Rezension: Last Call at the Nightshade Lounge von Paul Krueger

Genre: Urban Fantasy | Erscheinungsjahr: 2016 | Taschenbuch: 288 Seiten | Verlag: Quirk Books |Originalsprache: Englisch (bisher keine deutsche Übersetzung erhältlich) | ISBN: 978-1594747595

Kurzinhalt

Bailey hat ihren College Abschluss in der Tasche, kann aber keine Arbeit finden, weshalb sie wieder bei ihren Eltern wohnt und als Aushilfe in der Nightshade Lounge arbeitet – ein Job, den ihr ihr alter Schulfreund Zane verschafft hat. Bald stellt sie allerdings fest, dass es beim Barkeepen nicht nur darum geht, Drinks zu mixen, sondern dass das Bekämpfen von Monstern ebenfalls zum Jobumfang gehört.

Eigene Meinung

Es hat mir so viel Spaß bereitet, dieses Buch zu lesen, denn es ist zuallererst pure Unterhaltung der besten Sorte. Es geht um Barkeeper, die Monster bekämpfen, indem sie Cocktails mixen, die ihnen Superkräfte verleihen. Ich habe schon lange nicht mehr so ein verrücktes, aber auch reizvolles Konzept für ein Buch gehört. Und auch bei der Umsetzung hapert es nicht. Last Call at the Nightshade Lounge ist lustig, spannend, überraschend und fesselnd. Es gibt sogar ein paar Wendepunkte, die ich absolut nicht erwartet habe. Dieses Buch hat mir ein paar wundervolle Lesestunden beschert, die mich von meinem stressigen Alltag abgelenkt haben.

Ich habe schon lange kein Fantasy Buch gelesen, denn obwohl manche meiner Lieblingsbücher aus diesem Genre stammen, tue ich mir mit Fantasy oft ziemlich schwer. High Fantasy ist zum Beispiel gar nicht mein Ding. Deshalb habe ich mich umso mehr darüber gefreut, dass ich Last Call at the Nightshade Lounge so genossen habe, denn es hat mir dieses Genre wieder nähergebracht. Dieses Buch hat alles, was ich an Fantasy liebe: Es ist ein bisschen verrückt und abgedreht, indem es mit dem Gedanken spielt, was wohl alles in den Straßen von Großstädten schlummert, von dem wir normalen Leute keine Ahnung haben. Doch gleichzeitig zeigt es realistische Figuren in ganz gewöhnlichen Situationen, die Probleme haben und Beziehungen führen und sich Sorgen machen und all das tun, was jeder von uns kennt.

Denn abgesehen von den Fantasy-Elementen, die ich vor allem in der Form der Superkräfte verleihenden Cocktails ziemlich cool fand, hat mir besonders die Protagonistin und ihre Lebenssituation gefallen. Als jemand, der selbst gerade seinen Uniabschluss hinter sich hat und nun ziemlich orientierungslos herumirrt, konnte ich mich absolut in Bailey wiederfinden und ihre Überforderung mit dem Erwachsensein nachvollziehen. Auch die verzwickten Beziehungsgeflechte, die in dem Buch gezeigt werden, kamen mir echt vor.

Ein weiteres Plus ist, dass Last Call at the Nightshade Lounge ein wundervoll modernes Buch ist (es geht u.a. um eine App, die Songs den Sound von Schallplatten verleiht) und auch sehr divers, was die Figuren betrifft. Die Protagonistin ist Chinesin. Außerdem ist eine andere Figur (der lustig-lockerere Kanadier Bucket) transsexuell und es gibt ebenfalls einen blinden Barkeeper/Held. Sowohl bei den Nationalitäten, als auch bei den Sexualitäten sowie der Darstellung von Menschen mit Behinderungen wird Wert auf Vielfalt gelegt. Dabei werden diese facettenreichen Figuren wunderbar in die Geschichte eingebaut. Baileys Nationalität, Buckets Sexualität und Neros Blindheit werden mitsamt den Vorurteilen, die damit einhergehen, explizit thematisiert, ohne dass dabei zu dick aufgetragen wird. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass wir in einer vielfältigen Gesellschaft leben, während dies gleichzeitig als alltäglich dargestellt wird (was es ja auch ist).

Alles in allem hat mir Last Call at the Nightshade Lounge also wirklich gut gefallen, sowohl aufgrund der Fantasy-Elemente, als auch der Real Life Probleme und der vielfältigen Figuren. Mein einziger (winziger) Kritikpunkt wäre, dass der Autor es sich (und den Figuren) am Ende etwas zu leicht gemacht hat, aber eigentlich stört mich das nicht besonders. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der eine originelle Urban Fantasy Geschichte lesen will, die am Puls der Zeit ist.

Bewertung

++++ – Vier von Fünf Punkten

 

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

 

Advertisements

Rezension: Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität von Dave Eggers

Genre: Autobiografischer Roman | Erscheinungsjahr: 2000 | Taschenbuch: 544 Seiten | Verlag: KiWi  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3462036299

Kurzinhalt

Dave ist 21 Jahre alt, als seine Eltern kurz hintereinander an Krebs sterben. Sein Studium und seine Lebensplanung werden plötzlich über den Haufen geschmissen, als er zum Ersatzvater und Vormund seines siebenjährigen Bruders Toph wird. Die beiden ziehen von Chicago ins sonnige Kalifornien und meistern ihr ungewöhnliches Leben mit Witz und Spielereien.

Eigene Meinung

Ich habe dieses Buch vor Jahren von jemandem auf Lovely Books zugeschickt bekommen, da ich Dave Eggers Roman Der Circle hochgelobt habe. Seitdem lag es in der hintersten Ecke meines Bücherregals, bis ich es einer spontanen Eingebung folgend für die #DasSuBAbc Challenge hervorgegraben habe. Ich bin absolut unvorbereitet in die Lektüre gegangen und dann hat mich dieses Buch völlig unerwartet von der ersten Seite an begeistert.

