Lieblingsbücher Special: On the Road von Jack Kerouac

Sobald ich ein Buch fertiggelesen (oder abgebrochen) habe, werde ich es normalerweise so schnell wie möglich wieder los. Nur wenige Bücher haben mich bisher genug überzeugt, damit ich sie behalte. Deshalb ist es Zeit für eine Blogserie zu meinen Lieblingsbüchern. In dieser möchte ich euch nach und nach die Bücher vorstellen, die aus unterschiedlichen Gründen einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen und in meinem Bücherregal erhalten haben.

Ich beginne mit meinem absoluten Lieblingsbuch aller Zeiten: On the Road von Jack Kerouac. Ich weiß, dass viele Leser ein Problem damit haben, ein Lieblingsbuch zu benennen, weil es zu viele gute Bücher gibt, doch mir ist es nie so ergangen. Seit ich vor fast 10 Jahren zum ersten Mal On the Road gelesen habe, ist es mein absoluter Liebling und bisher konnte noch kein Buch an es heranreichen. Ich habe On the Road mittlerweile sicher fünf oder sechs Mal gelesen, was an sich schon ein Wunder ist, denn normalerweise verspüre ich wenig Lust, ein Buch noch einmal zu lesen, geschweige denn immer und immer wieder.

Aber On the Road ist nun mal etwas Besonderes für mich. Alles begann damit, dass mein Deutschlehrer in der Oberstufe uns auftrug, ein Buch unserer Wahl vorzustellen. Also plünderte ich das Bücherregal meiner Mutter und stieß dabei auf Unterwegs, die deutsche Übersetzung von On the Road. Ich begann, darin zu lesen, legte das Buch aber bald zur Seite, denn die 50er Jahre Straßensprache ging mir gehörig auf den Geist und erinnerte mich an meine Großeltern. Auf Deutsch konnte mich das Buch nicht fesseln. Außerdem wurde mein Lehrer krank und fiel für viele Monate aus, weshalb meine Buchpräsentation nie stattfand.

Vor meiner mündlichen Abiturprüfung fuhr ich für zwei Wochen in einen kleinen Ort namens Totnes in Südengland, um eine Sprachschule zu besuchen. Dort stieß ich in einem Buchladen auf On the Road von Jack Kerouac. Ich kaufte das Buch, verschlang es und war absolut begeistert. Das Lebensgefühl der Protagonisten sprach mir aus der Seele, vor allem da ich kurz vor dem Abitur stand und tatsächlich das Gefühl hatte, die Welt liege mir zu Füßen.

Doch worum geht es in On the Road eigentlich und was ist dieses Lebensgefühl, von dem ich so schwärme? On the Road berichtet von den Reisen, die der Autor Jack Kerouac mit seinem Freund Neal Cassidy quer über den amerikanischen Kontinent unternahm. Es ist die Geschichte einer Freundschaft und vor allem ein Porträt des außergewöhnlichen Freundes Neal Cassidy. Das Buch ist wohl so etwas wie Kerouacs Memoiren, allerdings fiktionalisiert. So wurden mehrere Reisen zusammengelegt, alle Namen wurden geändert und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich Jack Kerouac mit dem Erzähler Sal Paradise etwas besser zeichnete, als er tatsächlich war.

On the Road ist das Programmbuch der Beat Generation, einer Gruppe von Intellektuellen in den 40er und 50er Jahren, die sich meist in San Francisco versammelten und Tabus brachen. Sie feierten den Jazz, die Kultur der Schwarzen, die Homosexualität, die freie Liebe, den Buddhismus und vieles mehr. Wichtige Mitglieder der Beat Generation waren neben Jack Kerouac auch Allen Ginsberg und William S. Burroughs, die alle in On the Road vorkommen. Mittlerweile bin ich ein Experte der Beat Generation. Ich habe Bücher gelesen, Dokus geschaut, bin nach San Francisco gegangen, habe das On the Road Museum besucht und habe weitere Bücher von Jack Kerouac und Allen Ginsberg gelesen.

Immer wenn ich verreise, ist On the Road mit im Gepäck und ich lese es. Auf dem Cover notiere ich all die Orte, an denen dieses Buch schon war und es sind mehr Orte, als manche Menschen in ihrem ganzen Leben besuchen. Außerdem habe ich das Buch bis zum Gehtnichtmehr unterstrichen und kommentiert, habe Zeichnungen und Gedichte eingefügt. Der gedruckte Text ist an manchen Stellen kaum noch lesbar. Bei jedem Lesedurchgang von On the Road fallen mir neue Dinge auf. Jedes Mal ziehe ich neue Botschaften aus der Geschichte und identifiziere mich mit anderen Figuren. Dieses Buch wird mir nie langweilig werden.

Außerdem liebe ich einfach Jack Kerouacs Schreibstil. Sein Stil unterscheidet sich grundlegend von meinem eigenen. Er schreibt oft sehr lange Sätze mit Unmengen von Adjektiven und Adverbien, mit Fragmenten und Verschachtelungen – all das, was ich persönlich um jeden Preis vermeide. Trotzdem gehen mir seine Sätze jedes Mal unter die Haut. Sie sind wirklich mehr Poesie als Belletristik. Auch wenn ich mittlerweile durch Biografien und Berichte erfahren habe, dass Jack Kerouac alles andere als ein guter Freund oder auch ein guter Mensch war, kann man einfach nicht verleugnen, dass er verdammt gut schreiben konnte.

