Rezension: An Absolutely Remarkable Thing von Hank Green

Genre: Science Fiction | Erscheinungsjahr: 2018 | Hardcover: 352 Seiten | Verlag: Trapeze |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-1473224186 | Deutsche Ausgabe: Ein wirklich erstaunliches Ding Ende Februar 2019 bei dtv

Kurzinhalt

Eines Nachts entdeckt April May auf dem Heimweg von der Arbeit eine gigantische Roboterstatue mitten in Manhattan. Zusammen mit ihrem besten Freund Andy dreht sie einen kurzen Film, in dem sie der Welt diese Entdeckung vorstellt. Diese spontane Aktion hat Konsequenzen von einem Ausmaß, das sich April nie hätte erträumen können. Über Nacht wird sie weltberühmt, denn mindestens 60 identische Statuen von Carl, wie April die Kreatur nennt, sind über den ganzen Planeten verteilt aus dem Nichts aufgetaucht. Außerdem ist Carl alles andere als ein lebloses Kunstwerk. Schnell stürzen die Carls die ganze Welt in Chaos und Aufregung.

Eigene Meinung

Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll, dieses Buch zu beschreiben. Denn in An Absolutely Remarkable Thing hat es Hank Green geschafft, viele der wichtigsten Menschheitsthemen unserer Zeit auf gerade mal 352 Seiten darzustellen und zu erkunden. Ruhm, Social Media, Filterblasen, Xenophobie, Bisexualität, Marketing, Kunst und so vieles mehr spielt in dem Buch eine Rolle. Eine der deutlichsten Eindrücke, die ich beim Lesen hatte, war dass An Absolutely Remarkable Thing wirklich am Puls der Zeit ist.

Ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen. Die Art und Weise, wie Hank Green die Menschheit im 21. Jahrhundert porträtiert, ist teilweise erschütternd akkurat und teilweise wundervoll optimistisch. An Abolutely Remarkable Thing ist Science Fiction, doch obwohl ich ein Fan der riesigen transformerartigen Kreaturen mit dem Namen Carl war, habe ich schnell festgestellt, dass es weniger um diese neue Entwicklung geht und mehr darum, wie die Menschheit darauf reagiert. Es ist ein wichtiges Buch mit einer herzerwärmenden Botschaft: All die sensationellen Errungenschaften und Veränderungen, die uns bevorstehen, können wir nur bewältigen, wenn wir auf globaler Ebene zusammenhalten und zusammenarbeiten. Ich kann mir kaum eine Message vorstellen, die wir als Weltgemeinschaft im Moment mehr bräuchten als diese.

Wenn ich nun all die vielen Aspekte, die mich an dem Buch fasziniert haben, durchgehen würde, würde dieser Post endlos werden. Deshalb will ich mich auf ein paar Worte über das Hauptthema des Plots beschränken: Ruhm. An Absolutely Remarkable Thing erzählt davon, wie Ruhm funktioniert und was er mit einem Menschen macht. Dabei gibt es einige regelrecht analytische Stellen wie zum Beispiel die Auflistung der fünf Stufen des Ruhms, die zeigen, dass sich Hank Green wirklich tiefgehend mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Er ist mit seinen erfolgreichen YouTube Channels und einem megaerfolgreichen Jugendbuchautor als Bruder auch kein Neuling des Ruhms (er ordnet sich selbst der dritten Stufe „Working Class Fame“ zu, die er wie folgt beschreibt: „You might still have to hustle to make a living, but your fame is your job. You’ll probably trend on Twitter if you die.“). Deshalb habe ich beim Lesen dieser Geschichte über Ruhm sowas wie ein Metaerlebnis gehabt. Kennt ihr das, dass ihr manchmal das Gefühl habt, ihr kennt gewisse YouTuber persönlich, weil sie euch regelmäßig Einblicke in ihr Leben geben? Aber andererseits müsst ihr einsehen, dass die YouTuber keine Ahnung haben, wer ihr seid? So ging es mir beim Lesen von An Absolutely Remarkable Thing. Ich bin schon lange ein Fan von Hank Green und beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, das Werk von einem guten Freund in den Händen zu halten, bevor mir schlagartig bewusst wurde: Ich kenne diesen Menschen doch gar nicht. Ruhm ist schon eine seltsame Sache – das wurde mir beim Lesen gleich auf mehreren Ebenen bewusst.

Ich muss zugeben, dass ich ein paar Seiten brauchte, um mich an den sehr umgangssprachlichen Stil zu gewöhnen, doch dann hat er mir außerordentlich gut gefallen. Auch mit den Figuren konnte ich mich schnell anfreunden. Die Protagonistin April wird wohl gerne von Lesern kritisiert, weil sie nicht gerade die beste Freundin ist und teilweise egoistisch oder irrational handelt. Aber für mich war das kein Problem. Menschen sind nun mal nicht perfekt – das zeigt das Buch überdeutlich an so vielen Stellen. Tatsächlich fand ich sogar, dass April sich selbst ein bisschen zu schlecht sieht. Oft erzählt sie, was für ein schlechter Mensch sie ist und dass wir (die imaginäre Leserschaft) sie hassen werden, aber so schlimm fand ich sie gar nicht und gehasst habe ich sie sicher nicht. Klar, sie macht Fehler, aber wer macht das nicht?

Außerdem wird Aprils Charakterschwäche mehr als ausgeglichen von ihren großartigen Freunden: ihre Freundin Maya, die auf April aufpasst, wenn diese mal wieder dämliche Entscheidungen trifft, Miranda, die supersmarte und süße Biologin, Robbie, der loyale Assistent, und natürlich Andy. In Andy, den treuen, kreativen, mutigen, herzlichen besten Freund, habe ich mich fast ein bisschen verliebt. Mehrmals habe ich mir gewünscht, Teil dieser Freundesgruppe zu sein.

An Absolutely Remarkable Thing war (bisher) auf jeden Fall mein Jahreshighlight. Ich habe dem Buch monatelang entgegengefiebert und ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Das Buch hat mich auf eine positive Art und Weise total mitgenommen. Ich denke immer noch ständig darüber nach. Es hat das Potential, die Welt zum Besseren zu wandeln, wenn wir uns als Leser darauf einlassen. Denn Hank Green versucht gar nicht erst, seine politischen Überzeugungen zu verbergen. Viel mehr strahlen sie einem regelrecht entgegen. Ich denke, vielleicht ist An Absolutely Remarkable Thing genau deshalb eines der mutigsten und wichtigsten Bücher unserer Zeit – und außerdem jede Menge Spaß!

Bewertung

Fünf von fünf Punkten

 

Wer hat das Buch schon gelesen? Lasst mir gerne eure Gedanken dazu da! Oder habt ihr vor, die deutsche Übersetzung nächstes Jahr zu lesen?

 

 

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Eine etwas andere Buchbesprechung: Das Neue Testament

Heute möchte ich euch ein uraltes Buch vorstellen, nämlich das Neue Testament aus der Bibel. Natürlich wird das keine normale Rezension mit Punktebewertung am Ende, denn kaum einer kann die Bibel neutral bewerten. Trotzdem finde ich, dass es – unabhängig von der eigenen Religion (oder der Abwesenheit dieser) – für jeden wichtig ist, zumindest zu wissen, was eigentlich im Neuen Testament steht. Deshalb will ich euch im Folgenden einen kurzen Überblick geben über die verschiedenen Autoren des Neuen Testaments (in der Reihenfolge, wie ich sie gelesen habe) und über die Hauptthemen. Ich bin alles andere als ein Bibelexperte und mir ist vollkommen bewusst, dass ich mit der bloßen Auswahl der Themen bereits selektiere und verändere. Generell werde ich mich aber darauf konzentrieren, die entsprechenden Stellen ohne große Interpretationen zu zitieren. Dieser Post ist ziemlich lang, dabei habe ich schon sehr viel gelöscht, sodass es nun nur drei bis vier Zitate pro Thema gibt. Wer sich für die längere Version interessiert, kann sich gerne bei mir melden und ich werde euch sie zuschicken.

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Die wundervolle Frankfurter Buchmesse 2018 – Ein persönlicher Messebericht

Ich gehe schon seit vielen Jahren auf die Frankfurter Buchmesse, da ich in der Gegend von Frankfurt aufgewachsen bin und es so den Messebesuch immer mit einem Besuch meiner Eltern und Schulfreunde verbinden kann. Auch dieses Jahr genoss ich das Privileg, die Buchmesse ganze drei Tage lang erkunden zu können und obwohl es jedes Jahr ein tolles Erlebnis und eines der Highlights des Jahres ist, fand ich es dieses Jahr besonders zauberhaft. Von allen Seiten kam mir nichts als Inspiration und Begeisterung für Bücher entgegen und ich habe mich gefühlt, als würde ich nach Hause kommen.