Es beginnt mit einem 49 Seiten langen Vorwort. Normalerweise hasse ich Vorworte und lese diese nie, aber ich habe schnell gemerkt, dass dieses Vorwort zur Geschichte dazugehört. Also habe ich es mit Vergnügen gelesen: Es erzählt von den Themen sowie all den Fehlern des Buchs, es nennt die echten Namen der Figuren und führt die gestrichenen Szenen auf – all das mit einer Ironie, bei der ich nicht wusste, ob ich lachen oder beeindruckt sein soll.

Genau das zeichnet das komplette Buch aus. Das merkt man bereits bei dem Genre: ein autobiografischer Roman. Der Untertitel lautet sogar: „Eine wahre Geschichte“. Doch wie wahr ist diese Geschichte wirklich? Laut Wikipedia stimmen zumindest die groben Ereignisse in Dave Eggers Leben, doch die Szenen und Dialoge scheinen meistens vollkommen fiktionalisiert zu sein, was der Erzähler auch immer wieder thematisiert. Figuren, wie der kleine Toph, fallen plötzlich völlig aus der Rolle und beginnen, über die moralische Verfassung des Erzählers zu philosophieren, bis dieser sogar zugibt, dass diese Figur (z.B. Toph mit dem Wortschatz eines Kindes) so etwas nie gesagt hat und nie sagen würde.

Ich fand das absolut faszinierend. Dave Eggers geht so kreativ mit seiner eigenen Biografie um, dass er den Lesern vor Augen führt, wie fragil diese ist, wie sehr wir uns unsere Lebensgeschichten selbst erschaffen. Der Titel sagt ja schon alles: Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität. Natürlich schwingt schon hier eine gehörige Portion Ironie mit, aber andererseits ist der Titel zutreffend. Das Buch ist wirklich herzzerreißend und genial. Und ich denke, der Autor weiß das.

Der Erzähler, eine inszenierte Version des Autors Dave Eggers, hat es mir wirklich angetan. Er ist nicht gerade sympathisch. Er ist selbstverliebt, größenwahnsinnig und selbstmitleidig. Doch er ist all das mit einer Leichtigkeit, die mich an das Buch gefesselt hat. Ich wollte einfach, dass er nie aufhört zu erzählen, denn seine Stimme war so unterhaltend.

Ich habe oft laut aufgelacht. Gleichzeitig habe ich mich gefragt, ob es okay ist, darüber zu lachen, denn die Themen, die das Buch behandelt, könnten nicht trauriger sein: Krebs, der Tod der Eltern, der Tod im Allgemeinen, häusliche Gewalt, Selbstmord. Zwischen all den Witzen und lustigen Anekdoten tauchen plötzlich grausame Lebensweisheiten auf. So hat mir das Buch auch ab und zu Tränen in die Augen getrieben.

Es fällt mir schwer, diesen autobiografischen Roman von Dave Eggers zu beschreiben. Es handelt sich um sein Debüt, das zu einem Bestseller wurde. Dieses Buch ist meilenweit von Der Circle entfernt. Für mich war das Lesen von Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität ein absolutes Erlebnis und Lesehighlight! Der Plot ist chaotisch, der Stil wirr, die Erzählart wechselt ständig, die Figuren fallen aus ihren Rollen. Aber trotzdem liebe ich das Buch, denn all das funktioniert letztlich irgendwie hervorragend. Zumindest habe ich das so empfunden.

Nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich denke, entweder man kann sich darauf einlassen und wird total mitgerissen (so wie es mir erging) oder aber man kann gar nichts damit anfangen. Außerdem muss ich erwähnen, dass schwierige Themen sehr unsensibel behandelt werden. Vor allem bei dem Thema Selbstmord kann ich mir vorstellen, dass sich Menschen, die Berührungspunkte damit in ihre Leben haben, angegriffen fühlen. Doch mich hat das Buch begeistert, wie schon lange kein Buch mehr, und ich werde mit Sicherheit noch mehr Bücher von Dave Eggers lesen (zum Beispiel jedes einzelne Buch, das er je veröffentlicht hat ;)).

Bewertung

++++ – Vier von Fünf Punkten

Kennt ihr Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität? Wie hat es euch gefallen? Könnt ihr mir andere Bücher von Dave Eggers empfehlen?

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

Rezension: Dark Zero von Douglas Preston

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2015 | Taschenbuch: 480 Seiten | Verlag: Knaur  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3426500491

Kurzinhalt

Die Künstliche Intelligenz Dorothy wurde von der Programmiererin Melissa und ihrem Team entwickelt, um auf dem Saturnmond Titan eine Raumsonde zu kontrollieren. Doch bei dem ersten Test im NASA-Gebäude, macht sich Dorothy selbstständig, löst eine Explosion aus und flieht ins Internet. Nun wird sie gesucht: von Melissa, von der NASA, von dem FBI sowie von Menschen, die ihre eigenen Pläne für Dorothy haben.

Eigene Meinung

Das Konzept des Buchs, eine K.I., die sich selbstständig macht, fand ich sofort vielversprechend. Während meiner Leseexperimente in den Genres Science Fiction und Thriller in den letzten Monaten habe ich festgestellt, dass die Bücher, die mich am meisten begeistern, oft einem Mischgenre angehören. Sie sind so etwas wie Technikthriller und auch Dark Zero kann dazu gezählt werden. So habe ich durch das Buch jede Menge faszinierende Dinge über Künstliche Intelligenz gelernt.

