Über gendergerechte Sprache

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass ich mich mittlerweile auch hier auf meinem Blog um gendergerechte Sprache bemühe. Das war nicht immer so. Früher (insbesondere in der Uni bei Hausarbeiten) fand ich das „zu kompliziert/nervig“. Aber jetzt, da ich selbst eine Frau in der Arbeitswelt bin, merke ich, wie wichtig gendergerechte Sprache ist.

Sowohl privat als auch beruflich achte ich nun darauf. Insbesondere an der Arbeit spreche ich es immer wieder an und benutze einfach konsequent in jeder noch so kurzen E-Mail und in jedem Gespräch gendergerechte Sprache. Und ich freue mich zu sehen, dass mittlerweile auch einige meiner männlichen Kollegen meinem Beispiel folgen (auch wenn andere vermutlich nur die Augen rollen).

Warum ist es so wichtig?

„Sprache prägt, wie wir denken, was wir sehen und für möglich halten.“

netzpolitik

Sprache ist wichtig und beeinflusst unser Denken und Handeln. Wer immer nur die männliche Form benutzt, meint damit auch nur Männer. Ich habe das früher auch bestritten, aber gerade in der Buchbranche merke ich, dass wenn ausschließlich von Lesern gesprochen wird, auch vorrangig nur Bücher für Männer gemacht werden. Frauen werden dabei nicht mitgedacht. So ist es in anderen Branchen sicher auch. Außerdem ist es schwer, sich als Frau angesprochen zu fühlen, wenn immer nur von Patienten, Kunden, Bürgern, etc. gesprochen wird.

Wieso stößt es auf so viel Widerstand?

„Wo ausschließlich Männer angesprochen werden, wird letztlich auch nur an Männer gedacht.“

Leitfaden der Uni Kassel

Trotzdem können wir darauf wetten, dass die Verwendung von gendergerechter Sprache früher oder später auf Widerstand trifft. Männer und auch Frauen haben es zu anscheinend zu ihrem persönlichen Kampf ernannt, das sogenannte generische Maskulin zu verteidigen. Sie beschweren sich, dass gendergerechte Sprache zu kompliziert ist oder „einfach nicht schön“ und überhaupt: „muss man denn jetzt bei allem so kleinlich sein?“. Oft steckt dahinter wahrscheinlich nur Faulheit und Gewohnheit, aber ich frage mich schon, wieso sich manche von einem Gendersternchen oder der Nennung des weiblichen Geschlechts so angegriffen fühlen. Teilweise haben Leuten wohl Angst, dass sie mit dem generischen Maskulin auch ihre Privilegien als Männer verlieren. Womit sie nur zugeben, dass Sprache tatsächlich die Welt beeinflusst. Es ist ja auch kein Zufall, dass das generische Maskulin aus einer Zeit stammt, in der Frauen eben ausdrücklich nicht mitgedacht wurden und z.B. noch nicht einmal wählen durften. Wollen wir uns wirklich verbissen an diesen Zeiten festkrallen?

Es ist gar nicht so schwer

Überraschung! Gendergerechte Sprache ist gar nicht so schwer, sie ist auch nicht hässlich oder umständlich. Es ist einfach eine Einstellungs- und schließlich eine Gewöhnungssache. Und es gibt so viele Möglichkeiten. Wir können ausdrücklich Leser und Leserinnen nennen oder aber wie ich die Wörter mit einem Sternchen (oder Unterstrich) verbinden: Leser*innen/Leser_innen. Ich mag diese Schreibweise, weil der Platzhalter auch Menschen mitdenkt, die sich weder als nur männlich noch als nur weiblich identifizieren. Und dann gibt es bei vielen Wörtern ja sogar geschlechtsneutrale Begriffe wie Studierende, die hoffentlich bald sowieso Standard sein werden.

Quellen

Wenn ihr euch weiter mit dem Thema beschäftigen wollt, habe ich euch hier ein paar Links zusammengestellt, die spannende Infos und Anregungen bereithalten:

Leitfaden der Uni Kassel

Warum wir geschlechtergerechte Sprache verwenden von Netzpolitik.org

Echt der letzte Müll von Patricia Hecht, taz

Gendergerechte Sprache hat ein Imageproblem von Lara Thiede, Jetzt

5 Gründe für eine geschlechtergerechte Sprache von Sabrina, innenAnsicht

Geschickt-gendern.de

Beschäftigt euch gendergerechte Sprache, wie nutzt ihr sie in eurem Leben und versucht ihr, andere davon zu überzeugen? Was hilft euch dabei? Ich freue mich über Austausch!

ACHTUNG! INFOS ZU DEN KOMMENTAREN, UM DER DSGVO GERECHT ZU WERDEN: Durch das Abschicken eines Kommentars erklärt ihr euch mit der Speicherung eurer Daten einverstanden. Um Missbrauch zu vermeiden sowie den Überblick über Kommentare zu behalten, werden Name, E-Mail, IP-Adresse, Zeitstempel und Inhalt des Kommentars gespeichert. Weitere Informationen findet ihr in der Datenschutzerklärung.

9 Kommentare

  1. Jenny sagt:

    Hi,
    ich bin gerade zufällig auf deine Seite gestoßen. Ich schau mich noch ein wenig um. Aber dieser Beitrag hat mich direkt angesprochen.