Freitag

Am Freitag ist die Buchmesse noch nicht für Privatbesucher geöffnet, weshalb es etwas leerer in den Hallen ist. An diesem Tag bin ich alleine losgezogen, blieb allerdings nicht lange alleine, denn ich habe einige wunderbare Menschen kennengelernt und habe mit bis vor kurzem noch Wildfremden plötzlich über Gott und die Welt philosophiert. Das war wirklich eine durchweg positive Erfahrung, für die ich unglaublich dankbar bin.

Dabei waren auch einige Begegnungen, die mir Hilfe und Hoffnung für meinen beruflichen Weg angeboten haben – sowohl in Bezug auf meine Jobsuche jetzt nach dem Studium als auch in Bezug auf die Veröffentlichung meines Jugendbuchs. Gerade bei Letzterem kämpfe ich oft mit Zweifeln und Ängsten, doch die Buchmesse hat mich beruhigt, mich zuversichtlich gemacht und mich ungemein motiviert.

Ein Highlight am Freitag war für mich auch die Sci Fi Lounge Ursula am Abend. Wie die Moderatorin erklärte, kommt die Science Fiction auf der Buchmesse bisher viel zu kurz und es ist an der Zeit, das zu ändern. Da stimme ich völlig zu. Ich finde generell wird das Genre Science Fiction viel zu schlecht bewertet und/oder ignoriert, dabei ist es meiner Meinung nach das wichtigste Genre überhaupt. Bei der Sci Fi Lounge haben sich neun der erfolgreichsten deutschen Sci Fi Autoren versammelt und über das Genre und seine Bedeutung für die Zukunft gesprochen. Es war extrem spannend und teils auch recht emotional. Allein der Fakt, dass das Zelt voll mit Sci Fi Fans war, hat mich gerührt. Dabei waren auch Dmitri Alexejewitsch Gluchowski (Autor von Metro 2033) und einer meiner Lieblingsautoren, Andreas Brandhorst.

Samstag

Am Samstag war ich mit meiner besten Freundin und einem ihrer Kommilitonen auf der Messe und es war ein Riesenspaß, die Bücherwelt mit Freunden zu erkunden. Wir haben es relativ gemütlich angegangen, was ich auch gut fand, und haben trotzdem die meisten Hallen durchstöbert, bei einigen lustigen Aktionen mitgemacht und den ein oder anderen Autor gesehen. Unter anderen haben wir ein Gespräch mit Frank Schätzing besucht, das mich extrem fasziniert und uns zu Diskussionen über künstliche Intelligenz und die Zukunft der Welt angeregt hat.

Am Ende des Tages waren wir regelrecht berauscht von den unendlichen Möglichkeiten, die uns die Welt bietet, und einfach nur glücklich, am Leben zu sein. Ich habe mal wieder gemerkt, wie ungemein bedeutend Literatur ist, denn sie kann tatsächlich die Köpfe von Menschen verändern. Sie kann wirklich die Welt zu einem besseren Ort machen.

Sonntag

Am Sonntag war ich schließlich noch einmal mit meiner Mutter auf der Buchmesse, was auch ein wundervolles Erlebnis war, weil wir seit einiger Zeit einen ähnlichen Buchgeschmack haben und uns so stundenlang über Büchern unterhalten können. Wir lieben beide Technikthriller, weshalb wir auch beladen mit Bücher über künstliche Intelligenz und Unsterblichkeit nach Hause gegangen sind.

Zwischendurch haben wir uns ein paar Mal getrennt, da ich noch einmal die Mangahalle erkunden, neue Bekannte von Freitag wiedertreffen und die Youtuberin Ella the Bee sehen wollte, was meine Mutter nicht so interessiert. Ella The Bee war übrigens absolut zauberhaft und genau so herzlich, wie sie in ihren Videos herüberkommt. Außerdem habe ich einen kleinen Journalismus-in-Social Media-Workshop mit einer freiberuflichen Reporterin mitgemacht, der extrem interessant war. Und ich habe das neue Soziale Netzwerk, in dem es nur um Bücher geht, mojoreads kennengelernt und freue mich darauf, mich da reinzustürzen. Kennt ihr das schon? Falls ihre bereits dabei seid, könnt ihr mir gerne euren Profilnamen dalassen, dann folge ich euch.

Zum Abschluss haben wir die Veranstaltung meines ehemaligen Verlags konkursbuch Verlag zu einer Anthologie über Bücher besucht. Es gab wunderschönen Gesang mit einer tollen Akustik in dem Lesezelt sowie Texte über die Arbeit mit und die Liebe zu Büchern. Das war wirklich ein perfektes Ende einer absolut magischen Buchmessewoche. Ich habe so viele Anreize und Bekanntschaften und Inspiration und Motivation mitgenommen – nicht zu vergessen die pure Freude am Lesen und an dem Wissen, dass es Million Menschen gibt, die das Lesen genauso sehr lieben wie ich. Literatur ist wirklich eine der größten Errungenschaften der Menschheit und dieser Fakt allein schenkt mir Hoffnung für die Zukunft unserer Spezies.

Wer von euch war auch auf der Buchmesse? Wie habt ihr sie erlebt? Ich freue mich riesig, wenn ihr mir von euren Buchmesse-Erfahrungen berichtet!

 

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Lieblingsbücher Special – Drei weitere Bücher aus meinem Lieblingeregal

Als ich letztens bei meinen Eltern zu Besuch war, habe ich mein Lieblingeregal dort durchstöbert und neben unzähligen Harry Potter und Gossip Girl Bänden, die ich ja hier schon besprochen habe, drei weitere Bücher entdeckt, die ich euch unbedingt vorstellen möchte.

Slated von Terri Terry (auf Deutsch: Gelöscht)

Ich habe bereits erzählt, dass mich die Hunger Games Trilogie wieder zum Lesen gebracht und mir außerdem Lust auf YA Dytopien gemacht hat. Die beste Buchreihe, die ich bis heute in diesem Genre gelesen habe, war definitiv die Slated Trilogie! Diese Bücher erzählen von einer Welt, in der die Erinnerungen von jugendlichen Straftätern gelöscht werden, sodass diese in einer neuen Familie noch einmal von vorne beginnen können. Der Protagonistin ist genau das wiederfahren, doch natürlich kommt ihre düstere Vergangenheit nach und nach doch wieder ans Licht – und zwar aus einem guten Grund, den ich euch hier nicht verraten möchte, denn das würde wirklich einiges vorwegnehmen.

Die Slated Bücher bringen einfach so viele originelle Ideen und Figuren mit sich. Die Vergangenheit der Hauptfigur ist absolut faszinierend und die moralischen Konflikte, die besprochen werden, sind nachvollziehbar und erscheinen unlösbar. Außerdem zeigt Slated für YA ungewöhnliche Figuren und Beziehungen, die ich so nicht erwartet hätte. Eine meiner liebsten Buchfiguren aller Zeiten kommt im zweiten Teil Fractured (auf Deutsch: Zersplittert) vor: Katran. Den zweiten Teil mag ich sowieso am liebsten, weil die Story einfach super ist. Aber mir gefällt die komplette Trilogie wirklich sehr.

The Catcher in the Rye von J. D. Salinger (auf Deutsch: Der Fänger im Roggen)

Dieses Buch habe ich an zwei Abenden durchgelesen, denn es ist nicht nur extrem kurz, sondern hat auch einen sehr flüssigen, umgangssprachlichen Schreibstil, der einen gewissen Sog ausübt. Es geht um einen Jugendlichen, Holden Caulfield, der mal wieder vom Internat geflogen ist und nun ein paar Tage in New York verbringt. Eigentlich beschwert er sich die ganze Zeit lang bloß über die Gesellschaft.  Im Prinzip ist Holden Caulfield ein ziemlich unausstehlicher Typ, der über alles und jeden herzieht, aber sein Humor und Sarkasmus haben auch mich in seinen Bann gezogen, sodass ich ihm gerne zugehört habe. Außerdem hat der Schreibstil mein eigenes Schreiben beeinflusst, den Schreiberlinge können auf jeden Fall etwas von Salinger lernen.

The Giver von Lois Lowry (auf Deutsch: Hüter der Erinnerung)

The Giver ist eines dieser Bücher, die meiner Meinung nach jeder mindestens einmal in seinem Leben lesen muss! Deshalb habe ich das Buch auch sämtlichen Freunden ausgeliehen (oder eher aufgezwungen). Es ist wie die meisten amerikanischen Klassiker recht kurz, erzählt aber trotzdem eine umfangreiche Geschichte. In The Giver geht es um eine Gesellschaft, in der jedem ein Beruf zugewiesen wird, in der es keine Zwillinge geben darf und in der die Menschen die Welt in Schwarzweiß sehen, weil sie (erzwungenermaßen) verlernt haben, Farben wahrzunehmen. Ein ziemlich trauriger Zustand also.

