#femtember 2022: Frauenrechte und ihre Verletzungen

Zum Ende des #femtember2022 möchte ich noch mal weg von der Literatur gehen und die Realität anschauen. Diesen Monat habe ich viel feministische Science Fiction Literatur vorgestellt und es ist erschütternd festzustellen, dass wir von deren dystopischen Aspekten gar nicht so weit entfernt sind.

Im August habe ich eine Fortbildung zum Thema Frauenrechte gemacht und möchte euch gerne einiges der Infos und Ansätze, die ich dabei erfahren habe, mitgeben. Leider habe ich die Seminarunterlagen nicht erhalten und mir wenige Notizen gemacht, deshalb hangele ich mich für diesen Blogpost grob entlang an einem kleinen Büchlein des Vereins der Seminarleiterin: das Brandenburgische Frauenpowerbook des Demokratischen Frauenbunds (Landesverband Brandenburg). Wenn euch dieses interessiert und ihr gerne selbst darin lesen wollt, meldet euch bei mir und ich schicke es euch gerne zu – soweit ich weiß, gibt es das nirgends zu kaufen.

Die Erklärung der Frauenrechte

Wusstet ihr, dass es genau wie die Erklärung der Menschenrechte von den UN (den Vereinten Nationen) auch eine Erklärung der Frauenrechte gibt? Ich muss zugeben, dass ich vor meiner Fortbildung noch nie davon gehört hatte. Diese Erklärung nennt sich CEDAW (Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women) und wurde 1979 verabschiedet. Wir haben sie in dem Seminar gelesen. Sie ist vage gehalten im typischen Rechtsprech und ausgesprochen theoretisch und schwer verständlich. Aber die Punkte, die sie festlegt, sind tatsächlich die Basis von Gesetzen gegen Diskriminierung und zum Schutz der Frau, von denen wir heute profitieren. Gleichberechtigung wird gefordert für alle Lebens- und Arbeitsbereiche, aber auch ganz konkrete Gesetze wie das Recht auf Mutterschutz und Elternzeit nehmen dort ihren Ursprung. Wenn ihr es selbst nachlesen wollt, findet ihr den kompletten Text hier.

Gewalt gegen Frauen

Frauenrechte klingen schön in der Theorie, doch es gibt viel zu viele Beispiele, wo sie verletzt werden. Ein besonders Deutliches ist Gewalt gegen Frauen, ob in Form von häuslicher Gewalt, physischer oder auch psychischer Gewalt. Dazu gehört auch sexualisierte Gewalt bis hin zu Vergewaltigungen, die leider immer noch extrem häufig vorkommen und bei denen die Frauen auch im Nachhinein nicht geschützt werden: Ihnen wird oft nicht geglaubt oder ihnen wird sogar die Schuld daran gegeben, was passiert ist. Das nennt mensch auch Rape Culture. Laut dem Brandenburgischen Frauenpowerbuch beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Vergewaltigung straffrei bleibt in Deutschland 99%. Neunundneunzig Prozent! Laut dem Buch gibt es:

  • 160.000 Vergewaltigungen pro Jahr (wobei die Dunkelziffer, also die, die nicht gemeldet werden, vermutlich noch viel höher ist)
  • Davon werden 8.000 angezeigt
  • 1.000 davon führen dann tatsächlich zu Verurteilungen

Das ist eine extrem traurige Statistik, die uns wütend machen sollte. Hinzu kommt organisierte sexualisierte Gewalt wie Zwangsprostitution und Menschenhandel und letztlich sogar Femizide, also der Mord an einer Frau, weil sie eine Frau ist. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau ermordet – meistens von ihren Partnern oder Ex-Partnern. Ein großartiges Buch dazu ist „Femizide“ von Julia Cruschwitz und Carolin Haentjes. Es ist hart und bedrückend, aber auch total wichtig.

Care Arbeit und Mental Load

Etwas, das auch bereits in der Frauenrechtskonvention angerissen wurde, das sich aber bis heute nicht verändert hat, ist dass in den meisten Fällen, Care Arbeit bei Frauen liegt. Dazu zählen Pflegeberufe, aber vor allem auch unbezahlte Care Arbeit wie das Betreuen der eigenen Kinder oder pflegebedürftiger Verwandter. Arbeitende Mütter haben zwei Jobs, sie arbeiten quasi 24 Stunden am Tag, denn meist sind sie es, die sich um die Kinder kümmern und nebenher auch noch den Haushalt machen.