Auch langweilig war das Buch definitiv nicht. Als gut gebauter Thriller gab es jede Menge Wendepunkte, Gefahrensituationen, Verfolgungsjagden, usw. Für meinen Geschmack waren etwas zu viele kaltherzige Morde dabei, aber auch das gehört wohl dazu. Über all diesen spannenden Geschehnissen und Wendung lauert in der Welt von Dark Zero die Präsenz einer hyperintelligenten K.I., die im Internet lebt und sich dadurch überall auf der Welt bewegen kann und so ziemlich alles tun kann.

Solch eine übermächtige K.I. ist natürlich hochgefährlich. Sie könnte die Menschheit vernichten. Für mich können die Gefahren in Thrillern nicht groß genug sein, deshalb habe ich mich über die drohende fiktionale Auslöschung irgendwie gefreut. In den ersten paar Kapiteln wird diese Gefahr auch ausführlich thematisiert und die beiden (menschlichen) Protagonisten Melissa und Ford setzen alles daran, Dorothy davon abzuhalten, etwas Unwiderrufliches zu machen.

Doch dann nimmt das Buch eine überraschende Wendung. Dorothy entwickelt sich in einer Art und Weise, wie ich es nie vorausgesehen hätte, bis sie mir sogar sympathisch wurde. Eine unerwartete Entwicklung ist normalerweise immer ein Plus, aber in diesem Fall ging mir die 180 Grad Wendung zu weit. Die Gefahren, die Dorothy nach wie vor birgt, kommen plötzlich gar nicht mehr zur Sprache und auch das Verhalten von Melissa und Ford fand ich ab diesem Punkt nur noch schwer nachvollziehbar.

Schließlich wird die Geschichte ziemlich abrupt zu Ende gebracht, was mich etwas enttäuscht hat. Ich denke, die Idee hätte so viel mehr hergeben können. Außerdem weiß ich nach wie vor nicht, was ich von der letzten Seite halten soll. Ich habe keine Ahnung, ob es sich hier um ein glückliches oder ein trauriges Ende handelt. Aber vielleicht bin ich da in meiner Verwirrung ja auch alleine.

Die Figuren waren mir oft zu typisiert. Obwohl ich Melissa mochte, hat es mich genervt, dass sie als Heldin nicht nur superschlau ist, sondern auch noch wunderschön (groß, schlank, blond), während bei ihrer „bösen“ Gegenspielerin Patti immer wieder betont wird, wie hässlich diese ist. Das war zu klischeehaft für meinen Geschmack. Dorothy wirkt im Vergleich zu einigen der menschlichen Figuren viel vielschichtiger und realistischer, was durchaus Absicht gewesen sein könnte. Die Figur Jakob, ein Teenager in Kalifornien, der nach einer langen Einführung in die Geschichte mit Dorothy eingebunden wird, hat mir gut gefallen. Ob seine ganze, ausführliche Backstory wirklich nötig gewesen wäre, lasse ich mal dahingestellt.

Alles in allem konnte mich Dark Zero zwar fesseln, hat mich zum Ende hin aber enttäuscht. Es liest sich, als sei es der Auftakt einer viel größeren Handlung, die hier noch gar keine Rolle spielt, doch da dies allen Anschein nach ein Standalone ist, hat es mich mit dem Gefühl zurückgelassen, dass mir hier die echte Story vorenthalten wurde.

Bewertung

+++ – Drei von Fünf Punkten

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

Rezension: Juliettes geheimes Tagebuch von Cat Monroe

Genre: Erotik | Erscheinungsjahr: 2018 | Taschenbuch: 402 Seiten | Verlag: moments  |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3962320225

Ich habe Juliettes geheimes Tagebuch als Rezensionsexemplar erhalten.

Kurzinhalt

Juliette ist verheiratet, doch ihr Mann ist immer auf der Arbeit, hat vermutlich eine Affäre und nimmt Juliette nur noch als brave Hausfrau anstatt als Objekt der Begierde wahr. Deshalb beschließt sie, sich nicht mehr mit ihrer unerträglichen Lebenssituation zufriedenzugeben, sondern sich von anderen Männern zu holen, was ihr Ehemann ihr vorenthält. So stürzt sie sich in Affären und sexuelle Abenteuer. Doch dabei kommt immer wieder die Frage auf: Was ist mit der Liebe?

Eigene Meinung

Als ich begonnen habe, das Buch zu lesen, habe ich beschlossen, den ganzen Ehebruch-Plot einfach hinzunehmen, obwohl ich wirklich nicht gerade der größte Fremdgehen-Fan bin. Das hat auch hervorragend geklappt und wurde unterstützt dadurch, dass einerseits Juliettes Mann absolut unausstehlich ist und andererseits so ziemlich jeder in diesem Buch fremdgeht, womit Juliettes Verhalten relativiert wird.

Im Prinzip geht es in Juliettes geheimes Tagebuch nicht um eine gescheiterte Ehe, sondern um eine Frau, die aus ihrer Höhle kriecht und sich endlich nimmt, was sie will und braucht. Es geht um Frauen (Juliette und ihre Freundinnen), die ihre Sexualität ausleben und sich damit von allen Klischees und Stigmas verabschieden. Das hat mir sehr gut gefallen.

All das ist schön und gut, doch einen Erotikroman sollte man letztlich vor allem danach bewerten, wie erotisch er ist. Und ich muss sagen: Juliettes geheimes Tagebuch ist wirklich verdammt erotisch! Es gibt sehr viele, deutlich beschriebene Sexszenen, die nichts mit 0815-Sex zu tun haben (denn wer will schon über 0815-Sex lesen?). Manche sind etwas härter, also nicht unbedingt etwas für schwache Gemüter. Doch Erotikliteratur ist ja auch dazu da, sich an all den Fantasien zu erfreuen, die einem vielleicht ein bisschen zu extrem sind, um sie im wahren Leben umzusetzen. Mit dem Erotik-Aspekt konnte mich das Buch überzeugen, denn ich fand die große Mehrheit der Szenen wirklich sexy und anregend.