Doch dann wird der Protagonist, Jonas, zum Receiver (der Nachfolger des Hüters der Erinnerung) ernannt, demjenigen der das Wissen des Hüters empfängt – und damit das Wissen über so ziemlich alles auf der Welt. Natürlich ist dies eine ziemlich überfordernde Aufgabe, doch die Beschreibungen wie Jonas mit all diesen Infos und Bildern überflutet wird und schließlich sogar beginnt, Farben zu sehen, sind wirklich wunderschön und berührend. The Giver ist eine herzerwärmende Liebeserklärung an eine bunte Welt, die zwar chaotisch, dafür aber aufregender ist. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt, und dazu führt, dass die Leser für Dinge dankbar sind, die sie zuvor als selbstverständlich hingenommen haben, wie zum Beispiel die Fähigkeit, Farben sehen zu können.

Habt ihr die Slated Trilogie, Catcher in the Rye oder The Giver auch gelesen? Wie fandet ihr sie?
Ich freue mich über Kommentare!

 

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Rezension: Die Illuminae Akten_01 von Amie Kaufmann und Jay Kristoff

Genre: Science Fiction | Erscheinungsjahr: 2017 | Hardcover: 608 Seiten | Verlag: dtv |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3423761833

Kurzinhalt

Der Planet Kerenza wird angegriffen. Die Überlebenden fliehen auf einer Flotte bestehend aus drei Raumschiffen. Doch Sicherheit ist noch immer weit entfernt, denn die Schiffe haben viel Schaden genommen, ihre Verfolger sind ihnen auf den Fersen und auch innerhalb der Flotte gibt es Geheimnisse und Gefahren. Letzteren versuchen die jugendliche Hackerin Kady und ihr Ex-Freund Ezra auf die Spur zu kommen.

Eigene Meinung

Was ein Buch! Der Plot lässt die Leser kaum zu Atem kommen, weshalb ich dieses Buch regelrecht verschlungen habe. Nicht nur sieht die Ausgangssituation schon ziemlich mies aus (eine Flotte auf der Flucht durch die endlosen Weiten des Weltalls), sondern dann geschehen auch noch eine Katastrophe nach der anderen. Ich will nicht im Detail verraten, was so alles passiert, doch ihr könnt euch darauf verlassen, dass es euch beim Lesen von Illuminae nie langweilig wird. Das allein würde reichen, um mich von dem Buch zu begeistern, denn für mich ist der Plot immer noch das Entscheidende an einer Geschichte.

Noch spannender wird dieser aber präsentiert durch das ausgefallene Format des Buchs, denn es handelt sich, wie der Name schon sagt, um eine Ansammlung von Akten. Es gibt also keine herkömmliche Erzählung, sondern chronologisch aneinander geheftete Mails, Chatverläufe, Berichte der Kameraüberwachung u.v.m. Ich liebe ja außergewöhnliche Layouts, deshalb war es für mich bereits Freude pur durch das Buch zu blättern, denn es ist extrem cool gestaltet. Außerdem führt dieses Format dazu, dass das Buch schnell und einfach zu lesen ist.

Die Protagonistin Kady war mir sofort sympathisch, weil sie nicht die typische jugendliche Hauptfigur ist, die irgendwie in den Plot stolpert, sondern sie mischt sich bewusst und aus Eigeninitiative ein. Sie ist eine begabte Hackerin und hat außerdem eine ausgeprägte Abneigung gegen Geheimniskrämerei. Außerdem gibt es noch Kadys Ex-Freund Ezra, der auf einem anderen Schiff der Flotte ist und dort zum Piloten ausgebildet wird. Ezra ist ein relativ gewöhnlicher Junge (Typ: der Sportstar der Schule), der in einer ungewöhnlichen Situation versucht zu überleben. Auch die Liebesgeschichte der beiden fand ich zur Abwechslung mal überhaupt nicht abgeschmackt, sondern süß und realistisch, was daran liegt, dass sich die Protagonisten schon lange kennen und deshalb eine Vertrautheit zwischen ihnen herrscht, als auch daran, dass die Lovestory dezent gehalten ist und hinter dem Sci Fi Plot zurücktritt. So soll es sein meiner Meinung nach.

Außerdem muss ich noch die KI AIDAN, die die Flotte steuert, erwähnen. Ein Großteil der Akten stammt aus Aidans Kern, sodass wir gerade zum Ende des Buches hin das Meiste aus seiner Sicht erleben. Das Dilemma, indem sich AIDAN und die vielen Menschen, die von ihm abhängig sind, befinden, fand ich extrem spannend. Die Teile aus AIDANs Sicht hätten meinetwegen etwas kürzer ausfallen können, aber ich will mich nicht an Kleinigkeiten aufhängen.

Illuminae zu lesen war wirklich ein Erlebnis! Als Leser wird man von einem Plottwist zum nächsten geschmissen. Dabei hat sich kaum etwas so entwickelt, wie ich erwartet hatte und trotzdem wurde mir am Ende alles gegeben, was ich wollte, wenn auch auf eine ungewöhnliche Art und Weise. Deshalb habe ich Illuminae geliebt und mich oft den ganzen Tag lang darauf gefreut, es am Abend weiterlesen zu können: Es ist wirklich originell.

Kleine Anmerkung zu der Punktevergabe: Ich tue mir immer schwer damit, fünf Punkte zu vergeben. Das einzige Buch, dem ich bisher fünf Punkte gegeben habe, ist Der Marsianer von Andy Weir. Nun messe ich alles an Der Marsianer und da kann einfach nichts mithalten. Auch Illuminae ist nicht so gut wie Der Marsianer – einfach aus dem Grund, dass es winzige Probleme hat (zum Beispiel ähnelt sich der Humor der meisten Figuren einen Tick zu sehr), während Der Marsianer für mich perfekt war. Trotzdem war Illuminae viel besser als alle Vier-Punkte-Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, weshalb ich mich entschlossen habe, ihm auch fünf Punkte zu geben. Allen Sci Fi Fans kann ich dieses Buch von Herzen empfehlen!

Bewertung

+++ – Fünf von fünf Punkten

Wie hat euch Illuminae gefallen? Habt ihr schon Teil 2 und 3 gelesen? Die stehen mir noch bevor, aber ich freue mich riesig darauf! Könnt ihr mir andere Bücher empfehlen, die entweder aus dem Genre Science Fiction sind oder ein interessantes Format haben? Ich freue mich über Anregungen in den Kommentaren!

 

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Leserückblick: Gelesene Bücher Juli bis September

Das dritte Quartal von 2018 ist nun auch schon vorbei und ich kann stolz sagen, dass ich in diesen drei Monaten ganze neun Bücher gelesen habe. Für mich ist das eine beachtliche Leistung, an der  mit Sicherheit das Bloggen und Bookstagram Schuld sind. Dabei waren einige Highlights, aber leider auch ein paar Bücher, die mich so gar nicht überzeugen konnten.

Quantentheorie von Wilfried Stascheit, J.P. McEVOY, Oscar Zarate & Co. (Sachcomic)

Dieses Sachcomic war das letzte Buch, das ich noch für die #DasSuBAbc Challenge gelesen habe, und zwar zu der Aufgabe: G – Lies ein Buch dessen Genre kaum bis gar nicht von Dir gelesen wird. Quantenphysik ist auf jeden Fall ein extrem spannendes Thema, auch wenn es mir immer noch schwerfällt, es zu begreifen. Das Buch braucht allerdings sehr lange, um überhaupt einmal auf die Quantenphysik zu sprechen zu kommen. Mehr als die Hälfte des Buchs widmet sich früheren physikalischen Entdeckungen und ihren Entdeckern. Ich verstehe, dass das als Grundwissen wichtig ist, aber es hat sich oft ziemlich zäh angefühlt, vor allem weil den Biografien der Wissenschaftler viel Platz gegeben wird. Als es dann endlich mal zur Quantenphysik kam, muss ich zugeben, dass ich trotz Comicformat nicht wirklich durchblicken konnte. Das Thema ist und bleibt anspruchsvoll, egal ob es mit Bildern erklärt wird oder mit Wörtern.

Bewertung:

+++ – Drei von fünf Punkten

Last Call at the Nightshade Lounge von Paul Krueger (Fantasy)

Mit Last Call at the Nightshade Lounge habe ich mich nach Langen mal wieder an ein Fantasy Buch gewagt und es war alles, was ich mir hätte wünschen können: Es war originell (es geht um Monster bekämpfende Barkeeper), zeitgemäß und nachvollziehbar. Das Buch könnt ihr in meiner Rezension besser kennenlernen.

