Nachhaltigkeit im Kleinen wie im Großen

Letztes Jahr war einer meiner guten Vorsätze, nachhaltiger zu leben. Ich habe begonnen und mich informiert, aber das Ganze dann die meiste Zeit über wieder aus den Augen verloren. Dieses Jahr, in dem ich mir keine guten Vorsätze aufgestellt habe, erhalte ich von allen Seiten Anregungen und Input und tatsächliche praktische Möglichkeiten, dieses alte Ziel endlich in die Tat umzusetzen. So setze ich mich in der Klima Taskforce meiner Firma ein, beteilige mich an der Mach doch Mal Challenge und sehe auch privat immer mehr Möglichkeiten, in meinem Leben mehr aufs Klima zu achten.

Auch wenn das bloß kleine Ansätze sind, finde ich es wichtig, persönlich nachhaltiger zu leben, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wir das Klima belasten. Und wenn viele mitmachen bei diesen Lifestyleveränderungen, dann summiert sich das doch zu etwas, das etwas bewirken kann. Deshalb möchte ich euch als Erstes mal ein paar Ideen geben, wie wir nachhaltiger leben können. Einige davon sind von der wunderbaren Mach doch Mal Website, andere von mir oder Bekannten.

Ideen zum nachhaltigen Leben

  • Öfters vegetarisch essen
  • Lebensmittel regional und saisonal einkaufen (Buchtipp: Die Ökobilanz auf dem Teller)
  • Kosmetikprodukte selber herstellen
  • Wiederverwendbare Kosmetikprodukte benutzen (ich habe einen tollen wiederverwendbaren Abschmink-Schwamm von Rossmann, den man nur mit Wasser benutzt)
  • Losen Tee trinken statt Teebeutel
  • Mandarinenschalen als Badezusatz verwenden
  • Spazierengehen, statt zu Hause Strom zu verbrauchen
  • Mit der Bahn fahren, mit dem Fahrrad oder Carsharing ausprobieren
  • Urlaub in der Gegend machen
  • Unverpackt einkaufen
  • Zu einer nachhaltig anlegenden Bank wechseln
  • Elektronische Produkte so lange benutzen, wie sie funktionieren
  • Lesen statt streamen
  • Zu Ökostrom wechseln
  • Elektronische Geräte ausschalten statt auf Standby lassen
  • Brot vom Vortag oder Essen mit nahem Mindesthaltbarkeitsdatum kaufen und essen
  • Second Hand Läden, öffentliche Bücherschränke, Tausch-Gruppen auf Facebook nutzen
  • 2good2go oder foodshare ausprobieren für günstiges Essen, das sonst weggeschmissen würde

Industrie und Produktion

Aber so schön und inspirierend diese individuellen Ansätze auch sind, wir dürfen nicht die größere Ebene aus den Augen verlieren. Um die Klimakatastrophe zu verhindern oder abzumildern und unsere wunderschöne Erde zu retten, muss es größere Veränderungen geben, nämlich in der Industrie und der Produktion, bei denen die größten Klimaschäden entstehen. Nur wenn wir Industrie und Produktion völlig umgestalten, d.h. auf erneuerbare Energien umsteigen, Klimalastkosten miteinberechnen, Transport verringern, Überproduktion stoppen, u.v.m., haben wir eine Chance, unsere Heimat zu erhalten. Ein toller Instagram Account, der auf diese Probleme hinweist, ist übrigens Nachhaltig kritisch.

Nur wie können wir das beeinflussen? Ein Ansatz ist die Politik, die entsprechende Gesetze zum nachhaltigen Produzieren und Wirtschaften ermöglichen kann. Wir können selbst in die Politik gehen oder aber zumindest Parteien wählen, die sich dafür einsetzen. Wir können auf die Politik und die Unternehmen Druck machen, indem wir öffentlich auf Missstände hinweisen und Initiativen für eine nachhaltigere Zukunft wie das Lieferkettengesetz unterstützen.

Konsum

Davon abgesehen haben wir eine Superkraft, um Unternehmen zu beeinflussen: Konsum. Als Konsument*innen sind wir diejenigen, die alle in der Wirtschaft überreden wollen, ihre Produkte zu kaufen. Hier liegt meiner Meinung nach unsere größte Macht. Wenn wir aufhören, billige Produkte, die mit hohen ökologischen Kosten und oft auch ausbeuterischen Arbeitsbedingungen produziert wurden, zu kaufen, werden Firmen früher oder später von diesen Produktionsweisen abkehren. Nachfrage bestimmt das Angebot. Wenn wir stattdessen vermehrt von Firmen kaufen, die auf nachhaltige Produktion achten, werden andere diesen nachfolgen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Das bedeutet, dass wir bewusster konsumieren müssen und bei jedem Einkauf mitbedenken, was alles in einem Produkt steckt, das nicht vom Verkaufspreis gedeckt ist. Hier zwei Beispiele aus dem aktuellen Greenpeace Magazin, das übrigens sehr empfehlenswert ist:

Wenn Umweltkosten miteinberechnet werden, werden Produkte teurer. Bei Lebensmitteln sehe ich hier ein großes Problem, denn dann wird es eine Menge Leute geben, die sich das Leben nicht mehr leisten können. So etwas muss einhergehen mit höheren Löhnen und einer höheren Grundsicherung und/oder Subventionierung von nachhaltig hergestellten Lebensmitteln. Aber das ist wieder ein noch größeres Thema für einen anderen Blogpost.

