Science Fiction Challenge 2019 Wrap Up

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und damit auch meine Science Fiction Challenge 2019. Mit ein paar Tricks und viel Energie habe ich es tatsächlich noch geschafft, die Challenge zu bestehen und habe dieses Jahr 8 Science Fiction Bücher gelesen, wenn auch manche davon eher an der Genregrenze liegen. Von den Unteraufgaben habe ich alle erfüllt außer diejenige, bei der wir mindestens drei Bücher von Frauen lesen sollten. Daran bin ich leider kläglich gescheitert. Doch im Großen und Ganzen habe ich die Challenge trotzdem gemeistert und präsentiere euch nun meine 8 gelesenen Sci Fi Bücher vom Besten bis zum Schlechtesten. Wenn ihr auf die Titel klickt gelangt ihr zu den entsprechenden Rezensionen.

1. An Absolutely Remarkable Thing von Hank Green. Aufgaben: 2015 oder neuer, Subgenre Erstkontaktgeschichte. +++++ – Fünf von fünf Punkten

2. Obsidio von Amie Kaufmann und Jay Kristoff. Aufgaben: 2015 oder neuer, Subgenre Space Opera, Young Adult, spielt auf einer Raumstation. +++++ – Fünf von fünf Punkten

3. Walkaway von Cory Doctorow. Aufgaben: 2015 oder neuer, Subgenre Utopie. ++++ – Vier von fünf Punkten

4. Das Erwachen von Andreas Brandhorst. Aufgaben: 2015 oder neuer, Subgenre Künstliche Intelligenz. ++++ – Vier von fünf Punkten

5. Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing. Aufgaben: 2015 oder neuer, Subgenre Küstliche Intelligenz. ++++ – Vier von fünf Punkten

6. Sleeping Giants von Sylvain Neuvel. Aufgaben: 2015 oder neuer, Subgenre Erstkontaktgeschichte. ++++ – Vier von fünf Punkten

7, Gemina von Amie Kaufmann und Jay Kristoff. Aufgaben: 2015 oder neuer, Subgenre Space Opera, Young Adult, spielt auf einem fremden Planeten. ++++ – Vier von fünf Punkten

8. Helix von Marc Elsberg. Aufgaben: 2015 oder neuer. Subgenre Gentechnik. ++++ – Vier von fünf Punkten

Wie ihr seht, haben mir alle Bücher extrem gut gefallen! Das ist bei meinen gelesenen Büchern aus anderen Genre definitiv nicht so, was mal wieder davon zeugt, wie sehr ich die Science Fiction liebe! Deshalb möchte ich auch in Zukunft viele Sci Fi Bücher lesen. Es warten noch zwei in meinem Regal auf mich und zusätzlich möchte ich die Sleeping Giants Trilogie unbedingt weiterlesen. Außerdem muss ich es doch irgendwann endlich schaffen, Sci Fi Bücher von Frauen zu lesen. Deshalb freue ich mich nach wie vor riesig über Buchtipps aus dem Genre!

Wie lief es bei euch? Habt ihr die Challenge durchgezogen, wie viele Bücher habt ihr dafür gelesen und welche? Lasst mir gerne eure Ergebnisse oder auch Links zu euren Challenge-Beiträgen in den Kommentaren. Ich freue mich darauf, durch eure gelesenen Sci Fi Bücher zu stöbern!

 

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Von der Kunst nicht aufzugeben

Ich schreibe jetzt schon seit einigen Jahren Geschichten und Romane. Einen Jugendroman habe ich bereits beendet und erfolglos an Agenturen geschickt. Nun arbeite ich an meinem zweiten Buchprojekt, das, wie ich finde, wesentlich vielversprechender ist. Doch trotzdem liegt noch ein steiniger Weg vor mir. Das Buch verlangt sehr viel Recherche, Plotten und natürlich Schreiben. Doch es fällt mir schwer, in meinem arbeitsreichen Alltag Zeit zum Schreiben zu finden. Wenn man sechs Tage die Woche von morgens bis abends arbeitet, wann soll man da bitte schreiben? Bei mir lautet die Antwort: an dem siebten Tag, den Sonntag. Doch mit nur diesem einen Tag in der Woche komme ich leider bloß langsam und schleppend voran.

Dabei liebe ich das Schreiben. Und das Recherchieren und Plotten. Letzteres vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als Ersteres. Seit ich denken kann, denke ich mir Geschichten aus. Ich war immer die Träumerin. Meine Fantasie ist mein wertvollster Besitz. Wie gerne würde ich viel mehr Zeit in meinen Roman investieren. In einer idealen Welt wäre die Arbeit an dem Roman meine Arbeit. Doch im Moment muss ich leider meine Rechnungen noch mit anderen Arbeiten bezahlen.

Als ich im Fernbus nach Hause nach der diesjährigen Frankfurter Buchmesse saß, war mein Kopf voller Inspiration und Motivation. Ich dachte an etwas, das John Strelecky gesagt hat: Man muss aufhören, sich zu fragen, wie man etwas machen soll, und es einfach machen. Ich dachte mir: Vielleicht es an der Zeit, es einfach zu machen. Also habe ich noch dort im Bus ein ehrliches und persönliches Anschreiben an Verlage verfasst. Nun habe ich dieses (als handgeschriebene Brief) an meine zwei Lieblingsverlage geschickt, gemeinsam mit meinem ersten Kapitel und meinem Exposé.

Ich weiß, dass es sehr schwer ist, bei einem Verlag genommen zu werden, vor allem so, durch ein direktes Anschreiben und ohne eine Agentur. Aber ich dachte mir: Was soll’s? Manchmal muss man es einfach versuchen. Und wer weiß, was daraus werden wird.

Es ist schwer, Schriftstellerin zu werden. Doch egal wie oft ich meinen Job wechsele und zu Messen gehe und mit Leuten über Karrieren spreche und über meine eigene Zukunft nachdenke, ich komme jedes einzelne mal zu demselben Ergebnis: Ich will Bücher schreiben. Das ist das Einzige, was ich wirklich will. Und diese Klarheit ist es, die mich weitermachen lässt. Diese Erkenntnis braucht man einfach, um nicht aufzugeben.

 

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Neuzugänge

Es ist mal wieder Zeit für einen Neuzugänge Post, denn in den letzten Monaten sind wieder einige Bücher bei mir eingezogen.

Die großen Neun von Amy Webb

Dieses Sachbuch habe ich mir sofort als Leseexemplar bestellt, als ich es bei uns im Laden entdeckt habe. Es geht um die neuesten Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz und vor allem darum, wer diese lenkt und wie wir damit umgehen sollen. Ich denke, es könnte ein Problem sein, wenn die künstliche Intelligenz (die der Dreh- und Angelpunkt unserer Zukunft sein wird) in den Händen weniger großer Firmen liegt und ich interessiere mich sehr dafür, wie eine Alternative dazu aussehen könnte und ob so etwas wie eine demokratische KI möglich wäre. Das Buch betrachtet die neun größten Firmen in dem Bereich, in den USA wie in China. Ich habe bisher nur die Einleitung gelesen, aber die war schon sehr spannend. Vor allem die Infos über die chinesischen Entwicklungen finde ich faszinierend, denn davon wusste ich vorher fast nichts.

