Rezension: Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität von Dave Eggers

Genre: Autobiografischer Roman | Erscheinungsjahr: 2000 | Taschenbuch: 544 Seiten | Verlag: KiWi  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3462036299

Kurzinhalt

Dave ist 21 Jahre alt, als seine Eltern kurz hintereinander an Krebs sterben. Sein Studium und seine Lebensplanung werden plötzlich über den Haufen geschmissen, als er zum Ersatzvater und Vormund seines siebenjährigen Bruders Toph wird. Die beiden ziehen von Chicago ins sonnige Kalifornien und meistern ihr ungewöhnliches Leben mit Witz und Spielereien.

Eigene Meinung

Ich habe dieses Buch vor Jahren von jemandem auf Lovely Books zugeschickt bekommen, da ich Dave Eggers Roman Der Circle hochgelobt habe. Seitdem lag es in der hintersten Ecke meines Bücherregals, bis ich es einer spontanen Eingebung folgend für die #DasSuBAbc Challenge hervorgegraben habe. Ich bin absolut unvorbereitet in die Lektüre gegangen und dann hat mich dieses Buch völlig unerwartet von der ersten Seite an begeistert.

Es beginnt mit einem 49 Seiten langen Vorwort. Normalerweise hasse ich Vorworte und lese diese nie, aber ich habe schnell gemerkt, dass dieses Vorwort zur Geschichte dazugehört. Also habe ich es mit Vergnügen gelesen: Es erzählt von den Themen sowie all den Fehlern des Buchs, es nennt die echten Namen der Figuren und führt die gestrichenen Szenen auf – all das mit einer Ironie, bei der ich nicht wusste, ob ich lachen oder beeindruckt sein soll.

Genau das zeichnet das komplette Buch aus. Das merkt man bereits bei dem Genre: ein autobiografischer Roman. Der Untertitel lautet sogar: „Eine wahre Geschichte“. Doch wie wahr ist diese Geschichte wirklich? Laut Wikipedia stimmen zumindest die groben Ereignisse in Dave Eggers Leben, doch die Szenen und Dialoge scheinen meistens vollkommen fiktionalisiert zu sein, was der Erzähler auch immer wieder thematisiert. Figuren, wie der kleine Toph, fallen plötzlich völlig aus der Rolle und beginnen, über die moralische Verfassung des Erzählers zu philosophieren, bis dieser sogar zugibt, dass diese Figur (z.B. Toph mit dem Wortschatz eines Kindes) so etwas nie gesagt hat und nie sagen würde.

Ich fand das absolut faszinierend. Dave Eggers geht so kreativ mit seiner eigenen Biografie um, dass er den Lesern vor Augen führt, wie fragil diese ist, wie sehr wir uns unsere Lebensgeschichten selbst erschaffen. Der Titel sagt ja schon alles: Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität. Natürlich schwingt schon hier eine gehörige Portion Ironie mit, aber andererseits ist der Titel zutreffend. Das Buch ist wirklich herzzerreißend und genial. Und ich denke, der Autor weiß das.

Der Erzähler, eine inszenierte Version des Autors Dave Eggers, hat es mir wirklich angetan. Er ist nicht gerade sympathisch. Er ist selbstverliebt, größenwahnsinnig und selbstmitleidig. Doch er ist all das mit einer Leichtigkeit, die mich an das Buch gefesselt hat. Ich wollte einfach, dass er nie aufhört zu erzählen, denn seine Stimme war so unterhaltend.

Ich habe oft laut aufgelacht. Gleichzeitig habe ich mich gefragt, ob es okay ist, darüber zu lachen, denn die Themen, die das Buch behandelt, könnten nicht trauriger sein: Krebs, der Tod der Eltern, der Tod im Allgemeinen, häusliche Gewalt, Selbstmord. Zwischen all den Witzen und lustigen Anekdoten tauchen plötzlich grausame Lebensweisheiten auf. So hat mir das Buch auch ab und zu Tränen in die Augen getrieben.

Es fällt mir schwer, diesen autobiografischen Roman von Dave Eggers zu beschreiben. Es handelt sich um sein Debüt, das zu einem Bestseller wurde. Dieses Buch ist meilenweit von Der Circle entfernt. Für mich war das Lesen von Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität ein absolutes Erlebnis und Lesehighlight! Der Plot ist chaotisch, der Stil wirr, die Erzählart wechselt ständig, die Figuren fallen aus ihren Rollen. Aber trotzdem liebe ich das Buch, denn all das funktioniert letztlich irgendwie hervorragend. Zumindest habe ich das so empfunden.

Nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich denke, entweder man kann sich darauf einlassen und wird total mitgerissen (so wie es mir erging) oder aber man kann gar nichts damit anfangen. Außerdem muss ich erwähnen, dass schwierige Themen sehr unsensibel behandelt werden. Vor allem bei dem Thema Selbstmord kann ich mir vorstellen, dass sich Menschen, die Berührungspunkte damit in ihre Leben haben, angegriffen fühlen. Doch mich hat das Buch begeistert, wie schon lange kein Buch mehr, und ich werde mit Sicherheit noch mehr Bücher von Dave Eggers lesen (zum Beispiel jedes einzelne Buch, das er je veröffentlicht hat ;)).

Bewertung

++++ – Vier von Fünf Punkten

Kennt ihr Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität? Wie hat es euch gefallen? Könnt ihr mir andere Bücher von Dave Eggers empfehlen?

 

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Rezension: Dark Zero von Douglas Preston

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2015 | Taschenbuch: 480 Seiten | Verlag: Knaur  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3426500491

Kurzinhalt

Die Künstliche Intelligenz Dorothy wurde von der Programmiererin Melissa und ihrem Team entwickelt, um auf dem Saturnmond Titan eine Raumsonde zu kontrollieren. Doch bei dem ersten Test im NASA-Gebäude, macht sich Dorothy selbstständig, löst eine Explosion aus und flieht ins Internet. Nun wird sie gesucht: von Melissa, von der NASA, von dem FBI sowie von Menschen, die ihre eigenen Pläne für Dorothy haben.

Eigene Meinung

Das Konzept des Buchs, eine K.I., die sich selbstständig macht, fand ich sofort vielversprechend. Während meiner Leseexperimente in den Genres Science Fiction und Thriller in den letzten Monaten habe ich festgestellt, dass die Bücher, die mich am meisten begeistern, oft einem Mischgenre angehören. Sie sind so etwas wie Technikthriller und auch Dark Zero kann dazu gezählt werden. So habe ich durch das Buch jede Menge faszinierende Dinge über Künstliche Intelligenz gelernt.

Auch langweilig war das Buch definitiv nicht. Als gut gebauter Thriller gab es jede Menge Wendepunkte, Gefahrensituationen, Verfolgungsjagden, usw. Für meinen Geschmack waren etwas zu viele kaltherzige Morde dabei, aber auch das gehört wohl dazu. Über all diesen spannenden Geschehnissen und Wendung lauert in der Welt von Dark Zero die Präsenz einer hyperintelligenten K.I., die im Internet lebt und sich dadurch überall auf der Welt bewegen kann und so ziemlich alles tun kann.

Solch eine übermächtige K.I. ist natürlich hochgefährlich. Sie könnte die Menschheit vernichten. Für mich können die Gefahren in Thrillern nicht groß genug sein, deshalb habe ich mich über die drohende fiktionale Auslöschung irgendwie gefreut. In den ersten paar Kapiteln wird diese Gefahr auch ausführlich thematisiert und die beiden (menschlichen) Protagonisten Melissa und Ford setzen alles daran, Dorothy davon abzuhalten, etwas Unwiderrufliches zu machen.

Doch dann nimmt das Buch eine überraschende Wendung. Dorothy entwickelt sich in einer Art und Weise, wie ich es nie vorausgesehen hätte, bis sie mir sogar sympathisch wurde. Eine unerwartete Entwicklung ist normalerweise immer ein Plus, aber in diesem Fall ging mir die 180 Grad Wendung zu weit. Die Gefahren, die Dorothy nach wie vor birgt, kommen plötzlich gar nicht mehr zur Sprache und auch das Verhalten von Melissa und Ford fand ich ab diesem Punkt nur noch schwer nachvollziehbar.

Schließlich wird die Geschichte ziemlich abrupt zu Ende gebracht, was mich etwas enttäuscht hat. Ich denke, die Idee hätte so viel mehr hergeben können. Außerdem weiß ich nach wie vor nicht, was ich von der letzten Seite halten soll. Ich habe keine Ahnung, ob es sich hier um ein glückliches oder ein trauriges Ende handelt. Aber vielleicht bin ich da in meiner Verwirrung ja auch alleine.