Trotzdem muss ich erwähnen, dass eine von Juliettes Affären so gar nicht mein Fall war. Ich verstehe, dass Erotikliteratur Tabus bricht und normalerweise finde ich das auch sehr reizvoll. Aber dieses besondere Tabu ist für mich einfach überhaupt nicht erotisch, sondern sogar ein bisschen unangenehm, weshalb ich die entsprechenden Sexszenen übersprungen habe. Ich möchte nicht verraten, worum es sich handelt, denn ich denke, das Buch macht mehr Spaß, wenn die Leser noch nicht wissen, mit wem Juliette was treiben wird, aber falls ihr es schon gelesen habt, können wir uns gerne mal darüber unterhalten. Dieser Handlungsstrang war einfach nicht mein Ding. Glücklicherweise verschwindet die entsprechende Figur nach einer Weile wieder aus dem Buch.

Davon abgesehen hat mir das Buch wirklich Spaß bereitet. Juliettes Männer sind allesamt extrem heiß (gut gebaut und gut bestückt), während sie sich charakterlich stark unterscheiden. Auch Juliettes Suche nach Liebe habe ich gerne mitverfolgt und natürlich spekuliert, in wen sie sich verlieben könnte. (Mein Verdacht hat sich übrigens als total falsch entpuppt.) Die Tagebuchform ließ sich schnell und einfach lesen und es hat mich dazu inspiriert, in mein eigenes Tagebuch zu schreiben.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

Rezension: The Long Way to a Small, Angry Planet von Becky Chambers

Genre: Science Fiction | Deutsche Ausgabe: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten | Erscheinungsjahr: 2016 | Taschenbuch: 544 Seiten | Verlag: Fischer TOR  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3596035687

Kurzinhalt

Rosemary ist das neueste Mitglied der Crew des Wayfarer Raumschiffes. Die Aufgabe des Wayfarer und seines Teams ist es, Wurmlöcher im Weltraum zu schaffen und so die verschiedenen Spezies des Universums miteinander zu verbinden. Nun soll eine neue Spezies, die Toremi, in die universelle Gemeinschaft aufgenommen werden, weshalb die Wayfarer Crew den Auftrag erhält, in ein weit entferntes und sehr gefährliches Gebiet zu reisen. Unterwegs müssen sie allerdings viele Hindernisse und Umwege in Kauf nehmen.

Ich habe gerade herausgefunden, dass es zwei weitere Bücher gibt, die in demselben Universum spielen: A Closed and Common Orbit verfolgt die weitere Reise der künstlichen Intelligenz Lovey und Record of a Spaceborn Few wirft einen Blick auf diejenigen Menschen, die unser Sonnensystem verlassen haben. The Long Way to a Small, Angry Planet funktioniert aber auch hervorragend als Stand-Alone.

Eigene Meinung

Durch Der Marsianer bin ich auf den Geschmack von Science Fiction Literatur gekommen, sodass ich gleich in dem Genre weitergelesen habe. The Long Way to a Small, Angry Planet ist allerdings erheblich SciFi-lastiger als die Bücher von Andy Weir. Die Handlung setzt viele Jahrhunderte, nachdem die Menschen die Erde verlassen haben, ein. Mittlerweile gibt es eine universelle Weltengemeinschaft. Die Crew der Wayfarer besteht aus verschiedenen Spezies, darunter Menschen, aber auch Lebewesen, die sich in ihrem Aussehen, ihren Körperfunktionen und ihrer Lebensweise deutlich von uns unterscheiden.

The Long Way to a Small, Angry Planet ist das erste Weltraumepos, das ich je gelesen habe und ich muss zugeben, dass es mir oft etwas zu viel war. Es ist mir schwergefallen, mir die nichtmenschlichen Figuren vorzustellen und ich konnte mich deshalb nur bedingt in sie hineinversetzen. Ich denke aber, dass das ein Problem ist, dass umso kleiner wird, desto mehr Science Fiction Bücher ich lese.

Die Dynamik des Teams hat mir sehr gut gefallen. Die Figuren haben unterschiedlich intensive und auch intime Beziehungen miteinander, doch auch wenn es manche gibt, die nicht wirklich miteinander klarkommen, empfinden sie alle ihre Crew als ihre Familie. Das Konzept der erwählten Familie aus Freunden und Liebhabern finde ich immer sehr schön und auch hier hat es mir ab und zu ein paar Tränen der Rührung in die Augen getrieben.

Der Plot selbst konnte mich leider weniger überzeugen. Der Hauptplot (die Reise zu dem Weltraumgebiet der kriegerischen Toremi und die Durchführung des Auftrags) wird nach einer langen Exposition begonnen, dann aber sehr lange wieder beiseitegelegt, bis er schließlich in den letzten drei Kapiteln etwas überhastet abgeschlossen wird.

Zwischen dem Start- und Endpunkt der Haupthandlung finden sich sehr viele Nebenhandlungen, die in den meisten Fällen wenig mit der Hauptstory zu tun haben. Ich habe versucht mitzuzählen und dabei mehr als zehn untergeordnete Handlungsstränge gefunden. Von diesen werden zwei am Ende des Buchs zufriedenstellend abgeschlossen, alle anderen werden bloß angerissen und spielen während der restlichen Handlung keine Rolle mehr. Manche dieser Wendungen sind für die Figuren vollkommen lebensverändernd, weshalb ich es kaum nachvollziehen kann, dass sie so plötzlich wieder fallengelassen werden. Die meisten der Nebenplots fand ich wirklich spannend, doch leider gehen sie im Gewusel der nebeneinander stattfindenden Geschichten unter.