Kleine Iris Teil 1 und 2 von David Grund

Der Autor dieser Fantasy Reihe war bei uns im Geschäft und hat uns gebeten, die Bücher auszulegen. Er hat mir zwei Leseexemplare dagelassen. Er ordnet die Bücher der Jugendliteratur zu, aber vom Sprachstil her würde ich sie eher zur Fantasy für Erwachsene zählen. Ich tue mir ja oft schwer mit Fantasy, aber ich möchte den Büchern auf jeden Fall eine Chance geben.

Magnus Chase Teil 1 und 3 von Rick Riordan

Ich habe damals die Percy Jackson Reihe regelrecht verschlungen und will schon seit Ewigkeiten mal etwas anderes von ihm lesen. Als ich dann im Indienurlaub in einem 50%-Buchladen diese Bücher entdeckt habe, mussten sie natürlich mit. Ich habe den ganzen Laden nach Teil 2 abgesucht, aber der war leider unauffindbar, deshalb muss ich mir den noch von woanders beschaffen. Magnus Chase ist eine Reihe über die nordische Mythologie und ich bin sehr gespannt, ob sie mir genauso gefallen wird wie Percy Jackson.

Helden des Olymp von Rick Riordan

Außerdem habe ich in demselben Geschäft noch den ersten Teil von Helden des Olymp vom selben Autor mitgenommen. Diese Reihe spielt in derselben Welt wie Percy Jackson, dreht sich aber vermutlich nicht mehr um den namensgebenden Protagonisten. Jetzt habe ich also zwei unvollständige Rick Riordan Reihen, aber was soll‘s? Ich freue mich trotzdem über die Bücher!

Wir sind das Klima von Jonathan Foer

Dies ist das zweite Sachbuch, das bei mir einziehen durfte. Ich bin wie alle erschüttert über die Klimakrise und will, dass sich was ändert. Doch oft finde ich es schwer zu wissen, was ich selbst fürs Klima tun kann. Ich hoffe, dass dieses Buch mir da weiterhilft.

Das Ting von Artur Dziuk

Diesen Thriller habe ich mir aus dem Leseexemplare-Regal gefischt, weil er ganz nach meinem Geschmack zu sein scheint: eine zukunftsträchtige App, eine Challenge und jede Menge Action. Ich bin gespannt!

Finde mich. Jetzt von Kathinka Engel

Ich bin eigentlich nicht so der Liebesromane-Leser. Ich habe dieses Jahr Kiss me Once gelesen und es war besser als erwartet, wenn auch immer noch ziemlich kitschig. Aber ich dachte mir, für die kalte Jahreszeit ist eine sexy Schnulze vielleicht nicht falsch.

Der Ursprung der Welt von Ulrich Turkur

Ich stehe eigentlich gar nicht auf historische Romane, aber ich weiß nicht so genau, ob dieses Buch einer ist. Einerseits beginnt die Geschichte sogar in der Zukunft, andererseits geht es dann um Geheimnisse, die bei Ausgrabungen zu Lichte kommen. Ich versuche einfach mal etwas Neues mit diese Buch. In letzter Zeit habe ich ein großes Interesse für alte (gerne sogar uralte) Zivilisationen entwickelt und vielleicht geht das Buch ja in diese Richtung.

We are not numbers von Junge Stimmen aus Gaza

Dieses Buch war ein Spontankauf auf der Frankfurter Buchmesse. Ich wollte mir nur einen Kaffee beim taz-Stand holen und habe, während ich in der Schlange gewartet habe, einer Lyriklesung bei der Bühne nebenan zugehört. Und wow! Die Lesung war der hammer! Zwei Dichter aus Gaza haben ihre Werke vorgelesen (in Originalsprache Arabisch oder Englisch, übersetzt von einer deutschen Verlagsmitarbeiterin). Es hat mich so berührt. Einerseits ist das Leben in Gaza für mich unvorstellbar, andererseits habe ich sowieso gerade erst sowas wie einen Sinn für Lyrik entwickelt (auch wenn ich sie trotzdem noch kaum verstehe).

Armageddon Teil 1 und 2 von Wolfgang Hohlbein

Außerdem habe ich auf der Messe gesehen, dass schon der zweite Teil von Hohlbeins Armageddon-Trilogie erschienen ist. Ich habe den Autor vor zwei Jahren bei einer Lesung mit Andreas Brandhorst (für den ich eigentlich gekommen war) gesehen und das Buch hat mich gleich begeistert, weil es die biblische Apokalypse in eine Geschichte packt. Jetzt habe ich endlich die Chance genutzt und mir gleich beide Teile als Leseexemplare bestellt. Ich habe mich so gefreut, als ich am Dienstag mein Schließfach geöffnet habe, wo mir meine Kollegin die Bücher schön drapiert hat. Natürlich habe ich sofortmit Teil 1 begonnen und bin schon gefesselt.

Welche Bücher sind bei euch in letzter Zeit eingezogen? Kennt ihr schon eines oder mehrere meiner Neuzugänge?

 

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Rezension: Walkaway von Cory Doctorow

Genre: Science Fiction | Erscheinungsjahr: 2018 | Broschiert: 736 Seiten | Verlag: Heyne | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3453317932

Kurzinhalt

Etcetera, Natalie und Seth beschließen die herkömmliche Gesellschaft zu verlassen und in den Walkaway zu gehen, eine rasant wachsende Gemeinschaft, die im Abseits und mit ihren eigenen Gesellschaftsformen lebt. Sie finden Aufgaben im Walkaway, gehen Beziehungen ein und geraten in Konflikte und Kriege.

Eigene Meinung

Ich habe Walkaway vor mehr als einem Jahr in einer Buchhandlung entdeckt und war sofort begeistert von der Idee: Kommunismus + hochentwickelte Technik und Wissenschaft – das klingt ganz nach meinem Geschmack! Doch erst viel später habe ich mir dann das eBook geholt, als es gerade heruntergesetzt war.

Das Buch ist lang, sehr lang. Doch dafür steckt auch so viel darin, dass ich schon jetzt denke, ich muss es eines Tages noch einmal lesen und mir Notizen machen. Im Zentrum stehen drei jungen Menschen. Etcetera und Seth sind alte Freunde, Natalie lernen sie auf einer sogenannten Kommunistenparty, auf der leerstehende Fabriken besetzt und wieder in Betrieb genommen werden, kennen. Schon am nächsten Morgen beschließen sie, gemeinsam in den Walkaway zu gehen.

