Rezension: An Absolutely Remarkable Thing von Hank Green

Genre: Science Fiction | Erscheinungsjahr: 2018 | Hardcover: 352 Seiten | Verlag: Trapeze |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-1473224186 | Deutsche Ausgabe: Ein wirklich erstaunliches Ding Ende Februar 2019 bei dtv

Kurzinhalt

Eines Nachts entdeckt April May auf dem Heimweg von der Arbeit eine gigantische Roboterstatue mitten in Manhattan. Zusammen mit ihrem besten Freund Andy dreht sie einen kurzen Film, in dem sie der Welt diese Entdeckung vorstellt. Diese spontane Aktion hat Konsequenzen von einem Ausmaß, das sich April nie hätte erträumen können. Über Nacht wird sie weltberühmt, denn mindestens 60 identische Statuen von Carl, wie April die Kreatur nennt, sind über den ganzen Planeten verteilt aus dem Nichts aufgetaucht. Außerdem ist Carl alles andere als ein lebloses Kunstwerk. Schnell stürzen die Carls die ganze Welt in Chaos und Aufregung.

Eigene Meinung

Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll, dieses Buch zu beschreiben. Denn in An Absolutely Remarkable Thing hat es Hank Green geschafft, viele der wichtigsten Menschheitsthemen unserer Zeit auf gerade mal 352 Seiten darzustellen und zu erkunden. Ruhm, Social Media, Filterblasen, Xenophobie, Bisexualität, Marketing, Kunst und so vieles mehr spielt in dem Buch eine Rolle. Eine der deutlichsten Eindrücke, die ich beim Lesen hatte, war dass An Absolutely Remarkable Thing wirklich am Puls der Zeit ist.

Ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen. Die Art und Weise, wie Hank Green die Menschheit im 21. Jahrhundert porträtiert, ist teilweise erschütternd akkurat und teilweise wundervoll optimistisch. An Abolutely Remarkable Thing ist Science Fiction, doch obwohl ich ein Fan der riesigen transformerartigen Kreaturen mit dem Namen Carl war, habe ich schnell festgestellt, dass es weniger um diese neue Entwicklung geht und mehr darum, wie die Menschheit darauf reagiert. Es ist ein wichtiges Buch mit einer herzerwärmenden Botschaft: All die sensationellen Errungenschaften und Veränderungen, die uns bevorstehen, können wir nur bewältigen, wenn wir auf globaler Ebene zusammenhalten und zusammenarbeiten. Ich kann mir kaum eine Message vorstellen, die wir als Weltgemeinschaft im Moment mehr bräuchten als diese.

Wenn ich nun all die vielen Aspekte, die mich an dem Buch fasziniert haben, durchgehen würde, würde dieser Post endlos werden. Deshalb will ich mich auf ein paar Worte über das Hauptthema des Plots beschränken: Ruhm. An Absolutely Remarkable Thing erzählt davon, wie Ruhm funktioniert und was er mit einem Menschen macht. Dabei gibt es einige regelrecht analytische Stellen wie zum Beispiel die Auflistung der fünf Stufen des Ruhms, die zeigen, dass sich Hank Green wirklich tiefgehend mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Er ist mit seinen erfolgreichen YouTube Channels und einem megaerfolgreichen Jugendbuchautor als Bruder auch kein Neuling des Ruhms (er ordnet sich selbst der dritten Stufe „Working Class Fame“ zu, die er wie folgt beschreibt: „You might still have to hustle to make a living, but your fame is your job. You’ll probably trend on Twitter if you die.“). Deshalb habe ich beim Lesen dieser Geschichte über Ruhm sowas wie ein Metaerlebnis gehabt. Kennt ihr das, dass ihr manchmal das Gefühl habt, ihr kennt gewisse YouTuber persönlich, weil sie euch regelmäßig Einblicke in ihr Leben geben? Aber andererseits müsst ihr einsehen, dass die YouTuber keine Ahnung haben, wer ihr seid? So ging es mir beim Lesen von An Absolutely Remarkable Thing. Ich bin schon lange ein Fan von Hank Green und beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, das Werk von einem guten Freund in den Händen zu halten, bevor mir schlagartig bewusst wurde: Ich kenne diesen Menschen doch gar nicht. Ruhm ist schon eine seltsame Sache – das wurde mir beim Lesen gleich auf mehreren Ebenen bewusst.

Ich muss zugeben, dass ich ein paar Seiten brauchte, um mich an den sehr umgangssprachlichen Stil zu gewöhnen, doch dann hat er mir außerordentlich gut gefallen. Auch mit den Figuren konnte ich mich schnell anfreunden. Die Protagonistin April wird wohl gerne von Lesern kritisiert, weil sie nicht gerade die beste Freundin ist und teilweise egoistisch oder irrational handelt. Aber für mich war das kein Problem. Menschen sind nun mal nicht perfekt – das zeigt das Buch überdeutlich an so vielen Stellen. Tatsächlich fand ich sogar, dass April sich selbst ein bisschen zu schlecht sieht. Oft erzählt sie, was für ein schlechter Mensch sie ist und dass wir (die imaginäre Leserschaft) sie hassen werden, aber so schlimm fand ich sie gar nicht und gehasst habe ich sie sicher nicht. Klar, sie macht Fehler, aber wer macht das nicht?

Außerdem wird Aprils Charakterschwäche mehr als ausgeglichen von ihren großartigen Freunden: ihre Freundin Maya, die auf April aufpasst, wenn diese mal wieder dämliche Entscheidungen trifft, Miranda, die supersmarte und süße Biologin, Robbie, der loyale Assistent, und natürlich Andy. In Andy, den treuen, kreativen, mutigen, herzlichen besten Freund, habe ich mich fast ein bisschen verliebt. Mehrmals habe ich mir gewünscht, Teil dieser Freundesgruppe zu sein.

An Absolutely Remarkable Thing war (bisher) auf jeden Fall mein Jahreshighlight. Ich habe dem Buch monatelang entgegengefiebert und ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Das Buch hat mich auf eine positive Art und Weise total mitgenommen. Ich denke immer noch ständig darüber nach. Es hat das Potential, die Welt zum Besseren zu wandeln, wenn wir uns als Leser darauf einlassen. Denn Hank Green versucht gar nicht erst, seine politischen Überzeugungen zu verbergen. Viel mehr strahlen sie einem regelrecht entgegen. Ich denke, vielleicht ist An Absolutely Remarkable Thing genau deshalb eines der mutigsten und wichtigsten Bücher unserer Zeit – und außerdem jede Menge Spaß!

Bewertung

Fünf von fünf Punkten

 

Wer hat das Buch schon gelesen? Lasst mir gerne eure Gedanken dazu da! Oder habt ihr vor, die deutsche Übersetzung nächstes Jahr zu lesen?

 

 

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Rezension: Die Illuminae Akten_01 von Amie Kaufmann und Jay Kristoff

Genre: Science Fiction | Erscheinungsjahr: 2017 | Hardcover: 608 Seiten | Verlag: dtv |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3423761833

Kurzinhalt

Der Planet Kerenza wird angegriffen. Die Überlebenden fliehen auf einer Flotte bestehend aus drei Raumschiffen. Doch Sicherheit ist noch immer weit entfernt, denn die Schiffe haben viel Schaden genommen, ihre Verfolger sind ihnen auf den Fersen und auch innerhalb der Flotte gibt es Geheimnisse und Gefahren. Letzteren versuchen die jugendliche Hackerin Kady und ihr Ex-Freund Ezra auf die Spur zu kommen.

