Heldenserie: Ein Hoch auf die Besten Freunde

Heute möchte ich endlich mal weitermachen mit meiner Heldenserie auf diesem Blog. Dabei beschäftige ich mich mit den Figuren in der Literatur, weil diese (zumindest laut meinen Umfragen) für viele der entscheidende Bestandteil eines Buchs sind, ich mir aber bisher nie groß Gedanken dazu gemacht habe. Der Fokus dieser Blogserie liegt auf Helden im weitesten Sinne und alles, was mit ihnen zusammenhängt. Ich bin ein großer Fan von Helden, zu denen wir aufblicken können, und einige meiner Lieblingsfiguren sind klassische Helden. Heute soll es aber nicht um die Helden an sich gehen, sondern um ihre Helfer: die Besten Freunde.

Denn: Was wäre schon ein Held ohne seine besten Freunde? Beste Freunde sind manchmal etwas klischeehaft, oft sind sie die lustigen Sidekicks, nur selten werden sie als irgendetwas anderes dargestellt als eben die besten Freunde der Helden. Manche Autorinnen machen sich tatsächlich die Mühe, ihnen eine vielschichtige Persönlichkeit und eine Storyline jenseits der Helden zu geben und das finde ich immer sehr beeindruckend. Doch selbst wenn nicht, denke ich, dass es Schlimmeres gibt.

Denn beste Freunde in der Literatur haben nun mal vor allem eine Rolle: den Helden zur Seite zu stehen. Sie sind Helfer, Berater, diejenigen, die abtrünnige Helden wieder auf den Boden der Tatsachen bringen, diejenigen, die die Helden selbst in den düstersten Zeiten zum Lachen bringen, sie können die größten Verräter sein, doch meist lassen sie die Helden niemals im Stich und machen sie besser – zu besseren (fiktionalen) Menschen und zu besseren Helden.

Wenn ich mir meine liebsten Nebenfiguren ansehe, erkenne ich darin ein paar Beste Freunde, auch wenn sie nicht alle dem klassischen Figurenbild entsprechen:

1. Sirius Black aus Harry Potter von J. K. Rowling

Sirius Black ist meine liebste Figur aller Zeiten – und das obwohl er kein Protagonist ist und auch alles andere als ein Held. Als Teenager habe ich mich in ihn verliebt – in seinen Mut, seinen Leichtsinn, seine Rebellennatur. Wenn er ein Held wäre, dann ein äußert tragischer. Doch das ist er nicht, sondern – auch wenn es streckenweise anders erscheint – ist er letztlich der ultimative Beste Freund.

Achtung: Spoiler Alert für Harry Potter 3-5

Bereits in seiner Vorgeschichte ist Sirius Black der Beste Freund: Er ist James Potters bester Freund, steht ihm stets zur Seite, würde alles für ihn tun und erlebt schließlich das Schlimmste, was er sich vorstellen kann: Den Verlust seines besten Freundes, seines Helden. Das ist auch der Ausgangspunkt seines Absturzes. Als wir ihn dann in Harry Potter wiedertreffen, hält er weiter an dieser Rolle fest. Zuerst möchte er James rächen, dann übernimmt er anscheinend Verantwortung und wird zu Harrys einziger Familie. Er hat seine väterlichen Momente, doch er fällt immer wieder zurück in die Beste Freund Rolle, da er Harry gerne mal mit James gleichsetzt. In einem gewissen Sinne wird er auch für Harry der Beste Freund, was ihn erneut zum Absturz bringt.

Macht Sirius Black Harry besser? Ich denke schon. Er hilft ihm, zu sich selbst zu finden, indem Harry sich in Sirius und James wiedererkennt, aber eben auch erkennt, inwiefern er sich von seinem Vater und Patenonkel unterscheidet. Sirius ist die Person, mit der Harry über alles reden kann, selbst Dinge, die seine eigentlichen besten Freunde nicht verstehen. Weil er weiß, dass es nichts gibt, dass Sirius nicht für ihn tun würde, was mehr ist, als er von seinen Schulfreunden je verlangen würde. Sirius ist ein tragischer Bester Freund, doch er macht sowohl Harry Potter die Figur als auch Harry Potter die Buchreihe besser.

2. Alex aus Magnus Chase von Rick Riordan

Alex passt nicht wirklich in diese Liste, denn Alex ist kein Bester Freund. Ich liebe Alex als Figur, weil sie so bunt und außergewöhnlich ist. Es macht einfach Spaß, Alex beim Leben zuzuschauen, es inspiriert. Das ist etwas, was Nebenfiguren auch unabhängig von den Helden bieten können: Sie können mehr Farbe in eine Geschichte bringen.

Ich habe da so eine Theorie: Manchmal sollen Protagonisten nicht bewundert werden. Sie sind eher dafür da, sich mit ihnen zu identifizieren. Bewundern kann man dann die Nebenfiguren – so wie Alex. Obwohl Magnus Chase selbst definitiv ein Held ist (wenn auch ein ungewöhnlicher), bleibt mir Alex noch stärker im Gedächtnis. Alex strahlt heller als alle anderen Figuren. Das können Nebenfiguren erreichen und sich somit aus der Bester Freund Rolle befreien. (Wobei Alex nie der Beste Freund war – welche Rolle Alex spielt, möchte ich hier nicht spoilern.)