In der Geschichte ist der Walkaway ein etabliertes Konzept mit eigenen Regeln, einer eigenen Geschichte, eigenen Umgangsformen und einer eigenen Terminologie. Die Leser andererseits werden ins kalte Wasser geschmissen. Es ist klar, dass der Walkaway für Menschen steht, die abseits der herkömmlichen Gesellschaft in selbstverwalteten Kommunen leben. Klingt ziemlich nach Kommunismus, doch der Unterschied zu den Arbeiterkommunen der Vergangenheit und Gegenwart ist, dass dieses Buch in der Zukunft spielt und die Technik viel weiter entwickelt ist. Im Prinzip kann alles 3D-gedruckt werden, Mangel ist nicht mehr nötig. Es gibt ihn nur noch, weil die Reichen besessen an ihrer Macht festhalten und den Rest der Gesellschaft kontrollieren wollen. Das sind immer mehr Leute satt, weshalb sie in den Walkaway gehen. Dort kann jeder machen was er will, arbeiten, helfen, experimentieren, faulenzen. Was gebraucht wird, wird so einfach wie möglich von Freiwilligen hergestellt. Es gibt kein Geld, keinen Lohn, keine Jobs. Die Walkaways bauen Häuser und Siedlungen auf und wenn es Probleme gibt, dann gehen sie einfach weg und beginnen woanders von vorne. Das ist der Kern ihrer Philosophie: Wieso sollte man kämpfen, wenn man einfach weggehen kann? Immerhin sind sie Walkways. Genug leeres Ödland gibt es, auch wenn es teilweise so verseucht ist, dass man nur mit Raumanzügen rausgehen kann. Doch auch das nehmen die Walkaways in Kauf, die Hauptsache ist, dass sie nie wieder zurück ins Default müssen, wie sie die herkömmliche Gesellschaft nennen.

Das Konzept ist simpel und kompliziert zugleich. Es ist auf jeden Fall extrem verführerisch. Wie oft habe ich mir nicht selbst gewünscht, aus dieser vorgegebenen Spirale aus Lohnarbeit und Konsum austreten zu können und woanders eine bessere Welt aufzubauen? Die Gesellschaftskritik in dem Buch ist aktuell und meistens ziemlich zutreffend. Hier ein paar Ausschnitte, die mich definitiv zum Nachdenken angeregt haben:

Ein großer Teil des Buchs besteht aus Gewalt und Krieg. Der Walkaway wird nämlich von den Mächtigen der Welt nicht akzeptiert, sondern massiv verfolgt und angegriffen. Vor allem als absehbar wird, dass die Walkaways den Menschen im Default in der Wissenschaft um einiges Voraus sind (denn sie haben Universitäten, in denen sie bahnbrechende Entdeckungen machen), haben sie keinen Frieden mehr. Obwohl sie all ihr Wissen öffentlich zur Verfügung stellen und niemandem etwas tun, wollen die Reichen sie vernichten. Ihre Lösung ist es natürlich stets wegzugehen, sodass die zweite Hälfte des Buchs zu einer einzigen Flucht wird. Dadurch nimmt das Buch an Spannung und Action zu.

Doch obwohl Cory Doctorow hier eine brutale Handlung aufgebaut hat und eine grausame Welt beschreibt, zeigt er auch eine Alternative, die zum Nachdenken, Träumen und Planen anregt. Denn letzten Endes ist Walkaway ein durch und durch positives Buch. Es zeigt, wie eine bessere Zukunft aussehen könnte, was für Hindernissen sie sich stellen muss und wie diese überwunden werden können. Es schenkt den Lesern Hoffnung für die Zukunft und ist damit meine allerliebste Art von Science Fiction Roman.

Das Buch umfasst einen sehr großen zeitlichen Rahmen und kann somit die Dinge im Ganzen betrachten. Das hat mir sehr gut gefallen. Trotzdem bleibt die Menschlichkeit nicht auf der Strecke. Die Leser lernen viele interessante Figuren kennen, mit denen mitgefiebert werden kann. Die drei Protagonisten sind das Herz des Romans. Obwohl nie aus Seths Sicht berichtet wird, ist er die Figur, die mir am meisten ans Herz gewachsen ist, und das obwohl er zu Beginn ziemlich platt herüberkam. So eine Figurenentwicklung finde ich immer beeindruckend.

Walkway ist ein Wälzer. Aber ich kann trotzdem empfehlen, sich durchzukämpfen, denn es macht Spaß und ganz nebenbei lernt man eine Menge über die Welt, in der wir leben, und diejenige, auf die wir uns zubewegen.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Kennt ihr Walkaway oder etwas anderes von dem Autor? Was sind andere Science Fiction Bücher, die euch Hoffnung für die Zukunft machen? Ich freue mich über Tipps!

 

 

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Inspiration für Schreiberlinge: Die Erfolgsstory von John Strelecky

Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse hatte ich die Gelegenheit, John Strelecky bei einem Interview am Stand von Kindle Publishing live zu erleben, und gerne möchte ich euch hier von der inspirierenden Story berichten, wie John Strelecky Autor wurde, obwohl er das eigentlich nie wollte.

Doch erst einmal einen kurzen Rückblick, wie ich das Werk dieses Autors kennengelernt habe. Es war mein allererster Tag als Buchhändlerin. Ich hatte noch nie zuvor in einer Buchhandlung gearbeitet und war völlig überfordert mit all den vielen neuen Büchern, die ich plötzlich kennen sollte. Meine Warengruppe ist die Belletristik, deshalb konzentriere ich mich auf Bücher aus diesem Genre. Doch dann stand eine Kundin vor mir und fragte nach dem Hörbuch von Das Café am Rande der Welt. Ich hatte keine Ahnung von Lebensratgebern, worunter das Buch bei uns läuft, und ehrlich gesagt auch kein Interesse daran. Ich hatte noch nie überhaupt von diesem Buch gehört und das sah man mir anscheinend an. Die Kundin sagte: „Sie wissen gar nicht, was das ist, oder? Das ist eine Bildungslücke!“

Am nächsten Tag war ich krank und lag mit der Grippe im Bett. Ich dachte an diese Kundin und suchte nach dem Buch. An dem Tag hörte ich mir in einem Schwung das Hörbuch von Das Café am Ende der Welt an und es hat tatsächlich meine Weltsicht verändert. Die Kundin, die danach gefragt hatte, habe ich nie wiedergesehen.

Ein halbes Jahr später saß ich jetzt also auf dem Boden der Halle 3.0. auf der Buchmesse, nur einen Meter von John Strelecky entfernt, der das gleich kommentierte mit: „Wow, it’s so cozy here, like in a living room“. Ich schreibe keine Lebensratgeber und ich habe es auch nicht vor. Trotzdem faszinieren mich die Geschichten von Bestsellerautoren, egal aus welchem Genre.

John Strelecky wollte Pilot werden. Er war gut. Er wurde an einem extrem renommierten Programm einer großen Airline genommen und absolvierte seine Ausbildung und die Prüfungen meisterhaft. Doch dann, kurz bevor er ein echter Pilot werden sollte, fiel er durch die medizinische Prüfung. Anscheinend hatte er eine Herzunregelmäßigkeit, die weiter keinen Einfluss auf sein Leben haben würde, außer dass er damit kein Pilot werden durfte. Sein Traum war zerplatzt. All die Arbeit war umsonst gewesen.