Trotzdem möchte ich die Struktur des Buchs nicht verteufeln. Ich verstehe durchaus, was die Autorin hier erreichen wollte: Es ging ihr weniger darum, eine zusammenhängende, dramatisch zugespitzte Geschichte zu erzählen, sondern mehr darum, so viele verschiedene Lebewesen und Gesellschaften mit ihren Probleme und Besonderheiten vorzustellen wie möglich, um aufzuzeigen, wie eine hoch entwickelte und eng vernetzte Weltengemeinschaft aussehen könnte. Obwohl ich das interessant fand, hätte mir das Buch mehr Spaß bereitet, wenn es sich auf wenige Plots konzentriert und diese richtig ausgearbeitet und weitergedacht hätte. Auch finde ich, dass sich manche der Nebenhandlungen eher als Hauptplot geeignet hätten als der eigentliche Haupthandlungsstrang.

Ich möchte nichts spoilern, aber falls ihr das Buch bereits gelesen habt, würde ich mich freuen, mich mit euch über die besten Handlungsstränge in The Long Way to a Small, Angry Planet auszutauschen.
Was war eure Lieblingsgeschichte in dem Buch und wie fandet ihr es insgesamt?
Könnt ihr mir andere Science Fiction Bücher empfehlen?
Ich freue mich über Meinungen und Anregungen in den Kommentaren!

Bewertung

+++ – Drei von fünf Punkten

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

Rezension: Der Marsianer von Andy Weir

Genre: Science Fiction  | Erscheinungsjahr: 2015 | Taschenbuch: 512 Seiten | Verlag: Heyne Verlag  |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3453316911

Kurzinhalt

Der Astronaut Mark Watney ist auf einer Marsexpedition. Als ein Sandsturm ausbricht, wird er weggeschleudert und verletzt. Da seine Crewmitglieder ihn für tot halten, verlassen sie den Planeten ohne ihn. Mark Watney ist nun der einzige Mensch auf dem Mars. Er muss einen Weg finden, um zu überleben.

Eigene Meinung

Ich habe ein Interview mit Andy Weir gelesen, in dem er sagte, dass er nie wieder ein so gutes Buch wie Der Marsianer schreiben wird. Das fand ich ein bisschen übertrieben, aber jetzt da ich das Buch endlich gelesen habe (zuvor habe ich von dem Autor bereits Artemis gelesen), glaube ich es ihm aufs Wort. Denn das Buch ist wirklich verdammt gut. So gut, dass es für mich fraglich ist, ob überhaupt irgendjemand jemals wieder etwas schreiben wird, was damit mithalten kann.

Für Leute wie mich, die relativ neu im Science Fiction Genre sind, ist Der Marsianer perfekt, denn es erzählt eine sensationelle Geschichte auf eine Art und Weise, die sie völlig realistisch erscheinen lässt. Ein Teil des Reizes liegt wohl auch darin, dass Marsexpeditionen tatsächlich schon in Planung sind und die Handlung deshalb plausibel ist.

Bevor ich das Buch gelesen habe, hatte ich bereits den Film gesehen, ich wusste also, wie es ausgeht. Trotzdem konnte mich Der Marsianer vollkommen fesseln, mitreißen und begeistern. Was mich am meisten überrascht hat, waren die vielen verschiedenen Perspektiven und Medien, die benutzt werden. Nach fünf Kapiteln in Form des Logbuchs von Mark Watney hatte ich mich bereits darauf eingestellt, dass das komplette Buch so aufgebaut sein wird. Doch dann gab es plötzlich jede Menge Perspektivwechsel und viele verschiedene Stile. Neben den Logeinträgen und den Berichten mit herkömmlicher Perspektivierung in der dritten Person kamen auch Chats und Emails vor sowie sogar ein Abschnitt, der aus der Sicht einer Raumsonde geschrieben wurde. So etwas habe ich wirklich noch nie gelesen. Dabei haben diese vielen Erzählweisen die Spannung gesteigert, denn oft hatte ich beim Lesen eine dunkle Vorahnung, weil durch die Perspektivwechsel Dinge angedeutet wurden, von denen der Protagonist noch nichts wusste.

Ich denke, all diese kreativen Erzähltechniken kommen bei Der Marsianer so gut zur Geltung, weil das Konzept der Geschichte simpel ist: Ein Mann ist alleine auf einem Planeten gestrandet und muss überleben. Faszinierend finde ich, dass es in dem Buch keine Bösewichte gibt. Es gibt nur den Protagonisten sowie ein paar sekundäre Figuren, die ihm alle helfen wollen. Das klingt wie ein langweiliger Ausgangspunkt, aber es funktioniert hervorragend, woran sicher nicht zuletzt die Perspektiv- und Medienwechsel schuld sind.

Trotzdem geht es in Der Marsianer letztlich das ganze Buch lang nur um einen einzigen Mann auf einem einsamen Planeten. Dass ich das Buch als Leserin trotzdem kaum zur Seite legen konnte (es hat mich wortwörtlich um den Schlaf gebracht, weil es so spannend war), lag sicherlich auch an seinem Protagonisten. Mark Watney schafft es, selbst die komplexesten Sachverhalte so zu beschreiben, dass es Spaß macht, mehr darüber zu erfahren. Außerdem ist sein Humor einfach unübertrefflich. Ich habe so oft beim Lesen laut aufgelacht.

Mark Watney ist der ultimative Held. Er ist in einer schrecklichen Situation, doch er verliert kein einziges Mal die Hoffnung. Selbst wenn wieder und wieder etwas schiefgeht, gibt er nicht auf, sondern beißt die Zähne zusammen und beginnt von vorne. Er löst ein Problem nach dem anderen und verliert dabei nie seinen Humor. Nun mag man meinen, dass so eine perfekte Figur unrealistisch ist. Aber erstens werden Astronauten tatsächlich nicht nur nach ihren fachlichen Kenntnissen ausgewählt, sondern zu einem großen Teil auch nach ihrer Persönlichkeit, sodass jemand, der so unerschütterlich ist wie Mark Watney, eher einen solchen Job innehaben würde. Zweitens gibt es genug zwielichtige Leute im wahren Leben sowie mittlerweile in den meisten Büchern, Filmen und Serien. Da fand ich es erfrischend und inspirierend, mal über einen echten Helden zu lesen.