Bewertung:

++++ – Vier von fünf Punkten

How To Be Bad von Lauren Myracle, E. Lockhart und Sarah Mlynowski (Jugendbuch)

Mit How To Be Bad begann mein kleiner (zwei Bücher umfassender) Jugendbuch Marathon. How To Be Bad ist eine unterhaltende Roadtrip-Geschichte, die auch vor tiefergehenden Themen wie Religion, Vorurteilen, Freundschaft und Krankheit nicht zurückschreckt. Auch wenn es mich nicht vom Hocker gerissen hat, war es doch eine angenehme Sommerlektüre. Die Rezension findet ihr in einem gemeinsamen Post mit der Besprechung von Mädchenmeute.

Bewertung:

+++ – Drei von fünf Punkten

Mädchenmeute von Kirsten Fuchs (Jugendbuch)

Da bleiben wir doch gleich beim Thema, dachte ich mir, und habe mit einem deutschsprachigen Jugendbuch weitergemacht. Mädchenmeute hat sogar den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten, weshalb ich sehr gespannt auf die Lektüre war. Doch dann konnte ich mit dem Buch überhaupt nichts anfangen. Es erzählt von einer Gruppe Mädchen, die aus dem Sommer-Survival-Camp abhauen und alleine im Wald leben. Klingt erst einmal reizvoll, doch leider fand ich sowohl alle Figuren als auch die Erzählstimme vollkommen unsympathisch und unnachvollziehbar. Mehr zu diesem Buch erfahrt ihr auch in meiner doppelten Jugendbuchrezension.

Bewertung:

++ – Zwei von fünf Punkten

Angefall von Susan Ee (Fantasy)

Da ich so gute Erfahrungen mit Last Call at the Nightshade Lounge gemacht habe, habe ich mich an ein weiteres Fantasy Buch gewagt. Leider hat mir Angefall mal wieder all das vorgeführt, was ich nicht an Fantasy mag, was mich zu meinem Post über meine Hassliebe zum Genre Fantasy inspiriert hat. Das Buch spielt in der Apokalypse, während der die Engel die Menschheit angegriffen haben und die wenigen Überlebenden nun in Angst und Terror leben. Klingt erst einmal ganz spannend. Doch dann dreht sich der komplette Plot um die jugendliche Penryn, deren Schwester von den Engeln entführt wurde, und den gefallenen Engel, Raffe. Die beiden reisen zusammen durch die apokalyptische Welt und – Überraschung! – stellen fest, dass sie sich nicht so sehr hassen, wie sie es sollten. Die „Liebesgeschichte“ empfand ich als total abgeschmackt, die Art wie Raffee mit Penryn umgeht als anmaßend. Ich habe mich gefreut, dass wir mit Penryn eine Protagonistin haben, die körperlich stark ist und sich selbst verteidigen kann, doch dann wird im Verlauf der Handlung doch wieder Raffe zum Held und Retter in der Not stilisiert. Die Engel werden klischeehaft gezeichnet, ganz besonders der „gefallene Engel“ Raffe, dessen große Enthüllung für Leute, die sich ein bisschen mit Engeln und der biblischen Apokalypse auskennen (oder Supernatural geschaut haben), keine Überraschung ist. Insgesamt fand ich einfach, dass man so viel mehr aus der Idee hätte machen können. Ich gehe davon aus, das der zweite Teil spannender ist, da er sich hoffentlich um die Widerstandsbewegung der Menschen (der einzige interessante Part von Band 1) drehen wird, doch trotzdem werde ich diese Buchreihe nicht weiterlesen, denn mehr Penryn und Raffe Szenen kann ich mir einfach nicht antun. Angefall mag den Geschmack vieler Fantasy Fans treffen, doch für mich war das Buch nichts.

Bewertung:

++ – Zwei von fünf Punkten

Now von Stephan Meier (Thriller)

Now hat mich während meinem Urlaub begleitet. Es ist nicht gerade eine seichte Urlaubslektüre, sondern teilweise recht langatmig und komplex, doch trotzdem konnte mich das Buch begeistern und vor allem zum Nachdenken anregen. Now ist ein Algorithmus, der das Leben aller Menschen bis ins kleinste Detail bestimmt. Für die auserwählten Menschen, die in den wenigen, utopischen Zonen leben, schafft er eine perfekte Welt. Alle anderen werden alleingelassen und versinken in Chaos und Gewalt. Es ist ein brutales Buch, doch dadurch, dass die Brutalität extrem detailreich und ausführlich hergeleitet und erklärt wird, wird sie irgendwie nachvollziehbar. Die Rezension zu Now findet ihr in einem gemeinsamen Post mit der Rezension zu Qualityland.

Bewertung:

++++ – Vier von fünf Punkten

Qualityland von Marc-Uve Kling (Roman)

Auch Qualityland erzählt von einer von Algorithmen kontrollierten Gesellschaft (deshalb auch der gemeinsame Post), doch es geht dabei in eine komplett andere Richtung. Now und Qualityland direkt hintereinander zu lesen, war ein Erlebnis, denn es hat mir die verschiedenen Facetten und Auswirkungen von Entwicklungen, die es heute bereits gibt, aufgezeigt. In Qualityland dreht sich alles um den Konsum. Die Algorithmen wissen besser als die Menschen, was diese wollen, selbst was die Partnersuche betrifft. Qualityland ist aber trotz des wichtigen Themas ein lustig-lockeres Buch, was an dem Schreibstil von Marc-Uve Kling und an den satirisch verdrehten Figuren liegt. Deshalb habe ich die Lektüre sehr genossen.

Bewertung:

++++ – Vier von fünf Punkten

Die Illuminae-Akten_01 von Amie Kaufman und Jay Kristoff (Science Fiction)

Dieses Buch will ich schon seit Ewigkeiten lesen, denn ich habe nichts als das Beste davon erwartet – und ich wurde nicht enttäuscht. Bereits das ausgefallene Layout hat mich absolut gefesselt, denn das Buch ist, wie der Titel schon sagt, eine Ansammlung aus Akten (Mails, Berichten, Chats, etc.) und dadurch originell und spannend. Doch auch die Geschichte an sich ist kaum zu übertreffen: Nachdem ein Planet angegriffen wurde, flieht eine Flotte mit den Überlebenden durch den Weltraum. Doch natürlich brechen alle möglichen Katastrophen aus – und zwar auf den Raumschiffen, auf denen es kein Entkommen gibt. Die Illuminae-Akten_01 konnte ich kaum zur Seite legen, weshalb es definitiv mein Quartalsfavorit war. Eine Rezension zu diesem Buch folgt.

Bewertung:

+++++ – Fünf von fünf Punkten

Digital Fortress von Dan Brown (Thriller)

Da ich noch nicht Teil 2 und 3 von den Illuminae-Akten habe und außerdem auf Buchpost warte, habe ich für die Zwischenzeit ein Buch aus meinem SuB gewählt: Digital Fortress. Bei dem Top Ten Thursday zu unseren 10 liebsten, männlichen Autoren ist mir wieder eingefallen, dass ich mehr von Dan Brown lesen will. Digital Fortress habe ich vor Jahren aus einer Kiste von Büchern, die eine Bekannte wegschmeißen wollte, gerettet. Es handelt von einem unbrechbaren Code namens Digital Fortress, dessen Veröffentlichung die NSA aus naheliegenden Gründen versucht zu verhindern. Bei den technischen Details merkt man schon, dass das Buch aus dem letzten Jahrhundert stammt, doch es ist trotzdem sehr spannend.

Kennt ihr eines oder mehrere meiner gelesenen Bücher? Seid ihr auch so ein Fan von den Illuminae-Akten? Ich freue mich wie immer über Meinungen und Anregungen in den Kommentaren!

 

 

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Lieblingsbücher Special: Die besten Bücher, die ich für die Uni gelesen habe

Weiter geht es mit meinen Lieblingsbücher-Specials! Bisher habe ich euch nur Lieblingsbücher vorgestellt, die ich in meiner Freizeit gelesen habe, doch natürlich waren auch einige tolle Bücher bei meiner Unilektüre dabei. Ich habe im Master Deutsche Literatur studiert. Einer der Gründe für diese Wahl war, dass ich zuvor fast ausschließlich Bücher englischsprachiger Autoren gelesen habe. Ich kannte einfach kaum deutsche Autoren, zumindest keine zeitgenössischen. Deshalb habe ich auch als Schwerpunkt die Gegenwartsliteratur gewählt. Und mein Plan ist aufgegangen! Durch mein Studium habe ich einige tolle Bücher kennengelernt, die mir sonst entgangen wären.