Plan B war, Business Consultant zu werden. Er erschlich sich einen Studienplatz an einer guten Hochschule, machte seinen Abschluss und arbeitete tatsächlich ein paar Jahre lang als Business Consultant. Bis er alles wieder aufgab und ein Jahr lang eine Rucksackreise quer durch die Welt machte. Als er zurückkam, setzte er sich hin und – ohne dass er jemals vorgehabt hätte, ein Buch zu schreiben – schrieb in 21 Tagen Das Café am Rande der Welt nieder. Das Buch wurde in 41 Sprachen übersetzt und ist in Deutschland schon seit 4 Jahren auf der Bestsellerliste. Weitere Bücher folgten und sein Erfolg wuchs und wuchs.

Leben kann man nicht planen. Man kann es versuchen, aber letztlich kommt es doch immer anders. Ich habe auch oft das Gefühl, dass ich durchs Leben stolpere, ohne wirklich meine Richtung zu kennen. Doch – im Gegensatz zu John Strelecky – weiß ich, dass ich Bücher schreiben will. Und das werde ich tun.

 

 

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Buchvorstellung: Alles könnte anders sein von Harald Welzer

Sachbücher lese ich nicht an einem Stück, sondern eher langsam, deshalb hat es einige Monate gedauert, bis ich dieses Buch durchgelesen habe, doch es hat sich definitiv gelohnt. In Alles könnte anders sein betrachtet Harald Welzer so ziemlich alles, was schief läuft in unserer Welt – im Vordergrund stehen dabei natürlich die zwei großen Krisen unserer Zeit: der Klimawandel und die Ungleichheit – und überlegt, wie man etwas ändern und verbessern kann. Seine Analysen sind zutreffend, clever und aufschlussreich. Ich habe so viel unterstrichen und notiert, das muss ich alles noch in mein schlaues Notizbuch übertragen, um ausgiebig darüber nachzudenken. Welzers Sprache ist teils etwas zu hochgestochen für meinen Geschmack, aber was soll man bei so einem Buch auch anderes erwarten. Wie Welzer die Gesellschaft auseinandernimmt und auf den Grund unserer Probleme kommt ist beeindruckend. Diesen Teil des Buchs habe ich ausschnitthaft bereits in meinem Wirtschaftsspecial vorgestellt. Gerne könnt ihr dort vorbeischauen und mehr dazu lesen.

In dieser Besprechung möchte ich mich nämlich auf den zweiten Teil des Buchs konzentrieren, der Alles könnte anders sein ausmacht: Welzers Lösungsvorschläge. Denn er hat viele und nicht gerade harmlose Ideen, wie wir unsere Welt grundlegend revolutionieren und somit retten können. Seine wagehalsigen Ideen waren für mich mit Abstand das Beste am Buch. Er findet wahre Alternativen, die auf den ersten Blick vielleicht etwas extrem wirken, die mich aber meistens überzeugen konnten. Wenn nur die Hälfte von dem eintritt, was Welzer vorschlägt, dann freue ich mich auf unsere Zukunft, denn allein bei dem Gedanken daran, fühle ich mich aufgeregt und glücklich. Deshalb möchte ich euch im Folgenden ein paar seiner Ideen vorstellen. Generell nennt Welzer sein Ziel das „Weiterbauen am zivilisatorischen Projekt“ und möchte mit vielen kleinen (und großen) Schritten eine bessere Welt bauen. Diese kleinen Schritte nennt er „Legos“. Hier sind einige seiner faszinierendsten Legos:

  • Unsere Kultur ändern: weg von der Konkurrenz, hin zum Engagement, dem Altruismus, dem vernünftigen Umgang mit Ressourcen, der Kooperation –> das fühlt sich so gut an, dass wir nicht mehr unsere Unzufriedenheit mit Konsum kompensieren müssen
  • Umverteilung: niemand bekommt mehr als 2000€/Monat
  • Arbeit nicht mehr als Sinnstiftung ansehen
  • Internationales Recht und international handlungsfähige Institutionen
  • Share Economy: kostenlose Mobilität, Bildung, Sport, etc.
  • Die analoge Stadt: keine Privatautos mehr in Städten, kostenloser öffentlicher Verkehr
  • Freizügigkeit für alle Menschen
  • Arbeit 80/20: 20% der Arbeits- oder Ausbildungszeit ist für soziales Engagement bereitgestellt, während man trotzdem den vollen Lohn erhält
  • 2035 alle Kohlekraftwerke schließen und keine fossil betriebenen Fahrzeuge mehr
  • Gemeinwohlökonomie (von Christian Felber): Nachhaltigkeit, Mitarbeiterbeteiligung, Menschenrechte, etc.
  • Internalisierung der Kosten: Umweltkosten (wie Transport, Schrott, etc.) zählen zu den Herstellungskosten –> Preise steigen –> soziale und ökologische Vorgehensweisen bringen mehr Gewinn –> nutzlose Güter verschwinden, mehr lokal produziert, 3D-Drucker
  • Ein Recht auf Einkommen: 1200€ Grundeinkommen/Person –> niemand muss arbeiten, wenn er nicht will –> Ende des Hyperkonsums –> finanziert durch Finanztransaktionssteuer von 0,05% auf alle Handelsakte auf dem Finanzmarkt

In dem Buch geht Harald Welzer natürlich noch viel detaillierter auf all diese Ideen und weitere Vorschläge ein, doch das würde den Rahmen meines Blogs sprengen. Ich hoffe, dass euch dieser kleine Einblick trotzdem inspirieren und zum Nachdenken anregen kann. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen dieses Buch lesen, ganz besonders diejenigen, die etwas entscheiden, wie z.B. Politiker und Unternehmensbosse. Ich denke, dass Welzer viele gute Ideen hat, die unsere Welt tatsächlich so viel besser machen könnten. Alles könnte anders sein. Wir müssen nur den Sprung wagen.

Kennt ihr Alles könnte anders sein oder andere Bücher zu der Thematik? Gerne könnt ihr mir Tipps dalassen sowie Gedanken zu den oben genannten Punkten und was immer ihr euch von der Zukunft unserer Welt wünscht.

 

 

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Update Science Fiction Challenge 2019

Nur noch weniger als drei Monate bleiben in diesem Jahr und ich habe lange nichts mehr bezüglich meinen Fortschritten bei der Science Fiction Challenge 2019 hören lassen. Auch habe ich schon lange nicht mehr in der Facebookgruppe, bei den anderen teilnehmenden Blogs oder unter dem Hashtag #scifichallenge19 vorbeigeschaut, doch das möchte ich jetzt schleunigst nachholen, denn mich interessiert wirklich, wie es bei euch läuft. Gerne könnt ihr mir auch eure Updates und Links in die Kommentare packen. Wie viele Sci Fi Bücher habt ihr bisher dieses Jahr gelesen und wie viele Aufgaben habt ihr schon erfüllt?

