Rezension: To Kill A Mockingbird von Harper Lee

Genre: American Classic | Erscheinungsjahr: 1960 |Deutsche Übersetzung: Wer die Nachtigall stört | Taschenbuch: 448 Seiten | Verlag: Rowohlt  |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3499217548

Kurzinhalt

To Kill A Mockingbird erzählt die Geschichte einer Kindheit im Alabama der 1930er Jahre. Die beiden Geschwister Scout und Jem verbringen regelmäßig die Sommerferien mit ihrem Freund Dill. Dabei lernen sie auch ihre Nachbarn gut kennen. Nur die Familie Radley lässt sich selten blicken und vor allem über den Sohn mit dem Spitznamen Boo gibt es viele Legenden und Gerüchte. Als Scout und Jems Vater, der Anwalt Atticus, den Auftrag erhält, einen schwarzen Mann vor Gericht zu verteidigen, brechen die Kämpfe der Erwachsenen in die Lebenswelt der Kinder ein.

Eigene Meinung

Dieses Buch hat mich definitiv positiv überrascht. Ich hatte vor Jahren mal die ersten paar Seiten gelesen und dann aufgegeben. Seitdem liegt es auf meinem SuB rum. Nun habe ich ihm für die #DasSuBabc Challenge doch noch einmal eine Chance gegeben und ich bin so froh über diese Entscheidung! Letzten Endes gibt es doch immer einen Grund, weshalb Bücher zu Klassikern wurden. Hier ist es der hervorragende Umgang mit dem Thema des Rassismus.

Rassismus wird in To Kill A Mockingbird als etwas vorgestellt, das für die Südstaaten-Gesellschaft der 30er zum Alltag gehört und kaum hinterfragt wird. Mit dem Fall eines schwarzen Mannes, der der Vergewaltigung eines weißen Mädchens bezichtigt wird, erhält der Rassismus in der Geschichte Eingang in die Justiz. Der Vater Atticus hält zwar stur an der Hoffnung fest, dass die Freiheit der Justiz den Vorurteilen der Menschen überlegen ist, doch weiß er auch, dass seine Aufgabe als Pflichtverteidiger nicht einfach sein wird, da der Rassismus so tief in seiner Gesellschaft verankert ist.

Die einzigen Figuren, die das rassistische Denken der Bevölkerung nicht nachvollziehen können, sind die Kinder. Hier wird schön gezeigt, wie unerklärlich das Phänomen Rassismus im Prinzip ist. Deshalb war die Entscheidung, die Leser die Geschichte durch die Augen der kleinen Scout sehen zu lassen, definitiv die Richtige! Scouts Unwissen und Unverdorbenheit in dieser Sache sind teilweise wirklich rührend. Den Rassismus aus einer kindlichen Perspektive mitzuerleben, ließ ihn letztlich noch grausamer erscheinen. Leider konnte ich vieles, das in dem Buch beschrieben wurde, in unserer heutigen Gesellschaft wiedererkennen, ganz besonders die Darstellung des amerikanischen Gerichtssystems. Deshalb ist To Kill A Mockingbird heute so aktuell wie eh und je.

Die beiden Kinder Scout und Jem habe ich schnell ins Herz geschlossen. Mit dem Vater Atticus – der aufrichtige Held, der stets alles im Namen der Gerechtigkeit tut – hatte ich allerdings manchmal meine Probleme. Ich verstehe, dass es für die Geschichte wichtig ist, dass Scout und Jem solch ein Vorbild haben, doch persönlich hätte ich Atticus nicht gerne als Vater. Er tut immer das Richtige, auch wenn das bedeutet, seine eigenen Kinder in Gefahr zu bringen.

Der Grund, weshalb ich das Buch damals nach ein paar Seiten abgebrochen habe, ist, dass am Anfang wenig passiert. Und das bleibt auch so für ganze 100 Seiten. Wir lernen die Figuren und die Gesellschaft kennen. Aber als dann endlich der Hauptplot, die Gerichtsverhandlung, begann, konnte ich das Buch plötzlich gar nicht mehr zur Seite legen. Ich kann versprechen, dass es sich auf jeden Fall lohnt weiterzulesen, denn die Geschichte wird noch richtig spannend und aufregend. Außerdem war ich beeindruckt, wie am Ende mehrere Plots, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hatten, elegant zusammengeführt wurden. Erst nach dem Lesen ist mir aufgefallen, dass ich vieles schon hätte voraussehen können, wenn ich die ersten 100 Seiten ein bisschen aufmerksamer gelesen hätte. Insgesamt hat mir das Buch deshalb sehr gut gefallen. Es ist eine einwandfrei konstruierte Geschichte über ein schwieriges Thema.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