Die Figuren waren mir oft zu typisiert. Obwohl ich Melissa mochte, hat es mich genervt, dass sie als Heldin nicht nur superschlau ist, sondern auch noch wunderschön (groß, schlank, blond), während bei ihrer „bösen“ Gegenspielerin Patti immer wieder betont wird, wie hässlich diese ist. Das war zu klischeehaft für meinen Geschmack. Dorothy wirkt im Vergleich zu einigen der menschlichen Figuren viel vielschichtiger und realistischer, was durchaus Absicht gewesen sein könnte. Die Figur Jakob, ein Teenager in Kalifornien, der nach einer langen Einführung in die Geschichte mit Dorothy eingebunden wird, hat mir gut gefallen. Ob seine ganze, ausführliche Backstory wirklich nötig gewesen wäre, lasse ich mal dahingestellt.

Alles in allem konnte mich Dark Zero zwar fesseln, hat mich zum Ende hin aber enttäuscht. Es liest sich, als sei es der Auftakt einer viel größeren Handlung, die hier noch gar keine Rolle spielt, doch da dies allen Anschein nach ein Standalone ist, hat es mich mit dem Gefühl zurückgelassen, dass mir hier die echte Story vorenthalten wurde.

Bewertung

+++ – Drei von Fünf Punkten

 

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Rezension: She von Thomas Karsten

Fotobuch | Erscheinungsjahr: 2006 | Gebundene Ausgabe: 240 Seiten | Verlag: konkursbuch Verlag  |Sprache: Deutsch + Englisch (bilingual) | ISBN: 978-3887693459

Kurzinhalt

She ist ein Bildband voller Aktfotografien, die Thomas Karsten über Jahre hinweg von seiner Freundin Sarah machte – teils alleine, teils mit anderen Frauen, manchmal noch leicht bekleidet, manchmal komplett nackt. Die Fotos werden von Interviews mit den beiden Beteiligten (Fotograf und Modell) begleitet, in denen sie die Entwicklung ihrer Liebesgeschichte erzählen.

Ich habe dieses Buch im Rahmen der SuBventur Challenge #DasSuBabc gelesen in der Kategorie: W – Lies ein Buch mit weniger als 500 Seiten (aber mindestens 100).

Eigene Meinung

Einen Fotoband zu besprechen, ist natürlich etwas anderes, als einen Roman zu rezensieren. Aber ganz so unterschiedlich ist es dann doch nicht, denn obwohl das Buch wenige Wörter beinhaltet, erzählt es trotzdem eine Geschichte – und das ist auch, was mich an She am meisten begeistert hat. Die beiden Interviews stehen zu Beginn des Buchs. Darin erzählen Thomas Karsten und Sarah im Gespräch mit der Verlegerin, wie sie sich kennenlernten und ineinander verliebten, wie sie eine Zeit lang ihr Leben miteinander teilten und wie die Beziehung schließlich begann zu zerbröckeln. Die Gespräche sind wundervoll ehrlich und beleuchten die guten und schlechten Seiten von Beziehungen, die sicher viele der Leser selbst schon einmal erlebt haben.

Durch das Buch hindurch finden sich dann auch Zitate aus den Interviews direkt neben den Fotos platziert, sodass die Leser gar nicht drum herum kommen, als das eine auf das andere zu beziehen. Das erzeugt teils ein wirklich berührendes Zusammenspiel von Bild und Text, das mir oft das Gefühl gab, in der erzählten und fotografierten Situation mit dabei zu sein. Text und Bild gemeinsam können eben eine Illusion von Authentizität erschaffen, die eins der beiden Medien alleine so nicht hinbekommt. Das hat mir das ein oder andere Mal eine wahre Gänsehaut über den Rücken gejagt.

Was die Aktfotografien an sich betrifft, kenne ich mich nicht gut genug aus, um auf die technischen Details einzugehen, doch selbst ich als Hobbyfotografin kann sehen, dass hier ein professioneller Fotograf am Werk war. Beim Betrachten der Bilder habe ich definitiv die Verbundenheit zwischen Fotograf und Modell gespürt und die ist letzten Endes auch, was mir in Erinnerung geblieben ist.