Eigene Meinung

Was ein Buch! Der Plot lässt die Leser kaum zu Atem kommen, weshalb ich dieses Buch regelrecht verschlungen habe. Nicht nur sieht die Ausgangssituation schon ziemlich mies aus (eine Flotte auf der Flucht durch die endlosen Weiten des Weltalls), sondern dann geschehen auch noch eine Katastrophe nach der anderen. Ich will nicht im Detail verraten, was so alles passiert, doch ihr könnt euch darauf verlassen, dass es euch beim Lesen von Illuminae nie langweilig wird. Das allein würde reichen, um mich von dem Buch zu begeistern, denn für mich ist der Plot immer noch das Entscheidende an einer Geschichte.

Noch spannender wird dieser aber präsentiert durch das ausgefallene Format des Buchs, denn es handelt sich, wie der Name schon sagt, um eine Ansammlung von Akten. Es gibt also keine herkömmliche Erzählung, sondern chronologisch aneinander geheftete Mails, Chatverläufe, Berichte der Kameraüberwachung u.v.m. Ich liebe ja außergewöhnliche Layouts, deshalb war es für mich bereits Freude pur durch das Buch zu blättern, denn es ist extrem cool gestaltet. Außerdem führt dieses Format dazu, dass das Buch schnell und einfach zu lesen ist.

Die Protagonistin Kady war mir sofort sympathisch, weil sie nicht die typische jugendliche Hauptfigur ist, die irgendwie in den Plot stolpert, sondern sie mischt sich bewusst und aus Eigeninitiative ein. Sie ist eine begabte Hackerin und hat außerdem eine ausgeprägte Abneigung gegen Geheimniskrämerei. Außerdem gibt es noch Kadys Ex-Freund Ezra, der auf einem anderen Schiff der Flotte ist und dort zum Piloten ausgebildet wird. Ezra ist ein relativ gewöhnlicher Junge (Typ: der Sportstar der Schule), der in einer ungewöhnlichen Situation versucht zu überleben. Auch die Liebesgeschichte der beiden fand ich zur Abwechslung mal überhaupt nicht abgeschmackt, sondern süß und realistisch, was daran liegt, dass sich die Protagonisten schon lange kennen und deshalb eine Vertrautheit zwischen ihnen herrscht, als auch daran, dass die Lovestory dezent gehalten ist und hinter dem Sci Fi Plot zurücktritt. So soll es sein meiner Meinung nach.

Außerdem muss ich noch die KI AIDAN, die die Flotte steuert, erwähnen. Ein Großteil der Akten stammt aus Aidans Kern, sodass wir gerade zum Ende des Buches hin das Meiste aus seiner Sicht erleben. Das Dilemma, indem sich AIDAN und die vielen Menschen, die von ihm abhängig sind, befinden, fand ich extrem spannend. Die Teile aus AIDANs Sicht hätten meinetwegen etwas kürzer ausfallen können, aber ich will mich nicht an Kleinigkeiten aufhängen.

Illuminae zu lesen war wirklich ein Erlebnis! Als Leser wird man von einem Plottwist zum nächsten geschmissen. Dabei hat sich kaum etwas so entwickelt, wie ich erwartet hatte und trotzdem wurde mir am Ende alles gegeben, was ich wollte, wenn auch auf eine ungewöhnliche Art und Weise. Deshalb habe ich Illuminae geliebt und mich oft den ganzen Tag lang darauf gefreut, es am Abend weiterlesen zu können: Es ist wirklich originell.

Kleine Anmerkung zu der Punktevergabe: Ich tue mir immer schwer damit, fünf Punkte zu vergeben. Das einzige Buch, dem ich bisher fünf Punkte gegeben habe, ist Der Marsianer von Andy Weir. Nun messe ich alles an Der Marsianer und da kann einfach nichts mithalten. Auch Illuminae ist nicht so gut wie Der Marsianer – einfach aus dem Grund, dass es winzige Probleme hat (zum Beispiel ähnelt sich der Humor der meisten Figuren einen Tick zu sehr), während Der Marsianer für mich perfekt war. Trotzdem war Illuminae viel besser als alle Vier-Punkte-Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, weshalb ich mich entschlossen habe, ihm auch fünf Punkte zu geben. Allen Sci Fi Fans kann ich dieses Buch von Herzen empfehlen!

Bewertung

+++ – Fünf von fünf Punkten

Wie hat euch Illuminae gefallen? Habt ihr schon Teil 2 und 3 gelesen? Die stehen mir noch bevor, aber ich freue mich riesig darauf! Könnt ihr mir andere Bücher empfehlen, die entweder aus dem Genre Science Fiction sind oder ein interessantes Format haben? Ich freue mich über Anregungen in den Kommentaren!

 

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Rezension zweier Bücher über Algorithmen: Now von Stephan Meier und Qualityland von Marc-Uwe Kling

Now. Du bestimmst, wer überlebt von Stephan Meier

Thriller | Erscheinungsjahr: 2017 | Taschenbuch: 432 Seiten | Verlag: Penguin |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3328100492

Kurzinhalt

Die Welt ist voller Klimakatastrophen, Krisen, Armut und Hoffnungslosigkeit. Aus diesem Grund erschaffen Bill und Mitch den Algorithmus Now, der ausrechnen soll, wie die Menschheit ihrem Untergang entgehen und die Welt gerettet werden kann. Nows Lösung ist radikal. In einer rasenden Geschwindigkeit übernimmt Now alle Lebensbereiche und kreiert perfekte Zonen, die den Auserwählten das bestmögliche Leben bieten, während der Rest der Welt ausgeschlossen wird.

Eigene Meinung

Die Erzählung setzt irgendwann in der Zukunft ein, als Now bereits die Herrschaft ergriffen hat. Die Handlung auf der anderen Seite setzt (viel später im Buch) im Jahre 2026 ein. Die Leser stolpern durch Szenen in einer Zukunft, in der unsere jetzige Welt kaum noch zu erkennen ist, über Szenen, die vor der Übernahme von Now stattfinden und in denen die dargestellte Welt unserer noch erschreckend ähnelt, bis zu Szenen im Now.

Diesen Aufbau fand ich anfangs ein bisschen anstrengend, doch nachdem ich mich darauf eingelassen habe, habe ich erkannt, dass er durchaus sinnvoll ist. Denn gleich zu Beginn werden die Leser mit der abgefahrenen Zukunft gelockt, bevor sie sich erst einmal durch hunderte Seiten von Backstory kämpfen müssen – und das zurecht. Denn die Backstory ist essentiell, um zu verstehen und in einem gewissen Maße nachvollziehen zu können, wie es zu Now kommen konnte.

Das Bild, das Now von der Zukunft unserer Welt zeichnet, ist wirklich sehr düster. Im Prinzip ist die Idee, dass die Erde nicht überleben wird, wenn wir weiterleben wie jetzt. Da ist mit Sicherheit etwas Wahres dran. Die Konsequenz, die Now daraus zieht, ist natürlich sehr extrem, aber für eine Maschine irgendwie verständlich.