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Meine Bücherwunschliste

Seit Monaten lese ich (fast) nur Bücher von meinem SuB. Deshalb habe ich beschlossen, mir – sobald die #DasSuBabc Challenge Ende diesen Monats abgelaufen ist – zu erlauben, das ein oder andere Buch zu kaufen. Außer an Artemis, was ich Anfang des Jahres als eBook erworben habe, kann ich mich an kein Buch erinnern, welches ich mir in letzter Zeit gekauft habe.

Deshalb bin ich meine gigantische Liste an Büchern, die ich mal lesen möchte, durchgegangen und habe mir die zehn Werke ausgesucht, die mich im Moment am meisten reizen. Es war nicht einfach, meine zehn Lieblinge zu wählen. Von diesen werde ich mir natürlich auch nicht alle kaufen, (dann würde ja doch nur die Mehrheit wieder auf dem SuB landen) sondern höchstens drei. Deshalb würde ich mich riesig über eure Hilfe beim Auswählen freuen.

Welche Bücher der folgenden Liste kennt ihr und könnt ihr empfehlen? Oder möchtet ihr vielleicht sogar von einem der Bücher abraten? Hinterlasst gerne eure Meinung in den Kommentaren!

Die Illuminae-Akten von Amie Kaufman und Jay Kristoff (Science Fiction)

Vor ein paar Wochen war das erste Buch dieser Reihe in aller Munde. Ich habe viele positive Rezensionen gelesen und auch ein paar negative. Worum genau es geht, habe ich zwar immer noch nicht wirklich verstanden, doch bei mir hängengeblieben ist vor allem, dass das Buch anscheinend ein total wirres/experimentelles/originelles Layout hat, wodurch es eine neue Art zu lesen erfordert. Das kann ich mir nicht entgehen lassen! Es bedeutet aber auch, dass ich mir dieses Werk wohl als materielles Buch beschaffen muss, weil ich nicht glaube, dass mein zurückgebliebener E-Reader irgendeiner Art von ungewöhnlichem Layout gewachsen ist.

Armageddon von Wolfgang Hohlbein (Fantasy)

Nach diesem Buch sehne ich mich schon seit Monaten, nämlich seit der Frankfurter Buchmesse, als ich die Buchvorstellung Hohlbeins besucht habe. Ich habe bisher noch nie etwas von ihm gelesen und war auch gar nicht wegen ihm bei der Veranstaltung, sondern wegen Andreas Brandhorst, der in einer Doppellesung mit Hohlbein sein neues Buch Das Erwachen vorgestellt hat. Überraschenderweise hat mich dann aber Hohlbeins Armageddon viel mehr interessiert. Hinzu kommt, dass ich mich im Moment ohnehin mit dem Thema der biblischen Apokalypse beschäftige und Armageddon auf ebendieser basieren soll. Dieses Buch muss ich unbedingt lesen! Was mich bisher davon abgehalten hat, ist der übertrieben hohe Preis.

Maybe Someday von Colleen Hoover (Liebesroman)

Ich habe lange geglaubt, dass ich nie ein Fan von Liebesromanen sein werde, bis ich im letzten Jahr entdeckt habe, dass ich mich doch ganz gerne mal in eine Liebesgeschichte verliere. Allerdings ist es mir wichtig, dass sie nicht abgeschmackt ist und dass vielschichtige und nachvollziehbare Figuren die Handlung bestimmen. Ob das bei Colleen Hoover so ist, kann ich nicht einschätzen, aber da sie eine sehr erfolgreiche Autorin ist, würde ich ihr gerne eine Chance geben.

The Long Way to a Small, Angry Planet von Becky Chambers (Science Fiction)

Auch Science Fiction ist ein Genre, in dem ich relative neu bin und bei dem ich erst einmal herausfinden muss, was mir gefällt. Ich habe aber das Gefühl, dass dieses Buch mein Ding sein könnte. Die Autorin schreibt auf der wunderbaren Sci-Fi-News-Seite io9, die ich oft und gerne lese. Außerdem hat eine meiner liebsten Booktuberinnen Julie von Pages and Pens das Buch gelobt. Das genügt mir, um ihm eine Chance zu geben.