1. Die Leinwand von Benjamin Stein

Eines der spannendsten Seminare, die ich belegt habe, war über die Buchhaftigkeit des deutschsprachigen Gegenwartsromans. Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nicht so genau, was Buchhaftigkeit eigentlich ist. Ich habe nur „Gegenwartsroman“ gesehen und das Seminar gewählt. Buchhaftigkeit beschreibt die Art und Weise, wie Bücher damit spielen, dass sie Bücher sind. Vielleicht ist euch schonmal aufgefallen, dass viele Bücher heute aufwendiger gestaltet sind mit ungewöhnlichen Layouts oder auch haptischen Elementen. In dem Seminar haben wir also Bücher betrachtet, deren Buch-Sein Teil der Erzählung ist. Da gab es zum Beispiel Spielereien im Layout (was ich immer liebe), Paratexte oder auch Setzungen der Schrift, die eine Bedeutung für die Geschichte haben (in diesem Zusammenhang war das Buch Der Fuchs von Nis-Momme Stockmann extrem faszinierend!).

Gerade für mich als eBook-Leser ist die Buchhaftigkeit tatsächlich der einzige Grund, noch ein materielles Buch zu kaufen – weil diese als eBook einfach nicht funktioniert (zumindest nicht auf meinem alten eReader). Tatsächlich gab es aber von all den Büchern, die wir in dem Seminar besprochen haben, nur ein einziges, dass nicht als eBook existierte, weil das schlicht unmöglich war: Die Leinwand von Benjamin Stein. Die Leinwand ist nämlich ein Dreh- und Wendebuch. Die Erzählung beginnt von beiden Enden des Buchs und die Leser entscheiden selbst, auf welcher Seite sie beginnen oder ob sie vielleicht hin- und herspringen. Die spontane Entscheidung, wo man beginnt, beeinflusst, wie man die Geschichte erlebt.

Inhaltlich geht es in Die Leinwand um zwei jüdische Männer, die in Israel und in Deutschland aufwachsen und deren Wege sich schließlich treffen – und zwar in der Mitte des Buchs. Jede Buchhälfte ist aus der Perspektive einer der Männer erzählt und diese unterscheiden sich stilistisch stark. Ich fand die Geschichte auch abgesehen von dem Layout absolut faszinierend. Einerseits interessiere ich mich sowieso für die jüdische Religion und Lebensweise, die hier sehr detailreich erzählt wird, und andererseits hat das Buch fantastische Elemente. Es geschehen unmögliche Dinge und die Leser können rätseln, was wirklich vorgefallen ist. Die Leinwand war wirklich das außergewöhnlichste Buch, das ich für das Studium lesen musste, und ich kann es nur jedem ans Herz legen.

2. Die neuen Leiden des jungen W von Ulrich Plenzdorf

Eines der Themen meiner mündlichen Abschlussprüfung war die DDR-Literatur. Da ich mich zuvor noch gar nicht damit auseinandergesetzt hatte, habe ich also DDR-Bücher der verschiedenen Jahrzehnte gelesen. Das Buch, das mir den meisten Spaß bereitet hat, war sicher Die neuen Leiden des jungen W. Da das Buch aus den 70ern ist, als die strikten Zensurgebote schon etwas gelockert wurden, ist es viel kritischer als die anderen Bücher, die ich gelesen habe. Die Kritik richtet sich dabei nicht gegen den Kommunismus, sondern gegen die Lebensweise in der DDR.

Der Protagonist ist der Aussteiger Edgar, der seine Ausbildung abbricht und in einer leerstehenden Laube wohnt und Bücher liest. Dann lernt er Charlie kennen, die aber schon verlobt ist. Wie ihr vielleicht merkt, erinnert das Buch an Die Leiden des jungen Werther von Goethe. Edgar liest in dem Buch auch den Werther. Gefallen hat mir das Buch vor allem, weil es lustig ist. Der Stil ist locker und leicht und die Art, wie Edgar über Werther denkt, ist einfach nur witzig. Ich kann verstehen, wieso das Buch den Jugendlichen in der DDR gefallen hat.

3. Jerusalem war immer eine schwere Adresse von Angelika Schrobsdorff

Für eine Hausarbeit über Israel habe ich dieses Buch gelesen und analysiert. In der Arbeit ging es um Niemandsländer und ich habe anhand des Buchs herausgearbeitet, dass man Ost-Jerusalem als Niemandsland bezeichnen kann und dass die Palästinenser, die in diesen Gebieten leben, wie Niemandsländer, die zu keiner Nation gehören, behandelt werden.

Jerusalem war immer eine schwere Adresse ist kein besonders fröhliches Buch. In ihm erzählt die Autorin von der Zeit, in der sie selbst in Jerusalem gelebt hat, was während der zweiten Intifada war – dem Aufstand der Palästinenser. Da sie selbst palästinensische Freunde hat, ist sie persönlich in das Landesgeschehen verwickelt. Gleichzeitig beobachtet sie es in den Nachrichten und ist geschockt von den Taten ihrer eigenen Landsleute. Dieses Buch hat mir Tränen in die Augen getrieben, denn es ist die Geschichte einer Frau, deren Land ihr das Herz bricht. Es ist grausam und rührend und wunderschön.

4. Love, Lies, Lizzie von Rosie Rushton

Love, Lies, Lizzie ist das einzige nicht-deutsche Buch auf dieser Liste, denn ich habe es für ein studiengangübergreifendes Seminar über Lügen in der Literatur gelesen. Es handelt sich dabei um eine Neuerzählung von Stolz und Vorurteil von Jane Austen. Ich muss zugeben, dass ich das Original nie gelesen habe. Wir sollten es eigentlich auch lesen, doch ich habe aus Versehen Sinn und Sinnlichkeit statt Stolz und Vorurteil gekauft, das ich aber bisher auch noch nicht gelesen habe. Ich glaube auch nicht, dass ich noch mal ein Jane Austen Fan werde.

Love, Lies Lizzie war aber Spaß zu lesen. Es erzählt wie das Original von Liebe und Familie und Freundschaft und Intrigen und Verrat. Doch dabei ist es modern und lustig erzählt. Es fühlt sich an wie eine Staffel von Keeping up with the Kardashians. Love, Lies, Lizzie war auf jeden Fall ein schnelles Lesevergnügen.

5. Interviews aus dem Palais d’Amour von Hubert Fichte

Das Seminar, das mich wahrscheinlich im Master am meisten begeistert hat, war ein Kurs über Dokumentarliteratur. Dabei haben wir jede Menge tolle Bücher gelesen, die sich zwischen Fiktion und Non-Fiction bewegen. Die Interviews aus dem Palais d’Amour tendieren wohl eher zu Letzterem, doch wir haben darüber diskutiert, ob nicht schon die Auswahl und Anordnung der Interviews eine Art Fiktionalisierung ist. Am Ende habe ich sogar eine Hausarbeit über die Darstellung von Sex in Hubert Fichtes Werk geschrieben.

Fichte hat Prostituierte und Zuhälter aus St. Pauli interviewt und gibt so einen Einblick in das Rotlichtviertel Hamburgs. Es gibt noch weitere Interviewbände von Fichte, die auch toll sind (denn ich mag das Interview-Format immer sehr gerne), außerdem sind auch seine Autobiografien sehr lesenswert. Die Interviews aus dem Palais d’Amour sind hier also nur beispielhaft genannt.

Kennt ihr eines oder mehrere der Bücher? Wie haben sie euch gefallen? Kennt ihr vielleicht weitere Bücher mit ausgefallenen Layouts sowie Die Leinwand? Dann freue ich mich riesig über Anmerkungen und Tipps in den Kommentaren!

 

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Top Ten Thursday 282: 10 empfehlenswerte Sachbücher

Ich freue mich immer, wenn Blogs sich auch mit Sachbüchern auseinandersetzen, denn ich lese gerne und viele Sachbücher und bin immer auf der Suche nach Büchern zu Themen, die mich faszinieren. Deshalb bin ich auch diese Woche wieder beim Top Ten Thursday dabei, denn das Thema der Woche ist: 10 empfehlenswerte Sachbücher. Die Bücher, die ich euch im Folgenden vorstelle, sind diejenigen, die mir spontan in den Sinn gekommen sind.

Habt ihr eines oder mehrere meiner TTT Bücher der Woche gelesen? Wie fandet ihr sie? Lasst mir einen Kommentar da – gerne auch mit dem Link zu eurer eigenen TTT-Liste, denn ich bin gespannt, welche Bücher ihr zusammengestellt habt!