Ich tue mir ehrlich gesagt etwas schwer mit der Challenge. Ich liebe die Science Fiction, daran hat sich nichts geändert. Doch seit ich im März angefangen habe, als Buchhändlerin zu arbeiten, trudeln so viele Leseexemplare bei mir ein, die fast nie aus dem Sci Fi Genre sind, dass die Versuchung groß ist, hauptsächlich in anderen Genres zu lesen. Dank dem neuen Job hatte ich auch wenig Zeit, um mich mit der Challenge auf dem Laufenden zu halten. Doch ich habe noch nicht aufgegeben! In letzter Zeit habe ich mal wieder ein paar Sci Fi Werke in meine Lektüre einschmuggeln können, deshalb ist es an der Zeit für ein Update.

Mein letztes Update hat folgende Bücher umfasst:

Gemina von Amie Kaufmann und Jay Kristoff

Bewertung: ++++ – Vier von fünf Punkten

Sleeping Giants von Sylvain Neuvel

Bewertung: ++++ – Vier von fünf Punkten

 (Abgebrochen: Record of a spaceborn few von Becky Chambers)

 

Seitdem habe ich folgende Science Fiction Bücher gelesen:

Obsidio von Amie Kaufmann und Jay Kristoff

Der dritte Teil der Illuminae-Akten war mein Lieblingspart! Alle Figuren waren mir sympathisch und vor allem die letzten 100 Seiten waren absolut rasant – ein perfektes Ende! Meine Rezension findet ihr hier.

Bewertung: +++++ – Fünf von fünf Punkten

(Abgebrochen: Spaceman of Bohemia von Jaroslav Kalfar

Der Sci Fi Teil des Buchs hat mir wirklich gut gefallen. Ein Astronaut fliegt zu einer Weltraumwolke, um sie zu erkunden. Die Raumfahrt wurde realistisch und spannend beschrieben. Doch jedes zweite Kapitel waren Rückblenden in die tschechische Vergangenheit des Protagonisten, die mir einfach den letzten Nerv geraubt haben, bis ich das Buch abbrechen musste.)

Das war es eigentlich auch schon an echten Science Fiction Büchern bzw. Büchern, die unter diesem Genre verkauft werden. Doch ich habe einige weitere Bücher dieses Jahr gelesen, die irgendwo zwischen Technikthriller und Science Fiction stehen. Da ich mit meinen bisherigen drei Büchern noch weit vom Ziel von acht Büchern entfernt bin, habe ich beschlossen, ein paar dieser Werke, die auf der Kippe zur Sci Fi stehen, auch mitzuzählen. Ich finde, dass die Bücher teilweise locker als Science Fiction durchgehen könnten, sie werden nur als Thriller oder Roman verkauft, weil die Autoren oder Verlage sich damit einen breiteren Erfolg versprechen und ihn, so wie es aussieht, auch erreichen. Es ist wirklich schade, dass Sci Fi immer noch als Randliteratur gilt. Das möchte ich mit meiner Challenge ändern, denn für mich ist die Science Fiction das wichtigste Genre.

Gelesene Bücher auf der Schwelle zur Science Fiction:

Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing

Hier geht es um Zeitreisen und Paralleldimensionen – wenn das kein Science Fiction ist, weiß ich auch nicht. Andererseits ist das Buch eher wie ein Roman oder streckenweise wie ein Krimi geschrieben, doch das liegt wohl eher am Autor als am Genre. Schätzing lässt sich gerne viel Zeit mit dem Handlungsaufbau. Das war teilweise etwas anstrengend, doch wenn der Plot dann erst einmal an Fahrt aufnimmt, lohnt sich das Buch definitiv! Es ist super vielschichtig und geht weiter als so ziemlich alle anderen Bücher, die ich in die Richtung bisher gelesen habe. Meine Rezension gibt es hier.

Bewertung: ++++ – Vier von fünf Punkten

Das Erwachen von Andreas Brandhorst

Dieses Buch spielt nur wenige Jahre in der Zukunft und handelt vom Erwachen einer Superintelligenz, die sehr schnell (innerhalb von wenigen Seiten) die Welt ins Chaos stürzt. Das Buch ist extrem spannend und actionreich, es behandelt das Thema Künstliche Intelligenz clever, aber nicht belehrend. Ich habe jetzt schon einige Bücher des Autors gelesen und Das Erwachen war bisher definitiv das Beste. Meine Rezension findet ihr hier.

Bewertung: ++++ – Vier von fünf Punkten

Helix von Marc Elsberg

Marc Elsberg ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren und seine Bücher grenzen (mit Ausnahme von Gier) eigentlich immer an der Science Fiction. Helix allerdings ist das abgefahrenste seiner Bücher, wie ich finde. Hierin geht es um Gentechnik und Designerbabies, bei denen man nicht nur Krankheiten aus den Genen herausschneiden oder die Haar- und Augenfarbe bestimmen kann, sondern die man auch zu regelrechten Übermenschen à la X-Men machen kann. Es wirkt erst einmal ziemlich übertrieben, doch es wird gut begründet und wenn man mal die Nachrichten zur Gentechnik liest, scheint es gar nicht mehr so weit hergeholt wie auf den ersten Blick. Meine Rezension gibt es hier.

Bewertung: ++++ – Vier von fünf Punkten

Außerdem habe ich eine Science Fiction Buch zum zweiten Mal gelesen:

Re-Read: An Absolutely Remarkable Thing von Hank Green

Es geht um Ruhm und Fremdenhass und Space Aliens. Es ist definitv Science Fiction, aber auch so viel mehr. Ich liebe das Buch. Es habt mir beim zweiten Mal fast noch besser gefallen als beim ersten Mal, falls das überhaupt möglich ist. Wieso ich An Absolutely Remarkable Thing so feiere, habe ich in einem ausführlichen Blogpost hier beschrieben.

Bewertung: +++++ – Fünf von fünf Punkten

Currently Reading

Walkaway von Cory Doctorow

Außerdem lese ich gerade ein weiteres Sci Fi Buch, nämlich Walkaway. Es steht schon lange auf meiner Wunschliste, deshalb habe ich es mir gleich als eBook geholt, als es heruntergesetzt war. Walkaway spielt in der Zukunft und erzählt von Aussteigern, die die Gesellschaft verlassen und in eigenen Kommunen leben. Die Technik und Wissenschaft in dem Buch ist hochentwickelt und superabgefahren. Walkaway ist (bisher zumindest) ein Science Fiction Roman, der Lust auf die Zukunft macht, und gibt mir damit alles, was ich mir von dem Genre wünsche. Es ist ein ziemlich langes Buch und mir stehen noch einige hundert Seiten bevor, doch ich will es auf jeden Fall zu Ende lesen und werde euch dann berichten, wie ich es finde.

Zwei Sci Fi Bücher, die noch in meinem Regal auf mich warten:

Transfusion von Jens Lubbadeh

Ich habe keine Ahnung, worum es geht. Das Buch ist als Leseexemplar bei uns aufgetaucht und ich habe es mitgenommen, weil Cover und Titel doch sehr stark ein Sci Fi Werk vermuten lassen. Ich bin gespannt!