All das wird in Now wirklich hervorragend erklärt. Gerade durch die vielen Kapitel, die die Backstory und die technischen Grundlagen betreffen, blicken auch Leser, die wenig Ahnung von Technik haben (so wie ich), gut durch. Diese Genauigkeit, die das Buch teilweise sogar eher wie ein Lehrbuch erscheinen lässt (ganz besonders in ein paar Kapiteln, die eine Talkshow umfassen), war meiner Meinung nach die größte Stärke von Now. Man merkt, dass der Autor sich wirklich mit seinem Themengebiet auskennt.

Die Figuren haben sich für mich etwas distanziert angefühlt. Ich habe nicht wirklich mit ihnen mitgefiebert, sondern habe eher Now und seinen Folgen entgegengefiebert. Aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Denn obwohl es in Now auch um Liebe und Familie geht, um Vertrauen und Verrat, tritt all das in den Hintergrund im Vergleich zum Überleben der Menschheit.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zum Genre. Now wird als Thriller verkauft, was in dem Sinne stimmt, da die ganze Welt bedroht ist. Doch wer sich nun Spannung pur vorstellt, wird enttäuscht werden. Tatsächlich liest sich Now mehr wie eine Gesellschaftsanalyse als ein Thriller. Höchsten zum Ende hin wird es ein bisschen spannend.

Ich fand sowohl die Beschreibungen von Eden (der perfekten Lebenszone) als auch die von all den Gebieten, die ausgeschlossen wurden und in denen nun apokalyptische Zustände herrschen, extrem faszinierend. Now schafft eine außergewöhnliche Vision, bei der die Leser selbst die Arbeit leisten müssen, sie zu hinterfragen. Denn Now ist nicht die böse KI, die die Weltherrschaft übernehmen will – ganz im Gegenteil.

Das Ende (und damit meine ich wirklich die letzten paar Sätze) habe ich ehrlich gesagt nicht so richtig verstanden. Also falls ihr das Buch schon gelesen habt, können wir uns gerne darüber austauschen! Alles in allem war Now aber ein sehr originelles und gut durchdachtes Buch!

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

Qualityland von Marc-Uwe Kling

Roman | Erscheinungsjahr: 2017 | Hardcover: 384 Seiten | Verlag: Ullstein |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3550050152

Kurzinhalt

Deutschland gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Das Chaos, dass diese Nation ersetzt hat, wurde beendet von einer neuen Nation: Qualityland. In Qualityland tragen alle Leute als Nachnahmen den Beruf ihrer Mutter oder ihres Vaters. Sie haben digitale Assistenten und sind immer mit ihrem Qualitypad online. Die Algorithmen wissen, welche Produkte die Menschen sich wann wünschen und diese werden ihnen automatisch zugeschickt. Als der Protagonist, Peter Arbeitsloser, eines Tages einen Delfinvibrator zugeschickt bekommt, beginnt er, das System zu hinterfragen.

Eigene Meinung

Ich rezensiere Now und Qualityland in einem gemeinsamen Post, weil sich beide Bücher mit Algorithmen auseinandersetzen, dabei aber in komplett unterschiedliche Richtungen gehen. Während Now den Konsumkapitalismus quasi über Nacht abschafft, dreht sich in Qualityland das ganze Leben nur noch um den Konsum.

Meine Mutter, die mir das Buch ausgeliehen hat, tat das mit der Anmerkung, dass sie das Buch deprimiert habe, weil es sie zu sehr an unsere echte Welt erinnert habe. Denn auch für uns entscheiden ja schon die Algorithmen, welche Meldungen wir in den Sozialen Medien und welche Werbungen wir im Internet zu sehen bekommen. Es ist nur der logische nächste Schritt, dass uns die entsprechenden Produkte gleich zugeschickt werden.

Doch Qualityland geht noch weiter. Roboter haben viele Berufsbranchen komplett übernommen. Fake News und Rassismus haben einen Höhepunkt erreicht. Menschen sehen nur die Nachrichten, die zu ihrem Weltbild passen. Die Leute werden automatisch in Levels eingeteilt und diesen entsprechend behandelt. Und es geht weiter und weiter. Qualityland zeichnet ein überaus detailreiches und abstruses Gesellschaftsbild.

Trotzdem fand ich das Buch überhaupt nicht deprimierend. Ein Grund dafür ist natürlich, dass es witzig ist. Es lässt sich sehr schnell und einfach lesen. Und manche der Figuren haben auf jeden Fall ein Komikpotential. Ich sag nur: eine Android-Autorin mit Schreibblockade oder ein Sexroboter, der Liebeskummer hat. Einfach köstlich! Mir hat gefallen, dass die Maschinen hier nicht als Bösewichte dargestellt werden, sondern als Wesen, für die man Sympathie und Mitleid empfinden kann. Das Highlight in diesem Aspekt war für mich definitiv der marxistische Präsidentschaftskandidat/Roboter John of Us.

Auch der Protagonist ist nachvollziehbar. Peter Arbeitsloser wird in die Rolle eines hoffnungslosen Mannes am unteren Rand der Gesellschaft gezwängt und beginnt als trauriges Kerlchen. Doch dann ergreift er zumindest teilweise Eigeninitiative und will nicht mehr der sein, für den die Algorithmen ihn halten.

Auch Qualityland befasst sich also mit den Algorithmen und der Digitalisierung der Welt. Doch es liest sich weniger wissenschaftlich, sondern unterhaltsamer als Now. Qualityland hat mir deshalb mehr Spaß gemacht zu lesen, während Now mich mehr zum Nachdenken gebracht hat. Letztlich sind beides gute Bücher, die ich jedem empfehlen kann, der in einer digitalisierten Welt lebt (also so ziemlich jeder).

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

Kennt ihr eines oder beide der Bücher? Wie ist eure Meinung darüber?
Das würde mich total interessieren!

 

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Zwei Jugendbuch Rezensionen: Mädchenmeute von Kirsten Fuchs und How To Be Bad von von Lauren Myracle, E. Lockhart und Sarah Mlynowski

Heute stelle ich euch gleich zwei Jugendbücher vor, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Mädchenmeute von Kirsten Fuchs

Erscheinungsjahr: 2016 | Taschenbuch: 464 Seiten | Verlag: Rohwolt | Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3499217586

Kurzinhalt:

Eine Gruppe von Mädchen findet sich zusammen, um an einem Survival Camp teilzunehmen. Doch schon am ersten Abend gerät die Situation außer Kontrolle, sodass die Jugendlichen beschließen, das Camp zu verlassen und stattdessen ihr eigenes Abenteuer zu erleben. Sie grenzen sich von dem Rest der Welt ab und werden dadurch zu Berühmtheiten.

Eigene Meinung:

Mädchenmeute hat den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen und ich habe mich darauf gefreut, dieses Buch zu lesen. Die Idee der Mädchengruppe, die abseits der Gesellschaft lernt, miteinander und mit der Natur zu leben, fand ich sehr reizvoll. Doch letztlich haben mich so viele Aspekte an diesem Buch gestört, dass ich nicht viel Freude daran hatte.