1. Reality Hunger von David Shields

Reality Hunger war das erste Buch, das ich in meinem ersten Seminar im Master Deutsche Literatur gelesen habe. In dem Seminar ging es um Dokumentarliteratur (nach wie vor eines meiner liebsten Genres). Reality Hunger spricht unsere Sucht nach Medien, die sich als real ausgeben, an – egal ob es Reality Shows oder Autobiografien sind. Kennt ihr das, das ihr ein Buch oder einen Film gleich doppelt so ernst nehmt, wenn es am Anfang heißt: „Basiert auf realen Geschehnissen“? Genau das ist unser Reality Hunger. Die Idee ist, dass ein Werk irgendwie mehr recht hat zu existieren, weil es von realen Ereignissen handelt. Das kann man natürlich anzweifeln – ganz zu schweigen von der Frage, wie viel Realität in sogenannten „Reality Shows“ wirklich steckt.

Das Buch Reality Hunger ist an sich schon sehr ungewöhnlich und führt damit unsere Idee von Realität ad absurdum. Es gibt hunderte von Kapiteln, die nur einen Satz oder vielleicht mal ein paar kurze Abschnitte lang sind. Der Autor springt von Thema zu Thema und durchforstet dabei unsere komplette Gesellschaft. Das hat in meinem Seminar zu hitzigen Diskussionen geführt – denn das Buch provoziert sowohl inhaltlich als auch mit seinem Layout. Mir persönlich hat es sehr gut gefallen, auch weil ich den locken Stil David Shields genossen habe.

2. On Writing Well von William Zinsser

Wie ihr vielleicht wisst, schreibe ich gerne und bin ein Fan von Artikeln mit Tipps zum Schreiben. On Writing Well ist allerdings der einzige buchlange Schreibratgeber, den ich gelesen habe. Er handelt vom Schreiben von Non-Fiction Werken – seien es nun Reportagen oder eine Autobiografie. Besonders das Kapitel über die Autobiografie fand ich sehr spannend. Hängengeblieben ist bei mir unter anderem, dass eine Geschichte immer eine Struktur und eine Plotlogik haben muss – auch wenn sie auf dem wahren Leben basiert, das oft total chaotisch erscheint. Unser Leben hat vielleicht keinen Wendepunkt und Höhepunkt – aber das Buch darüber sollte dies trotzdem besitzen.

On Writing Well hat mir ebenfalls gut gefallen wegen William Zinssers Schreibstil und seiner Leidenschaft fürs Schreiben und Recherchieren. Er kann mich selbst mit einem Kapitel über Baseball begeistern, obwohl ich mich nicht weniger für Baseball interessieren könnte. Wer am Schreiben von Non-Fiction Texten interessiert ist, kann also einiges von William Zinsser lernen.

3. Das wilde Leben von Uschi Obermaier

Wo wir gerade von Autobiografien sprechen, darf natürlich auch eine Autobiografie in dieser Liste nicht fehlen. Ich hoffe zumindest, dass man Autobiografien zu den Sachbüchern zählt (laut Wikipedia gehören zumindest Biografien dazu). Lange war mein Lieblingsfilm Das wilde Leben über das Leben der 68er Ikone Uschi Obermaier. Später habe ich dann die gleichnamige Autobiografie gelesen und war absolut begeistert. Von ihrem Ausbruch aus der bayrischen Öde, über ihre Zeit in der Kommune 1 und ihre Affären mit Musikern wie Jimy Hendrix (den sie in dem Film unverständlicherweise weggelassen haben) und Keith Richards, bis hin zu ihrer Weltreise – Uschis Abenteuer haben mich fasziniert und zum Träumen angeregt.

4. Das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels

Vor meinem Master der Deutschen Literatur habe ich im Bachelor Staatswissenschaften studiert mit den Schwerpunkten Soziologie und politische Theorie. Ich hatte zuerst als großen Schwerpunkt Politik, doch dann habe ich zur Soziologie gewechselt, weil ich erkannt habe, dass das einzige Feld der Politikwissenschaften, das mich wirklich interessiert, die politische Theorie ist. Zu Beginn meines Studiums hatte ich kein geringeres Ziel, als die perfekte Gesellschaftsform zu finden. Das habe ich natürlich nicht geschafft, aber trotzdem habe ich einiges gelernt und viele spannende Abende mit den Werken der großen politischen Theoretiker verbracht.

Marx und Engels waren wohl eher Wirtschaftstheoretiker, doch die Wirtschaft ist nun mal ein wichtiger Aspekt einer Gesellschaft. Das kommunistische Manifest (oder wie es eigentlich heißt: Manifest der kommunistischen Partei) habe ich mittlerweile sicher drei oder vier Mal gelesen. Ich habe es als Word Dokument auf meinem Computer und bei jedem Lesedurchgang unterstreiche und kommentiere ich, sodass das Dokument mittlerweile kunterbunt und ziemlich unübersichtlich ist. Ich habe auch Teile von Marx‘ Kapital gelesen, doch was ich am kommunistischen Manifest mag, ist dass es für die Allgemeinheit geschrieben ist. Im Gegensatz zum Kapital kann jeder das kommunistische Manifest verstehen. Es ist auch nicht besonders lang, deshalb würde ich jedem – unabhängig von ihrer oder seiner politischen Richtung – empfehlen, es einmal zu lesen. Denn noch heute baut so viel darauf auf.

5. Der Gesellschaftsvertrag von Jean-Jaques Rousseau

Mein anderes Lieblingswerk aus meinem Studium der politischen Theorie ist Rousseaus Gesellschaftsvertrag. Hierbei handelt es sich um ein komplettes Buch, doch auch dieses ist relativ gut verständlich. Rousseau beschäftigt sich mit der Entstehung von Eigentum und deren Konsequenzen und mit der Art und Weise, wie eine Gesellschaft organisiert werden kann. Auch wenn seine Ideen heute ziemlich utopisch wirken, können sie jede Menge Denkanstöße geben.

6. Das gelobte Land von Alexandra Pontzen und Axel Stähler (Hg.)

Ich weiß gar nicht, mit was das begonnen hat, aber letztes Jahr habe ich plötzlich ein riesiges Interesse für Israel entwickelt. Eine Weile war das nur so in meinem Hinterkopf, bis ich auf einem Bücherflohmarkt das Buch Das gelobte Land entdeckt habe (sowie eine Karte von Jerusalem). Im selben Semester hatte ich ein Seminar mit dem Titel „Niemandsländer“ (Länder, die niemandem oder mehreren gehören) und obwohl es darin nicht um Israel ging, dachte ich bei dem Thema sofort an den Gazastreifen und das Westjordanland. Deshalb habe ich eine Hausarbeit über Israel geschrieben (in der ich letztlich eher auf Ostjerusalem eingegangen bin).

Als Recherche habe ich als allererstes Das gelobte Land gelesen. Das Buch sammelt Texte über die israelische Geschichte von den alttestamentlichen Zeiten bis heute. Es ist extrem spannend (wenn auch nervenaufreibend und teils extrem frustrierend) und es hat mir einen guten Überblick über die Geschichte Israels gegeben. Die Hausarbeit über Israel ist bis heute meine liebste wissenschaftliche Arbeit, die ich je verfasst habe. Eines Tages hoffe ich, mal Jerusalem zu besuchen.

7. Wer schuf den Schöpfer von Ravi Zacharias und Norman Geisler

Wer schuf den Schöpfer habe ich in einer Zu-Verschenken-Box auf der Straße gefunden (wie so einige meiner Bücher) und es dieses Jahr gelesen. Es beantwortet kritische Fragen zum christlichen Glauben und geht dabei auf eine ganze Breite von Themen ein: Wissenschaft, Jesus, die Bibel, andere Religionen. Die Antworten sind meist recht wissenschaftlich gefasst, was mir gut gefallen hat. Sie stammen aber allesamt aus einer christlich-jüdischen Perspektive – das nur als kleine Warnung für atheistische Leser.

8. Wissenschaftliche Theorien in 30 Sekunden von Paul Parsons

Mein Mann (damals noch mein Freund) hat mir dieses Buch geschenkt. Er ist Naturwissenschaftler, während ich von solchen Themen recht wenig Ahnung habe. Tatsächlich stammt so ziemlich alles, was ich über Naturwissenschaft weiß, von meinem Mann. Doch dieses Buch hat mir einen guten Einstieg gegeben. Es geht dabei um wissenschaftlicher Theorien aller Art. Jede Theorie erhält eine Doppelseite. Dabei kann natürlich nicht auf die Einzelheiten eingegangen werden, aber zumindest weiß ich jetzt, worum es bei diesen Theorien überhaupt geht und habe einen Ansatzpunkt, falls ich mich tiefergehend mit ihnen beschäftigen möchte.

9. Die Kunst des Lügens von Simone Dietz

Letztes Jahr hatte ich ein extrem interessantes Blockseminar über Lügen in der Literatur. Dabei ging es um lügende Figuren und Erzähler bis hin zu der Frage, ob Fiktion nicht sowieso eine Lüge ist. Die Kunst des Lügens ist ein philosophisches Sachbuch über ebendie Frage, was Lügen eigentlich ist und was es nicht ist. Außerdem geht es sehr schön auf die Frage ein, ob Lügen immer eine verwerfliche Tat ist, oder ob es an sich ein neutraler moralischer Akt ist und erst die Intention bestimmt, ob das Lügen gut oder böse ist. Sehr spannend!

