Nachhaltig konsumieren Teil 2: Klamotten

Neben Büchern (siehe mein Beitrag von letzter Woche: Nachhaltig konsumieren Teil 1: Bücher) habe ich mir letztes Jahr auch viele Gedanken über das Kaufen von Klamotten gemacht. Aufgerüttelt hat mich das Buch Die Teetrinkerin von Christina Brudereck (hier geht’s zur Buchvorstellung unter dem Titel Feminismus, Rassismus und soziale Ungleichheit), in dem es u.a. um die Situation von Arbeiterinnen in indischen Textilfabriken geht. Mittlerweile sind diese Fabriken, in denen es kaum oder gar keine Arbeitsrechte oder Arbeitsschutz gibt, oft in Ländern wie Bangladesch, Thailand oder natürlich China. Ich finde, auch das gehört zu Nachhaltigkeit. Denn wenn die Ware, die wir kaufen, von Arbeiter*innen hergestellt wurden, die dadurch krank, verletzt oder sogar gestorben sind, die dabei ausgebeutet werden, wie nachhaltig kann das schon sein? Menschen sind die wertvollste Ressource, die wir haben, und gerade diese wird oft so abwertend behandelt, besonders wenn es sich um Menschen in der sogenannten Dritten Welt handelt (siehe auch mein Post Die Globalwirtschaft verstehen).

Fair Trade Mode

Die nachhaltigste Variante (sowohl was das Klima als auch die Menschrechte betrifft) ist sicher die Fair Trade Mode. Es gibt hier immer mehr Angebot, auch sehr schöne, modische Sachen. Das Klischee der hässlichen Filz-Öko-Klamotten, die fair (also ohne Ausbeutung der Arbeiter*innen) hergestellt wurden, ist längst überholt. Es gibt in vielen Städten Fair Trade Läden und Weltläden, wo ihr euch informieren könnt. Dort wurde mir z.B. mal der better2getter Store empfohlen, ausprobiert habe ich ihn aber noch nicht.

Das Problem ist nur leider, dass Fair Trade Mode sehr teuer ist. Wenn ihr es euch leisten könnt, dann finde ich, gibt es kaum eine bessere Art, das eigene Geld auszugeben, als Fair Trade einzukaufen. Aber ich verstehe auch völlig, dass bei vielen Menschen das Einkommen nicht ausreicht, um sich so etwas leisten zu können. Also bitte fühlt euch nicht schlecht, wenn ihr nicht Fair Trade einkauft, weil es einfach zu teuer für euch ist –  das ist völlig verständlich.

Second Hand Mode

Die günstigere Alternative, auf die ich sehr gerne zurückgreife, ist Second Hand Mode. Wir bei den Büchern gilt, das Klima wird weniger belastet, wenn wir benutzte Ware wieder in den Umlauf bringen und so weiterverwenden, als wenn wir immer wieder neue Ware kaufen. Ich liebe ja Flohmärkte, um Klamotten einzukaufen. Besonders mochte ich immer die Mädchenflohmärkte. Aber nicht jede*r findet so einfach Klamotten, die passen, auf einem Flohmarkt. Auch online gibt es Möglichkeiten, gebraucht einzukaufen. Ich habe zum Beispiel letztes Jahr zwei gebrauchte Hosen bei About You bestellt und bin sehr zufrieden damit.

Außerdem kriege ich viele Klamotten von Freundinnen, die ihre Schränke ausmisten. Ich habe da echt Glück, dass meine Freundinnen bei sowas immer an mich denken. Aber ihr könnt ja auch mal von euch aus z.B. ein Tausch-Treffen organisieren, zu dem alle Klamotten mitbringen, die sie nicht mehr wollen und die anderen können sich dann davon bedienen. Natürlich kommt es hier auch immer darauf an, ob ihr ähnliche Körperformen habt, aber auch zu große/zu kleine/zu kurze/zu lange Kleidungsstücke können passen, sie sehen dann einfach anders aus als an der Person, die sie früher getragen hat, oder vielleicht müsst ihr sie auch etwas anpassen.

Made in der Nähe

Neben den miesen Arbeitsbedingungen in vielen Ländern sind auch die langen Transportwege zu bedenken, die die Klamotten durchgemacht haben und bei denen auch CO2 verursacht wurde. Deshalb versuche ich, wenn ich denn mal ganz normal in der Stadt shoppen gehe, nur noch Produkte zu kaufen, die Made in Europe sind. Das heißt, dass ich bei allen Kleidungsstücken auf das Schild schaue und es nur kaufe, wenn da ein Land innerhalb der EU steht. Meistens ist das Made in Italy.

Ich würde diese Variante aber nicht unbedingt empfehlen. Denn erstens können wir auch in der EU nicht garantieren, dass dort die Arbeitsrechte eingehalten werden. Zweitens sind Sachen Made in Europa ebenfalls wesentlich teurer als Made in China. Und drittens wovon sollen denn die Arbeiter*innen in den asiatischen Produktionsländern leben, wenn wir nur noch Made in Europa kaufen? Also, das ist definitiv nicht die Lösung, aber ab und zu darauf zu achten, schadet nicht.

Qualität über Quantität

Generell gilt: Wir sollten so wenig wie möglich einkaufen. Ja, ich weiß, uns wurde immer beigebracht, dass wir viel einkaufen sollen, um die Wirtschaft anzukurbeln, damit sie wächst und wächst und wächst. Aber irgendwann muss sie auch mal aufhören zu wachsen, sonst wird unsere Erde das nicht überleben. Deshalb sollten wir uns bei jedem Teil, das wir kaufen wollen, fragen, ob wir das wirklich brauchen. Ich verstehe, dass Konsum glücklich macht, aber manchmal müssen wir uns auch fragen, was uns eigentlich so unzufrieden mit unserem Leben macht, dass wir uns glücklich shoppen müssen.

Wenn wir etwas kaufen, dann zählt vor allem die Qualität. Wenn die Klamotten billig sind (à la H&M und Co.), dann können wir davon ausgehen, dass Arbeiter*innen dafür ausgebeutet wurden. Außerdem halten sie meist nicht so lange. Es lohnt sich mehr etwas zu kaufen, das teurer ist, dafür aber viele Jahre lang hält. Wenn es denn mal kaputt geht, kann mensch es in den meisten Fällen auch wieder reparieren. Meinen absoluten Lieblingsrock habe ich z.B. vor 12 Jahren in einem Second Hand Laden gekauft. Ich trage ihn total oft und einmal musste ich schon den Reisverschluss reparieren lassen, aber er hält immer noch und ich liebe ihn immer noch.

Ich weiß, dass es schwer ist, auf das alles zu achten und wenn es einfach nicht geht (z.B. aus finanziellen oder auch gesundheitlichen Gründen) ist das auch nicht schlimm. Aber wenn wir Möglichkeiten haben, nachhaltigere Klamotten einzukaufen, dann sollten wir sie auch nutzen.

Was sind eure Tipps zum nachhaltig shoppen? Lasst mir gerne eure Gedanken in den Kommentaren!

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