Gleich zu Beginn und auch immer wieder im Laufe des Buchs erhalten die Leser kleine Teaser und Vorausdeutungen auf die aufregenden Dinge, die noch geschehen werden. Diese Teaser und die Hoffnung auf eine spannende Handlung waren oft der einzige Grund, weshalb ich überhaupt weitergelesen habe. Doch dann waren die tatsächlichen Ereignisse irgendwie weniger aufregend, als ich mir gewünscht hatte. Es passiert sehr viel in diesem Buch und die Hauptstory der Mädchen wird mit vielen Wendepunkten und Überraschungen erzählt, was an sich gut wird. Doch in den letzten Kapiteln (als es dann endlich spannend wird, weil wir uns der Auflösung nähern) werden so viele Geschichten ineinander verwebt, dass es fast etwas zu viel war.

Aber die Handlung war meiner Meinung nach noch immer das Beste an Mädchenmeute. Was mich nicht überzeugen konnte, waren die Figuren. Die meisten der sieben Mädchen waren absolut unsympathisch, wobei zwei sogar psychopathische Züge hatten. Unsympathische Figuren müssen nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, doch ich konnte das Handeln der Protagonistinnen einfach nicht nachvollziehen. Ich erkenne durchaus den Reiz von Freiheit und Abenteuer, doch danach fühlte es sich nicht einmal an, denn die Mädchen haben in diesem Buch selten Spaß, meistens streiten sie nur miteinander. Es gibt keine echten Freundschaften und es wird nie aufeinander eingegangen. Wieso sie sich das überhaupt antun, war für mich unverständlich.

Auch die Protagonistin hat mich gehörig genervt. Sie definiert sich selbst als jemand, der nie etwas sagt. Selbst wichtige Infos verschweigt sie, weil sie nicht sprechen möchte. Oder aber sie erzählt Ideen leise einer anderen, die dann den Lob dafür erhält, weil sie es an die Gruppe weitergibt. Die Protagonistin macht eine Entwicklung durch, im Laufe derer sie zwar lauter, aber meiner Meinung nach nicht sympathischer wird.

Was mich an Mädchenmeute aber am meisten gestört hat, war der Sprachstil. Metapher folgt auf Metapher und manche dieser Metaphern sind so weit hergeholt, dass ich sie mehrmals lesen musste, um zu verstehen. Es kamen auch ständig Ausdrucksweisen und Arten, etwas zu beschreiben, vor, die mir total fremd waren, sodass ich mich fast auf jeder Seite gefragt habe, was gemeint war. Die Erzählerin und die restlichen Mädchen sprechen allesamt wie meine Großeltern (sie haben auch Namen wie Freigunda und Rike), obwohl das Buch in der jetzigen Zeit spielt. Ich frage mich, ob das eine regionale Sache ist. Vielleicht sind diese ganzen Metaphern und Ausdrucksweisen ja vollkommen verständlich für Jugendliche aus den Dörfern in Nordostdeutschland, nur ich westdeutsches Vorstadtkind kenne sie einfach nicht. Der Stil war für mich der Hauptgrund, wieso ich mit den Figuren und der Story nie warmwerden konnte.

Ich gehe davon aus, dass es viele Fans von Mädchenmeute gibt, denn immerhin ist es ein (im wahrsten Sinne des Wortes) ausgezeichnetes Jugendbuch. Doch ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, dass sich dermaßen fremd angefühlt hat.

Bewertung:

++ – Zwei von fünf Punkten

 

How To Be Bad von von Lauren Myracle, E. Lockhart und Sarah Mlynowski

Erscheinungsjahr: 2008 – Neuauflage: 2015 | Taschenbuch: 352 Seiten | Verlag: Harper Teen | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-0062405685

Kurzinhalt:

Jesse, Vicky und Meg brechen zusammen auf einen Roadtrip nach Miami auf. Jede von ihnen nimmt ihre eigenen Sorgen mit auf den Weg, auch wenn die anderen Mädchen nichts davon wissen. Während der Reise erleben sie Abenteuer, stoßen auf Hindernisse und finden zueinander und zu sich selbst.

Eigene Meinung:

How To Be Bad ist ein wundervolles Sommerbuch, denn es handelt von einem Sommerroadtrip mit drei Teenagern. Es war definitiv Spaß, das Buch zu lesen, denn es geschehen so viele aufregende und verrückte Dinge, dass den Lesern nie langweilig wird und es immer spannend ist, herauszufinden, was im nächsten Kapitel passiert. Doch obwohl How To Be Bad ein sehr actionreiches Buch ist, erzählt es eigentlich eine Geschichte von Freundschaft, von Akzeptanz und Toleranz (bzw. das Fehlen dieser).

Sehr gut hat mir gefallen, dass die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven der drei Mädchen erzählt wird. Bei Büchern mit wechselnden Perspektiven beschwere ich mich oft, dass sich alle Erzähler irgendwie gleich anhören. Das ist hier nicht der Fall. Nicht nur haben Jesse, Vicky und Meg drei grundverschiedene Persönlichkeiten, als Leser merkt man das auch in ihre Ausdrucks- und Erzählweise. Ich gehe davon aus, dass jede der drei Autorinnen dieses Buchs eine Perspektive geschrieben hat, weshalb die Figuren tatsächlich wie drei unterschiedliche Menschen klingen.

Die Entwicklungsgeschichten der Mädchen haben mich allerdings nicht immer völlig überzeugen können. Am Ende wurde vor allem Jesses Geschichte so übereilt abgeschlossen, dass ich verzweifelt nach einem weiteren Kapitel gesucht habe (das es aber nicht gibt).

Außerdem ist da die Sache mit der Religion. Religion spielt nämlich eine zentrale Rolle in diesem Buch. Jesse ist überzeugte Christin, Meg Jüdin und Vicky Atheistin. Aus diesem Grund kommt es immer wieder zu Streits zwischen Jesse und Vicky. Jesse wird ziemlich klischeehaft als eine spießige Fanatikerin gezeichnet, die Partys nicht genießt, ihre Freundinnen davon abhalten will, Sex vor der Ehe zu haben, und versucht, anderen Leuten ihren Glauben aufzudrängen. Andererseits zeigt Vicky absolut kein Verständnis für Jesses Glauben, sondern provoziert sie absichtlich. Der religiöse Aspekt wird nicht unbedingt negativ dargestellt, doch es fehlt von allen Seiten an Toleranz und Verständnis. Die Behandlung dieses Themas an sich fand ich spannend, aber die Umsetzung war nicht optimal.

Trotzdem war How To Be Bad ein spaßiger, aufregender Sommerroman, den ich gerne gelesen habe.

Bewertung:

+++ – Drei von fünf Punkten

 

 

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Rezension: Last Call at the Nightshade Lounge von Paul Krueger

Genre: Urban Fantasy | Erscheinungsjahr: 2016 | Taschenbuch: 288 Seiten | Verlag: Quirk Books |Originalsprache: Englisch (bisher keine deutsche Übersetzung erhältlich) | ISBN: 978-1594747595

Kurzinhalt

Bailey hat ihren College Abschluss in der Tasche, kann aber keine Arbeit finden, weshalb sie wieder bei ihren Eltern wohnt und als Aushilfe in der Nightshade Lounge arbeitet – ein Job, den ihr ihr alter Schulfreund Zane verschafft hat. Bald stellt sie allerdings fest, dass es beim Barkeepen nicht nur darum geht, Drinks zu mixen, sondern dass das Bekämpfen von Monstern ebenfalls zum Jobumfang gehört.