Mental Load bezeichnet zusätzlich zu dieser körperlichen unbezahlten Betreuungsarbeit, dass Frauen und besonders Mütter auch psychisch die Last tragen. Sie sind es meist, die alles im Überblick behalten – wann wer wo sein muss, was noch getan werden muss, was eingekauft werden muss, etc. Es ist schwer, dabei jemals den Kopf frei zu bekommen. Das ist extrem belastend, weshalb gerade in letzter Zeit mehr über die Erschöpfung der Frauen gesprochen wird. Denn es kann ja wohl nicht sein, dass alles (Arbeit, Kinderbetreuung, Haushalt, Planung …) auf den Schultern der Frauen lastet. Mal ganz davon abgesehen, dass das gesundheitsschädlich ist, hält es Frauen auch oft davon ab, sich zu engagieren. Ob in Vereinen oder Parteien, es kommt öfters vor, dass dort mehr Männer aktiv sind, einfach weil die Frauen keine Zeit und Energie für sowas übrig haben. Aber wie sollen wir dann die Gesellschaft verändern? Wer denkt an uns Frauen, wenn wir zu gestresst sind, um an uns selbst zu denken? Ich halte das für ein Riesenproblem und finde, wir müssen dringend Wege der Entlastung von Frauen schaffen, angefangen mit kostenloser Kinderbetreuung und familienfreundlichen Strukturen, aber auch weit darüber hinausgehend.

Armut ist weiblich

Um das ganze abzurunden, werfe ich auch noch mal den Fakt in den virtuellen Raum, dass Frauen in Deutschland stärker von Armut bedroht sind als Männer, insbesondere wenn sie Mütter sind. Mutter werden ist eins der größten Armutsrisikos überhaupt. Die Karriere ist danach manchmal beendet oder mindestens bleiben Mütter oft weit hinter den Karrieren der Väter zurück, weil es kaum mehr möglich ist aufzuholen, was sie in Mutterschutz und Elternzeit verloren haben. Natürlich gibt es auch gegenteilige Beispiele, aber leider trifft das Modell, dass die Frau sich um die Kinder kümmert (in Elternzeit, Teilzeit oder nach der Arbeit) noch zu oft zu. Da Frauen außerdem häufiger in Teilzeit arbeiten, sind sie stärker von Altersarmut betroffen. Außerdem verdient mensch in sogenannten „Frauenberufen“ wie beispielsweise Pflegeberufen weniger als in anderen Berufen. Frauen besitzen auch weniger Vermögen als Männer.

Es gibt natürlich noch viel mehr Punkte, die ich anbringen könnte, wo die Frauenrechte verletzt werden und wo wir noch unendlich weit entfernt sind von wahrer Gleichberechtigung. Außerdem ist es auch wichtig, über unsere Ländergrenzen hinweg zu schauen. Doch ich möchte hier schließen mit ein paar der größten Errungenschaften der Frauenrechtsbewegungen in Deutschland, denn vielleicht können sie uns inspirieren, um weiter zu kämpfen für die Rechte der Frauen und anderen diskriminierte Gruppen in unserer Welt:

  • 1918 Einführung des Wahlrechts für Frauen (ich empfehle dazu den Film Suffragetten)
  • 1927 Gesetz für Mutterschutz und Wochenbett
  • 1948/49 Die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen wurde ins Grundgesetz aufgenommen
  • 1958 Gleichberechtigungsgesetz, dass das Letztendscheidungsrecht des Mannes über alle Eheangelegenheiten aufgehoben hat
  • 1979 Mutterschaftsurlaub (Vorgänger von Mutterschutz und Elternzeit) wird eingeführt
  • 1980 Gesetz über die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz
  • 1997 Die Vergewaltigung der Ehe wird strafbar (und ja diverse CDU-Politiker, die heute noch aktiv sind, haben dagegen gestimmt)
  • 2001 Gesetz zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt
  • 2016 „Nein heißt Nein“-Gesetz: Verbale Ablehnung reicht, um es zu einer Vergewaltigung zu machen

Beschäftigt ihr euch mit Frauenrechten und versteht euch als Feminst*innen? Seid ihr auch beim #femtember dabei? Lasst mir gerne eure Gedanken und Tipps ins den Kommentaren!

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