Leserückblick: April bis Juni 2021

Die letzten drei Monate waren für mich eine extrem leseintensive Zeit. Ich habe ganze 14 Bücher in den drei Monaten gelesen, was vermutlich mein bisheriger Rekord ist. Ich bin echt positiv überrascht, dass es so viele geworden sind. Ich habe oft abends und nachmittags auf dem Balkon gelesen und die Zeit sehr genossen.

Dabei sieht es aber leider nicht so aus, dass der Inhalt meines Buchregals sich dadurch wesentlich verkleinert hat. Viele der Bücher waren E-Books und einige waren auch relativ neu im Regal. Also der SuB-Abbau lässt zu wünschen übrig, aber dazu wann anders mehr. Auch im zweiten Quartal 2021 habe ich mich wieder an eine Leseliste gehalten, nämlich die Sommer-Leseliste (ja, ich weiß, beim Lesen laufen die Jahreszeiten für mich immer etwas früher als in echt ;)). Mein Fokus waren nach wie vor Romane (teilweise als Recherche für mein eigenes Buchprojekt) und passend zum Sommer ein bisschen Liebesliteratur. Allerdings habe ich in den letzten drei Monaten auch sechs Sachbücher fertig gelesen, worauf ich ganz besonders stolz bin.

Die meisten der gelesenen Bücher waren im mittleren Bereich, d.h. ich habe ihnen drei oder vier Punkte gegeben. Aber es gab auch zwei Highlights – die ersten beiden Bücher dieses Jahr, die von mir fünf von fünf Punkten erhalten haben. Mein absolutes Lieblingsbuch in den letzten Monaten waren die Känguru Chroniken, weil sie einfach die perfekte Mischung aus „Ich schmeiß mich weg vor Lachen über diese Absurdität“ und „Mhh, das Känguru hat manchmal echt interessante Ansätze“ waren. Ein Buch, dass herrlich unterhält und gleichzeitig zum Nachdenken anregt, ist für mich einfach unschlagbar. Das zweite Buch mit voller Punktzahl war Jeder Mensch, ein kleines Büchlein von Schirach über eine nötige Erweiterung der Menschenrechte, das die Herausforderungen unserer Zeit auf den Punkt bringt und bei dem ich deshalb rein gar nichts zu bemängeln habe.

Es gab nur eine wirkliche Lese-Enttäuschung im letzten Quartal, nämlich Das Rosie-Projekt, obwohl ich den Protagonisten mochte. Was ich nicht mochte, war, wie er plot-technisch dargestellt wird, nämlich als sei er irgendwie „falsch“, weil er Asperger hat, und müsse sich ändern, um geliebt zu werden. Auch war das Ende völlig unrealistisch.

Die Top-Liste meiner gelesenen Bücher im zweiten Quartal 2021:

  1. Die Känguru-Chroniken von Marc Uwe Kling
  2. Jeder Mensch von Ferdinand von Schirach
  3. Machtspiel am Hindukusch von Sahar Ohlig
  4. Magie von Ines Witka
  5. Der 100-Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson
  6. Trust my heart von Lyla Payne
  7. Die Welt teilen von Armatya Sen
  8. Der Buchhändler von Kabul von Asne Saierstad
  9. Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar
  10. Über die Sinne des Lebens und ob es sie gibt von Axel Braig
  11. Mere Christianity von C. S. Lewis
  12. Freiheit und Weisung von Peter Köster
  13. Kiss me twice von Stella Tack
  14. Das Rosie-Projekt von Graeme Simsion

Begonnen: Es gibt zwei weitere Bücher, die ich bereits fast durchgelesen habe, nämlich Die Teetrinkerin von Christina Brudereck und Fentanyl von Ben Westhoff und beide gefallen mir sehr gut.

Im Folgenden könnt ihr euch nun meine Kurzrezension von Instagram durchlesen, die ich zu den belletristischen Büchern, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, in meinen Account @AnyaSunita gepostete habe.