Eigene Meinung

Es hat mir so viel Spaß bereitet, dieses Buch zu lesen, denn es ist zuallererst pure Unterhaltung der besten Sorte. Es geht um Barkeeper, die Monster bekämpfen, indem sie Cocktails mixen, die ihnen Superkräfte verleihen. Ich habe schon lange nicht mehr so ein verrücktes, aber auch reizvolles Konzept für ein Buch gehört. Und auch bei der Umsetzung hapert es nicht. Last Call at the Nightshade Lounge ist lustig, spannend, überraschend und fesselnd. Es gibt sogar ein paar Wendepunkte, die ich absolut nicht erwartet habe. Dieses Buch hat mir ein paar wundervolle Lesestunden beschert, die mich von meinem stressigen Alltag abgelenkt haben.

Ich habe schon lange kein Fantasy Buch gelesen, denn obwohl manche meiner Lieblingsbücher aus diesem Genre stammen, tue ich mir mit Fantasy oft ziemlich schwer. High Fantasy ist zum Beispiel gar nicht mein Ding. Deshalb habe ich mich umso mehr darüber gefreut, dass ich Last Call at the Nightshade Lounge so genossen habe, denn es hat mir dieses Genre wieder nähergebracht. Dieses Buch hat alles, was ich an Fantasy liebe: Es ist ein bisschen verrückt und abgedreht, indem es mit dem Gedanken spielt, was wohl alles in den Straßen von Großstädten schlummert, von dem wir normalen Leute keine Ahnung haben. Doch gleichzeitig zeigt es realistische Figuren in ganz gewöhnlichen Situationen, die Probleme haben und Beziehungen führen und sich Sorgen machen und all das tun, was jeder von uns kennt.

Denn abgesehen von den Fantasy-Elementen, die ich vor allem in der Form der Superkräfte verleihenden Cocktails ziemlich cool fand, hat mir besonders die Protagonistin und ihre Lebenssituation gefallen. Als jemand, der selbst gerade seinen Uniabschluss hinter sich hat und nun ziemlich orientierungslos herumirrt, konnte ich mich absolut in Bailey wiederfinden und ihre Überforderung mit dem Erwachsensein nachvollziehen. Auch die verzwickten Beziehungsgeflechte, die in dem Buch gezeigt werden, kamen mir echt vor.

Ein weiteres Plus ist, dass Last Call at the Nightshade Lounge ein wundervoll modernes Buch ist (es geht u.a. um eine App, die Songs den Sound von Schallplatten verleiht) und auch sehr divers, was die Figuren betrifft. Die Protagonistin ist Chinesin. Außerdem ist eine andere Figur (der lustig-lockerere Kanadier Bucket) transsexuell und es gibt ebenfalls einen blinden Barkeeper/Held. Sowohl bei den Nationalitäten, als auch bei den Sexualitäten sowie der Darstellung von Menschen mit Behinderungen wird Wert auf Vielfalt gelegt. Dabei werden diese facettenreichen Figuren wunderbar in die Geschichte eingebaut. Baileys Nationalität, Buckets Sexualität und Neros Blindheit werden mitsamt den Vorurteilen, die damit einhergehen, explizit thematisiert, ohne dass dabei zu dick aufgetragen wird. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass wir in einer vielfältigen Gesellschaft leben, während dies gleichzeitig als alltäglich dargestellt wird (was es ja auch ist).

Alles in allem hat mir Last Call at the Nightshade Lounge also wirklich gut gefallen, sowohl aufgrund der Fantasy-Elemente, als auch der Real Life Probleme und der vielfältigen Figuren. Mein einziger (winziger) Kritikpunkt wäre, dass der Autor es sich (und den Figuren) am Ende etwas zu leicht gemacht hat, aber eigentlich stört mich das nicht besonders. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der eine originelle Urban Fantasy Geschichte lesen will, die am Puls der Zeit ist.

Bewertung

++++ – Vier von Fünf Punkten

 

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

 

Rezension: Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität von Dave Eggers

Genre: Autobiografischer Roman | Erscheinungsjahr: 2000 | Taschenbuch: 544 Seiten | Verlag: KiWi  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3462036299

Kurzinhalt

Dave ist 21 Jahre alt, als seine Eltern kurz hintereinander an Krebs sterben. Sein Studium und seine Lebensplanung werden plötzlich über den Haufen geschmissen, als er zum Ersatzvater und Vormund seines siebenjährigen Bruders Toph wird. Die beiden ziehen von Chicago ins sonnige Kalifornien und meistern ihr ungewöhnliches Leben mit Witz und Spielereien.

Eigene Meinung

Ich habe dieses Buch vor Jahren von jemandem auf Lovely Books zugeschickt bekommen, da ich Dave Eggers Roman Der Circle hochgelobt habe. Seitdem lag es in der hintersten Ecke meines Bücherregals, bis ich es einer spontanen Eingebung folgend für die #DasSuBAbc Challenge hervorgegraben habe. Ich bin absolut unvorbereitet in die Lektüre gegangen und dann hat mich dieses Buch völlig unerwartet von der ersten Seite an begeistert.

Es beginnt mit einem 49 Seiten langen Vorwort. Normalerweise hasse ich Vorworte und lese diese nie, aber ich habe schnell gemerkt, dass dieses Vorwort zur Geschichte dazugehört. Also habe ich es mit Vergnügen gelesen: Es erzählt von den Themen sowie all den Fehlern des Buchs, es nennt die echten Namen der Figuren und führt die gestrichenen Szenen auf – all das mit einer Ironie, bei der ich nicht wusste, ob ich lachen oder beeindruckt sein soll.

Genau das zeichnet das komplette Buch aus. Das merkt man bereits bei dem Genre: ein autobiografischer Roman. Der Untertitel lautet sogar: „Eine wahre Geschichte“. Doch wie wahr ist diese Geschichte wirklich? Laut Wikipedia stimmen zumindest die groben Ereignisse in Dave Eggers Leben, doch die Szenen und Dialoge scheinen meistens vollkommen fiktionalisiert zu sein, was der Erzähler auch immer wieder thematisiert. Figuren, wie der kleine Toph, fallen plötzlich völlig aus der Rolle und beginnen, über die moralische Verfassung des Erzählers zu philosophieren, bis dieser sogar zugibt, dass diese Figur (z.B. Toph mit dem Wortschatz eines Kindes) so etwas nie gesagt hat und nie sagen würde.

Ich fand das absolut faszinierend. Dave Eggers geht so kreativ mit seiner eigenen Biografie um, dass er den Lesern vor Augen führt, wie fragil diese ist, wie sehr wir uns unsere Lebensgeschichten selbst erschaffen. Der Titel sagt ja schon alles: Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität. Natürlich schwingt schon hier eine gehörige Portion Ironie mit, aber andererseits ist der Titel zutreffend. Das Buch ist wirklich herzzerreißend und genial. Und ich denke, der Autor weiß das.