Übrigens habe ich eine Ode auf mein On the Road Exemplar mit dem Titel „Ein Buch wie ein Leben“ für die Anthologie Über Bücher geschrieben, die gerade erschienen ist. Falls ihr euch dafür interessiert, findet ihr das Buch hier.

Habt ihr auch ein Lieblingsbuch, das euch schon seit Jahren begleitet, das ihr immer wieder lest und an das einfach kein anderes heranreicht? Welches ist es? Ich freue mich über Kommentare!

 

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Veröffentlicht von

Sunita

Homo sapiens. weiblich. Studentin. Politikinteressiert. Schriftstellerin. Weltsüchtig. Partyphilosoph. Fotografin. Hobbytänzerin. Kommunistin. Musikbesessen. Deutsch-Indisch. Drop Out.

11 Gedanken zu „Lieblingsbücher Special: On the Road von Jack Kerouac“

  1. Wow – diesem Buch sieht man wirklich an, dass Du es geliebt hast, liebst und weiterhin lieben wirst. Es hat total viel Charme – sehr beeindruckend. Ich habe höchstens Studienbücher, die so „vollgekritzelt“ sind, aber die sind bei weitem nicht so hübsch und eindrucksvoll.

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  2. Das sieht ja mal wirklich unglaubluch aus, dieses Buch! Total schön zu sehen, wie es dich in deinem Leben begleitet hat! Ich finde es auch tierisch sympathisch, wenn Bücher beim Lesen mitgestaltet werden^^
    Ich kann tatsächlich auch nicht das Eine Buc benennen… Es sind so viele Bücher, die einen großen Einfluss auf mich hatten… Letztendlich spielte gerade während der Schulzeit Hermann Hesse eine riesen Rolle für mich und ich habe ihm enorm viel zu bedanken… Aber auch „Der unsichtbare Apfel“ von Robert Gwisdek… Und „Bilder deiner großen Liebe“ von Herrndorf… Und Dürrenmatt… Und Camus… Und Kehlmann… Ach, ich fang gleich an, mein Bücherregal aufzuzählen ;) Aber benannte waren und sind definitiv Autoren, denen ich unglaublich viel zu verdanken habe… Dass ich ihre Bücher las, hatte für mich mehr Bedeutung, als einfache Unterhaltung, ich habe auf vielen verschiedenen Ebenen etwas für mich mitgenommen…
    Habe auch schon seit einer Weile vor, so eine Reihe mit Büchern und Autoren zu machen, man muss es nur mal endlich schreiben^^
    Ganz liebe Grüße dir!

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    1. Von deinen Lieblingsautoren habe ich tatsächlich bisher fast nichts gelesen. In der Schule haben wir „Der Fremde“ von Camus gelesen und dann habe ich auch mal „Der Steppenwolf“ von Hesse gelesen, aber das war’s dann schon. Was ist denn dein Lieblingsbuch von den Autoren? Oder magst du einfach alle? ;) Ich glaube, ich mag meistens ein Buch von einem Autor wesentlich mehr als alle anderen, zumindest bei den Autoren, von denen ich schon viele Bücher gelesen habe, wie Jack Kerouac – seine anderen Bücher sind nämlich nicht so super ;)
      Würde mich freuen, wenn du mal Blogposts zu den Lieblingsbüchern/Auoren machst, finde sowas immer total spannend! :)

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      1. Ich habe schon bei jedem ein oder zwei spezielle Bücher, aber an und für sich sind die Autoren für mich wegen ihres gesamtwerkes so bedeutend geworden… Ich bewundere sie einfach enorm!
        Ich werde so einen Post definitiv bald in Angriff nehmen ;)

        Stört es dich eigentlich, wenn du glaubst, er was privat nicht unbedingt ein guter Mensch bzw dass dir die anderen Bücher nicht unbedingt gefallen? Ich muss ja zugeben, ich kann ihn gar nicht einordnen^^

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      2. Nein, das stört mich nicht wirklich. So richtig kann man das ja bei toten Autoren auch nie wissen, nur davon, was andere von ihm erzählen, aber es ist jetzt auch nicht so, dass er Serienmörder oder sowas gewesen wäre ;) Ich habe nur einige Sachen gelesen darüber, wie er nicht für seine Freunde da war und sie ausgenutzt hat. Außerdem hatte Jack Kerouac auch einfach viele Probleme und war Alkoholiker. Und hat fast sein ganzes Leben lang bei und von seiner Mutter gelebt. Aber das ist jetzt nichts, was mich davon abhalten würde, sein Buch zu lieben <3 In der Uni haben wir aber auch manchmal darüber diskutiert, ob man auch Bücher mögen darf, wenn die Autoren z.B. Nazis waren oder Pädophile, das ist dann etwas extremer. Aber ich finde man sollte Literatur erst einmal unabhängig vom Charakter des Autors bewerten.

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