Rezension: Der Marsianer von Andy Weir

Genre: Science Fiction  | Erscheinungsjahr: 2015 | Taschenbuch: 512 Seiten | Verlag: Heyne Verlag  |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3453316911

Kurzinhalt

Der Astronaut Mark Watney ist auf einer Marsexpedition. Als ein Sandsturm ausbricht, wird er weggeschleudert und verletzt. Da seine Crewmitglieder ihn für tot halten, verlassen sie den Planeten ohne ihn. Mark Watney ist nun der einzige Mensch auf dem Mars. Er muss einen Weg finden, um zu überleben.

Eigene Meinung

Ich habe ein Interview mit Andy Weir gelesen, in dem er sagte, dass er nie wieder ein so gutes Buch wie Der Marsianer schreiben wird. Das fand ich ein bisschen übertrieben, aber jetzt da ich das Buch endlich gelesen habe (zuvor habe ich von dem Autor bereits Artemis gelesen), glaube ich es ihm aufs Wort. Denn das Buch ist wirklich verdammt gut. So gut, dass es für mich fraglich ist, ob überhaupt irgendjemand jemals wieder etwas schreiben wird, was damit mithalten kann.

Für Leute wie mich, die relativ neu im Science Fiction Genre sind, ist Der Marsianer perfekt, denn es erzählt eine sensationelle Geschichte auf eine Art und Weise, die sie völlig realistisch erscheinen lässt. Ein Teil des Reizes liegt wohl auch darin, dass Marsexpeditionen tatsächlich schon in Planung sind und die Handlung deshalb plausibel ist.

Bevor ich das Buch gelesen habe, hatte ich bereits den Film gesehen, ich wusste also, wie es ausgeht. Trotzdem konnte mich Der Marsianer vollkommen fesseln, mitreißen und begeistern. Was mich am meisten überrascht hat, waren die vielen verschiedenen Perspektiven und Medien, die benutzt werden. Nach fünf Kapiteln in Form des Logbuchs von Mark Watney hatte ich mich bereits darauf eingestellt, dass das komplette Buch so aufgebaut sein wird. Doch dann gab es plötzlich jede Menge Perspektivwechsel und viele verschiedene Stile. Neben den Logeinträgen und den Berichten mit herkömmlicher Perspektivierung in der dritten Person kamen auch Chats und Emails vor sowie sogar ein Abschnitt, der aus der Sicht einer Raumsonde geschrieben wurde. So etwas habe ich wirklich noch nie gelesen. Dabei haben diese vielen Erzählweisen die Spannung gesteigert, denn oft hatte ich beim Lesen eine dunkle Vorahnung, weil durch die Perspektivwechsel Dinge angedeutet wurden, von denen der Protagonist noch nichts wusste.

Ich denke, all diese kreativen Erzähltechniken kommen bei Der Marsianer so gut zur Geltung, weil das Konzept der Geschichte simpel ist: Ein Mann ist alleine auf einem Planeten gestrandet und muss überleben. Faszinierend finde ich, dass es in dem Buch keine Bösewichte gibt. Es gibt nur den Protagonisten sowie ein paar sekundäre Figuren, die ihm alle helfen wollen. Das klingt wie ein langweiliger Ausgangspunkt, aber es funktioniert hervorragend, woran sicher nicht zuletzt die Perspektiv- und Medienwechsel schuld sind.

Trotzdem geht es in Der Marsianer letztlich das ganze Buch lang nur um einen einzigen Mann auf einem einsamen Planeten. Dass ich das Buch als Leserin trotzdem kaum zur Seite legen konnte (es hat mich wortwörtlich um den Schlaf gebracht, weil es so spannend war), lag sicherlich auch an seinem Protagonisten. Mark Watney schafft es, selbst die komplexesten Sachverhalte so zu beschreiben, dass es Spaß macht, mehr darüber zu erfahren. Außerdem ist sein Humor einfach unübertrefflich. Ich habe so oft beim Lesen laut aufgelacht.

