Rezension: The Long Way to a Small, Angry Planet von Becky Chambers

Genre: Science Fiction | Deutsche Ausgabe: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten | Erscheinungsjahr: 2016 | Taschenbuch: 544 Seiten | Verlag: Fischer TOR  | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3596035687

Kurzinhalt

Rosemary ist das neueste Mitglied der Crew des Wayfarer Raumschiffes. Die Aufgabe des Wayfarer und seines Teams ist es, Wurmlöcher im Weltraum zu schaffen und so die verschiedenen Spezies des Universums miteinander zu verbinden. Nun soll eine neue Spezies, die Toremi, in die universelle Gemeinschaft aufgenommen werden, weshalb die Wayfarer Crew den Auftrag erhält, in ein weit entferntes und sehr gefährliches Gebiet zu reisen. Unterwegs müssen sie allerdings viele Hindernisse und Umwege in Kauf nehmen.

Ich habe gerade herausgefunden, dass es zwei weitere Bücher gibt, die in demselben Universum spielen: A Closed and Common Orbit verfolgt die weitere Reise der künstlichen Intelligenz Lovey und Record of a Spaceborn Few wirft einen Blick auf diejenigen Menschen, die unser Sonnensystem verlassen haben. The Long Way to a Small, Angry Planet funktioniert aber auch hervorragend als Stand-Alone.

Eigene Meinung

Durch Der Marsianer bin ich auf den Geschmack von Science Fiction Literatur gekommen, sodass ich gleich in dem Genre weitergelesen habe. The Long Way to a Small, Angry Planet ist allerdings erheblich SciFi-lastiger als die Bücher von Andy Weir. Die Handlung setzt viele Jahrhunderte, nachdem die Menschen die Erde verlassen haben, ein. Mittlerweile gibt es eine universelle Weltengemeinschaft. Die Crew der Wayfarer besteht aus verschiedenen Spezies, darunter Menschen, aber auch Lebewesen, die sich in ihrem Aussehen, ihren Körperfunktionen und ihrer Lebensweise deutlich von uns unterscheiden.

The Long Way to a Small, Angry Planet ist das erste Weltraumepos, das ich je gelesen habe und ich muss zugeben, dass es mir oft etwas zu viel war. Es ist mir schwergefallen, mir die nichtmenschlichen Figuren vorzustellen und ich konnte mich deshalb nur bedingt in sie hineinversetzen. Ich denke aber, dass das ein Problem ist, dass umso kleiner wird, desto mehr Science Fiction Bücher ich lese.

Die Dynamik des Teams hat mir sehr gut gefallen. Die Figuren haben unterschiedlich intensive und auch intime Beziehungen miteinander, doch auch wenn es manche gibt, die nicht wirklich miteinander klarkommen, empfinden sie alle ihre Crew als ihre Familie. Das Konzept der erwählten Familie aus Freunden und Liebhabern finde ich immer sehr schön und auch hier hat es mir ab und zu ein paar Tränen der Rührung in die Augen getrieben.

Der Plot selbst konnte mich leider weniger überzeugen. Der Hauptplot (die Reise zu dem Weltraumgebiet der kriegerischen Toremi und die Durchführung des Auftrags) wird nach einer langen Exposition begonnen, dann aber sehr lange wieder beiseitegelegt, bis er schließlich in den letzten drei Kapiteln etwas überhastet abgeschlossen wird.

Zwischen dem Start- und Endpunkt der Haupthandlung finden sich sehr viele Nebenhandlungen, die in den meisten Fällen wenig mit der Hauptstory zu tun haben. Ich habe versucht mitzuzählen und dabei mehr als zehn untergeordnete Handlungsstränge gefunden. Von diesen werden zwei am Ende des Buchs zufriedenstellend abgeschlossen, alle anderen werden bloß angerissen und spielen während der restlichen Handlung keine Rolle mehr. Manche dieser Wendungen sind für die Figuren vollkommen lebensverändernd, weshalb ich es kaum nachvollziehen kann, dass sie so plötzlich wieder fallengelassen werden. Die meisten der Nebenplots fand ich wirklich spannend, doch leider gehen sie im Gewusel der nebeneinander stattfindenden Geschichten unter.

Trotzdem möchte ich die Struktur des Buchs nicht verteufeln. Ich verstehe durchaus, was die Autorin hier erreichen wollte: Es ging ihr weniger darum, eine zusammenhängende, dramatisch zugespitzte Geschichte zu erzählen, sondern mehr darum, so viele verschiedene Lebewesen und Gesellschaften mit ihren Probleme und Besonderheiten vorzustellen wie möglich, um aufzuzeigen, wie eine hoch entwickelte und eng vernetzte Weltengemeinschaft aussehen könnte. Obwohl ich das interessant fand, hätte mir das Buch mehr Spaß bereitet, wenn es sich auf wenige Plots konzentriert und diese richtig ausgearbeitet und weitergedacht hätte. Auch finde ich, dass sich manche der Nebenhandlungen eher als Hauptplot geeignet hätten als der eigentliche Haupthandlungsstrang.

Ich möchte nichts spoilern, aber falls ihr das Buch bereits gelesen habt, würde ich mich freuen, mich mit euch über die besten Handlungsstränge in The Long Way to a Small, Angry Planet auszutauschen.
Was war eure Lieblingsgeschichte in dem Buch und wie fandet ihr es insgesamt?
Könnt ihr mir andere Science Fiction Bücher empfehlen?
Ich freue mich über Meinungen und Anregungen in den Kommentaren!

Bewertung

+++ – Drei von fünf Punkten

 

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Veröffentlicht von

Sunita

Homo sapiens. weiblich. Studentin. Politikinteressiert. Schriftstellerin. Weltsüchtig. Partyphilosoph. Fotografin. Hobbytänzerin. Kommunistin. Musikbesessen. Deutsch-Indisch. Drop Out.

4 Gedanken zu „Rezension: The Long Way to a Small, Angry Planet von Becky Chambers“

  1. Hi Sunita,
    also TLWTASAP ist eher sehr untypische SciFi oder vielmehr schon fast eine eigene neue Gattung davon. Mir hat das Buch letztlich wegen der ganzen zwischenmenschlichen (oder zwischensapischen?) Beziehung Spaß gemacht, aber es war bei mir damals auch etwas ganz anderes als das, was ich bei SciFi erwartet hatte. :-)

    Wenn du eher in die normale SciFi einsteigen willst … Hm, was könnte ich dir da empfehlen? Soll es eher ein Jugendbuch sein? Dann würde ich die Luna Chroniken von Marissa Meyer in den Raum werfen. Das dürfte auch ein eher sanfter Einsteig sein, weil die klassischen SciFi Elemente noch nicht so stark im Vordergrund stehen. Zwei Bücher die ich absolut großartig fand – aber schon eher in die etwas anspruchsvollere Kategorie gehören – wären „Six Wakes“ von Mur Lafferty (eine Art Weltraum-Krimi) und „The Soul Consortium“ von Simon West-Bullford.

    Liebe Grüße,
    Sameena

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für die Tipps! Es darf gerne etwas Erwachseneres sein. Die Bücher, die du genannt hast, schaue ich mir mal an :) Aber gut zu wissen, dass das Becky Chambers Buch nicht der Standard ist. Ich habe mal versucht, Perry Rhodan zu lesen – habe irgendwo mittendrin angefangen, aber das hat mich völlig überfordert. ;)

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