Limit von Frank Schätzing

Das Buch habe ich mal vor einiger Zeit meiner Mutter, die ein großer Schätzing Fan ist, geschenkt und mir nun ausgeliehen, denn dank Die Tyrannei des Schmetterlings mag ich den Autor mittlerweile selbst und Limit klingt noch am Sci Fi mäßigsten von all seinen Büchern. Es geht um Rohstoffabbau auf dem Mond. Mal schauen, ob ich dieses fette Buch dieses Jahr noch schaffen werde, vielleicht nehme ich es mir zum Jahreswechsel vor, so wie letztes Jahr Die Tyrannei des Schmetterlings.

Das sind all meine bisher gelesen Science Fiction Bücher, Bücher am Genrerand, Re-Reads, abgebrochene Bücher und Bücher von meinem SuB.

Mein Erfolg bei den Aufgaben bisher:

Lest im Jahr 2019 mindestens acht Bücher aus dem Genre Science Fiction.

Fast geschafft! Wenn man alle Bücher (auch diejenigen auf der Genregrenze) mitzählt, habe ich bisher 7 Sci Fi Bücher gelesen und lese gerade das achte. Das sollte doch noch zu schaffen sein!

Darunter sollten …

… mindestens vier Bücher sein, die im Jahr 2015 oder später erschienen sind.

Geschafft! Bisher sind alle Bücher 2015 oder später erschienen.

… mindestens drei Bücher sein, die von Frauen geschrieben wurden.

Nicht geschafft! Ich habe bisher nur ein Buch von einer Autorin (Becky Chambers) begonnen, aber dann abgebrochen. Ansonsten habe ich noch kein einziges Sci Fi Buch gelesen, das von einer Frau geschrieben wurde und ich denke auch nicht, dass ich das dieses Jahr noch schaffen werde.

… Bücher aus mindestens drei verschiedenen Subgenres (Space Opera, Dystopie, etc.) sein.

Geschafft! Subgenres bisher: Space Opera (Gemina, Obsidio), Erstkontaktgeschichte (Sleeping Giants, An Absolutely Remarkable Thing), Künstliche Intelligenz (Die Tyrannei des Schmetterlings, Das Erwachen), Übermenschen (Helix).

… mindestens ein Buch sein, dass auch in das Genre Young Adult eingeordnet werden kann.

Geschafft! Gemina und Obsidio sind YA Bücher.

… mindestens ein Buch sein, dass auf einem Raumschiff und/oder einem anderen Planeten spielt.

Geschafft! Obsidio spielt sowohl auf einem Raumschiff als auch auf einem fremden Planeten.

Wie läuft es bei euch? Wie viele Sci Fi Bücher habt ihr dieses Jahr schon gelesen? Welches war euer Liebstes? Ich freue mich wie immer über Buchtipps, vor allem für Bücher von Frauen!

 

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Leserückblick: Gelesene Bücher Juli bis September 2019

Das nächste Quartal von 2019 ist rum und in den letzten drei Monaten habe ich sieben Bücher zu Ende gelesen, zwei weitere begonnen, eines weitergelesen und eines abgebrochen.

Der Store von Rob Hart (Roman)

Im Juli habe ich mir eine Sommer-Leseliste aufgestellt und auch direkt mit dem ersten Buch darauf begonnen, nämlich mit Der Store. Das Buch erzählt von einem großen Online-Versandhaus, das den kompletten Markt einnimmt, fürchterliche Arbeitsbedingungen und ein paar Geheimnisse hat. Als Buchhändlerin hat mir das Buch besonders gut gefallen, weil es klar und deutlich einen diversen Onlineshop kritisiert, in dem leider immer mehr Leute ihre Produkte (inklusive Bücher) bestellen, anstatt in die Geschäfte zu gehen. Ich finde, Der Store ist ein superwichtiges Buch in unserer Zeit und ich wünsche mir, dass es möglichst viele Leute lesen! Zur kompletten Rezension gelangt ihr hier.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Obsidio von Amie Kaufmann und Jay Kristoff (Science Fiction)

Danach habe ich mir den dritten und letzten Teil der Illuminae-Akten, eine Buchreihe, die ich für ihre Spannung und ihr außergewöhnliches Layout sehr schätze, gegönnt. Und es war wunderbar! Nachdem ich beim zweiten Teil, Gemina, nicht ganz so begeistert vom Hauptpaar war, hat mir Obsidio alles gegeben, was ich von einem fulminanten Finale einer großartigen Trilogie erwarte – und sogar noch ein bisschen mehr. Meiner Meinung nach ist es der beste Teil und damit (abgesehen von einem Re-Read von An Absolutely Remarkable Thing im Februar) mein erstes Fünf-Punkte-Buch dieses Jahr. Zur Rezension geht es hier.

Bewertung

+++++ – Fünf von fünf Punkten

Der dritte Zwilling von Ken Follett (Thriller)

Danach habe ich mich als Recherche für mein eigenes Schreibprojekt an ein altes Ken Follett Buch gewagt und es hat mir überraschend gut gefallen. Ich glaube, ich verstehe endlich, wieso Ken Follett so erfolgreich ist, er beherrscht einfach seinen Job. In Der dritte Zwilling geht es um einen Mann, der eines Verbrechens beschuldigt wird, das er nicht begangen hat, obwohl die DNA-Tests auf ihn hinweisen. Ich denke, im Zusammenhang mit dem Titel könnt ihr euch vorstellen, was dahintersteckt: Zwillinge. Oder vielleicht sogar noch mehr? Es ist superspannend erzählt und der Plot ist absolut stimmig und überzeugend. Auch der Protagonist Steve war mir sympathisch. Das Buch dreht sich um ein ähnliches Thema wie das Manuskript, an dem ich gerade arbeite, doch es geht in eine komplett andere Richtung, was mich enorm beruhigt hat.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Sonne und Beton von Felix Lobrecht (Roman)

Auch das nächste Buch auf meiner Leseliste hat mir gut gefallen. Ihr erkennt vielleicht schon den Trend des letzten Quartals: Fast alles hat mir gut gefallen, aber fast nichts so richtig richtig gut. Sonne und Beton erzählt von einer Jugend in der Großstadt (Berlin). Es ist angelehnt an den tatsächlichen Erfahrungen des Autors, hat mich aber auch oft an meine eigene Jugend erinnert. Es geht um Freundschaft und Kriminalität und blöde Ideen und was Jugendliche so umtreibt. Es ist kein phänomenal gutes Buch. Ich denke, nicht viele werden es mögen können, vor allem da es fast nur aus Dialog in Jugendslang besteht. Aber ich habe mich in dem Buch einfach irgendwie zu Hause gefühlt und es deshalb gerne gelesen.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Origin von Dan Brown (Thriller)