Mark Watney ist der ultimative Held. Er ist in einer schrecklichen Situation, doch er verliert kein einziges Mal die Hoffnung. Selbst wenn wieder und wieder etwas schiefgeht, gibt er nicht auf, sondern beißt die Zähne zusammen und beginnt von vorne. Er löst ein Problem nach dem anderen und verliert dabei nie seinen Humor. Nun mag man meinen, dass so eine perfekte Figur unrealistisch ist. Aber erstens werden Astronauten tatsächlich nicht nur nach ihren fachlichen Kenntnissen ausgewählt, sondern zu einem großen Teil auch nach ihrer Persönlichkeit, sodass jemand, der so unerschütterlich ist wie Mark Watney, eher einen solchen Job innehaben würde. Zweitens gibt es genug zwielichtige Leute im wahren Leben sowie mittlerweile in den meisten Büchern, Filmen und Serien. Da fand ich es erfrischend und inspirierend, mal über einen echten Helden zu lesen.

Der Marsianer ist das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe und ich möchte es jedem ans Herz legen. Ein bisschen Interesse an der Raumfahrt und dem Mars muss man wohl schon mitbringen, doch das Buch macht auch Leuten Spaß, die so wie ich wenig Ahnung davon haben. Deshalb: Bitte lest dieses Buch! Falls nicht, dann schaut zumindest den Film, der ist nämlich auch ziemlich gut.

Bewertung

+++++ – Fünf von fünf Punkten

Advertisements

Wie ich meinen Roman überarbeite

Wie ich bereits berichtet habe, habe ich Anfang des Jahres die erste Version meines ersten Romans fertig geschrieben. Hurra! Leider bedeutete das, dass ich nun in der Phase des Überarbeitens angekommen bin. Beim Überarbeiten meines Romans kombiniere ich Methoden, von denen ich gelesen oder gehört habe, mit dem, was für mich persönlich am besten funktioniert. Dabei bin ich weit davon entfernt, die perfekte Überarbeitungs-Strategie gefunden zu haben. Ich stolpere viel eher irgendwie vorwärts und hoffe, dass dieser langwierige Prozess mein Buch eines Tages so weit bringen wird, dass es veröffentlicht und gelesen wird.

Überarbeiten während dem Schreiben

Für mich beginnt das Überarbeiten während dem Schreiben. Ich kann nicht – wie das manche Autoren tuen – das komplette erste Manuskript fertig schreiben, ohne bereits immer wieder über das Geschriebene zu lesen und es zu überarbeiten. Das liegt einerseits daran, dass der Gedanke, dass da ein paar nicht korrigierte Kapitel auf meinem PC liegen, mich um den Schlaf bringt, andererseits daran, dass ich Pausen vom Schreiben brauche. Ich finde Schreiben furchtbar anstrengend. Die Freude liegt darin, das Geschriebene zu lesen und daran herumzubasteln.

Mein Schreibprozess sah deshalb folgendermaßen aus: Ein Kapitel plotten, das Kapitel schreien, das Kapitel korrigieren, das Kapitel an meine Kritikpartnerin schicken, ihre Korrekturen und Anmerkungen übernehmen, noch einmal Korrekturlesen, schwierige Szenen in meiner Schreibgruppe vorlesen, die Kritik der Mitglieder der Schreibgruppe umsetzen, noch einmal Korrekturlesen. Und so ging das Kapitel um Kapitel. Das bedeutet, dass ich den Roman, noch bevor ich ihn fertig geschrieben hatte, im Prinzip schon mehrere Mal überarbeitet hatte.

Überarbeiten nach dem Schreiben

Das habe ich nun glücklicherweise hinter mir. Trotzdem haben ich und mein Roman noch immer einen langen Weg vor uns. Denn nun geht es ans Eingemachte. Angeregt von den Kommentaren der Kritikpartnerin und den Mitgliedern der Schreibgruppe sowie von meinen eigenen Überlegungen habe ich während dem Schreibprozess eine Liste von nötigen Änderungen angelegt. Diese umfasst Kleinigkeiten, wie die Verwendung von Markennamen oder Ticks der Figuren zu begrenzen oder erweitern, aber auch größere Aktionen, wie Backstorys zu erfinden, logische Lücken zu schließen, Figuren sympathischer zu machen, etc. Die Liste ist überwältigend und muss nun abgearbeitet werden.