3. Andy aus An Absolutely Remarkable Thing von Hank Green

Nachdem es schwer war, die Rolle von Alex zu definieren, ist es umso einfacher bei Andy: Andy ist der klassische Beste Freund. Er ist der beste Freund der Protagonistin April und er ist so loyal, dass es manchmal schwerfällt, ihm dabei zuzuschauen. Aber gleichzeitig geht es auch direkt ans Herz. Im ersten Teil der Dilogie von Hank Green (die zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt) war Andy mit Abstand meine Lieblingsfigur. Gerade weil er ein Bilderbuch-Bester-Freund ist: Er steht immer zu April, egal was sie macht, er würde sein Leben für sie geben und in einem gewissen Sinne tut er das auch, denn er managet sie, er beschwert sich kein einziges Mal darüber, dass er in ihrem Schatten steht, er bewundert sie und liebt sie, wie nur ein bester Freund es kann. Alex war der Sonnenschein in der düsteren Welt von An Absolutely Remarkable Thing. Seine Rolle als Bester Freund war ihm immer klar und er war so gut darin, dass es eine wunderschöne Abwechselung zu all den zwielichtigen Figuren in der Literatur war. Für mich ist Andy in An Absolutely Remarkable Thing die beste Version des Bester Freund Klischees.

4. Leo aus Helden des Olymp von Rick Riordan

Leo ist ein Sonderfall, denn er ist prinzipiell gar keine Nebenfigur, sondern ein Protagonist, der seine eigene Perspektive hat. Andererseits ist er als Figur genauso konstruiert wie der klassische Beste Freund. Er ist in der Buchserie Jasons beste Freund (der zumindest zu Beginn als klassischer Held gezeichnet wird). Er ist lustig, albern, ein Nerd, erfolglos bei den Frauen – er beinhaltet jedes Bester Freund Klischee. Doch trotzdem wurde er schnell zu einer meiner Lieblingsfiguren, weil Rick Riordan etwas Unerwartetes tut: Er macht Leo zum Helden. Er gibt ihm nicht nur seine eigene Perspektive, sondern auch heldenhafte Momente und plottechnisch eine bedeutende Rolle. Auch ohne Jason wäre Leo eine schlüssige Figur – was beim Besten Freund nicht so ist. Das finde ich beeindruckend: Wie man eine Beste Freund Figur bauen kann, sie dann aber nicht zum Besten Freund macht, sondern stattdessen zeigt, dass auch so eine Figur letztlich alle in den Schatten stellen kann.

5. Maya aus A beautifully foolish endeavor von Hank Green

Maya ist eine weitere Figur aus der Dilogie von Hank Green, die aber erst in Teil 2 zu einer meiner Lieblingsfiguren wurde, deshalb möchte ich inhaltlich keine großen Infos zu ihr geben, damit ich nicht spoilere. Maya ist (ähnlich wie Alex) an sich keine Beste Freundin, wird aber teilweise so gezeichnet, indem sie neben der Protagonistin Alex zu Beginn eher unauffällig bleibt. Interessant finde ich, dass Maya die diverseste Figur der Buchserie ist: Sie ist schwarz und lesbisch. Wieso versteckt man so eine Figur in einer Nebenrolle? Fairerweise muss man sagen, dass auch die Protagonistin April nicht hetero ist, aber trotzdem kommt es doch häufiger vor, dass immer nur die Besten Freunde multikulturell oder queer sind. Das ärgert mich: So eine Figur wäre doch viel spannender als Protagonistin! Denn die Geschichte, die erzählt wird, wenn es einen heteronormativen, weißen Helden mit einem diversen Besten Freund gibt, ist unterschwellig die, dass Figuren mit anderen ethnischen/kulturellen/sexuellen/etc. Hintergründen nur Unterstützer sind für die weiße, hetero Mehrheitsbevölkerung. Ich sage nicht, dass Autoren das mit Absicht machen, doch es könnte etwas sein, das sie unterbewusst reproduzieren.

Hank Green möchte ich hier aber gar nicht unbedingt dazuzählen, denns wie gesagt, ist seine Protagonistin auch divers. Außerdem macht er Maya in Teil 2, als sie mich wirklich umgehauen hat, zu einer Protagonistin, die wiederum wichtige gesellschaftliche Argumente einbringt, die zuvor außen vorgeblieben sind und die die Story so viel besser machen. Das ist nun mal was passiert, wenn man Figuren mit unterschiedlichen Hintergründen eine Stimme gibt. Ich weiß, wie schwer und auch gefährlich das ist – vor allem für einen weißen, männlichen, hetero Autor wie Hank Green -, deshalb denke ich: Hut ab, dass er Maya noch zum Strahlen gebracht hat.

Das sind also meine liebsten Nebenfiguren und Besten Freunde im weiteren Sinne. Welche Besten Freunde in der Literatur liebt ihr? Und glaubt ihr auch, dass Helden nichts wären ohne ihre besten Freunde? Ich freue mich über einen spannenden Austausch dazu in den Kommentaren!

Bisher erschienen in der Heldenserie:

Ein Hoch auf Helden

Die Protagonisten meiner Geschichte

Wenn ihr Themenvorschläge habt oder vielleicht einen Gastbeitrag für die Heldenserie verfassen wollt, meldet euch gerne bei mir!

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