Davon abgesehen will ich anmerken, dass das Layout einfach super ist. Die Fotos sind in Schwarzweiß gehalten, wovon ich persönlich nicht der größte Fan bin, doch das Layout des Buchs bringt einen schönen, hellen Blauton ein und die Platzierung der Bilder und Zitate trägt zum Fluss der Geschichte bei.

Anmerkung

Auf die Bewertung verzichte ich hier mal, da es schwer ist, ein Fotobuch mit den Romanen, die ich sonst lese, zu vergleichen. Außerdem will ich darauf hinweisen, dass ich ein Volontariat bei dem konkursbuch Verlag, in dem She erschienen ist, gemacht habe und das Buch geschenkt bekommen habe. Das Buch war allerdings ein Abschiedsgeschenk und kein Rezensionsexemplar.

 

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Was ich gelernt habe, während ich meinen ersten Roman geschrieben habe

Ich bin nicht nur begeistert vom Lesen, sondern auch vom Schreiben. Ich schreibe seit ich 11 Jahre alt bin. Dabei habe ich mich schon das ein oder andere Mal daran gewagt, ein Buch zu schreiben, doch habe immer früher oder später aufgegeben. Erst jetzt habe ich endlich die erste Version meines ersten Romans beendet. Ich habe ganze zwei Jahre daran gearbeitet und er ist noch Lichtjahre davon entfernt, perfekt zu sein. Im Moment bin ich in der mindestens genauso anstrengenden Phase der Überarbeitung, bevor ich mein Glück bei Agenturen und Verlagen versuchen kann.

Trotzdem fühlt es sich gut an, die erste Version fertiggeschrieben zu haben. Mein Manuskript ist wirklich wie mein Baby, auch wenn es teilweise eine schwere Geburt war. Ich hätte es nie soweit geschafft, wenn ich stur auf meine früheren romantischen Ideen vom Schreiben beharrt hätte. Dann wäre dieses Manuskript wie so viele zuvor in den Tiefen meiner Festplatte verschwunden. Stattdessen habe ich mich auf den Schreibprozess in all seinen unromantischen Facetten eingelassen und dabei einige überraschende Dinge über mich und das Schreiben gelernt.

1. Kritikpartner sind das A und O

Ich kann gar nicht genug betonen, wie essentiell Kritikpartner bei der Entstehung meines Romans waren. Ich hätte gar nicht erst mit ihm begonnen, wenn ich nicht an einem Seminar mit dem Titel „Work in Progress“ teilgenommen hätte. Dort hat jeder von uns an seinem eigenen Schreibprojekt gearbeitet, über das wir uns regelmäßig ausgetauscht haben. Die Kritik in diesem Seminar hat mir geholfen, meinen Schreibstil für dieses Buch zu finden. Nach dem Ende des Seminars habe ich meine eigene Schreibgruppe gegründet. Dort haben wir uns gegenseitig unsere Arbeit vorgelesen, kritisiert, Tipps gegeben und uns mit zahlreichen Plot-Problemen geholfen. Mein Buch würde ohne diese Gruppe wahrscheinlich immer noch in Kapitel Fünf feststecken.

Außerdem hat eine Freundin gewissenhaft und treu Kapitel um Kapitel meines Manuskripts gelesen und mir Feedback, Korrekturen und Anmerkungen gegeben. Ich habe dasselbe für ihre Bücher gemacht. Sie hat Fehler und Ungereimtheiten gefunden. Vor allem aber hat sie mich mit jede Menge Inspiration und Motivation versorgt. Sie hat immer an meine Geschichte geglaubt und mich dazu ermutigt weiterzuschreiben.

Es ist schwer, Motivation zu finden, wenn man alleine in seinem Zimmer sitzt und vor sich hin tippt. Noch viel schwerer ist es, auf diese Art besser zu werden. Denn wer etwas schreibt, das eines Tages von (möglichst vielen) Menschen gelesen werden soll, der darf keine Angst davor haben, seine Arbeit zu teilen, denn nur so lernt man. Kritik ist unverzichtbar. Ich glaube, der Grund, wieso ich diese Manuskript im Gegensatz zu den früheren durchgezogen habe, ist, dass ich Kritikpartner hatte, die mir geholfen haben und die mich auch in einer gewissen Hinsicht dazu verpflichtet haben weiterzuschreiben.