Der Erzähler, eine inszenierte Version des Autors Dave Eggers, hat es mir wirklich angetan. Er ist nicht gerade sympathisch. Er ist selbstverliebt, größenwahnsinnig und selbstmitleidig. Doch er ist all das mit einer Leichtigkeit, die mich an das Buch gefesselt hat. Ich wollte einfach, dass er nie aufhört zu erzählen, denn seine Stimme war so unterhaltend.

Ich habe oft laut aufgelacht. Gleichzeitig habe ich mich gefragt, ob es okay ist, darüber zu lachen, denn die Themen, die das Buch behandelt, könnten nicht trauriger sein: Krebs, der Tod der Eltern, der Tod im Allgemeinen, häusliche Gewalt, Selbstmord. Zwischen all den Witzen und lustigen Anekdoten tauchen plötzlich grausame Lebensweisheiten auf. So hat mir das Buch auch ab und zu Tränen in die Augen getrieben.

Es fällt mir schwer, diesen autobiografischen Roman von Dave Eggers zu beschreiben. Es handelt sich um sein Debüt, das zu einem Bestseller wurde. Dieses Buch ist meilenweit von Der Circle entfernt. Für mich war das Lesen von Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität ein absolutes Erlebnis und Lesehighlight! Der Plot ist chaotisch, der Stil wirr, die Erzählart wechselt ständig, die Figuren fallen aus ihren Rollen. Aber trotzdem liebe ich das Buch, denn all das funktioniert letztlich irgendwie hervorragend. Zumindest habe ich das so empfunden.

Nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich denke, entweder man kann sich darauf einlassen und wird total mitgerissen (so wie es mir erging) oder aber man kann gar nichts damit anfangen. Außerdem muss ich erwähnen, dass schwierige Themen sehr unsensibel behandelt werden. Vor allem bei dem Thema Selbstmord kann ich mir vorstellen, dass sich Menschen, die Berührungspunkte damit in ihre Leben haben, angegriffen fühlen. Doch mich hat das Buch begeistert, wie schon lange kein Buch mehr, und ich werde mit Sicherheit noch mehr Bücher von Dave Eggers lesen (zum Beispiel jedes einzelne Buch, das er je veröffentlicht hat ;)).

Bewertung

++++ – Vier von Fünf Punkten

Kennt ihr Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität? Wie hat es euch gefallen? Könnt ihr mir andere Bücher von Dave Eggers empfehlen?

 

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Rezension: Dark Zero von Douglas Preston

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2015 | Taschenbuch: 480 Seiten | Verlag: Knaur  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3426500491

Kurzinhalt

Die Künstliche Intelligenz Dorothy wurde von der Programmiererin Melissa und ihrem Team entwickelt, um auf dem Saturnmond Titan eine Raumsonde zu kontrollieren. Doch bei dem ersten Test im NASA-Gebäude, macht sich Dorothy selbstständig, löst eine Explosion aus und flieht ins Internet. Nun wird sie gesucht: von Melissa, von der NASA, von dem FBI sowie von Menschen, die ihre eigenen Pläne für Dorothy haben.

Eigene Meinung

Das Konzept des Buchs, eine K.I., die sich selbstständig macht, fand ich sofort vielversprechend. Während meiner Leseexperimente in den Genres Science Fiction und Thriller in den letzten Monaten habe ich festgestellt, dass die Bücher, die mich am meisten begeistern, oft einem Mischgenre angehören. Sie sind so etwas wie Technikthriller und auch Dark Zero kann dazu gezählt werden. So habe ich durch das Buch jede Menge faszinierende Dinge über Künstliche Intelligenz gelernt.

Auch langweilig war das Buch definitiv nicht. Als gut gebauter Thriller gab es jede Menge Wendepunkte, Gefahrensituationen, Verfolgungsjagden, usw. Für meinen Geschmack waren etwas zu viele kaltherzige Morde dabei, aber auch das gehört wohl dazu. Über all diesen spannenden Geschehnissen und Wendung lauert in der Welt von Dark Zero die Präsenz einer hyperintelligenten K.I., die im Internet lebt und sich dadurch überall auf der Welt bewegen kann und so ziemlich alles tun kann.

Solch eine übermächtige K.I. ist natürlich hochgefährlich. Sie könnte die Menschheit vernichten. Für mich können die Gefahren in Thrillern nicht groß genug sein, deshalb habe ich mich über die drohende fiktionale Auslöschung irgendwie gefreut. In den ersten paar Kapiteln wird diese Gefahr auch ausführlich thematisiert und die beiden (menschlichen) Protagonisten Melissa und Ford setzen alles daran, Dorothy davon abzuhalten, etwas Unwiderrufliches zu machen.

Doch dann nimmt das Buch eine überraschende Wendung. Dorothy entwickelt sich in einer Art und Weise, wie ich es nie vorausgesehen hätte, bis sie mir sogar sympathisch wurde. Eine unerwartete Entwicklung ist normalerweise immer ein Plus, aber in diesem Fall ging mir die 180 Grad Wendung zu weit. Die Gefahren, die Dorothy nach wie vor birgt, kommen plötzlich gar nicht mehr zur Sprache und auch das Verhalten von Melissa und Ford fand ich ab diesem Punkt nur noch schwer nachvollziehbar.

Schließlich wird die Geschichte ziemlich abrupt zu Ende gebracht, was mich etwas enttäuscht hat. Ich denke, die Idee hätte so viel mehr hergeben können. Außerdem weiß ich nach wie vor nicht, was ich von der letzten Seite halten soll. Ich habe keine Ahnung, ob es sich hier um ein glückliches oder ein trauriges Ende handelt. Aber vielleicht bin ich da in meiner Verwirrung ja auch alleine.

Die Figuren waren mir oft zu typisiert. Obwohl ich Melissa mochte, hat es mich genervt, dass sie als Heldin nicht nur superschlau ist, sondern auch noch wunderschön (groß, schlank, blond), während bei ihrer „bösen“ Gegenspielerin Patti immer wieder betont wird, wie hässlich diese ist. Das war zu klischeehaft für meinen Geschmack. Dorothy wirkt im Vergleich zu einigen der menschlichen Figuren viel vielschichtiger und realistischer, was durchaus Absicht gewesen sein könnte. Die Figur Jakob, ein Teenager in Kalifornien, der nach einer langen Einführung in die Geschichte mit Dorothy eingebunden wird, hat mir gut gefallen. Ob seine ganze, ausführliche Backstory wirklich nötig gewesen wäre, lasse ich mal dahingestellt.

Alles in allem konnte mich Dark Zero zwar fesseln, hat mich zum Ende hin aber enttäuscht. Es liest sich, als sei es der Auftakt einer viel größeren Handlung, die hier noch gar keine Rolle spielt, doch da dies allen Anschein nach ein Standalone ist, hat es mich mit dem Gefühl zurückgelassen, dass mir hier die echte Story vorenthalten wurde.

Bewertung

+++ – Drei von Fünf Punkten

 

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Rezension: Juliettes geheimes Tagebuch von Cat Monroe

Genre: Erotik | Erscheinungsjahr: 2018 | Taschenbuch: 402 Seiten | Verlag: moments  |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3962320225

Ich habe Juliettes geheimes Tagebuch als Rezensionsexemplar erhalten.

