Buchvorstellung: Alles könnte anders sein von Harald Welzer

Sachbücher lese ich nicht an einem Stück, sondern eher langsam, deshalb hat es einige Monate gedauert, bis ich dieses Buch durchgelesen habe, doch es hat sich definitiv gelohnt. In Alles könnte anders sein betrachtet Harald Welzer so ziemlich alles, was schief läuft in unserer Welt – im Vordergrund stehen dabei natürlich die zwei großen Krisen unserer Zeit: der Klimawandel und die Ungleichheit – und überlegt, wie man etwas ändern und verbessern kann. Seine Analysen sind zutreffend, clever und aufschlussreich. Ich habe so viel unterstrichen und notiert, das muss ich alles noch in mein schlaues Notizbuch übertragen, um ausgiebig darüber nachzudenken. Welzers Sprache ist teils etwas zu hochgestochen für meinen Geschmack, aber was soll man bei so einem Buch auch anderes erwarten. Wie Welzer die Gesellschaft auseinandernimmt und auf den Grund unserer Probleme kommt ist beeindruckend. Diesen Teil des Buchs habe ich ausschnitthaft bereits in meinem Wirtschaftsspecial vorgestellt. Gerne könnt ihr dort vorbeischauen und mehr dazu lesen.

In dieser Besprechung möchte ich mich nämlich auf den zweiten Teil des Buchs konzentrieren, der Alles könnte anders sein ausmacht: Welzers Lösungsvorschläge. Denn er hat viele und nicht gerade harmlose Ideen, wie wir unsere Welt grundlegend revolutionieren und somit retten können. Seine wagehalsigen Ideen waren für mich mit Abstand das Beste am Buch. Er findet wahre Alternativen, die auf den ersten Blick vielleicht etwas extrem wirken, die mich aber meistens überzeugen konnten. Wenn nur die Hälfte von dem eintritt, was Welzer vorschlägt, dann freue ich mich auf unsere Zukunft, denn allein bei dem Gedanken daran, fühle ich mich aufgeregt und glücklich. Deshalb möchte ich euch im Folgenden ein paar seiner Ideen vorstellen. Generell nennt Welzer sein Ziel das „Weiterbauen am zivilisatorischen Projekt“ und möchte mit vielen kleinen (und großen) Schritten eine bessere Welt bauen. Diese kleinen Schritte nennt er „Legos“. Hier sind einige seiner faszinierendsten Legos:

  • Unsere Kultur ändern: weg von der Konkurrenz, hin zum Engagement, dem Altruismus, dem vernünftigen Umgang mit Ressourcen, der Kooperation –> das fühlt sich so gut an, dass wir nicht mehr unsere Unzufriedenheit mit Konsum kompensieren müssen
  • Umverteilung: niemand bekommt mehr als 2000€/Monat
  • Arbeit nicht mehr als Sinnstiftung ansehen
  • Internationales Recht und international handlungsfähige Institutionen
  • Share Economy: kostenlose Mobilität, Bildung, Sport, etc.
  • Die analoge Stadt: keine Privatautos mehr in Städten, kostenloser öffentlicher Verkehr
  • Freizügigkeit für alle Menschen
  • Arbeit 80/20: 20% der Arbeits- oder Ausbildungszeit ist für soziales Engagement bereitgestellt, während man trotzdem den vollen Lohn erhält
  • 2035 alle Kohlekraftwerke schließen und keine fossil betriebenen Fahrzeuge mehr
  • Gemeinwohlökonomie (von Christian Felber): Nachhaltigkeit, Mitarbeiterbeteiligung, Menschenrechte, etc.
  • Internalisierung der Kosten: Umweltkosten (wie Transport, Schrott, etc.) zählen zu den Herstellungskosten –> Preise steigen –> soziale und ökologische Vorgehensweisen bringen mehr Gewinn –> nutzlose Güter verschwinden, mehr lokal produziert, 3D-Drucker
  • Ein Recht auf Einkommen: 1200€ Grundeinkommen/Person –> niemand muss arbeiten, wenn er nicht will –> Ende des Hyperkonsums –> finanziert durch Finanztransaktionssteuer von 0,05% auf alle Handelsakte auf dem Finanzmarkt

In dem Buch geht Harald Welzer natürlich noch viel detaillierter auf all diese Ideen und weitere Vorschläge ein, doch das würde den Rahmen meines Blogs sprengen. Ich hoffe, dass euch dieser kleine Einblick trotzdem inspirieren und zum Nachdenken anregen kann. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen dieses Buch lesen, ganz besonders diejenigen, die etwas entscheiden, wie z.B. Politiker und Unternehmensbosse. Ich denke, dass Welzer viele gute Ideen hat, die unsere Welt tatsächlich so viel besser machen könnten. Alles könnte anders sein. Wir müssen nur den Sprung wagen.

Kennt ihr Alles könnte anders sein oder andere Bücher zu der Thematik? Gerne könnt ihr mir Tipps dalassen sowie Gedanken zu den oben genannten Punkten und was immer ihr euch von der Zukunft unserer Welt wünscht.

 

 

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9 Kommentare

  1. Das Buch habe ich mir vor Ostern noch gekauft und liegt nun auf meinem Stapel „muss ich bald mal lesen“. Ich freue mich schon auf das Buch. Ich habe vor kurzem „Befreiung vom Überfluss“ von Niko Paech gelesen. Das Buch war in Teilen sehr volkswirtschaftlich geschrieben. Sodass ich den Eindruck habe nicht alles zu verstanden zu haben und daher mich noch mehr in das Thema einlesen muss, um Befreiung vom Überfluss mit mehr Hintergrund wissen noch einmal zu lesen.

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    1. Danke für den Tipp: Befreiung vom Überfluss klingt vom Titel her nach etwas, das mir gefallen könnte. In Alles könnte anders sein geht es schon auch um viele nicht-wirtschaftliche Themen, aber da alles zusammenhängt und Wirtschaft nun mal alle Bereiche durchdringt, ist es halt schon irgendwie der Fokus. Was soll mensch machen: Wirtschaft ist einfach überall 🤷🏻‍♀️

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