10. Die gestohlene Demokratie von Gabor Steingart

Es ist schon einige Jahre her, seit ich Die gestohlene Demokratie gelesen habe und ehrlich gesagt, weiß ich nicht einmal mehr wirklich, worum es geht. Doch ich erinnere mich noch gut daran, dass mich das Buch damals (das muss ungefähr 2010 gewesen sein) extrem beeindruckt hat. Ich denke, dass sich das Buch mit der Idee von mehr Basisdemokratie auseinandersetzt – eine Idee, mit denen sich auch heutige Leser wieder beschäftigen sollten. Das Buch steht noch bei meinen Eltern im Regal und ich denke, es ist an der Zeit, es mal wieder zur Hand zu nehmen.

 

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Rezension zweier Bücher über Algorithmen: Now von Stephan Meier und Qualityland von Marc-Uwe Kling

Now. Du bestimmst, wer überlebt von Stephan Meier

Thriller | Erscheinungsjahr: 2017 | Taschenbuch: 432 Seiten | Verlag: Penguin |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3328100492

Kurzinhalt

Die Welt ist voller Klimakatastrophen, Krisen, Armut und Hoffnungslosigkeit. Aus diesem Grund erschaffen Bill und Mitch den Algorithmus Now, der ausrechnen soll, wie die Menschheit ihrem Untergang entgehen und die Welt gerettet werden kann. Nows Lösung ist radikal. In einer rasenden Geschwindigkeit übernimmt Now alle Lebensbereiche und kreiert perfekte Zonen, die den Auserwählten das bestmögliche Leben bieten, während der Rest der Welt ausgeschlossen wird.

Eigene Meinung

Die Erzählung setzt irgendwann in der Zukunft ein, als Now bereits die Herrschaft ergriffen hat. Die Handlung auf der anderen Seite setzt (viel später im Buch) im Jahre 2026 ein. Die Leser stolpern durch Szenen in einer Zukunft, in der unsere jetzige Welt kaum noch zu erkennen ist, über Szenen, die vor der Übernahme von Now stattfinden und in denen die dargestellte Welt unserer noch erschreckend ähnelt, bis zu Szenen im Now.

Diesen Aufbau fand ich anfangs ein bisschen anstrengend, doch nachdem ich mich darauf eingelassen habe, habe ich erkannt, dass er durchaus sinnvoll ist. Denn gleich zu Beginn werden die Leser mit der abgefahrenen Zukunft gelockt, bevor sie sich erst einmal durch hunderte Seiten von Backstory kämpfen müssen – und das zurecht. Denn die Backstory ist essentiell, um zu verstehen und in einem gewissen Maße nachvollziehen zu können, wie es zu Now kommen konnte.

Das Bild, das Now von der Zukunft unserer Welt zeichnet, ist wirklich sehr düster. Im Prinzip ist die Idee, dass die Erde nicht überleben wird, wenn wir weiterleben wie jetzt. Da ist mit Sicherheit etwas Wahres dran. Die Konsequenz, die Now daraus zieht, ist natürlich sehr extrem, aber für eine Maschine irgendwie verständlich.

All das wird in Now wirklich hervorragend erklärt. Gerade durch die vielen Kapitel, die die Backstory und die technischen Grundlagen betreffen, blicken auch Leser, die wenig Ahnung von Technik haben (so wie ich), gut durch. Diese Genauigkeit, die das Buch teilweise sogar eher wie ein Lehrbuch erscheinen lässt (ganz besonders in ein paar Kapiteln, die eine Talkshow umfassen), war meiner Meinung nach die größte Stärke von Now. Man merkt, dass der Autor sich wirklich mit seinem Themengebiet auskennt.

Die Figuren haben sich für mich etwas distanziert angefühlt. Ich habe nicht wirklich mit ihnen mitgefiebert, sondern habe eher Now und seinen Folgen entgegengefiebert. Aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Denn obwohl es in Now auch um Liebe und Familie geht, um Vertrauen und Verrat, tritt all das in den Hintergrund im Vergleich zum Überleben der Menschheit.

In diesem Zusammenhang noch ein Wort zum Genre. Now wird als Thriller verkauft, was in dem Sinne stimmt, da die ganze Welt bedroht ist. Doch wer sich nun Spannung pur vorstellt, wird enttäuscht werden. Tatsächlich liest sich Now mehr wie eine Gesellschaftsanalyse als ein Thriller. Höchsten zum Ende hin wird es ein bisschen spannend.

Ich fand sowohl die Beschreibungen von Eden (der perfekten Lebenszone) als auch die von all den Gebieten, die ausgeschlossen wurden und in denen nun apokalyptische Zustände herrschen, extrem faszinierend. Now schafft eine außergewöhnliche Vision, bei der die Leser selbst die Arbeit leisten müssen, sie zu hinterfragen. Denn Now ist nicht die böse KI, die die Weltherrschaft übernehmen will – ganz im Gegenteil.

Das Ende (und damit meine ich wirklich die letzten paar Sätze) habe ich ehrlich gesagt nicht so richtig verstanden. Also falls ihr das Buch schon gelesen habt, können wir uns gerne darüber austauschen! Alles in allem war Now aber ein sehr originelles und gut durchdachtes Buch!

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

Qualityland von Marc-Uwe Kling

Roman | Erscheinungsjahr: 2017 | Hardcover: 384 Seiten | Verlag: Ullstein |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3550050152

Kurzinhalt

Deutschland gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Das Chaos, dass diese Nation ersetzt hat, wurde beendet von einer neuen Nation: Qualityland. In Qualityland tragen alle Leute als Nachnahmen den Beruf ihrer Mutter oder ihres Vaters. Sie haben digitale Assistenten und sind immer mit ihrem Qualitypad online. Die Algorithmen wissen, welche Produkte die Menschen sich wann wünschen und diese werden ihnen automatisch zugeschickt. Als der Protagonist, Peter Arbeitsloser, eines Tages einen Delfinvibrator zugeschickt bekommt, beginnt er, das System zu hinterfragen.

Eigene Meinung

Ich rezensiere Now und Qualityland in einem gemeinsamen Post, weil sich beide Bücher mit Algorithmen auseinandersetzen, dabei aber in komplett unterschiedliche Richtungen gehen. Während Now den Konsumkapitalismus quasi über Nacht abschafft, dreht sich in Qualityland das ganze Leben nur noch um den Konsum.

Meine Mutter, die mir das Buch ausgeliehen hat, tat das mit der Anmerkung, dass sie das Buch deprimiert habe, weil es sie zu sehr an unsere echte Welt erinnert habe. Denn auch für uns entscheiden ja schon die Algorithmen, welche Meldungen wir in den Sozialen Medien und welche Werbungen wir im Internet zu sehen bekommen. Es ist nur der logische nächste Schritt, dass uns die entsprechenden Produkte gleich zugeschickt werden.

Doch Qualityland geht noch weiter. Roboter haben viele Berufsbranchen komplett übernommen. Fake News und Rassismus haben einen Höhepunkt erreicht. Menschen sehen nur die Nachrichten, die zu ihrem Weltbild passen. Die Leute werden automatisch in Levels eingeteilt und diesen entsprechend behandelt. Und es geht weiter und weiter. Qualityland zeichnet ein überaus detailreiches und abstruses Gesellschaftsbild.

Trotzdem fand ich das Buch überhaupt nicht deprimierend. Ein Grund dafür ist natürlich, dass es witzig ist. Es lässt sich sehr schnell und einfach lesen. Und manche der Figuren haben auf jeden Fall ein Komikpotential. Ich sag nur: eine Android-Autorin mit Schreibblockade oder ein Sexroboter, der Liebeskummer hat. Einfach köstlich! Mir hat gefallen, dass die Maschinen hier nicht als Bösewichte dargestellt werden, sondern als Wesen, für die man Sympathie und Mitleid empfinden kann. Das Highlight in diesem Aspekt war für mich definitiv der marxistische Präsidentschaftskandidat/Roboter John of Us.

Auch der Protagonist ist nachvollziehbar. Peter Arbeitsloser wird in die Rolle eines hoffnungslosen Mannes am unteren Rand der Gesellschaft gezwängt und beginnt als trauriges Kerlchen. Doch dann ergreift er zumindest teilweise Eigeninitiative und will nicht mehr der sein, für den die Algorithmen ihn halten.