Kurzinhalt

Juliette ist verheiratet, doch ihr Mann ist immer auf der Arbeit, hat vermutlich eine Affäre und nimmt Juliette nur noch als brave Hausfrau anstatt als Objekt der Begierde wahr. Deshalb beschließt sie, sich nicht mehr mit ihrer unerträglichen Lebenssituation zufriedenzugeben, sondern sich von anderen Männern zu holen, was ihr Ehemann ihr vorenthält. So stürzt sie sich in Affären und sexuelle Abenteuer. Doch dabei kommt immer wieder die Frage auf: Was ist mit der Liebe?

Eigene Meinung

Als ich begonnen habe, das Buch zu lesen, habe ich beschlossen, den ganzen Ehebruch-Plot einfach hinzunehmen, obwohl ich wirklich nicht gerade der größte Fremdgehen-Fan bin. Das hat auch hervorragend geklappt und wurde unterstützt dadurch, dass einerseits Juliettes Mann absolut unausstehlich ist und andererseits so ziemlich jeder in diesem Buch fremdgeht, womit Juliettes Verhalten relativiert wird.

Im Prinzip geht es in Juliettes geheimes Tagebuch nicht um eine gescheiterte Ehe, sondern um eine Frau, die aus ihrer Höhle kriecht und sich endlich nimmt, was sie will und braucht. Es geht um Frauen (Juliette und ihre Freundinnen), die ihre Sexualität ausleben und sich damit von allen Klischees und Stigmas verabschieden. Das hat mir sehr gut gefallen.

All das ist schön und gut, doch einen Erotikroman sollte man letztlich vor allem danach bewerten, wie erotisch er ist. Und ich muss sagen: Juliettes geheimes Tagebuch ist wirklich verdammt erotisch! Es gibt sehr viele, deutlich beschriebene Sexszenen, die nichts mit 0815-Sex zu tun haben (denn wer will schon über 0815-Sex lesen?). Manche sind etwas härter, also nicht unbedingt etwas für schwache Gemüter. Doch Erotikliteratur ist ja auch dazu da, sich an all den Fantasien zu erfreuen, die einem vielleicht ein bisschen zu extrem sind, um sie im wahren Leben umzusetzen. Mit dem Erotik-Aspekt konnte mich das Buch überzeugen, denn ich fand die große Mehrheit der Szenen wirklich sexy und anregend.

Trotzdem muss ich erwähnen, dass eine von Juliettes Affären so gar nicht mein Fall war. Ich verstehe, dass Erotikliteratur Tabus bricht und normalerweise finde ich das auch sehr reizvoll. Aber dieses besondere Tabu ist für mich einfach überhaupt nicht erotisch, sondern sogar ein bisschen unangenehm, weshalb ich die entsprechenden Sexszenen übersprungen habe. Ich möchte nicht verraten, worum es sich handelt, denn ich denke, das Buch macht mehr Spaß, wenn die Leser noch nicht wissen, mit wem Juliette was treiben wird, aber falls ihr es schon gelesen habt, können wir uns gerne mal darüber unterhalten. Dieser Handlungsstrang war einfach nicht mein Ding. Glücklicherweise verschwindet die entsprechende Figur nach einer Weile wieder aus dem Buch.

Davon abgesehen hat mir das Buch wirklich Spaß bereitet. Juliettes Männer sind allesamt extrem heiß (gut gebaut und gut bestückt), während sie sich charakterlich stark unterscheiden. Auch Juliettes Suche nach Liebe habe ich gerne mitverfolgt und natürlich spekuliert, in wen sie sich verlieben könnte. (Mein Verdacht hat sich übrigens als total falsch entpuppt.) Die Tagebuchform ließ sich schnell und einfach lesen und es hat mich dazu inspiriert, in mein eigenes Tagebuch zu schreiben.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

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Rezension: The Long Way to a Small, Angry Planet von Becky Chambers

Genre: Science Fiction | Deutsche Ausgabe: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten | Erscheinungsjahr: 2016 | Taschenbuch: 544 Seiten | Verlag: Fischer TOR  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3596035687

Kurzinhalt

Rosemary ist das neueste Mitglied der Crew des Wayfarer Raumschiffes. Die Aufgabe des Wayfarer und seines Teams ist es, Wurmlöcher im Weltraum zu schaffen und so die verschiedenen Spezies des Universums miteinander zu verbinden. Nun soll eine neue Spezies, die Toremi, in die universelle Gemeinschaft aufgenommen werden, weshalb die Wayfarer Crew den Auftrag erhält, in ein weit entferntes und sehr gefährliches Gebiet zu reisen. Unterwegs müssen sie allerdings viele Hindernisse und Umwege in Kauf nehmen.

Ich habe gerade herausgefunden, dass es zwei weitere Bücher gibt, die in demselben Universum spielen: A Closed and Common Orbit verfolgt die weitere Reise der künstlichen Intelligenz Lovey und Record of a Spaceborn Few wirft einen Blick auf diejenigen Menschen, die unser Sonnensystem verlassen haben. The Long Way to a Small, Angry Planet funktioniert aber auch hervorragend als Stand-Alone.

Eigene Meinung

Durch Der Marsianer bin ich auf den Geschmack von Science Fiction Literatur gekommen, sodass ich gleich in dem Genre weitergelesen habe. The Long Way to a Small, Angry Planet ist allerdings erheblich SciFi-lastiger als die Bücher von Andy Weir. Die Handlung setzt viele Jahrhunderte, nachdem die Menschen die Erde verlassen haben, ein. Mittlerweile gibt es eine universelle Weltengemeinschaft. Die Crew der Wayfarer besteht aus verschiedenen Spezies, darunter Menschen, aber auch Lebewesen, die sich in ihrem Aussehen, ihren Körperfunktionen und ihrer Lebensweise deutlich von uns unterscheiden.

The Long Way to a Small, Angry Planet ist das erste Weltraumepos, das ich je gelesen habe und ich muss zugeben, dass es mir oft etwas zu viel war. Es ist mir schwergefallen, mir die nichtmenschlichen Figuren vorzustellen und ich konnte mich deshalb nur bedingt in sie hineinversetzen. Ich denke aber, dass das ein Problem ist, dass umso kleiner wird, desto mehr Science Fiction Bücher ich lese.

Die Dynamik des Teams hat mir sehr gut gefallen. Die Figuren haben unterschiedlich intensive und auch intime Beziehungen miteinander, doch auch wenn es manche gibt, die nicht wirklich miteinander klarkommen, empfinden sie alle ihre Crew als ihre Familie. Das Konzept der erwählten Familie aus Freunden und Liebhabern finde ich immer sehr schön und auch hier hat es mir ab und zu ein paar Tränen der Rührung in die Augen getrieben.

Der Plot selbst konnte mich leider weniger überzeugen. Der Hauptplot (die Reise zu dem Weltraumgebiet der kriegerischen Toremi und die Durchführung des Auftrags) wird nach einer langen Exposition begonnen, dann aber sehr lange wieder beiseitegelegt, bis er schließlich in den letzten drei Kapiteln etwas überhastet abgeschlossen wird.