Was nicht-lebensnotwenige Produkte angeht, bedeuten höhere Preise, dass wir weniger konsumieren werden. Und ist das wirklich so schlimm? Ich finde, die Pandemie hat uns gezeigt, wie wenig wir eigentlich wirklich brauchen. Bei jeder Kaufentscheidung sollten wir uns fragen, ob wir das wirklich brauchen. Wenn weniger gekauft wird, hört die Wirtschaft auf zu wachsen. Wobei ich mal wieder die Frage stellen möchte: Wäre das wirklich so schlimm? Es gibt andere Arbeits- und Gesellschaftsmodelle, die trotzdem die Menschheit erhalten und ernähren.

Postwachstum

In dem Greenpeace Magazin ist ein tolles Interview mit Postwachstumsökonomin Nina Treu. Sie zeigt, dass die Hälfte des Bruttoinlandprodukts durch privaten Konsum entsteht, dass aber ein steigendes BIP nicht heißt, dass auch die Lebensqualität steigt. Dazu gehören ganz anderen Dinge, z.B. Zeitwohlstand, dass man Zeit hat für geliebte Menschen, für Hobbies und sich selbst. Sie betont auch, dass Postwachstum nur mit einer starken Solidargemeinschaft inklusive Umverteilung geht.

„Es soll nicht für alle weniger geben, sondern für alle genug. Den oberen und mittleren Schichten käme es wie ein Verlust vor. Aber Menschen, denen es gerade schlecht geht, hätten durch Umverteilung am Ende deutlich mehr.“

Nina Treu, Greenpeace Magazin

Und sie gibt auch einen guten Ansatz, wie wir das Postwachstums-Denken schon einmal privat ausprobieren können:

„Gehen Sie die Gegenstände und Dienstleistungen durch, die Sie im vergangenen Monat [oder Jahr] gekauft haben, und gleichen Sie ab, wie viel Aufmerksamkeit Sie Ihnen schenken. Wie viel liegt die meiste Zeit nur herum? So merkt man schnell, dass weniger Shoppen reicht.“

Nina Treu, Greenpeace Magazin

Was denkt ihr? Auf welchen Ebenen müssen wir ansetzen, um eine nachhaltigere Welt zu erschaffen? Was macht ihr persönlich, um nachhaltiger zu leben und um diese Themen voranzubringen? Ich freue mich riesig, wenn wir uns dazu austauschen – unten in den Kommentaren oder auch auf Instagram (AnyaSunita).

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6 Kommentare

  1. Seife hab ich noch nie selber gesiedet, hätte aber Lust drauf. Vielleicht probiere ich es irgendwann mal.
    Zum Duschen benutze ich Stückseife, die gibt’s im Reformhaus in Pappverpackungen und mit Seifensäckchen schäumt das auch richtig schön – angenehmer als ein Luffa-Schwamm aus Plastik ;-)
    Auf Shampoo verzichte ich seit gut einem Dreivierteljahr komplett und wasche mir die Haare stattdessen mit Roggenmehl. Das war erstmal eine ordentliche Umstellung, aber es ist wirklich gesund für’s Haar und auch für die Umwelt. Auf meinem Blog hab ich einen Artikel darüber geschrieben und dort befasse ich mich auch immer mal wieder mit Naturkosmetik, wenn du magst, schau gern mal vorbei! Das meiste ist wirklich einfach zu machen, und die Herstellung hat fast etwas Meditatives. Unbedingt zu empfehlen!

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  2. Ein ganz wichtiges Thema… Wir haben nur diese eine Welt, und sie wird sich nicht selbst retten.
    Ich finde es wichtig, sich bewusst zu machen, dass jede noch so kleine Entscheidung, die man persönlich trifft, ein Schritt in die richtige Richtung ist. Oft hat man ja das Gefühl „Ach, ich bin ja nur ein einziger kleiner Mensch, was hilft es, wenn ich mein Leben ändere?“ – Eine ganze Menge hilft das! Wie war das mit dem steten Tropfen, der den Stein höhlt?
    Jeder kann etwas bewirken. Je mehr „kleine Menschen“ bewusster und nachhaltiger leben, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese Veränderung sich auch in der Politik manifestiert.
    Persönlich achte ich darauf, so wenig Plastik wie möglich zu verbrauchen, stelle meine Kosmetik und viele Reinigungsmittel im Haushalt selber her und achte sehr darauf, haltbare Kleidung zu kaufen, wenn ich dann mal shoppen bin. Mein größtes Manko ist der Hang zum Online-Binge-Shopping bei meinem Lieblings-Szeneshop… Sagen wir’s mal so, ich arbeite dran ;-)

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    1. Ich stimme dir zu, ich finde auch, nur wenn man selbst sowas umsetzt hat man das Bewusstsein dafür und beeinflusst so (zB durch weniger shopppen oder haltbare Kleidung oder so) ja auch die größeren Ebenen. Ich habe auch gerade angefangen, Badprodukte selbst herzustellen, aber bisher nur Deocreme, Trockenshampoo (Spülung und Handcreme folgen, sobald ich sie brauche), aber ich weiß nicht, wie man das mit wirklich essentiellen Sachen macht wie Seife. Stellst du die auch selber her? Also jetzt nicht nur Handseife, sondern auch Shampoo und Duschgel. Ich überlege stattdessen einfach auf feste Seifen umzusteigen. Also freue mich über Tipps :)

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