Wie ich meinen Roman überarbeite

Wie ich bereits berichtet habe, habe ich Anfang des Jahres die erste Version meines ersten Romans fertig geschrieben. Hurra! Leider bedeutete das, dass ich nun in der Phase des Überarbeitens angekommen bin. Beim Überarbeiten meines Romans kombiniere ich Methoden, von denen ich gelesen oder gehört habe, mit dem, was für mich persönlich am besten funktioniert. Dabei bin ich weit davon entfernt, die perfekte Überarbeitungs-Strategie gefunden zu haben. Ich stolpere viel eher irgendwie vorwärts und hoffe, dass dieser langwierige Prozess mein Buch eines Tages so weit bringen wird, dass es veröffentlicht und gelesen wird.

Überarbeiten während dem Schreiben

Für mich beginnt das Überarbeiten während dem Schreiben. Ich kann nicht – wie das manche Autoren tuen – das komplette erste Manuskript fertig schreiben, ohne bereits immer wieder über das Geschriebene zu lesen und es zu überarbeiten. Das liegt einerseits daran, dass der Gedanke, dass da ein paar nicht korrigierte Kapitel auf meinem PC liegen, mich um den Schlaf bringt, andererseits daran, dass ich Pausen vom Schreiben brauche. Ich finde Schreiben furchtbar anstrengend. Die Freude liegt darin, das Geschriebene zu lesen und daran herumzubasteln.

Mein Schreibprozess sah deshalb folgendermaßen aus: Ein Kapitel plotten, das Kapitel schreien, das Kapitel korrigieren, das Kapitel an meine Kritikpartnerin schicken, ihre Korrekturen und Anmerkungen übernehmen, noch einmal Korrekturlesen, schwierige Szenen in meiner Schreibgruppe vorlesen, die Kritik der Mitglieder der Schreibgruppe umsetzen, noch einmal Korrekturlesen. Und so ging das Kapitel um Kapitel. Das bedeutet, dass ich den Roman, noch bevor ich ihn fertig geschrieben hatte, im Prinzip schon mehrere Mal überarbeitet hatte.

Überarbeiten nach dem Schreiben

Das habe ich nun glücklicherweise hinter mir. Trotzdem haben ich und mein Roman noch immer einen langen Weg vor uns. Denn nun geht es ans Eingemachte. Angeregt von den Kommentaren der Kritikpartnerin und den Mitgliedern der Schreibgruppe sowie von meinen eigenen Überlegungen habe ich während dem Schreibprozess eine Liste von nötigen Änderungen angelegt. Diese umfasst Kleinigkeiten, wie die Verwendung von Markennamen oder Ticks der Figuren zu begrenzen oder erweitern, aber auch größere Aktionen, wie Backstorys zu erfinden, logische Lücken zu schließen, Figuren sympathischer zu machen, etc. Die Liste ist überwältigend und muss nun abgearbeitet werden.

Dafür habe ich den Roman in Abschnitte eingeteilt, die ich einen nach dem anderen überarbeite. Diese Abschnitte gehören thematisch zusammen und können eins bis drei Kapitel umfassen. Gerade habe ich die Überarbeitung am zweiten Abschnitt (Kapitel 2-4) beendet, was ungefähr einen Monat gedauert hat. Als erstes lese ich den Abschnitt und erstelle eine Liste der Szenen. Hinter jede Szene schreibe ich Änderungsideen. Als Nächstes geht es daran, die geplanten Änderungen umzusetzen. Das ist eine langwierige und mühselige Arbeit. Währenddessen notiere ich mir außerdem einige Dinge: Inhalt (Hauptplot und Nebenplot), gute Formulierungen, Beschreibungen der Figuren und mehr. Das hilft mir, Ungereimtheiten oder Wiederholungen zu finden. Außerdem wird es mir später beim Verfassen des Exposés hoffentlich nützlich sein. Wenn ich dann (endlich) alles umgesetzt habe, lese ich den Abschnitt noch einmal, um sicher zu gehen, dass ich nicht irgendetwas total verdreht habe.

Damit werde ich wohl noch eine ganze Weile beschäftigt sein. Nach dieser Überarbeitungsphase habe ich vor, den kompletten Roman noch einmal Korrektur zu lesen und noch einmal einfach so zu lesen, um zu sehen, ob er überhaupt noch Spaß macht. Außerdem möchte ich den ersten drei Kapiteln noch mehr Aufmerksamkeit widmen, da diese die Leseprobe werden sollen. Zusätzlich hoffe ich, dass entweder das ganze Buch oder aber zumindest die ersten drei Kapitel noch einmal sowohl von einer Person gelesen werden, die Ahnung von Literatur hat (also eventuell eine professionelle Lektorin), als auch von ein paar Menschen aus meiner Zielgruppe (Jugendliche). Dies wird natürlich weitere Korrekturen und Änderungen nach sich ziehen.

Wenn ich auf meinen Überarbeitungs-Prozess schaue, dann kommt es mir oft vor, als würde er nie ein Ende finden. Doch ich dachte dasselbe über meinen Schreibprozess, als ich begonnen habe. Ich schreibe sporadisch und mit Pausen seit meiner Kindheit, doch ich habe noch nie einen Roman veröffentlicht. Es ist mein größter Traum. Ich bin froh über meine Liebe zum Schreiben, auch wenn sie mich manchmal verzweifeln lässt. Trotzdem glaube ich nicht wirklich an Talent und Genialität. Ich glaube an harte Arbeit und Disziplin.