Auch Qualityland befasst sich also mit den Algorithmen und der Digitalisierung der Welt. Doch es liest sich weniger wissenschaftlich, sondern unterhaltsamer als Now. Qualityland hat mir deshalb mehr Spaß gemacht zu lesen, während Now mich mehr zum Nachdenken gebracht hat. Letztlich sind beides gute Bücher, die ich jedem empfehlen kann, der in einer digitalisierten Welt lebt (also so ziemlich jeder).

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

Kennt ihr eines oder beide der Bücher? Wie ist eure Meinung darüber?
Das würde mich total interessieren!

 

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Top Ten Thursday 381: 10 männliche Autoren, deren Bücher dich begeistert haben

Nach einer langen Pause bin ich mal wieder beim Top Ten Thursday dabei. Heute gibt es ein Thema, bei dem ich ausnahmsweise absolut keine Probleme habe, genug Bücher zu finden: 10 männliche Autoren, deren Bücher dich begeistert haben. Tatsächlich ist die große Mehrheit meiner Lieblingsautoren männlich. Ich freue mich, euch hier 10 Autoren vorzustellen, deren Bücher ich liebe – von dem besten bis zum zehntbesten. Darunter sind Autoren, deren Bücher ich zahlreich verschlinge und genieße, und auch solche, von denen mich ein Buch im Besonderen begeistert hat.

Kennt ihr die Bücher meiner Lieblingsautoren und mögt ihr sie vielleicht auch? Lasst mir gerne einen Kommentar da!

1. Jack Kerouac

Ich habe ja bereits eine Lobeshymne auf mein Lieblingsbuch On the Road von Jack Kerouac gepostet, doch auch generell ist Kerouac definitiv mein Lieblingsautor. Ich habe neben On the Road viele weitere Bücher von ihm gelesen, die natürlich nicht an seinen Megahit heranreichen können, aber doch alle auf ihre eigene Art reizvoll sind. Sie haben alle Kerouacs unvergleichlichen, poetischen Schreibstil gemeinsam, den ich so bewundere.

2. Dave Eggers

Während ich Jack Kerouac bereits seit mehr als zehn Jahren lese und liebe, sind Dave Eggers Bücher für mich eine relativ neue Entdeckung. Vor ein paar Jahren habe ich Der Circle gelesen und es hat tatsächlich mein Weltbild erschüttert. Das Buch hat mich dermaßen emotional mitgenommen, ohne dass darin besonders viel passiert. Mittlerweile verstehe ich, dass das wohl am Können des Autors liegen muss. Das Buch, mit dem mich Dave Eggers dann aber wirklich überzeugen und restlos begeistern konnte, war seine Autobiografie Ein herzzerreissendes Werk von umwerfender Genialität. Obwohl der Titel zumindest teilweise ironisch gemeint ist, trifft er absolut zu. Ich habe gelacht und geweint und mich in den wunderbar selbstsüchtigen Erzähler verliebt. Seitdem halte ich immer und überall Ausschau nach Dave Eggers Büchern, denn wenn zwei so grundverschiedene Bücher wie Der Circle und Ein herzzerreissendes Werk von umwerfender Genialität mich beide begeistern konnten, dann muss der Grund dafür nicht die Handlung, sondern der Autor sein.

3. Andy Weir

Ich habe erst dieses Jahr die Bücher von Andy Weir gelesen, auch wenn ich dank seinen Interviews und seiner American Dream Story schon vorher ein Fan von ihm war. Aber hier soll es ja um Bücher gehen. Der Marsianer ist bisher das einzige Buch, das ich gelesen habe, seit ich Anfang Februar meinen Blog gestartet habe, das ich mit fünf Sternen bewertet habe. Es ist einfach phänomenal. Obwohl mir Artemis weniger gefallen hat, wertschätze ich Andy Weir als Autor immer noch immens. Er ist einfach ein Meister der Science Fiction. Dass er bei den Nicht-Sci-Fi-Elementen wie den Beziehungsgeflechten in Artemis vielleicht noch etwas lernen muss, verzeihe ich ihm da gerne.

4. Lev Grossman

Ich muss zugeben, dass ich bisher nur Lev Grossmans Fantasy Bücher, nämlich die Magicians Trilogie (Die Zauberer von Fillory), kenne und nicht seine Nicht-Fantasy Werke, die er früher veröffentlicht hat. Doch die Magicians Bücher sind nach wie vor meine liebsten Fantasy Bücher und der Grund dafür ist vor allem das Handwerk von Lev Grossman. Ich liebe seinen ungezwungenen, witzigen Stil, ich liebe seine Figurenkonstruktion und -entwicklungen. Er kann mir Dinge verkaufen, die ich sonst viel zu abstrus finden würde, um sie ernst zu nehmen.

5. James Frey

Bei James Frey ist es ebenfalls der Fall, dass mich ein Buch von ihm deutlich mehr begeistert hat als alle anderen. Es ist schon einige Jahre her seit ich seine Memoiren (mit Schönheitskorrekturen, wie später herauskam) A million little pieces gelesen habe, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie mir das Buch damals unter die Haut gegangen ist. Etwas wie das, hatte ich zuvor noch nie gelesen. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, dass ich die Schmerzen des Protagonisten tatsächlich physisch beim Lesen spüre. Mittlerweile habe ich auch die Endgame Trilogie von James Frey gelesen, die überhaupt nichts mehr von dieser Schreibweise in sich hat – verständlicherweise, immerhin handelt es sich um eine Apokalypse-Geschichte für Jugendliche. Außerdem kenne ich noch Das letzte Testament der heiligen Schrift, das superseltsam war, aber in diesem Sinne typisch für James Frey.

6. Nick Hornby

Ich habe schon lange nichts mehr von Nick Hornby gelesen, aber früher habe ich seine Bücher verschlungen. Nick Horny ist der einzige Romanautor, den ich kenne, der es schafft lustig (teilweise sogar urkomisch) zu sein, während er über ernste Themen schreibt. Das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe, war A long way down und es hat mich vollkommen begeistert. Es folgten High Fidelity, Slam und Funny Girl, die ich ebenfalls sehr unterhaltsam fand. Eigentlich habe ich Lust, mal wieder was von Nick Hornby zu lesen.

7. F. Scott Fitzgerald

The Great Gatsby ist für mich eines dieser Bücher, die jeder einmal gelesen haben sollte – ganz besonders Menschen, die selbst schreiben wollen. Es ist einfach ein Paradebeispiel von Storytelling. Wie Fitzgerald es geschafft hat, solche eine emotionale Geschichte auf so wenigen Seiten zu erzählen, ist mir immer noch rätselhaft. Ich kann viel von ihm als Autor lernen. Außerdem habe ich This Side of Paradise (seinen Debütroman) gelesen, der natürlich noch nicht so gut war wie The Great Gatsby, aber auch schon ziemlich gut.

8. Alex Garland

Wo wir gerade bei Autoren sind, die Storytelling beherrschen, muss ich unbedingt auch Alex Garland nennen. Sein Roman The Beach konnte mich fesseln, begeistern, mitfiebern lassen und sogar ein bisschen gruseln. Bisher ist The Beach das einzige Buch, das ich von ihm gelesen habe. Ich kenne ihn sonst nur als Drehbuchautoren. Ich denke, dass man es The Beach auch anmerkt, dass hier ein Schriftsteller am Werk war, der es als Drehbuchautor gewohnt ist, den Fokus auf die Handlung zu legen.

9. Andreas Brandhorst

Andreas Brandhorst ist einer der erfolgreichsten deutschen Sci Fi Autoren. Ich habe bisher nur sein Buch Seelenfänger gelesen, aber das konnte mich absolut fesseln und ich plane, es bald mal wieder zur Hand zu nehmen. Seine anderen Bücher waren mir bisher etwas zu Sci Fi lastig, doch sein neuester Thriller Das Erwachen klingt total nach meinem Geschmack und steht schon seit einem Jahr auf meiner Leseliste. Außerdem schätze ich Andreas Brandhorst auch als Übersetzer der Terry Pratchett Bücher.

10. Dan Brown

Auch Dan Brown ist ein Autor, von dem ich bisher nur ein Buch gelesen habe, aber ich finde, manchmal reicht ein Buch, um zu wissen, dass hier ein Autor am Werk ist, der sein Handwerk beherrscht. Für die Uni musste ich mal Der Da Vinci Code lesen, also habe ich es aus der Bibliothek ausgeliehen und mich unwillig an die Lektüre gemacht. Bis dahin war ich absolut kein Fan von Thrillern, außerdem kannte ich schon den Film, wusste also, was passiert. Doch dann konnte mich das Buch total mitreißen und ich konnte es kaum zur Seite legen. Seitdem bewundere ich Dan Brown und stehe auch Thrillern offener gegenüber. In meinem Buchregal wartet noch ein anderes altes Dan Brown Buch auf mich.

 

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