Dafür habe ich den Roman in Abschnitte eingeteilt, die ich einen nach dem anderen überarbeite. Diese Abschnitte gehören thematisch zusammen und können eins bis drei Kapitel umfassen. Gerade habe ich die Überarbeitung am zweiten Abschnitt (Kapitel 2-4) beendet, was ungefähr einen Monat gedauert hat. Als erstes lese ich den Abschnitt und erstelle eine Liste der Szenen. Hinter jede Szene schreibe ich Änderungsideen. Als Nächstes geht es daran, die geplanten Änderungen umzusetzen. Das ist eine langwierige und mühselige Arbeit. Währenddessen notiere ich mir außerdem einige Dinge: Inhalt (Hauptplot und Nebenplot), gute Formulierungen, Beschreibungen der Figuren und mehr. Das hilft mir, Ungereimtheiten oder Wiederholungen zu finden. Außerdem wird es mir später beim Verfassen des Exposés hoffentlich nützlich sein. Wenn ich dann (endlich) alles umgesetzt habe, lese ich den Abschnitt noch einmal, um sicher zu gehen, dass ich nicht irgendetwas total verdreht habe.

Damit werde ich wohl noch eine ganze Weile beschäftigt sein. Nach dieser Überarbeitungsphase habe ich vor, den kompletten Roman noch einmal Korrektur zu lesen und noch einmal einfach so zu lesen, um zu sehen, ob er überhaupt noch Spaß macht. Außerdem möchte ich den ersten drei Kapiteln noch mehr Aufmerksamkeit widmen, da diese die Leseprobe werden sollen. Zusätzlich hoffe ich, dass entweder das ganze Buch oder aber zumindest die ersten drei Kapitel noch einmal sowohl von einer Person gelesen werden, die Ahnung von Literatur hat (also eventuell eine professionelle Lektorin), als auch von ein paar Menschen aus meiner Zielgruppe (Jugendliche). Dies wird natürlich weitere Korrekturen und Änderungen nach sich ziehen.

Wenn ich auf meinen Überarbeitungs-Prozess schaue, dann kommt es mir oft vor, als würde er nie ein Ende finden. Doch ich dachte dasselbe über meinen Schreibprozess, als ich begonnen habe. Ich schreibe sporadisch und mit Pausen seit meiner Kindheit, doch ich habe noch nie einen Roman veröffentlicht. Es ist mein größter Traum. Ich bin froh über meine Liebe zum Schreiben, auch wenn sie mich manchmal verzweifeln lässt. Trotzdem glaube ich nicht wirklich an Talent und Genialität. Ich glaube an harte Arbeit und Disziplin.

Wie überarbeitet ihr eure Buchprojekte, Kurzgeschichten, Lyrik etc.? Ich freue mich über Anregungen und Tipps in den Kommentaren!

Leserückblick: Gelesene Bücher Januar bis März

Auf den meisten Buchblogs finden sich Monatsrückblicke der gelesenen Bücher. Für mich ist ein monatlicher Rückblick allerdings unnötig, denn erstens poste ich nur einmal pro Woche und möchte nicht aus jedem vierten Post einen Lesemonat-Beitrag machen und zweitens lese ich nicht so viel, dass es sich wirklich lohnt, alle vier Wochen darauf zurückzublicken. Deshalb habe ich mich entschieden, pro Quartal einen Leserückblick zu posten. Hier kommt also mein erster Leserückblick überhaupt – zu den Monaten Januar bis März, in denen sich doch einige gelesene Bücher angesammelt haben.

Gelesen für die DasSuBabc Challenge

Für die SuBventur-Challenge von KeJas BlogBuch habe ich nur Bücher von meinem SuB gelesen. Meine Leseliste umfasste 15 Bücher für 14 der Aufgaben der Challenge. Davon habe ich sieben Bücher gelesen. Dass ich es in den zwei Monaten (ich hatte die Challenge etwas spät begonnen) nicht schaffe, alle Bücher zu lesen, war mir klar, deshalb bin ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Ohne die Challenge hätte ich mit Sicherheit weniger von meinem SuB gelesen!

Nichts von Janne Teller

Aufgabe: B – Nur was für „Babys“? Lies ein Buch aus dem Bereich Kinder- und Jugendbücher