✨Der Buchhändler von Kabul von Asne Seierstad✨
Der Titel ist ein bisschen irreführend, denn es geht eigentlich nicht um den Buchhändler, sondern um seine Familie: zwei Frauen, fünf Kinder und ein Haufen weiterer Verwandter, die auch unter seinem Dach wohnen. Im Fokus stehen vor allen die Frauen, deren Leben vom Buchhändler bestimmt wird, bis sie verheiratet werden. Man erfährt viel von dem Land und seiner Geschichte, das ich absolut faszinierend fand, und es zeichnet ein eindrückliches Bild von einer Nation, die selten sich selbst gehörte. Natürlich spielt auch der Islam eine grosse Rolle. All das kommt so nebenbei vor in den in sich abgeschlossenen Kapiteln, die jeweils von anderen Familienmitglieder*innen handeln. Die Autorin ist eine norwegische Journalistin, die tatsächlich für fünf Monate bei dem Buchhändler von Kabul lebte. Dass sie dann ein so kritisches Buch über ihn geschrieben hat, das ihn als tyrannischen Patriarch zeichnet, ist ganz schön mutig und beeindruckend! 🔥 Zurecht kritisiert sie in ihrer Erzählweise scharf die Unterdrückung der Frauen. Aber gleichzeitig zeigt sie überhaupt kein Verständnis für die Kultur – es kommen eigentlich gar keine schönen Erfahrungen von der Grossfamilie vor – und manchmal kam es mir so vor, als hätte sie zu stark alles durch unsere westlichen Wertvorstellungen gefiltert. Das muss man nicht unbedingt kritisieren, aber man sollte sich dem beim Lesen bewusst sein. Davon abgesehen ist der Buchhändler von Kabul ein wunderbares Buch für alle, die sich für Afghanistan interessieren.

✨Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson✨
Was für ein Buch! Ich hab es zufällig in einem öffentlichen Bücherschrank entdeckt und hatte keine Ahnung, was mich da erwartet. Es geht – wie der Titel schon sagt – um einen 100-Jährigen, der aus dem Fenster steigt und in sowas wie eine Gangster-Komödie gerät. Zusätzlich bekommen die Leser*innen Einblicke in sein langes, aufregendes Leben, in dem er in alle möglichen geschichtlichen Ereignisse stolpert, die meisten Staatsführer der Welt persönlich kennenlernt und so oft die Seiten wechselt, dass ich schnell den Überblick verloren hab. Er ist der untypischste Held, den ich kenne: ohne Ideale und Ziele, unreligiös, unpolitisch, ohne Interesse an Sex oder Liebe. Das fand ich ziemlich erfrischend und das Buch ist generell total originell, weil mensch nie weiss, was auf der nächsten Seite passieren wird – alles ist möglich, nichts zu absurd oder zu weit hergeholt. Ich muss sagen, dass ich irgendwann ein bisschen die Lust daran verloren habe (415 Seiten sind einfach zu viel für eine Story ohne etwas, wofür oder wogegen die Leser*innen mitfiebern können), aber grundsätzlich hat mir das Buch gut gefallen, denn es hat mich zum Lachen gebracht und einfach richtig gut unterhalten.
Kennt ihr das Buch? Hat es euch auch so Spass gemacht? Welche der vielen verrückten Stories des 100-Jährigen mochtet ihr am Liebsten?

✨Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling✨
Einfach köstlich! Ich hab absolut gar nichts zu bemängeln, musste ständig laut auflachen, aber auch oft mit Lachtränen in den Augen denken: Mhh, der Typ hat nen Punkt. Und das Känguru auch. Humor + Gesellschaftskritik – niemand kann das besser als Marc-Uwe Kling. 🔥
Lest/hört ihr die Känguru-Chroniken und Folgebände? Seid ihr auch solche Fans davon wie ich?