2. Erst beim Schreiben eines Romans zeigt sich, ob du ein Plotter oder ein Pantser bist

Als Plotter bezeichnen wir Schreiberlinge jemanden, der seine Geschichte zuerst durchplant, bevor er sie aufschreibt, während wir unter einem Pantser jemanden verstehen, der einfach drauflosschreibt. Mein früheres romantisches Schreiber-Ich fand nichts aufregender, als bei einer Kurzgeschichte einfach draufloszuschrieben und meiner (wie ich dachte: genialen) Kreativität freien Lauf zu lassen. Da ist auch nichts Schlimmes dran. Man kann es im Nachhinein ja immer noch überarbeiten.

Umso überraschter war ich, als sich beim Schreiben meines Romans herausgestellt hat, dass ich eigentlich ein Plotter bin. Ohne dass ich ein Kapitel und jede einzelne Szene darin zuerst bis ins Detail geplant hatte, konnte ich nicht schreiben. Wenn ich vorher anständig geplottet hatte, dann musste ich nun ja nur noch Worte finden, um den Plot zu Papier zu finden. Das war natürlich immer noch extrem schwer, doch für mich war es bereits eine Erleichterung, mir beim Schreiben nicht auch noch Gedanken darüber machen zu müssen, was in der Geschichte als Nächstes geschehen soll.

3. Dein Schreibstil wird sich ändern

Überraschung! Die Art und Weise, wie ich mit 20 geschrieben habe, war nicht so genial, wie ich dachte. Sie war vielmehr eine zufällige Mischung aus Stilen anderer Autoren, die ich bewunderte. Wir alle schauen uns was von den Autoren ab, die wir lesen. Das ist ganz normal und ohne das Lesen würden wir auch nie lernen zu schreiben. Trotzdem müssen wir uns früher oder später über dieses Imitieren erheben und unseren eigenen Stil finden. Und Mann, bei mir hat das wirklich gedauert.

Als ich kürzlich die allererste Szene, die ich je für meinen Roman geschrieben hatte, gelesen habe, habe ich weder meine Stimme noch meine Figuren wiedererkannt. Es war, als hätte das jemand anderes geschrieben, dabei war es nur eine frühere Version meiner selbst. Mittlerweile habe ich zum Glück meinen Stil für diesen Roman gefunden, auch wenn dieser ganz anders ist, als ich ihn mir ursprünglich vorgestellt hatte.

4. Deine Figuren und dein Plot haben eine Eigendynamik

Von dieser Eigendynamik sprechen Autoren ja schon lange, doch bevor ich selbst an einem Roman gearbeitet habe, wusste ich nie, was sie damit meinen. Wie können Figuren etwas tun, was der Autor (also ihr Schöpfer) nicht beabsichtigt? Ich glaube, dass das auch weniger mit Eigendynamik gemeint ist. Stattdessen geht es darum, dass die Geschichte, die man erzählt, am Ende ganz anders aussehen wird, als zu Anfang gedacht. Denn unsere ersten Ideen sind immer fehlerhaft.

Meine ursprüngliche Idee der Geschichte hat wenig mit dem Roman zu tun, den ich jetzt geschrieben habe. Sie befand sich sogar noch in einem anderen Genre. Das liegt nicht daran, dass meine Figuren plötzlich lebendig wurden und machten, was sie wollten, sondern daran, dass ich erkannt habe, dass die Geschichte, so wie ich sie geplant hatte, einfach nicht funktioniert. Beim Schreiben und beim Austausch mit Kritikpartnern lernt man einiges und das wirkt sich auch auf den Plot aus.

Was die Figuren betrifft, liegt die Eigendynamik darin, dass man als Autor nicht kontrollieren kann, wie diese letztlich bei den Lesern rüberkommen. Eine Figur, die für mich eine eher negative war und die ich auch entsprechend zeichnen wollte, ist nun die Lieblingsfigur meiner Kritikpartnerin. Sie hat sich vom Bösewicht zum inspirierenden Beinahe-Helden entwickelt, was ich wiederum irgendwie bezaubernd finde.

Schreibt ihr auch und habt vielleicht sogar schon einen Roman geschrieben?
Was habt ihr dabei gelernt?

 

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