Weiter ging es mit etwas Actionreicherem. Der neueste Thriller von Dan Brown war für mich eine Achterbahnfahrt. Der Plot wird meiner Meinung nach unnötig in die Länge gezogen, was mich teilweise extrem genervt hat, aber die Idee und vor allem die Auflösung am Ende haben mich restlos begeistert. Origin erzählt von einem Zukunftsforscher, der verkündet, er habe etwas Sensationelles herausgefunden, der dann aber nicht mehr dazu kommt, der Welt seine Entdeckung zu offenbaren. Nun ist es an Robert Langdon, dem Professor, den man schon aus früheren Dan Brown Büchern kennt, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Auch wenn ich zeitweise so meine Zweifel hatte, konnte mich Dan Brown letztlich doch wieder überzeugen. Was soll ich sagen? Ich stehe einfach auf seine Bücher. Mehr dazu erfahrt ihr in meiner Rezension hier.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Gespräche mit Freunden von Sally Rooney (Roman)

Danach habe ich meine Leseliste erst einmal unterbrochen, weil ich unbedingt Gespräche mit Freunden lesen wollte, um mit meiner Kollegin, die das Buch schon kennt, darüber zu sprechen. In dem Buch geht es um vier Menschen, die ein verqueres Beziehungsgeflecht untereinander entwickeln und jede Menge interessante, intellektuelle Gespräche führen. Es fällt mir nach wie vor schwer, in Worte zu fassen, wieso, aber das Buch hat mich absolut gefesselt! Meine Rezension dazu findet ihr hier.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Alles könnte anders sein von Harald Welzer (Sachbuch)

Außerdem habe ich nach einigen Monaten endlich Alles könnte anders sein fertig gelesen. Dass es so lange gedauert hat, liegt nicht etwa daran, dass das Buch schlecht war (im Gegenteil: Es war hervorragend!), sondern daran, dass ich Sachbücher einfach nur selten und langsam lesen kann. In dem Buch geht Harald Welzer alle möglichen brisanten Themen unserer Zeit durch, schaut sich an, was schiefläuft, und überlegt, wie wir eine bessere Zukunft erreichen können. Im Vordergrund stehen dabei der Klimawandel und die soziale Ungleichheit, aber auch viele, viele andere Aspekte, die damit zusammenhängen. Mir hat wirklich gut gefallen, dass Harald Welzer nicht verzweifelt bei all den Problemen, sondern immer optimistisch bleibt und tatsächlich wahre (wenn auch wagemutige) Alternativen und Lösungsvorschläge findet. Zu Alles könnte anders sein wird es bald noch eine ausführliche Besprechung hier geben.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Abgebrochen:

Spaceman of Bohemia von Jaroslav Kalfar

Auch auf meiner Leseliste sowie auf meiner Liste für die Science Fiction Challenge 2019 stand Spaceman of Bohemia, ein Buch über einen tschechischen Astronauten, der in eine Weltraumwolke fliegt, um diese zu erkunden. Die Raumfahrtstory fand ich wirklich superinteressant und dachte auch, dass sie gut und spannend beschrieben wurde. Doch jedes zweite Kapitel war ein Rückblick in die Kindheit, Jugend und das Leben als junger Erwachsener des Protagonisten, der kurz nach dem Zerfall der Sowjetunion aufgewachsen ist. Ich hasse ja lange Rückblicke. Vielleicht ist das für die tschechische Leserschaft interessanter, aber ich habe mich auf einen actionreichen Sci Fi Roman gefreut und mir waren all diese Infos in den ewig langen Rückblicken schlicht egal. Als bei einer besonders spannenden Stelle in der Haupthandlung plötzlich wieder ein Flashback eingestreut wurde darüber, wie er seine Frau kennengelernt hat, habe ich einfach die Geduld verloren und das Buch abgebrochen.

Trotzdem gebe ich meine Science Fiction Challenge 2019 noch nicht auf. Ich lese gerade ein weiteres Sci Fi Buch (Walkaway von Cory Doctorow), das mir bisher gut gefällt, und bald wird es auch ein Update zur Challenge geben. Außerdem lese ich Hope Never Dies von Andrew Shaffer, in dem Barack Obama und Joe Biden zusammen Verbrechen lösen (herrlich komisch!). Doch da ich im September und Oktober im Urlaub bin, glaube ich nicht, dass ich die beiden Bücher noch in diesem Quartal beenden werde.

Was waren die besten Bücher, die ihr in letzter Zeit gelesen habt? Kennt ihr Bücher von meiner Liste schon und wie fandet ihr sie? Lasst mir gerne eure Meinungen in den Kommentaren da!

 

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Was ich vom Drehbuchschreiben gelernt habe

Letztes Jahr habe ich mein erstes Manuskript (einen Jugendroman) fertiggeschrieben. Danach hatte ich einige Ideen für weitere Schreibprojekte. Eine dieser Ideen war für ein Drehbuch. Ich habe angefangen, daran zu arbeiten und mich deshalb über das Drehbuchschreiben gebildet. Letztlich habe ich das Drehbuchprojekt wieder aufgegeben, weil meine Geschichte mich einfach nicht genug begeistern konnte. Trotzdem habe ich unglaublich viel vom Drehbuchschreiben gelernt. Eines Tages will ich mich noch mal an einem Drehbuch versuchen, doch bis dahin bringe ich die Tipps und Tricks vom Drehbuchschreiben auch in meine Arbeit als angehende Romanautorin, denn ich finde die Literatur kann einiges von Drehbuchautoren lernen.

Ich habe ein Seminar an der Uni zum Drehbuchschreiben belegt (mit einem erfolgreichen deutschen Drehbuchautor und Produzent für Fernsehfilme) und habe das Buch Das Handbuch zum Drehbuch von Syd Field angefangen zu lesen. Immer wieder ist mir aufgefallen, dass es beim Drehbuch nur um eins geht: Story – Story – Story! Bei Romanen kann man ja mit schönen Formulierungen und Dergleichen von der Story ablenken, aber bei Drehbüchern (die letztlich ja nur beschreiben, was passiert) geht das nicht. Deshalb fällt es hier ziemlich schnell auf, wenn ein Drehbuch keine/eine schwache Story hat. Ohne eine richtig gute Story ist ein Drehbuch nutzlos. Ob das bei Romanen ebenso ist, kann man diskutieren, doch mir fallen jede Menge plotlose Bücher ein, deren Autoren gut daran getan hätten, sich von Drehbuchautoren abzuschauen, wie man plottet. Seit ich angefangen habe, Drehbuchschreiben zu lernen, achte ich auch bei der Literatur, die ich lese und schreibe, viel mehr auf den Plot. Ich lese Bücher meistens für ihren Plot, deshalb muss mich dieser überzeugen.

Nirgends kann man das Plotten besser erlernen als beim Drehbuchschreiben, denn eine gute Story braucht hier vor allem Struktur. Die Kunst des Drehbuchschreibens basiert auf Aristoteles klassischer Lehre der Handlung, die man nach wie vor in allen guten Filmen und Dramen finden kann. Demnach läuft ein Plot folgendermaßen ab: Es gibt ein auslösendes Ereignis, das die Story ins Rollen bringt. Dann kommt es zum Wendepunkt, der alles auf den Kopf stellt, den Protagonisten aus seinem normalen Leben rausreißt und ihn zwingt, aus seiner Komfortzone hinaus zu treten und sein Ziel zu verfolgen. Nun spitzt sich die Handlung immer weiter zu oder wie mein Dozent es ausdrückte: „Die Probleme werden immer größter.“ Schließlich erreichen wir den Höhepunkt, der extremste Punkt (egal ob gut oder schlecht), auf den alles hinausläuft und der erneut wieder alles verändert. Danach kommt es relativ schnell zur Auflösung und damit zum Ende.