✨Magie von Ines Witka✨
In wenigen Tagen habe ich den dritten und letzten Teil der Theater der Lust Reihe verschlungen, in der es um Viktoria geht, die aus einer unglücklichen Ehe kommt und mithilfe des Theaters der Lust versucht, ihre Freiheit zurück zu erobern. Es handelt sich um Erotikliteratur, aber es geht um so viel mehr als um Sex! Es geht um die Macht der Männer, Gleichberechtigung, Kunst, Feminismus und eine Menge mehr. Wie schon in Teil 2 hat mir am besten die Szenerie eines Frauensalons gefallen, in dem sich die Frauen offen austauschen. Ausserdem sind ein absolutes Highlight nach wie vor die beiden BetreiberInnen des Theaters der Lust, Gil und Ralf, die mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert haben 🔥 Aber im Zentrum steht natürlich die Protagonistin Viktoria und ihre Psyche und diese Parts des Buchs werden teils sehr düster. Deshalb an dieser Stelle eine Triggerwarnung für Gewalt, Vergewaltigung und Schizophrenie.  Auch diese Storyline wird im letzten Teil stimmig zusammengebracht, ohne dass es vorhersehbar wäre. Mir hat die Trilogie insgesamt gut gefallen, wobei ich jeden Band noch ein bisschen mehr mochte als den vorherigen. Ausserdem darf ich schon verraten, dass Autorin @ineswitka und die feministischen Themen des Buchs während dem #femtember dieses Jahr noch eine Rolle auf meinem Blog spielen werden, worauf ich mich schon sehr freue!

✨Trust my heart von Lyla Payne✨
Ich muss zugeben, dass mir dieses Buch extrem gut gefallen hat, obwohl die Prämisse eine klischeehafte „Bad Boy trifft auf das eine Mädchen, das ihn zähmen kann“ Story ist. Aber die Figuren und die Art, wie sie miteinander umgehen und reden, hat mich gefangen genommen. Alle Hauptfiguren haben furchtbar tragische Backstories und ja, sie haben so ihre Makel (vor allem der männliche Protagonist, der sich halt wirklich wie ein Arschloch verhält), aber wenn ich bedenke, was sie durchgemacht haben, finde ich es schon beeindruckend, dass sie es überhaupt schaffen, morgens einen Fuss vor die Tür zu setzen, geschweige denn sich umeinander zu kümmern, so gut sie es eben können. Es gibt in dem Buch (das soweit ich weiss Young Adult ist) eine Menge Schimpfworte und auch ziemlich explizite Szenen, was mir beides gut gefallen hat 😉 Überhaupt wirken die Figuren alle sehr erwachsen, obwohl sie eigentlich noch Jugendliche sind. Für mich war Trust my heart einfach das perfekte Frühlingsbuch 💕Es ist sehr emotional, aber nie deprimierend. Trotzdem gehört an diese Stelle eine Triggerwarnung für Tod und Missbrauch.
Kennt ihr Trust my heart und wie fandet ihr es?

✨ Kiss me twice von Stella Tack ✨
Der erste Teil Kiss me once dieser lose zusammenhängenden Reihe war für mich eine positive Überraschung: eine humorvolle, sexy Geschichte einer jungen Frau, die was mit ihrem Bodyguard anfängt. In Teil 2 Kiss me twice ist es genau anders herum: Sie ist Bodyguard und er derjenige, den sie beschützen soll – eine reizvolle Prämisse. Die Protagonistin hat mir auch gut gefallen, der Protagonist weniger. Das Buch war auf jeden Fall unterhaltsam und teilweise echt spannend, aber das ganze Drama war einfach ein bisschen too much. Ich glaube, ich hab jetzt erst mal genug von diesen übertrieben dramatischen Romance Büchern.