Prep von Curtis Sittenfeld (Jugendroman)

Ich muss zugeben, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnere, wieso dieses Buch auf meiner Wunschliste gelandet ist oder worum es geht. Woran ich mich erinnere ist, dass ich es sowohl auf meiner überlaufenen Liste von Büchern, die ich lesen möchte, als auch auf meinem Desktop abgespeichert habe, damit ich es ja nicht vergesse. Also mein früheres Ich wollte dieses Buch wohl unbedingt – wieso auch immer. Ich gehe mal davon aus, dass es sich um ein Privatinternat dreht.

One Fifth Avenue von Candace Bushnell (Chick Lit)

Candace Bushnell ist die echte Carrie Bradshaw und ihre Bücher, die sich wohl wiederum an ihrem Leben orientieren, sind die Grundlange der Serie Sex and the City. Sex and the City ist natürlich nicht gerade der anspruchsvollste Zeitvertreib, aber ich habe den erfolgreichen und unabhängigen vier Ladys immer gerne zugeschaut und Carries Humor und Ausdrucksweise hat mir zugesagt. Deshalb brenne ich darauf, ein Buch von Candace Bushnell zu lesen, in der Hoffnung, diese Ausdrucksweise und das dazugehörige Lebensgefühl wiederzufinden.

Wolkenschloss von Kerstin Gier (Fantasy)

Ich muss zugeben, dass ich nicht gerade der größte Kerstin Gier Fan bin. Aber ich lese gerne und schreibe selbst Jugendliteratur, deshalb möchte ich etwas von Kerstin Gier lesen. Immerhin ist sie die erfolgreichste deutsche Jugendbuchautorin und ich kann mit Sicherheit etwas von ihr lernen. Mir wurde zwar Rubinrot als Einstieg empfohlen, aber da mir der Film dazu überhaupt nicht gefallen hat, beginne ich lieber mit Wolkenschloss.

This Adventure Ends von Emma Mills (Zeitgenössischer Roman)

Ich bin mir nicht sicher, in was für ein Genre dieses Buch einzuordnen ist. Ich denke aber, dass es ein ganz normaler Roman ist, also weder Fantasy, Liebe, Thriller, noch sonst etwas Außergewöhnliches. Tatsächlich weiß ich absolut nichts über dieses Buch, doch das ist, wie ich am allerliebsten mit dem Lesen beginne. Umso weniger ich weiß, desto besser. Julie von Pages and Pens hat das Buch auf jeden Fall in den Himmel gelobt, also dachte ich mir: Wieso nicht mal etwas ausprobieren, was für mich für gewöhnlich nicht in Frage käme?

Cyberempathy von E. F. Hanwald (Science Fiction)

Auf dieses Buch bin ich erst vor ein paar Tagen durch einen Facebook-Post aufmerksam geworden. Ich habe schon wieder vergessen, worum genau es geht, aber es hat wohl etwas mit künstlicher Intelligenz zu tun und kann auch dem Genre Dystopie zugerechnet werden. Da dystopisches Science Fiction im Moment genau meinen Geschmack trifft, könnte dieses Buch perfekt für mich sein.

Magnus Chase von Rick Riordan (Fantasy)

Okay, das ist gleich eine ganze Buchreihe und kein Einzelband. Aber das ist auch der Listenpunkt, bei dem ich mir am wenigsten sicher bin, ob ich wirklich Lust darauf habe. Ich habe vor Jahren die Percy Jackson Reihe verschlungen und sie geliebt. Deshalb würde ich gerne wieder in dieses Universum eintauchen. Ich dachte erst daran, Die Helden des Olymp zu lesen, aber da ich Spin-Off-Reihen gegenüber immer recht skeptisch bin und mich die griechische Mythologie mittlerweile fast ein bisschen langweilt, würde ich schon eher einen Ausflug in die nordische Mythologie mit Magnus Chase machen.

 

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Inspiration für Schreiberlinge: Die Erfolgsstory von Andy Weir

Schreiben ist schwer. Da sind sich angehende und bereits veröffentlichte Autoren einig. Aber wisst ihr, was noch schwerer ist? Das eigene Buch an den Mann zu bringen. Auch wenn heutzutage jeder ein selbstverlegter Autor werden kann, liegt die wahre Herausforderung darin, dass euer Buch gekauft und gelesen wird. Deshalb träumen viele Schriftsteller (ich eingeschlossen) davon, den herkömmlichen Weg zu gehen: Eine Agentur und einen Verlag zu finden, die sich um alles kümmern. Doch leider bleibt dieser Weg für viele ein Traum. Das kann enorm frustrieren und entmutigen. Deshalb bin ich ein Fan von Erfolgsgeschichten von Autoren, die es ebenso schwer hatten wie wir, bevor sie (mega-)erfolgreich wurden.

