Rezension: An Absolutely Remarkable Thing von Hank Green

Genre: Science Fiction | Erscheinungsjahr: 2018 | Hardcover: 352 Seiten | Verlag: Trapeze |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-1473224186 | Deutsche Ausgabe: Ein wirklich erstaunliches Ding Ende Februar 2019 bei dtv

Kurzinhalt

Eines Nachts entdeckt April May auf dem Heimweg von der Arbeit eine gigantische Roboterstatue mitten in Manhattan. Zusammen mit ihrem besten Freund Andy dreht sie einen kurzen Film, in dem sie der Welt diese Entdeckung vorstellt. Diese spontane Aktion hat Konsequenzen von einem Ausmaß, das sich April nie hätte erträumen können. Über Nacht wird sie weltberühmt, denn mindestens 60 identische Statuen von Carl, wie April die Kreatur nennt, sind über den ganzen Planeten verteilt aus dem Nichts aufgetaucht. Außerdem ist Carl alles andere als ein lebloses Kunstwerk. Schnell stürzen die Carls die ganze Welt in Chaos und Aufregung.

Eigene Meinung

Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll, dieses Buch zu beschreiben. Denn in An Absolutely Remarkable Thing hat es Hank Green geschafft, viele der wichtigsten Menschheitsthemen unserer Zeit auf gerade mal 352 Seiten darzustellen und zu erkunden. Ruhm, Social Media, Filterblasen, Xenophobie, Bisexualität, Marketing, Kunst und so vieles mehr spielt in dem Buch eine Rolle. Eine der deutlichsten Eindrücke, die ich beim Lesen hatte, war dass An Absolutely Remarkable Thing wirklich am Puls der Zeit ist.

Ich finde, jeder sollte dieses Buch lesen. Die Art und Weise, wie Hank Green die Menschheit im 21. Jahrhundert porträtiert, ist teilweise erschütternd akkurat und teilweise wundervoll optimistisch. An Abolutely Remarkable Thing ist Science Fiction, doch obwohl ich ein Fan der riesigen transformerartigen Kreaturen mit dem Namen Carl war, habe ich schnell festgestellt, dass es weniger um diese neue Entwicklung geht und mehr darum, wie die Menschheit darauf reagiert. Es ist ein wichtiges Buch mit einer herzerwärmenden Botschaft: All die sensationellen Errungenschaften und Veränderungen, die uns bevorstehen, können wir nur bewältigen, wenn wir auf globaler Ebene zusammenhalten und zusammenarbeiten. Ich kann mir kaum eine Message vorstellen, die wir als Weltgemeinschaft im Moment mehr bräuchten als diese.

Wenn ich nun all die vielen Aspekte, die mich an dem Buch fasziniert haben, durchgehen würde, würde dieser Post endlos werden. Deshalb will ich mich auf ein paar Worte über das Hauptthema des Plots beschränken: Ruhm. An Absolutely Remarkable Thing erzählt davon, wie Ruhm funktioniert und was er mit einem Menschen macht. Dabei gibt es einige regelrecht analytische Stellen wie zum Beispiel die Auflistung der fünf Stufen des Ruhms, die zeigen, dass sich Hank Green wirklich tiefgehend mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Er ist mit seinen erfolgreichen YouTube Channels und einem megaerfolgreichen Jugendbuchautor als Bruder auch kein Neuling des Ruhms (er ordnet sich selbst der dritten Stufe „Working Class Fame“ zu, die er wie folgt beschreibt: „You might still have to hustle to make a living, but your fame is your job. You’ll probably trend on Twitter if you die.“). Deshalb habe ich beim Lesen dieser Geschichte über Ruhm sowas wie ein Metaerlebnis gehabt. Kennt ihr das, dass ihr manchmal das Gefühl habt, ihr kennt gewisse YouTuber persönlich, weil sie euch regelmäßig Einblicke in ihr Leben geben? Aber andererseits müsst ihr einsehen, dass die YouTuber keine Ahnung haben, wer ihr seid? So ging es mir beim Lesen von An Absolutely Remarkable Thing. Ich bin schon lange ein Fan von Hank Green und beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, das Werk von einem guten Freund in den Händen zu halten, bevor mir schlagartig bewusst wurde: Ich kenne diesen Menschen doch gar nicht. Ruhm ist schon eine seltsame Sache – das wurde mir beim Lesen gleich auf mehreren Ebenen bewusst.

Ich muss zugeben, dass ich ein paar Seiten brauchte, um mich an den sehr umgangssprachlichen Stil zu gewöhnen, doch dann hat er mir außerordentlich gut gefallen. Auch mit den Figuren konnte ich mich schnell anfreunden. Die Protagonistin April wird wohl gerne von Lesern kritisiert, weil sie nicht gerade die beste Freundin ist und teilweise egoistisch oder irrational handelt. Aber für mich war das kein Problem. Menschen sind nun mal nicht perfekt – das zeigt das Buch überdeutlich an so vielen Stellen. Tatsächlich fand ich sogar, dass April sich selbst ein bisschen zu schlecht sieht. Oft erzählt sie, was für ein schlechter Mensch sie ist und dass wir (die imaginäre Leserschaft) sie hassen werden, aber so schlimm fand ich sie gar nicht und gehasst habe ich sie sicher nicht. Klar, sie macht Fehler, aber wer macht das nicht?

Außerdem wird Aprils Charakterschwäche mehr als ausgeglichen von ihren großartigen Freunden: ihre Freundin Maya, die auf April aufpasst, wenn diese mal wieder dämliche Entscheidungen trifft, Miranda, die supersmarte und süße Biologin, Robbie, der loyale Assistent, und natürlich Andy. In Andy, den treuen, kreativen, mutigen, herzlichen besten Freund, habe ich mich fast ein bisschen verliebt. Mehrmals habe ich mir gewünscht, Teil dieser Freundesgruppe zu sein.

An Absolutely Remarkable Thing war (bisher) auf jeden Fall mein Jahreshighlight. Ich habe dem Buch monatelang entgegengefiebert und ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Das Buch hat mich auf eine positive Art und Weise total mitgenommen. Ich denke immer noch ständig darüber nach. Es hat das Potential, die Welt zum Besseren zu wandeln, wenn wir uns als Leser darauf einlassen. Denn Hank Green versucht gar nicht erst, seine politischen Überzeugungen zu verbergen. Viel mehr strahlen sie einem regelrecht entgegen. Ich denke, vielleicht ist An Absolutely Remarkable Thing genau deshalb eines der mutigsten und wichtigsten Bücher unserer Zeit – und außerdem jede Menge Spaß!

Bewertung

Fünf von fünf Punkten

 

Wer hat das Buch schon gelesen? Lasst mir gerne eure Gedanken dazu da! Oder habt ihr vor, die deutsche Übersetzung nächstes Jahr zu lesen?

 

 

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5 Kommentare

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