Der Marsianer ist das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe und ich möchte es jedem ans Herz legen. Ein bisschen Interesse an der Raumfahrt und dem Mars muss man wohl schon mitbringen, doch das Buch macht auch Leuten Spaß, die so wie ich wenig Ahnung davon haben. Deshalb: Bitte lest dieses Buch! Falls nicht, dann schaut zumindest den Film, der ist nämlich auch ziemlich gut.

Bewertung

+++++ – Fünf von fünf Punkten

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

Rezension: To Kill A Mockingbird von Harper Lee

Genre: American Classic | Erscheinungsjahr: 1960 |Deutsche Übersetzung: Wer die Nachtigall stört | Taschenbuch: 448 Seiten | Verlag: Rowohlt  |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3499217548

Kurzinhalt

To Kill A Mockingbird erzählt die Geschichte einer Kindheit im Alabama der 1930er Jahre. Die beiden Geschwister Scout und Jem verbringen regelmäßig die Sommerferien mit ihrem Freund Dill. Dabei lernen sie auch ihre Nachbarn gut kennen. Nur die Familie Radley lässt sich selten blicken und vor allem über den Sohn mit dem Spitznamen Boo gibt es viele Legenden und Gerüchte. Als Scout und Jems Vater, der Anwalt Atticus, den Auftrag erhält, einen schwarzen Mann vor Gericht zu verteidigen, brechen die Kämpfe der Erwachsenen in die Lebenswelt der Kinder ein.

Eigene Meinung

Dieses Buch hat mich definitiv positiv überrascht. Ich hatte vor Jahren mal die ersten paar Seiten gelesen und dann aufgegeben. Seitdem liegt es auf meinem SuB rum. Nun habe ich ihm für die #DasSuBabc Challenge doch noch einmal eine Chance gegeben und ich bin so froh über diese Entscheidung! Letzten Endes gibt es doch immer einen Grund, weshalb Bücher zu Klassikern wurden. Hier ist es der hervorragende Umgang mit dem Thema des Rassismus.

Rassismus wird in To Kill A Mockingbird als etwas vorgestellt, das für die Südstaaten-Gesellschaft der 30er zum Alltag gehört und kaum hinterfragt wird. Mit dem Fall eines schwarzen Mannes, der der Vergewaltigung eines weißen Mädchens bezichtigt wird, erhält der Rassismus in der Geschichte Eingang in die Justiz. Der Vater Atticus hält zwar stur an der Hoffnung fest, dass die Freiheit der Justiz den Vorurteilen der Menschen überlegen ist, doch weiß er auch, dass seine Aufgabe als Pflichtverteidiger nicht einfach sein wird, da der Rassismus so tief in seiner Gesellschaft verankert ist.

Die einzigen Figuren, die das rassistische Denken der Bevölkerung nicht nachvollziehen können, sind die Kinder. Hier wird schön gezeigt, wie unerklärlich das Phänomen Rassismus im Prinzip ist. Deshalb war die Entscheidung, die Leser die Geschichte durch die Augen der kleinen Scout sehen zu lassen, definitiv die Richtige! Scouts Unwissen und Unverdorbenheit in dieser Sache sind teilweise wirklich rührend. Den Rassismus aus einer kindlichen Perspektive mitzuerleben, ließ ihn letztlich noch grausamer erscheinen. Leider konnte ich vieles, das in dem Buch beschrieben wurde, in unserer heutigen Gesellschaft wiedererkennen, ganz besonders die Darstellung des amerikanischen Gerichtssystems. Deshalb ist To Kill A Mockingbird heute so aktuell wie eh und je.

Die beiden Kinder Scout und Jem habe ich schnell ins Herz geschlossen. Mit dem Vater Atticus – der aufrichtige Held, der stets alles im Namen der Gerechtigkeit tut – hatte ich allerdings manchmal meine Probleme. Ich verstehe, dass es für die Geschichte wichtig ist, dass Scout und Jem solch ein Vorbild haben, doch persönlich hätte ich Atticus nicht gerne als Vater. Er tut immer das Richtige, auch wenn das bedeutet, seine eigenen Kinder in Gefahr zu bringen.

Der Grund, weshalb ich das Buch damals nach ein paar Seiten abgebrochen habe, ist, dass am Anfang wenig passiert. Und das bleibt auch so für ganze 100 Seiten. Wir lernen die Figuren und die Gesellschaft kennen. Aber als dann endlich der Hauptplot, die Gerichtsverhandlung, begann, konnte ich das Buch plötzlich gar nicht mehr zur Seite legen. Ich kann versprechen, dass es sich auf jeden Fall lohnt weiterzulesen, denn die Geschichte wird noch richtig spannend und aufregend. Außerdem war ich beeindruckt, wie am Ende mehrere Plots, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hatten, elegant zusammengeführt wurden. Erst nach dem Lesen ist mir aufgefallen, dass ich vieles schon hätte voraussehen können, wenn ich die ersten 100 Seiten ein bisschen aufmerksamer gelesen hätte. Insgesamt hat mir das Buch deshalb sehr gut gefallen. Es ist eine einwandfrei konstruierte Geschichte über ein schwieriges Thema.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

Rezension: Artemis von Andy Weir

Genre: Science Fiction | Erscheinungsjahr: 2018 | Taschenbuch: 432 Seiten | Verlag: Heyne Verlag  |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3453271678

Kurzinhalt

Artemis ist die erste und einzige Stadt auf dem Mond. Dort lebt Jazz, ein Botenmädchen, das sich nebenbei Geld mit illegalen Schmugglerdiensten verdient. Ein reicher Geschäftsmann heuert sie an, einen durch und durch verbotenen und auch gefährlichen Auftrag auszuführen. Sie nimmt an, ohne zu wissen, dass der Auftrag sie in ein Gewebe aus Machenschaften und Problemen stürzen wird, aus denen es unmöglich scheint, sich wieder herauszuwinden.