Das klingt jetzt vermutlich etwas stur und unnachgiebig. Man muss sich ja nicht ganz genau daran halten, doch ich denke es schadet nicht, mal die eigene Story in diese Struktur einzufügen und zu schauen, ob es passt. Denn wenn der Wende- oder Höhepunkt fehlt, handelt es sich dann überhaupt um einen Plot? Mir hat das auf jeden Fall geholfen, struktureller vorzugehen und genau zu überlegen, wie meine Geschichte funktioniert und wie nicht. Natürlich kommt es auch darauf an, wie (mit welchen Worten) man sie erzählt, aber am Anfang steht nun einmal der Plot und zwar zurecht. Denn ohne einen guten Plot hat man nichts. Mittlerweile hat sich das Plotten sogar zu meinem Lieblingsteil des gesamten Schreibprozesses entwickelt und ich denke, dass ich das unter anderem dem Drehbuchschreiben zu verdanken habe.

Was wisst ihr über das Schreiben, Drehbuchschreiben oder Plotten? Ich freue mich immer über Tipps und Anregungen!

 

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Rezension: Gespräche mit Freunden von Sally Rooney

Genre: Roman | Erscheinungsjahr: 2019 | Hardcover: 384 Seiten | Verlag: Luchterhand Literaturverlag | Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3630875415

Kurzinhalt

Frances, Literaturstudentin Anfang 20, lernt gemeinsam mit ihrer Ex-Freundin Bobbi das 30+-Ehepaar Melissa und Nick kennen. Zwischen den vieren entwickeln sich Freundschaften, Feindschaften, Liebschaften und Affären.

Eigene Meinung

Es ist schwer, dieses Buch in Worte zu fassen. Es hat mir wirklich gut gefallen, auch wenn ich nicht konkret benennen kann, wieso. Aber irgendwas muss wohl dran sein, immerhin ist das Buch supererfolgreich, hier in Deutschland und auch in Groß Britannien und den USA.

Es ist letztlich eine (mehr oder weniger) schlichte Geschichte über Menschen und Beziehungen. Die vier Personen im Zentrum sind diejenigen, die die Geschichte ausmachen. Wenn sie nicht so außergewöhnlich wären, gäbe es keine Geschichte. Die Protagonistin Frances scheint zu Beginn im Schatten ihrer jeden Raum einnehmenden, wunderschönen und superinteressanten Ex-Freundin und noch immer besten Freundin Bobbi zu stehen. Doch da wir die Geschichte durch ihre Augen sehen, erkennen wir bald, dass Frances nicht so trist ist, wie es zuerst scheint. Sie und Bobbi treten als Spoken Word Poeten auf, doch Frances ist diejenige, die die Lyrik schreibt. Auch wenn wir nie etwas lesen dürfen, das sie schreibt, wird sie als brillante Schriftstellerin dargestellt, aber auch leicht neurotisch, wie es das Schriftsteller-Klischee vorschreibt. Bobbi auf der anderen Seite erscheint zuerst einmal als die typische, exzentrische Attention Whore. Doch umso mehr ich gelesen habe, umso sympathischer wurde Bobbi. Ich finde, mit der Zeit hat man gemerkt, dass es nur Frances Blick auf ihre Ex ist, die Bobbi so darstellt, dass Bobbi aber letztlich eine viel anständigere Person ist als all die anderen Figuren. Diese Entwicklung hat mich überrascht, denn zu Beginn hätte ich nie gedacht, dass Bobbi einmal meine Lieblingsfigur werden würde.

Dann gibt es das Ehepaar Melissa und Nick, die in Frances und Bobbis Leben platzen und alles auf den Kopf stellen. (Oder ist es vielleicht andersherum?) Melissa ist von den Vieren noch die am wenigsten vielschichtige Figur. Sie kommt durchweg recht überheblich und kontrollierend rüber. Es ist schwer, sie sympathisch zu finden, obwohl ihr Verhalten mit der Zeit etwas nachvollziehbarer wird. Nick, der einzige Mann im Bunde, ist ein attraktiver Schauspieler. Er lässt sich auf etwas ein, dass ich hier nicht nennen will, um nicht zu spoilern. Doch generell wird die Ehe von Nick und Melissa als alles andere als glücklich dargestellt, sodass man sich fragt, wieso sie überhaupt noch zusammen sind. Im Laufe der Geschichte kommen Nicks Abgründe ans Licht, aber um ehrlich zu sein, habe ich Frances ihre Stilisierung von Nick als Opfer nicht abgekauft. Generell war es faszinierend, dass ich bei der Lektüre Frances Sichtweise immer mehr in Frage gestellt habe. Das ist selten so. Normalerweise glaube ich den Protagonisten alles. Doch dies ist eine Geschichte über unperfekte Menschen, die unperfekte Beziehungen miteinander führen, und da ist nichts wirklich klar.

Außerdem sollte ich festhalten, dass Gespräche mit Freunden sehr divers ist und sich dadurch extrem modern und am Puls der Zeit anfühlt. Frances und Melissa sind bisexuell, Bobbi ist lesbisch und Nick ist heterosexuell.

Und dann sind da noch die Gespräche. Die vier Hauptfiguren kann man mit gutem Grund als Intellektuelle bezeichnen. Sie sind alle sehr gebildet, Bobbi und Frances studieren, außerdem scheinen sie sich alle mit dem Weltgeschehen auf dem Laufenden zu halten. Zusätzlich sind sie alle Künstler. Bobbi ist wohl so etwas wie eine Performance Künstlerin, Frances Lyrikerin, Melissa Fotografin und Journalistin und Nick Schauspieler. Dieses gebildete Boheme Gefühl von all ihren Treffen und Unterhaltungen hat mich absolut mitgerissen. Teils kam es ziemlich überheblich daher, aber trotzdem hat es bei mir den Wunsch geweckt, (noch) besser informiert zu sein, Meinungen zu haben, mich einzumischen und vor allem Menschen um mich zu sammeln, die an all dem ebenso interessiert sind. Ich glaube, das habe ich an Gespräche mit Freunden am meisten gemocht: Von Leuten zu lesen, die sich tatsächlich für die Dinge interessieren. Denn in dem Buch geht es vorrangig um Liebschaften und Beziehungsprobleme und Intrigen, im Hintergrund aber geht es um so viel mehr, nämlich um die Frage, wie wir leben wollen und was wir erreichen können und sollten in unserem einen Leben.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Kennt ihr schon Gespräche mit Freunden? Wie fandet ihr es? Und könnt ihr vielleicht besser beschreiben, was dieses Buch ausmacht, als ich? Mir fehlen irgendwie immer noch die Worte. Doch ich habe es definitiv gerne gelesen.

 

 

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