Eine meiner liebsten Erfolgsstorys ist die von Andy Weir. Da der Autor gerade sein neues Buch Artemis herausgebracht hat, nutze ich die Gelegenheit, seine unglaubliche und inspirierende Story zu teilen und dem einen oder anderem Schreiberling damit hoffentlich die Motivation zu schenken, trotz aller Zweifel und Ängste weiterzumachen

Zuerst muss ich festhalten, dass Andy Weir zwar als Kind davon geträumt hat, Autor zu werden, aber diesen brotlosen Beruf nie wirklich in Erwägung gezogen hat. Stattdessen wurde er Programmierer. Sein Lebensunterhalt hing also nicht vom Schreiben ab. Nebenbei schrieb er allerdings seit Jahren Geschichten, die er auf seiner Homepage teilte. Es gab eine Zeit in seinem Leben, in der er versuchte, seinen Traum zu verwirklichen. Er gab seinen Job auf und konzentrierte sich drei Jahre lang darauf, verlegt zu werden. Nachdem dieser Versuch kläglich scheiterte, nahm er seinen alten Beruf wieder auf und begann zu akzeptieren, dass das Schreiben für ihn nichts weiter als ein Hobby sein würde.

Eine seiner Geschichten war Der Marsianer. Drei Jahre lang schrieb Andy Weir an dem Roman und veröffentlichte in regelmäßigen Abständen Kapitel um Kapitel kostenlos auf seiner Homepage. Er hatte schon viele Geschichten geschrieben und online gestellt, doch bei Der Marsianer war plötzlich alles anders. Diese Geschichte fand schnell sehr viele Leser. Nach einer Weile waren die es leid, über die Homepage zu lesen und forderten, dass Der Marsianer als E-Book erhältlich sein sollte. Da man bei Amazon für ein E-Book mindestens 99 Cent verlangen musste (was exakt der Preis von Der Marsianer war), verdiente Andy Weir bald Geld mit seinem Hobby. Leute kauften das Buch massenhaft und es landete auf der Amazon Bestsellerliste.

Danach geschah alles ganz schnell: Als erstes kam der Hörbuchverlag, dann ein Agent und dann zeitgleich ein Vertrag mit Fox Studios über die Filmrechte für Der Marsianer und mit Random House über eine Printversion. Andy Weir, derselbe Autor, der jahrelang vergeblich versucht hatte, einen Agenten zu finden, war nun so gefragt, dass die Agenten, Verlage und selbst Filmstudios ihm hinterherliefen. Lange war Der Marsianer kostenlos auf der Homepage oder aber für 99 Cent auf Amazon verfügbar gewesen – jetzt wurde es nicht nur verlegt, sondern auch gleich in einen Hollywood Blockbuster verwandelt mit Ridley Scott als Regisseur und Matt Damon in der Hauptrolle. Wenn das mal keine Erfolgsstory ist!

Mich inspiriert diese Geschichte ungemein. Sie beweist, dass es letztlich immer noch die Leser sind, die wir als Schriftsteller überzeugen müssen und nicht die Agenturen und Verlage. Wie wir das schaffen? Wir schreiben das beste Buch, dass uns möglich ist. Der Marsianer wurde sehr schnell sehr erfolgreich, weil es etwas geliefert hat, was sich die Leser wünschten, auch wenn die Buchbranche es nicht erkennen konnte: technisch detailliertes Science Fiction. Auch wenn ihr in einem anderen Genre schreibt, solltet ihr euch darauf konzentrieren, etwas zu kreieren, das die Leser begeistert. Habt ihr das geschafft, dann könnt ihr euch immer noch Gedanken darüber machen, wie ihr das Buch nun veröffentlichen wollt – egal ob ihr eure Glück bei Agenturen und Verlagen versucht oder es selbst verlegt. Gebt nicht auf! Immerhin könntet ihr der nächste Andy Weir werden.