Eigene Meinung

Ich bin ein riesen Fan des Films Der Marsianer und des Autors des gleichnamigen Buchs, Andy Weir. Als nun sein neues Buch erschien, habe ich gleich zugeschlagen. Ich habe das Buch in Englisch gelesen, in Deutschland erscheint die Übersetzung erst morgen (5. März). Meine Erwartungen waren ziemlich hoch und das obwohl ich ansonsten nur selten Science Fiction lese. Mit Artemis habe ich mich auch noch gleich an ein technisch extrem detailliertes Werk gewagt, denn die naturwissenschaftlichen Gegebenheiten des Mondes wie auch die Technik des Schweißens spielen eine große Rolle.

Bei Letzterem ist es mir manchmal etwas schwer gefallen zu folgen, doch meistens habe ich mich schon zurechtfinden können. Ersteres war hingegen das Beste an dem Buch. Andy Weir beschreibt das Leben auf dem Mond, so wie es tatsächlich aussehen würde. Das war absolut faszinierend mitzuerleben. Der komplette Science Fiction Teil von Artemis war großartig – da merkt man, dass hier ein Autor am Werk ist, der sich wirklich auskennt.

Was mich hingegen weniger überzeugt hat, waren die persönlichen Beziehungen, die in Artemis präsentiert werden. Ich verstehe, wieso es einen Ausgleich zur reinen Science Fiction Handlung geben muss, doch leider fand ich die Beziehungen der Protagonistin, Jazz, oft klischeehaft und schwer nachvollziehbar.

Was mich an dem Buch aber am meisten störte, war Jazz‘ Backstory, die in eingestreuten alten Emails, die sie und ihre Brieffreund auf der Erde sich jahrelang hin- und herschickten, erzählt wird. In den ersten zwei Dritteln des Buchs endet jedes Kapitel mit solchen Mails, was ich als extrem störend empfand, weil es aus der spannenden Haupthandlung herausreißt. Ich bin sowieso kein Fan von Flashbacks. In diesem Fall haben sie mich sogar noch mehr geärgert, weil die Informationen, die sie vermitteln, entweder vollkommen irrelevant für die Haupthandlung waren oder aber in einem kurzen Abschnitt erklärt hätten werden können, ohne eine komplette ermüdende Mailkorrespondenz dafür zu bauen. Für mich haben diese Flashbacks das Buch leider wirklich ein bisschen ruiniert. Zum Glück gab es im letzten Drittel von Artemis keine Flashbacks mehr, sodass zumindest das Ende mich total fesseln und begeistern konnte.

Interessant ist außerdem, dass in Artemis ein männlicher Autor aus der Perspektive einer weiblichen Protagonistin schreibt. Teilweise war mir Jazz ein bisschen zu sarkastisch und selbstzerstörerisch, doch alles in allem habe ich ihrer Erzählstimme gerne zugehört. Ich mochte, dass Jazz nicht die übliche naive weibliche Heldin ist, die nur so durch das Geschehen stolpert, sondern extrem intelligent und durchdacht in gefährlichen Situationen. In diesem Sinne war Jazz für mich, trotz ihrer fragwürdigen Lebensentscheidungen, durchaus eine Figur, zu der ich aufschauen kann. Außerdem hat mich ihre zynische Art das ein oder andere Mal zum Lachen gebracht, was die komplizierte Thematik des Buchs aufgelockert hat.

Trotzdem kann ich Artemis leider nur eine mittlere Wertung geben. Die Science Fiction und Actionteile waren hervorragend, doch die Darstellung der Beziehungen der Figuren untereinander und vor allem die nervigen Flashbacks im Mail-Format haben die Spannung zerstört.

Bewertung

+++  Drei von fünf Punkten

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

Rezension: She von Thomas Karsten

Fotobuch | Erscheinungsjahr: 2006 | Gebundene Ausgabe: 240 Seiten | Verlag: konkursbuch Verlag  |Sprache: Deutsch + Englisch (bilingual) | ISBN: 978-3887693459

Kurzinhalt

She ist ein Bildband voller Aktfotografien, die Thomas Karsten über Jahre hinweg von seiner Freundin Sarah machte – teils alleine, teils mit anderen Frauen, manchmal noch leicht bekleidet, manchmal komplett nackt. Die Fotos werden von Interviews mit den beiden Beteiligten (Fotograf und Modell) begleitet, in denen sie die Entwicklung ihrer Liebesgeschichte erzählen.

Ich habe dieses Buch im Rahmen der SuBventur Challenge #DasSuBabc gelesen in der Kategorie: W – Lies ein Buch mit weniger als 500 Seiten (aber mindestens 100).

Eigene Meinung

Einen Fotoband zu besprechen, ist natürlich etwas anderes, als einen Roman zu rezensieren. Aber ganz so unterschiedlich ist es dann doch nicht, denn obwohl das Buch wenige Wörter beinhaltet, erzählt es trotzdem eine Geschichte – und das ist auch, was mich an She am meisten begeistert hat. Die beiden Interviews stehen zu Beginn des Buchs. Darin erzählen Thomas Karsten und Sarah im Gespräch mit der Verlegerin, wie sie sich kennenlernten und ineinander verliebten, wie sie eine Zeit lang ihr Leben miteinander teilten und wie die Beziehung schließlich begann zu zerbröckeln. Die Gespräche sind wundervoll ehrlich und beleuchten die guten und schlechten Seiten von Beziehungen, die sicher viele der Leser selbst schon einmal erlebt haben.