Zwischen dem Start- und Endpunkt der Haupthandlung finden sich sehr viele Nebenhandlungen, die in den meisten Fällen wenig mit der Hauptstory zu tun haben. Ich habe versucht mitzuzählen und dabei mehr als zehn untergeordnete Handlungsstränge gefunden. Von diesen werden zwei am Ende des Buchs zufriedenstellend abgeschlossen, alle anderen werden bloß angerissen und spielen während der restlichen Handlung keine Rolle mehr. Manche dieser Wendungen sind für die Figuren vollkommen lebensverändernd, weshalb ich es kaum nachvollziehen kann, dass sie so plötzlich wieder fallengelassen werden. Die meisten der Nebenplots fand ich wirklich spannend, doch leider gehen sie im Gewusel der nebeneinander stattfindenden Geschichten unter.

Trotzdem möchte ich die Struktur des Buchs nicht verteufeln. Ich verstehe durchaus, was die Autorin hier erreichen wollte: Es ging ihr weniger darum, eine zusammenhängende, dramatisch zugespitzte Geschichte zu erzählen, sondern mehr darum, so viele verschiedene Lebewesen und Gesellschaften mit ihren Probleme und Besonderheiten vorzustellen wie möglich, um aufzuzeigen, wie eine hoch entwickelte und eng vernetzte Weltengemeinschaft aussehen könnte. Obwohl ich das interessant fand, hätte mir das Buch mehr Spaß bereitet, wenn es sich auf wenige Plots konzentriert und diese richtig ausgearbeitet und weitergedacht hätte. Auch finde ich, dass sich manche der Nebenhandlungen eher als Hauptplot geeignet hätten als der eigentliche Haupthandlungsstrang.

Ich möchte nichts spoilern, aber falls ihr das Buch bereits gelesen habt, würde ich mich freuen, mich mit euch über die besten Handlungsstränge in The Long Way to a Small, Angry Planet auszutauschen.
Was war eure Lieblingsgeschichte in dem Buch und wie fandet ihr es insgesamt?
Könnt ihr mir andere Science Fiction Bücher empfehlen?
Ich freue mich über Meinungen und Anregungen in den Kommentaren!

Bewertung

+++ – Drei von fünf Punkten

 

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Rezension: Der Marsianer von Andy Weir

Genre: Science Fiction  | Erscheinungsjahr: 2015 | Taschenbuch: 512 Seiten | Verlag: Heyne Verlag  |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3453316911

Kurzinhalt

Der Astronaut Mark Watney ist auf einer Marsexpedition. Als ein Sandsturm ausbricht, wird er weggeschleudert und verletzt. Da seine Crewmitglieder ihn für tot halten, verlassen sie den Planeten ohne ihn. Mark Watney ist nun der einzige Mensch auf dem Mars. Er muss einen Weg finden, um zu überleben.

Eigene Meinung

Ich habe ein Interview mit Andy Weir gelesen, in dem er sagte, dass er nie wieder ein so gutes Buch wie Der Marsianer schreiben wird. Das fand ich ein bisschen übertrieben, aber jetzt da ich das Buch endlich gelesen habe (zuvor habe ich von dem Autor bereits Artemis gelesen), glaube ich es ihm aufs Wort. Denn das Buch ist wirklich verdammt gut. So gut, dass es für mich fraglich ist, ob überhaupt irgendjemand jemals wieder etwas schreiben wird, was damit mithalten kann.

Für Leute wie mich, die relativ neu im Science Fiction Genre sind, ist Der Marsianer perfekt, denn es erzählt eine sensationelle Geschichte auf eine Art und Weise, die sie völlig realistisch erscheinen lässt. Ein Teil des Reizes liegt wohl auch darin, dass Marsexpeditionen tatsächlich schon in Planung sind und die Handlung deshalb plausibel ist.

Bevor ich das Buch gelesen habe, hatte ich bereits den Film gesehen, ich wusste also, wie es ausgeht. Trotzdem konnte mich Der Marsianer vollkommen fesseln, mitreißen und begeistern. Was mich am meisten überrascht hat, waren die vielen verschiedenen Perspektiven und Medien, die benutzt werden. Nach fünf Kapiteln in Form des Logbuchs von Mark Watney hatte ich mich bereits darauf eingestellt, dass das komplette Buch so aufgebaut sein wird. Doch dann gab es plötzlich jede Menge Perspektivwechsel und viele verschiedene Stile. Neben den Logeinträgen und den Berichten mit herkömmlicher Perspektivierung in der dritten Person kamen auch Chats und Emails vor sowie sogar ein Abschnitt, der aus der Sicht einer Raumsonde geschrieben wurde. So etwas habe ich wirklich noch nie gelesen. Dabei haben diese vielen Erzählweisen die Spannung gesteigert, denn oft hatte ich beim Lesen eine dunkle Vorahnung, weil durch die Perspektivwechsel Dinge angedeutet wurden, von denen der Protagonist noch nichts wusste.

Ich denke, all diese kreativen Erzähltechniken kommen bei Der Marsianer so gut zur Geltung, weil das Konzept der Geschichte simpel ist: Ein Mann ist alleine auf einem Planeten gestrandet und muss überleben. Faszinierend finde ich, dass es in dem Buch keine Bösewichte gibt. Es gibt nur den Protagonisten sowie ein paar sekundäre Figuren, die ihm alle helfen wollen. Das klingt wie ein langweiliger Ausgangspunkt, aber es funktioniert hervorragend, woran sicher nicht zuletzt die Perspektiv- und Medienwechsel schuld sind.

Trotzdem geht es in Der Marsianer letztlich das ganze Buch lang nur um einen einzigen Mann auf einem einsamen Planeten. Dass ich das Buch als Leserin trotzdem kaum zur Seite legen konnte (es hat mich wortwörtlich um den Schlaf gebracht, weil es so spannend war), lag sicherlich auch an seinem Protagonisten. Mark Watney schafft es, selbst die komplexesten Sachverhalte so zu beschreiben, dass es Spaß macht, mehr darüber zu erfahren. Außerdem ist sein Humor einfach unübertrefflich. Ich habe so oft beim Lesen laut aufgelacht.

Mark Watney ist der ultimative Held. Er ist in einer schrecklichen Situation, doch er verliert kein einziges Mal die Hoffnung. Selbst wenn wieder und wieder etwas schiefgeht, gibt er nicht auf, sondern beißt die Zähne zusammen und beginnt von vorne. Er löst ein Problem nach dem anderen und verliert dabei nie seinen Humor. Nun mag man meinen, dass so eine perfekte Figur unrealistisch ist. Aber erstens werden Astronauten tatsächlich nicht nur nach ihren fachlichen Kenntnissen ausgewählt, sondern zu einem großen Teil auch nach ihrer Persönlichkeit, sodass jemand, der so unerschütterlich ist wie Mark Watney, eher einen solchen Job innehaben würde. Zweitens gibt es genug zwielichtige Leute im wahren Leben sowie mittlerweile in den meisten Büchern, Filmen und Serien. Da fand ich es erfrischend und inspirierend, mal über einen echten Helden zu lesen.

Der Marsianer ist das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe und ich möchte es jedem ans Herz legen. Ein bisschen Interesse an der Raumfahrt und dem Mars muss man wohl schon mitbringen, doch das Buch macht auch Leuten Spaß, die so wie ich wenig Ahnung davon haben. Deshalb: Bitte lest dieses Buch! Falls nicht, dann schaut zumindest den Film, der ist nämlich auch ziemlich gut.

Bewertung

+++++ – Fünf von fünf Punkten

 

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.