Rezension: Das Erwachen von Andreas Brandhorst

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2017 | Taschenbuch: 736 Seiten | Verlag: Piper | Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3492060806

Kurzinhalt

Nachdem ein Geschäftsdeal des Hackers Axel Krohn schiefgeht, stolpert er über die Zugänge zu Dateien einer großen Spielefirma. Als er diese neugierig durchstöbert, stößt er nicht nur auf wohl behütete Geheimnisse, sondern erschafft auch versehentlich eine Maschinenintelligenz, die mit rasantem Tempo die Welt ins Chaos stürzt.

Eigene Meinung

Das Erwachen hat mich wirklich umgehauen. Es ist ein phänomenales Buch, das mit einem einzigartig spektakulären Plot überzeugt. Ich habe ja schon viele Bücher über KI gelesen, aber dieses geht das Thema vollkommen neu und originell an und macht daraus eine extrem fesselnde Story, die man nicht zur Seite legen kann. Das Buch hat definitiv die Bezeichnung „Thriller“ verdient, denn es ist wirklich superspannend. Schon kurz nach Beginn der Handlung ist die komplette Welt im totalen Chaos und trotzdem schafft es Andreas Brandhorst, da immer wieder noch eins draufzusetzen bis zu Extremen, die man sonst selten liest und die ganz nach meinem Geschmack sind. Denn meiner Meinung nach sollte in Thrillern so viel wie möglich auf dem Spiel stehen – gerne das Überleben der kompletten Menschheit – und Das Erwachen liefert mir hier genau das, wonach ich suche.

Aber auch abgesehen von dem Nervenkitzel ist Das Erwachen ein außergewöhnliches Buch. Die KI in diesem Thriller unterscheidet sich grundlegend von allen anderen fiktiven KIs. Einerseits ist sie nicht nur eine KI (die noch relativ spezialisiert und eingegrenzt wäre), sondern eine allumfassende Maschinenintelligenz. Sie bleibt die meiste Zeit lang namenlos und sie entsteht zufällig, was ich total faszinierend fand und auch irgendwie realistisch. Denn so könnte es kommen: Irgendwer macht einen dummen Fehler, mehrere ungewöhnliche Situationen finden gleichzeitig statt und schon entsteht eine Maschinenintelligenz, die in kürzester Zeit die Kontrolle über die Erde übernimmt. Auch wie die Geschichte dann weiterentwickelt und schließlich abgeschlossen wird, konnte mich völlig überzeugen. Das Ende war perfekt und in einem gewissen Sinne auch wunderschön. Was mich positiv überrascht hat, da ich bisher immer fand, dass die Enden von Andreas Brandhorst Büchern seine größten Schwachpunkte sind. Insgesamt hat mir das Buch viel besser gefallen als Ewiges Leben, das ich letztes Jahr gelesen habe. Ewiges Leben war vom Thema und der Kernstory her mindestens genauso faszinierend wie Das Erwachen, doch da gab es ein paar kleinere Plotlücken und Punkte, die mich abgestoßen haben. Ewiges Leben ist ein gutes Buch, aber Das Erwachen ist einfach vom Autorenhandwerk her auf einem viel höheren Niveau.

Was Andreas Brandhorst meiner Meinung nach immer gut macht, ist die Gestaltung der verschiedenen Figuren und das Spiel mit den Perspektiven. Diesmal steht der Hacker Axel Krohn im Zentrum des Geschehens und im Laufe der Handlung wurde er immer facettenreicher und ich bin sein Fan geworden. Seine Backstory war für meinen Geschmack etwas zu überlastet (da hätte man das ein oder andere Detail weglassen können), aber der Mensch, zu dem er sich dann entwickelt, hat mich beeindruckt. Mein Liebling war aber der zweite Protagonist, Coorain, ein australischer Geheimdienstagent, der einfach der coolste Typ ist, von dem ich je gelesen habe. Seine lässige Art ist ansteckend und ich habe ihm immer gerne beim Sprechen zugehört. Ich sag nur: „no worries“. Als dritte Protagonistin haben wir die norwegische Diplomatin in Italien Viktoria Jorun Dahl, die in der Krise um die Maschinenintelligenz die Führung übernimmt und in ihrer neuen Rolle aufgeht wie eine Badass Boss Lady. Sie hat mir auch gefallen, nur leider gab es in ihren Teilen oft lange theoretische Diskussionen, denn verständlicherweise sind die Erlebnisse einer Diplomatin etwas weniger actionreich als die von einem Geheimdienstagenten oder Hacker.

Wegen ein paar kleinsten Kleinigkeiten war das Buch für mich nicht perfekt, aber trotzdem kann ich festhalten, dass im Großen und Ganz einfach alles stimmt: Plot, Figuren, Thema, Spannung – das ganze Programm. Das Erwachen ist ein verdammt gutes Buch und ich kann es jedem empfehlen, der sich einem faszinierenden technischen Thema widmen will, aber trotzdem auch gut unterhalten werden möchte.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

 

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