Durch das Buch hindurch finden sich dann auch Zitate aus den Interviews direkt neben den Fotos platziert, sodass die Leser gar nicht drum herum kommen, als das eine auf das andere zu beziehen. Das erzeugt teils ein wirklich berührendes Zusammenspiel von Bild und Text, das mir oft das Gefühl gab, in der erzählten und fotografierten Situation mit dabei zu sein. Text und Bild gemeinsam können eben eine Illusion von Authentizität erschaffen, die eins der beiden Medien alleine so nicht hinbekommt. Das hat mir das ein oder andere Mal eine wahre Gänsehaut über den Rücken gejagt.

Was die Aktfotografien an sich betrifft, kenne ich mich nicht gut genug aus, um auf die technischen Details einzugehen, doch selbst ich als Hobbyfotografin kann sehen, dass hier ein professioneller Fotograf am Werk war. Beim Betrachten der Bilder habe ich definitiv die Verbundenheit zwischen Fotograf und Modell gespürt und die ist letzten Endes auch, was mir in Erinnerung geblieben ist.

Davon abgesehen will ich anmerken, dass das Layout einfach super ist. Die Fotos sind in Schwarzweiß gehalten, wovon ich persönlich nicht der größte Fan bin, doch das Layout des Buchs bringt einen schönen, hellen Blauton ein und die Platzierung der Bilder und Zitate trägt zum Fluss der Geschichte bei.

Anmerkung

Auf die Bewertung verzichte ich hier mal, da es schwer ist, ein Fotobuch mit den Romanen, die ich sonst lese, zu vergleichen. Außerdem will ich darauf hinweisen, dass ich ein Volontariat bei dem konkursbuch Verlag, in dem She erschienen ist, gemacht habe und das Buch geschenkt bekommen habe. Das Buch war allerdings ein Abschiedsgeschenk und kein Rezensionsexemplar.

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

Rezension: „ZERO – Sie wissen, was du tust“ von Marc Elsberg

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 2014 | Gebundene Ausgabe: 480 Seiten | Verlag: Blanvalet Verlag  |Sprache: Deutsch | ISBN: 978-3764504922

Kurzinhalt

Eine anonyme Gruppe von Aktivisten namens ZERO macht weltweit auf sich aufmerksam, als sie Drohnenbilder des Präsidenten und seiner Familie sendet, gefolgt von weiteren gesellschafts- und medienkritischen Videos. Die Journalistin Cynthia beschäftigt sich nicht nur im Zusammenhang ihrer Arbeit mit der Suche nach ZERO, sondern wird auch persönlich in das Geschehen hineingezogen, nachdem ihre Tochter in einem aufsehenerregenden Fall involviert ist. Fassungslos erfährt Cynthia von der Reichweite moderner Techniken und sozialer Netzwerke und beginnt sich zu fragen, ob die Vorfälle einen Zusammenhang haben.

Eigene Meinung

Meine Mutter hat mir ZERO schon vor Monaten gegeben und ich sollte wirklich lernen, ihrem Literaturgeschmack mehr zu vertrauen, denn ZERO ist hervorragend! Dieses Buch hat mich auf zwei Ebenen begeistert.

Einerseits beschäftigt sich ZERO thematisch mit neuen Technologien. Soziale Netzwerke, Online-Ratings, Selbstverbesserungsangebote, Apps, Smartphones/-watches/-glasses – das und vieles mehr kommt in ZERO vor. Natürlich wird eine fiktive Geschichte erzählt, die aktuelle Trends und Entwicklungen ins Extreme weiterdenkt, doch die Ansätze dafür finden sich bereits in unserer Gesellschaft. ZERO regt zum Nachdenken an. Während und nach der Lektüre habe ich mich nicht nur einmal gefragt, ob ich zu viel von mir auf Facebook, Instagram und Co. preisgebe und was Firmen schon alles über mich wissen. Dabei verteufelt ZERO die neuen Technologien nicht blind, sondern stellt gekonnt den Zwiespalt aus den Vorteilen, die sie mit sich bringen (Sicherheit, Unterhaltung, Bequemlichkeit) und den Gefahren, die sie bergen, dar. Klar, im Moment werden viele Bücher veröffentlicht, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen. An ZERO gefällt mir, dass es keine Geschichte der Überwachung ist, sondern eher eine Geschichte darüber, wie wir uns selbst überwachen.

Die zweite Ebene, auf der mich ZERO begeistert hat, ist schlicht und einfach, wie gut es geschrieben wurde. Marc Elsberg war ja bereits durch Blackout bekannt, aber ich wusste zuvor wenig über seine Bücher, auch wenn ich sie oft in den Buchhandlungen liegen gesehen habe. Außerdem lese ich selten deutschsprachige zeitgenössische Literatur und hatte deshalb von diesem Autor nicht viel erwartet. Wie falsch ich doch lag! ZERO ist einwandfrei geschrieben und, wichtiger noch, die Handlung ist perfekt aufgebaut. Ich bin eigentlich kein Thrillerleser, aber die Thrillerstrategien, die Elsberg hier benutzt, haben dazu geführt, dass ich dieses Buch kaum weglegen konnte. Jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, sodass man sofort weiterlesen will. Die verschiedenen Perspektiven führen dazu, dass der Leser immer nur einen Teil der Wahrheit erfährt, sodass er oder sie genug Infos hat zum Spekulieren, aber dennoch von den Wendepunkten überrascht wird. Elsberg ist es gelungen, einen Roman über ein schwieriges Thema auf eine Art und Weise zu schreiben, dass das Lesen wirklich Spaß macht.

Bewertung

+ + + +    –  Vier von fünf Punkten

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.