Der Geburtstag meiner Figuren

Morgen, am 8. April 2019, werden die beiden Protagonisten meines Romans, an dem ich im Moment arbeite, geboren! Hurra! Vielleicht werde ich das irgendwie feiern, auch wenn es komisch ist, Menschen zu feiern, die bisher nur in meinem Kopf existieren. Aber während der letzten Wochen habe ich mich darauf konzentriert, die beiden zu formen und ihnen eine Stimme zu geben und währenddessen sind sie mir wirklich ans Herz gewachsen. Mein Roman spielt Anfang des Jahres 2041, wenn die beiden Protagonisten 21 Jahre alt sind, sodass sie 2019 geboren werden müssen. Sie ahnen noch nichts von all den Abenteuern und Dramen, durch die ich sie schleifen werde. Ab morgen existieren sie erst einmal nur als kleine fiktive Babys, die keine Ahnung von der bedeutenden Rolle haben, die sie in meiner Geschichte spielen, obwohl sich diese bereits bei der Geburt andeutet.

Diesen feierlichen Anlass möchte ich nutzen, um euch zu erzählen, wie ich bei der Figurengestaltung vorgegangen bin. Mir war schon lange klar, worum es im Kern meiner Geschichte gehen soll und dass ich dafür zwei Protagonisten benötige. Doch wer und wie diese sind, hat sich erst nach und nach herauskristallisiert, wobei natürlich noch vieles offen ist.

Letztes Jahr im November habe ich Urlaub in Nordmichigan gemacht, wo ich täglich viele Stunden damit verbracht habe, im Wald rumzusitzen – ohne Internet, Handyempfang oder sogar Bücher. Also habe ich diese Gelegenheit genutzt, um den Plot und die Figuren meines neuen Schreibprojekts zu planen. Die verschiedenen Persönlichkeiten der beiden Protagonisten haben sich mir vage aufgezeigt und ich habe ein paar Notizen in meinem (empfangslosen) Handy gemacht. Ihr Geburtstag war tatsächlich eine der ersten Dinge, die ich festgelegt habe, weil der für den zeitlichen Rahmen des Plots von Bedeutung ist. Danach kamen die Namen. Und dann weitere Details.

Im Februar bin ich die Sache schließlich etwas genauer angegangen. Ich habe mit dem Protagonisten begonnen, der mir intuitiv sympathischer war, weil ich ihn besser nachvollziehen konnte, und habe einen Steckbrief für ihn angelegt mit allgemeinen Infos, charakterlichen Besonderheiten, seinem Aussehen, Hobbies, etc. Es hat mich ein bisschen an die Freundesbücher, die wir in der Grundschule hatten, erinnert. Dann habe ich ein Pinterest Board für ihn erstellt mit Fotos von Männern, die in etwa so aussehen, wie ich ihn mir vorstelle, sowie Bildern von Dingen, die er mag, und Sprüchen, die er lustig finden würde. Dann habe ich ihn einfach drauf losschreiben lassen. Ich habe versucht, in seiner Stimme eine kleine Selbstbeschreibung zu verfassen, was ziemlich chaotisch war, doch am Ende dieses Prozesses, war mir viel klarer, wie er drauf ist und welche Rolle er in der Geschichte spielt. Spontan habe ich außerdem die ersten eineinhalb Seiten des Romans verfasst, die aus seiner Sicht erzählt werden, wenn auch in der dritten Person Singular. Ich weiß nicht, ob der Anfang so bleiben wird, doch für einen ersten Versuch bin ich ziemlich stolz darauf, denn ich finde, dass sowohl er, als auch der zweite Protagonist, den er in der Szene beobachtet, bereits recht deutlich zu erkennen sind.

Nun habe ich mich an den anderen Protagonisten gewagt, der mir persönlich fremder war. Auch für ihn habe ich einen Steckbrief und ein Pinterest Board erstellt. Und dann habe ich ihn schreiben lassen. Das war wirklich ein Erlebnis! Meine größte Sorge war, dass die beiden Figuren sich irgendwie gleich anhören, weil ich das an Büchern mit mehreren Erzählern selbst oft kritisiere, aber dieser Text war so grundverschieden von dem ersten, den ich geschrieben habe, dass es mich fast ein bisschen schockiert hat. Ich bin total glücklich mit diesem ersten Versuch, denn ich glaube, dass ich wirklich seine Stimme gefunden habe. Im Laufe dieses Prozesses habe ich außerdem erkannt, dass er mir gar nicht so unähnlich ist, wie ich anfangs dachte. Im Gegenteil: In vielen Dingen ist er mir sogar wesentlich ähnlicher als der andere Protagonist, mit dem ich mich ursprünglich identifiziert habe. Protagonist 2 verkörpert nicht unbedingt die Aspekte von mir selbst, die ich am meisten mag (das ist dann doch eher der Fall bei Protagonist 1), aber er hat eine Tiefe, die ich so gar nicht erwartet hatte und die ich total nachvollziehen kann.

Das alles mag für manche vielleicht komisch klingen, immerhin rede ich über erfundene Buchfiguren, als seien sie echte Menschen. Ich beschreibe es fast so, als würden sie sich selbst erschaffen, obwohl ich natürlich die Autorin bin, ohne die es sie nicht mal in der fiktiven Welt gäbe. Und dann feiere ich auch noch den Geburtstag von Protagonisten, die noch niemand kennt außer mir – schon schräg! Aber ich hoffe, dass der ein oder andere Schreiberling mich verstehen kann. Ich finde, mit den Protagonisten stehen und fallen Bücher und es macht mir riesig Spaß, sie zu erschaffen. Ab und zu habe ich es sogar schon erlebt, dass ich beim Lesen eines richtig guten Buchs vergessen habe, dass die Figuren nicht wirklich existieren. Wenn es mal jemanden mit meinem Buch so ergehen wird, wäre das ein Traum.

Wie erschafft ihr eure Protagonisten und anderen Figuren? Schreibt ihr Backstorys, Charakterisierungen und Ähnliches? Ich freue mich über Kommentare mit Erfahrungsberichten, Anregungen, Gedanken und mehr!

 

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