 

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Rezension: Artemis von Andy Weir

Genre: Science Fiction | Erscheinungsjahr: 2018 | Taschenbuch: 432 Seiten | Verlag: Heyne Verlag  |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3453271678

Kurzinhalt

Artemis ist die erste und einzige Stadt auf dem Mond. Dort lebt Jazz, ein Botenmädchen, das sich nebenbei Geld mit illegalen Schmugglerdiensten verdient. Ein reicher Geschäftsmann heuert sie an, einen durch und durch verbotenen und auch gefährlichen Auftrag auszuführen. Sie nimmt an, ohne zu wissen, dass der Auftrag sie in ein Gewebe aus Machenschaften und Problemen stürzen wird, aus denen es unmöglich scheint, sich wieder herauszuwinden.

Eigene Meinung

Ich bin ein riesen Fan des Films Der Marsianer und des Autors des gleichnamigen Buchs, Andy Weir. Als nun sein neues Buch erschien, habe ich gleich zugeschlagen. Ich habe das Buch in Englisch gelesen, in Deutschland erscheint die Übersetzung erst morgen (5. März). Meine Erwartungen waren ziemlich hoch und das obwohl ich ansonsten nur selten Science Fiction lese. Mit Artemis habe ich mich auch noch gleich an ein technisch extrem detailliertes Werk gewagt, denn die naturwissenschaftlichen Gegebenheiten des Mondes wie auch die Technik des Schweißens spielen eine große Rolle.

Bei Letzterem ist es mir manchmal etwas schwer gefallen zu folgen, doch meistens habe ich mich schon zurechtfinden können. Ersteres war hingegen das Beste an dem Buch. Andy Weir beschreibt das Leben auf dem Mond, so wie es tatsächlich aussehen würde. Das war absolut faszinierend mitzuerleben. Der komplette Science Fiction Teil von Artemis war großartig – da merkt man, dass hier ein Autor am Werk ist, der sich wirklich auskennt.

Was mich hingegen weniger überzeugt hat, waren die persönlichen Beziehungen, die in Artemis präsentiert werden. Ich verstehe, wieso es einen Ausgleich zur reinen Science Fiction Handlung geben muss, doch leider fand ich die Beziehungen der Protagonistin, Jazz, oft klischeehaft und schwer nachvollziehbar.

Was mich an dem Buch aber am meisten störte, war Jazz‘ Backstory, die in eingestreuten alten Emails, die sie und ihre Brieffreund auf der Erde sich jahrelang hin- und herschickten, erzählt wird. In den ersten zwei Dritteln des Buchs endet jedes Kapitel mit solchen Mails, was ich als extrem störend empfand, weil es aus der spannenden Haupthandlung herausreißt. Ich bin sowieso kein Fan von Flashbacks. In diesem Fall haben sie mich sogar noch mehr geärgert, weil die Informationen, die sie vermitteln, entweder vollkommen irrelevant für die Haupthandlung waren oder aber in einem kurzen Abschnitt erklärt hätten werden können, ohne eine komplette ermüdende Mailkorrespondenz dafür zu bauen. Für mich haben diese Flashbacks das Buch leider wirklich ein bisschen ruiniert. Zum Glück gab es im letzten Drittel von Artemis keine Flashbacks mehr, sodass zumindest das Ende mich total fesseln und begeistern konnte.

Interessant ist außerdem, dass in Artemis ein männlicher Autor aus der Perspektive einer weiblichen Protagonistin schreibt. Teilweise war mir Jazz ein bisschen zu sarkastisch und selbstzerstörerisch, doch alles in allem habe ich ihrer Erzählstimme gerne zugehört. Ich mochte, dass Jazz nicht die übliche naive weibliche Heldin ist, die nur so durch das Geschehen stolpert, sondern extrem intelligent und durchdacht in gefährlichen Situationen. In diesem Sinne war Jazz für mich, trotz ihrer fragwürdigen Lebensentscheidungen, durchaus eine Figur, zu der ich aufschauen kann. Außerdem hat mich ihre zynische Art das ein oder andere Mal zum Lachen gebracht, was die komplizierte Thematik des Buchs aufgelockert hat.

Trotzdem kann ich Artemis leider nur eine mittlere Wertung geben. Die Science Fiction und Actionteile waren hervorragend, doch die Darstellung der Beziehungen der Figuren untereinander und vor allem die nervigen Flashbacks im Mail-Format haben die Spannung zerstört.

Bewertung

+++  Drei von fünf Punkten

 

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