Wie überarbeitet ihr eure Buchprojekte, Kurzgeschichten, Lyrik etc.? Ich freue mich über Anregungen und Tipps in den Kommentaren!

 

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Veröffentlicht von

Sunita

Homo sapiens. weiblich. Studentin. Politikinteressiert. Schriftstellerin. Weltsüchtig. Partyphilosoph. Fotografin. Hobbytänzerin. Kommunistin. Musikbesessen. Deutsch-Indisch. Drop Out.

12 Gedanken zu „Wie ich meinen Roman überarbeite“

  1. du schreist ein Kapitel?^^ Sry,..wsl nur ein Tipselfehler…das eigene Geschreibsel Korrektur zu lesen, ist für mich das nervigste überhaupt..egal, auf welcher Ebene, in welchem Bereich..muss mich da auch auf meinem Blog schon ziemlich zusammreissen..oft lass ich es dann aber auch einfach..wünsche dir bei deinem Roman viel Glück und Erfolg <3 Glg Herta

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  2. Ich kann mich nicht zurück halten, so muss hier also auch noch ein kleiner Kommentar landen^^
    Ich finde wirklich Faszinierend, dass du schon während des Schreibens so extrem viel Korrigiert hast. Ich habe das bei meinem ersten Romanversuch auch gemacht, aber irgendwie hat mich das Rückblickend eher abgehalten. Wobei ich dennoch auf 50 seiten gekommen bin, für 15 Jahre gar nicht übel (bisschen muss man sich ja selber loben, wenn es sonst keiner macht ;) )^^
    Doch mittlerweile inde ich es eher aufhaltend. Gut, Dinge, die mich absolut stören, die ändere ich auch rückwirkend. Doch an sich lasse ich mir viel für später. Ich habe dazu auch einen tollen Artikel von Michael Behr gelesen, wo er darüber schreibt, wie einem der produzierte schlechte Text auch weiter hilft, für das weitere Schreien. Man behält ihn im Hinterkopf und ist dann viel achtsamer beim weiteren Text. https://traumvombuch.wordpress.com/2018/04/26/warum-schlechter-text-dich-weiterbringt-das-ist-meine-begruendung/
    Was mir wohl auch noch im Wege steht, ich bin nicht so durchgeplant beim Schreiben, ich weiß noch nicht bis ins letzte Detail, was passieren wird, demnach lasse ich noch vieles vorerst stehen. Wahrscheinlich bereue ich das bei der Überarbeitung xD

    Doch das sollte jz auch nicht bevormundend wirken, hoffe, du verstehst das nicht falsch^^
    Es schreibt ja absolut jeder anders – und jeder für sich richtig^^

    Auf ein drittes: Liebe grüße ;)
    (und sorry fürs spamen, aber wenn man schonmal dabei ist ^^)

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    1. Kann ich absolut verstehen, ich kenne auch viele, die erstmal das erste Manuskript durchschreiben. Aber ich kann das irgendwie nicht. Im Prinzip ist es ja bloß wie Schreiben + Überarbeiten des ganzen Buchs, nur dass ich es eben Kapitel um Kapitel mache. Das heißt aber nicht, dass ich nicht trotzdem noch alles umschmeiße, das mache ich nämlich extrem gerne xD Aber ich kann auch nachvollziehen, dass es einen irgendwie behindert. Dadurch dass ich alles schon 100x gelesen und korrigiert habe, werde ich oft immer unzufriedener mit meinem Text. Trotzdem glaube ich, so funktioniert es für mich am besten. Für diesen Roman ist es jetzt eh zu spät, denn der ist ja nun glücklicherweise schon zu Ende geschrieben :)

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      1. Ich denke, das ist auch genau der Grund, weswegen ich lieber durchschreibe, hab zu viel Angst davor, mich selbst zu demotivieren🙈 ich neige auch dazu, Text, je öfter ich ihn lese, immer schlechter zu finden😅
        Aber wie gesagt, ist ja jeder anders^^ du hast ja so deinen Roman beendet, insofern ist ja alles klasse😊

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    2. Der Spruch von Daniel Kehlmann ist gut :) Leider gibt es auch viele Autoren, die super Debüts schreiben und danach geht’s nur noch abwärts. Das mit den 2 Versione ist schon nervig, aber auch irgendwie Spaß, weil es ist wie zwei Alternativleben für diese Figur zu erfinden :) Irgendwann ist das mal ein Fun Fact, den ich in einem Interview erzählen kann xD

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      1. Das kann sein, doch da muss ich gestehen, dass ich im persönlichen Leseerlebnis so noch keinem begegnet bin… Allerdings dem Einen oder andren Filmemacher^^
        Haha und ja, sich so ein Interview mit sich selbst vorzustellen, das ist doch spannend^^

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      2. Also bei Andy Weir war es so. „Der Marsianer“ (sein Debüt) war ultragut und danach hat er selber mal in einem Interview gesagt, dass er nie wieder etwas schreiben wird, was so gut ist und auch irgendwie okay damit ist. Und sein neues Buch „Artemis“ ist auch nicht mehr so gut. Bei meinem Lieblingsautor Jack Kerouac war „On the road“ das 2. Buch, was er veröffentlicht hat und die danach wurden immer schlechter, allerdings hat er die auch schon früher geschrieben, nur keinen Verlag gefunden, bevor er mit „On the road“ berühmt wurde – also das ist ein bisschen anders.

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