Das erste gelesene Buch für die Challenge war leider gleich mein Monatsflop. In dem Jugendbuch Nichts macht sich eine Schulklasse daran, den Sinn des Lebens zu finden, nachdem ihr Schulkamerad sagt, dass es diesen nicht gibt. Deshalb bauen die Kinder einen Berg der Bedeutung. An sich finde ich die Idee und das Konzept des Buchs super. Mein Problem war, dass ich absolut nicht auf das vorbereitet war, was dann in der Handlung geschieht. Ich hatte mich auf eine inspirierende Geschichte über den Sinn des Lebens gefreut und war umso geschockter, als der Plot in eine komplett andere Richtung ging. Die Dinge, die die Kinder dem Berg der Bedeutung opfern müssen, werden immer extremer und das Buch wird nach einer Weile richtig düster und verstörend. Es wird als Jugendbuch vermarktet, was ich für unangebracht halte. Ich möchte nicht spoilern, aber ich sollte doch erwähnen, dass in Nichts Vergewaltigung, Gewalt, Leichen und Schändung religiöser Symbole vorkommen und dass ich allen, die mit diesen Themen Probleme haben, davon abrate, es zu lesen.

Bewertung: Zwei von fünf Punkten ++

She von Thomas Karsten

Aufgabe: W – Lies ein Buch mit weniger als 500 Seiten (aber mind. 100!)

Für diese Aufgabe habe ich das Fotobuch She gelesen. Es beinhaltet Aktfotografien der Ex-Freundin von Thomas Karsten sowie Interviews mit Fotograf und Model über die Entwicklung ihrer Beziehung. Das Zusammenspiel von Bildern und Text hat mir sehr gut gefallen. Meine Rezension zu She findet ihr hier.

To Kill A Mockingbird von Harper Lee

Aufgabe: U – Lies ein Buch eines dir unbekannten Autors oder Verlags

To Kill A Mockingbird ist ein amerikanischer Klassiker über den Rassismus der 30er Jahre in den Südstaaten der USA. Ich war begeistert von diesem Buch und dachte lange, dass es mein Quartalsfavorit wird, doch dann wurde es doch noch vom letzten Buch, das ich gelesen habe, in den Schatten gestellt. Trotzdem ist To Kill A Mockingbird ein wundervoller Roman, den ich jedem ans Herz legen möchte. Meine Rezension findet ihr hier.

Bewertung: Vier von fünf Punkten ++++

Die Nacht der Masken von Ines Witka

Aufgabe: Q – Quatsch machen, lies etwas total Verrücktes bzw. Fantasievolles:

Ich war mir erst nicht sicher, ob Die Nacht der Masken zu dieser Aufgabe passt, doch das tat sie perfekt, denn dieses Buch war definitiv das Verrückteste (im Sinne von das Ausgefallenste), das ich in diesem Quartal gelesen habe. Es handelt sich um eine Reportage über die exklusivste Erotikparty der Welt. Es beginnt relativ harmlos mit dem Erlebnisbericht der Autorin und einem Interview mit dem Pianisten des Events, doch wenn es dann an die Interviews mit den Gästen geht, werden die Storys bald sehr verrucht und sexy. Es hat mich absolut fasziniert, einen Ausflug in diese Welt der Sexpartys zu machen.  Viele der Gespräche drehen sich entweder um das Thema Swingen oder um BDSM, doch man muss diese Vorlieben nicht persönlich teilen, um sich von diesem Buch inspirieren zu lassen. Die Nacht der Masken hebt sich dadurch hervor, dass sie sehr teuer ist, weshalb die Gäste und das komplette Ambiente eine Atmosphäre von Luxus und Eleganz umgibt, was ich als reizvoll empfand. Die Nacht der Masken ist definitiv alles andere als erotische Schundliteratur, schon allein weil es eine Reportage über ein Event ist, dass tatsächlich so stattfindet. Allen, die auch gerne mal etwas heißere Literatur lesen, kann ich das Buch wärmstens empfehlen. Außerdem ist es rein optisch wunderschön gestaltet mit einem hübschen Einband, vielen edlen Goldtönen, professionellen Fotografien und einem tollen Layout.

Bewertung: Vier von fünf Punkten ++++

Geld von Sigrun Casper (Hg.)

Aufgabe: K – Kaum Worte – lies ein Buch mit nur einem Wort als Titel (ohne Untertitel!)

