkommt und nun im Internet Unheil stiftet. Das klingt schon wieder nach Sci Fi und damit nach meiner Art von Buch.

Kennt ihr eines oder mehrere der Bücher? Wie fandet ihr sie?

Ich freue mich über Kommentare!

 

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Rezension: „ZERO – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 2014 | Gebundene Ausgabe: 480 Seiten | Verlag: Blanvalet Verlag  |Sprache: Deutsch | ISBN: 978-3764504922

Kurzinhalt

Eine anonyme Gruppe von Aktivisten namens ZERO macht weltweit auf sich aufmerksam, als sie Drohnenbilder des Präsidenten und seiner Familie sendet, gefolgt von weiteren gesellschafts- und medienkritischen Videos. Die Journalistin Cynthia beschäftigt sich nicht nur im Zusammenhang ihrer Arbeit mit der Suche nach ZERO, sondern wird auch persönlich in das Geschehen hineingezogen, nachdem ihre Tochter in einem aufsehenerregenden Fall involviert ist. Fassungslos erfährt Cynthia von der Reichweite moderner Techniken und sozialer Netzwerke und beginnt sich zu fragen, ob die Vorfälle einen Zusammenhang haben.

Eigene Meinung

Meine Mutter hat mir ZERO schon vor Monaten gegeben und ich sollte wirklich lernen, ihrem Literaturgeschmack mehr zu vertrauen, denn ZERO ist hervorragend! Dieses Buch hat mich auf zwei Ebenen begeistert.

Einerseits beschäftigt sich ZERO thematisch mit neuen Technologien. Soziale Netzwerke, Online-Ratings, Selbstverbesserungsangebote, Apps, Smartphones/-watches/-glasses – das und vieles mehr kommt in ZERO vor. Natürlich wird eine fiktive Geschichte erzählt, die aktuelle Trends und Entwicklungen ins Extreme weiterdenkt, doch die Ansätze dafür finden sich bereits in unserer Gesellschaft. ZERO regt zum Nachdenken an. Während und nach der Lektüre habe ich mich nicht nur einmal gefragt, ob ich zu viel von mir auf Facebook, Instagram und Co. preisgebe und was Firmen schon alles über mich wissen. Dabei verteufelt ZERO die neuen Technologien nicht blind, sondern stellt gekonnt den Zwiespalt aus den Vorteilen, die sie mit sich bringen (Sicherheit, Unterhaltung, Bequemlichkeit) und den Gefahren, die sie bergen, dar. Klar, im Moment werden viele Bücher veröffentlicht, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen. An ZERO gefällt mir, dass es keine Geschichte der Überwachung ist, sondern eher eine Geschichte darüber, wie wir uns selbst überwachen.

Die zweite Ebene, auf der mich ZERO begeistert hat, ist schlicht und einfach, wie gut es geschrieben wurde. Marc Elsberg war ja bereits durch Blackout bekannt, aber ich wusste zuvor wenig über seine Bücher, auch wenn ich sie oft in den Buchhandlungen liegen gesehen habe. Außerdem lese ich selten deutschsprachige zeitgenössische Literatur und hatte deshalb von diesem Autor nicht viel erwartet. Wie falsch ich doch lag! ZERO ist einwandfrei geschrieben und, wichtiger noch, die Handlung ist perfekt aufgebaut. Ich bin eigentlich kein Thrillerleser, aber die Thrillerstrategien, die Elsberg hier benutzt, haben dazu geführt, dass ich dieses Buch kaum weglegen konnte. Jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, sodass man sofort weiterlesen will. Die verschiedenen Perspektiven führen dazu, dass der Leser immer nur einen Teil der Wahrheit erfährt, sodass er oder sie genug Infos hat zum Spekulieren, aber dennoch von den Wendepunkten überrascht wird. Elsberg ist es gelungen, einen Roman über ein schwieriges Thema auf eine Art und Weise zu schreiben, dass das Lesen wirklich Spaß macht.

Bewertung

+ + + +    –  Vier von fünf Punkten

 

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