✨Das Rosie Projekt von Graeme Simson✨
Ich weiss, dass dieses Buch viele Fans hat und ich verstehe den Reiz daran (eine originelle, aussergewöhnliche Erzählstimme), aber mir hat es einfach nicht besonders gefallen. Es geht um einen Mann mit dem Asperger-Syndrom, der eine Ehefrau sucht. Ich weiss nicht, was die Recherchen des Autors zu Menschen auf dem Autismus Spektrum waren oder ob sie sich mit dem Buch repräsentiert fühlen. Aber ich mochte nicht, dass es so dargestellt wird, als sei jemand mit dem Asperger-Syndrom irgendwie „kaputt“ und sollte sich verstellen, um akzeptiert und geliebt zu werden. Das wird zwar am Ende etwas relativiert, aber nur minimal. Das Ende fand ich überhaupt unrealistisch wie auch einige andere Aspekte des Buchs. 80 Prozent des Plots war im Prinzip überflüssig: falsche Fährten und Storylines, die sich im Sand verlaufen. Die Erzählstimme war auf jeden Fall etwas Besonderes und ich will auch gar nicht sagen, dass Das Rosie Projekt ein schlechtes Buch ist, aber es war einfach nicht meins.

✨Machtspiel am Hindukusch von Sahar Ohlig✨
Dieses Büchlein habe ich schnell durchgelesen, denn es hat mich absolut gefesselt. Im ersten Teil erzählt Sahar Ohlig, die 1995 aus Afghanistan nach Deutschland flüchtete, von der Geschichte Afghanistans, in der sich seit 1979 eine Krise an die nächste reiht. Es ist eine harte Geschichte, aber es ist notwendig, sich damit zu beschäftigen. Vor allem nimmt die Autorin die westlichen Länder in die Verantwortung, die an so viel Leid im Mittleren Osten mindestens eine Mitschuld tragen. Der zweite Teil des Buchs umfasst Kurzprosa und Lyrik, die die Erfahrungen der Autorin als Ausländerin in Deutschland festhält. Mich hat das Buch beeindruckt und es wird mich so schnell nicht mehr loslassen.

✨ Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar ✨
Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich mich für Teheran interessiere, deshalb war ich etwas enttäuscht, dass mehr als die Hälfte des Buchs nicht in Teheran spielt. Das Buch besteht aus 5 Teilen, die mit zeitlichen Abständen aus der Perspektive verschiedener Mitglieder einer iranischen Familie erzählt werden. Der erste Teil spielt 1979 während der iranischen (später islamischen) Revolution und war der inhaltlich spannendste. Ab Teil 2 lebt die Familie in Deutschland und erlebt die Entwicklungen in Iran nur aus der Ferne. Das Buch hat mir mal wieder gezeigt, wie extrem die Entwicklungen im Mittleren Osten seit 79 waren und sind und dass wir hier viel zu wenig darüber erfahren und uns noch viel weniger darum kümmern, was sich ändern muss. Nachts ist es leise in Teheran ist ein eher langsames Buch, aber es könnte allen gefallen, die sich für Iran interessieren und schon etwas Vorwissen zu der Geschichte des Landes mitbringen.

Ausblick: Außerdem möchte ich euch bereits auf zwei Event-Monate auf meinem Blog aufmerksam machen, die bald anstehen. Da ich finde, dass Sachbücher stets zu wenig Aufmerksamkeit und Liebe erhalten, habe ich beschlossen, den August zum Sachbuch-August auf meinem Blog zu ernennen. Ich mache Ende Juli bei der Blogparade #bestsachbuch2021 von Cordula Natusch mit und werde dann im August Rezensionen zu den Sachbüchern, die mich in letzter Zeit beeindruckt haben, posten, darunter die oben aufgelisteten Bücher Jeder Mensch, Machtspiel am Hindukusch, Die Welt teilen und Fentanyl. Außerdem mache ich im September beim #femtember von Nico im Buchwinkel mit, bei dem es einen Monat lang um feministische Literatur geht, deshalb wird sich meine nächste Leseliste darauf konzentrieren.

Wie sieht es bei euch aus? Wie viele Bücher habt ihr in letzter Zeit gelesen und was war euer absolutes Highlight? Kennt ihr die Bücher meines Rückblicks und was denkt ihr über sie? Ich freue mich über Kommentare!

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