    Vor wenigen Jahren habe ich gendern auch noch abgetan. Brauch ich nicht, fühle mich auch so angesprochen. Doch je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr habe ich festgestellt, doch ich brauch das und ich dachte nur, mich angesprochen zu fühlen. Häufig war das gar nicht so. Beim Schreiben klappt es schon ganz automatisch. Beim Sprechen ertappe ich mich oft dabei, dass ich die Pause und innen vergesse habe und schieb es manchmal noch nach.

    Weil ich es im ersten Kommentar gelesen habe, ich schreibe mittlerweile auch mensch statt man.

    Viele Grüße
    Jenny

    Gefällt 1 Person

    1. Sunita sagt:

      Hi Jenny, freut mich, dass du hier her gefunden hast :)
      Umso mehr ich mit Leuten übers Gendern spreche, glaube ich, dass das Bewusstsein dafür in letzter Zeit besonders gewachsen ist – das ist ja mal eine positive Entwicklung. Und „mensch“ statt „man“ ist eine gute Idee!
      Beim Sprechen verschlucke ich auch oft die Pause, sodass es halt klingt wie Leserinnen statt Leser_innen, aber das ist wahrscheinlich auch nur was, woran ich mich gewöhnen muss. Ich finde, es hilft, dass mensch es heute auch mehr hört mit ausgesprochenen Pausen, dann wird es normaler.
      LG Sunita

      Gefällt mir

      1. Jenny sagt:

        Es ist auch ein Prozess. Meine persönliche Wortwahl ändert sich auch regelmäßig. Bei einem Arbeitgeber habe viele Kolleg:innen häufig „quasi“ gesagt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das auch sage. Daher müssen es nur alle oft genug hören, dann nutzt mensch fast automatisch eine gendergerechte Sprache.

        Gefällt 1 Person

  2. Mai Quynh sagt:

    Noch bin ich eher zurückhaltend: Ich benutze es in der geschriebenen Sprache schon häufiger – auch in Gruppen oder bei Menschen, die eher nicht so viel mit gendergerechte Sprache zutun haben, aber noch nicht überall. Das ist auf jeden Fall noch eine Hürde, die es zu überwinden gilt. Und in der mündlichen Form greife ich noch häufig auf das Prinzip, beide nacheinander zu nennen („Lehrerinnen und Lehrer“), was eigentlich umständlicher ist als nur „Lehrer:innen“ zu sagen.
    Ich stimme dir zu: Es ist eine Gewöhnungssache. Prinzipiell liest man (mensch?) ja irgendwann nicht mehr alle Wörter wirklich aus, sondern erkennt das Wort ja und irgendwann stolpert man auch nicht mehr über die Gender-Symbole, weil man sich daran gewöhnt hat und der Kopf das Wort vervollständigt. Und in so einem Fall vervollständigt sich das Wort zu einem Wort, das mehr Menschen inkludiert.
    Interessant finde ich übrigens deinen Aspekt, dass gerade diese Ablehnung zeigt, dass diesen Menschen durchaus bewusst ist, dass Sprache etwas mit unserem Denken macht.

    Gefällt 2 Personen

    1. Sunita sagt:

      Lehrerinnen und Lehrer ist ja auch okay, halt noch binär, aber ein guter Anfang wie ich finde. Und was ich mit dem Wörtchen „man“ machen soll, weiss ich auch nicht so genau – lustig, dass du das erwähnst ;) Bisher akzeptiere ich es, weil es nicht „mann“ geschrieben wird, aber ich müsste mal recherchieren, wo das herkommt, wahrscheinlich schon von „Mann“, sowie „man“ in Englisch ja auch für Mensch benutzt wird, was mal wieder dieselbe Story ist: dass der Mann der Ursprung/das Normale ist und die Frau/Woman die Abweichung.

      Gefällt 1 Person

  3. buechercafe sagt:

    Das hast du mal wieder richtig toll geschrieben!
    Ich habe mich früher auch häufig gefragt, ob das mit dem angehängten *innen wirklich notwendig ist. Inzwischen versuche ich immer mehr darauf zu achten, alle mit einzubeziehen. Beim Schreiben fällt mir das ziemlich leicht, aber beim Sprechen habe ich noch meine Probleme…
    Bei neustes Beispiel über das ich mich jetzt schon länger aufrege ist die Hausordnung meiner Schule, die sowohl Lehrerinnen, als auch Schülerinnen anscheinend einfach ignorieren können, immerhin steht dort ja nur Schüler und Lehrer.

    Gefällt 1 Person

    1. Sunita sagt:

      Mir geht es auch so: umso mehr ich darauf achte, umso mehr regt es mich auf, bei was alles Frauen nicht mitgedacht werden – wie bei deiner Hausordnung. Aber ich finde es gut, dass du jetzt auf sowas aufmerksam wirst und darauf hinweist. Beim Sprechen klingt es halt bei mir meist als spreche ich nur von Frauen, weil man das Sternchen nicht hört, aber dann denke ich mir: Hey, Jahrhunderte lang wurde nur von Männern gesprochen, dann ist es okay, wenn das jetzt mal andersherum ist.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..