Geld ist eine Anthologie, die Sachtexte, Prosatexte und Lyrik rund um das Thema Geld sammelt. Ich habe Politische Theorie, Soziologie und auch ein bisschen Volkswirtschaft studiert, also bin nicht gerade Anfänger in Sachen Geldwirtschaft, doch das Buch ist für Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet, da es eine große Vielfalt an Texten bietet. Wie das bei einer Anthologie so ist, haben mir manche Texte besser gefallen als andere. Dabei habe ich aber auch einige Lieblinge entdeckt. Zu meinen Highlights in Geld gehörten u.a. einige der Gedichte, ein Interview über Superreiche, ein Text über die Freiheit des Nicht-Kaufens, ein dystopischer Blick in eine Zukunft voller Armut, eine Erzählung über Flötenspielerinnen im alten Athen, ein Gespräch über die Macht des Geldes und ihre Grenzen sowie ein Zitat, das mich zum Nachdenken angeregt hat: „Doch längst leben wir nicht mehr in einer Bedarfsdeckungsgesellschaft, sondern in einer Bedarfsweckungsgesellschaft“ (Adrian Lobe).

Bewertung: Drei von fünf Punkten +++

Der Marsianer von Andy Weir

Aufgabe: E – Lies ein eBook

Nun komme ich zu meinem absoluten Quartalsfavorit! Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war auch mit Abstand das Beste. Ich hatte eigentlich nicht vor, Der Marsianer zu rezensieren, da das dann schon mein dritte Post zu demselben Autor wäre und ich bin ja nicht der Andy Weir Blog, aber jetzt bin ich so begeistert, dass ich doch eine Rezension posten werde. Deshalb will ich hier noch gar nicht so viel über dieses Buch sagen, außer dass es phänomenal ist!

Bewertung: Fünf von fünf Punkten +++++

Abgebrochen

Die Zeit vor der Zeit von Heinz R. Pagels

Aufgabe: I – Lies ein informatives Buch (Sachbuch)

Eines der Bücher, die ich für die DasSuBabac Challenge gelesen habe, musste ich leider abbrechen, weil es mir gar nichts gebracht hat. Die Zeit vor der Zeit ist nicht, wie ich erwartet hatte, ein Sachbuch über die Zeit, sondern ein Lehrbuch über die Entstehung der Sonnensysteme und Galaxien, wie es schon viele gibt. Ich kenne mich bereits ein bisschen aus mit Astrophysik, weshalb mich dieses Buch nicht reizen konnte und ich es nach ein paar Kapiteln zur Seite gelegt habe. Ich finde auch den Titel falsch gewählt, denn die beschriebenen Entwicklungen fanden eben nicht vor der Zeit statt, sondern bereits in und mit der Zeit.

Weitere gelesene Bücher

Bevor ich die Challenge begonnen habe, hatte ich im Januar bereits zwei Bücher gelesen: eines welches ich mir brandneu als E-Book gekauft habe und ein weiteres von meinem SuB.

My Salinger Year von Joanna Rakoff

My Salinger Year erzählt von der Arbeit in der Literaturagentur, die J. D. Salinger vertritt. Die Protagonistin arbeitet als Assistentin von Salingers Agentin, ohne je eines seiner Bücher gelesen zu haben. Sie beschreibt den Arbeitsalltag und den Hype um den Autor. My Salinger Year ist ein autobiografischer Roman und nicht gerade das aufregendste Buch aller Zeiten, denn die Handlung ist recht alltäglich. Trotzdem war es für mich, die Erfahrung in der Literaturbranche hat und sich für diese interessiert, spannend zu lesen. Ich konnte mich mit der Protagonistin identifizieren und habe mir einige schöne Zitate herausgeschrieben. Für Literaturfreunde könnte dieses Buch auf jeden Fall etwas sein, allerdings sollte man doch ein bisschen Vorwissen zu J. D. Salinger mitbringen und zumindest mal seinen berühmten Roman Der Fänger im Roggen gelesen habe.

Bewertung: Drei von fünf Punkten +++

Artemis von Andy Weir

Das neue Buch von Andy Weir erzählt von der ersten Stadt auf dem Mond, Artemis, und von der Schmugglerin Jazz, die einen Auftrag erhält, der sich als gefährlicher entpuppt, als erwartet. Zu Artemis habe gemischte Gefühle. Einerseits war es oft spannend, andererseits haben mir die Darstellung der Beziehungen sowie vor allem die Flashbacks nicht zugesagt. Meine Rezension findet ihr hier.

Bewertung: Drei von fünf Punkten +++

Im Lesequartal Januar bis März habe ich mehr gelesen, als für mich üblich, was sicher an der Challenge liegt, aber auch an der Inspiration, die mir mein Blog und das Lesen andere Buchblogs schenkt. Insgesamt habe ich neun Bücher gelesen. So kann es weitergehen!

Rezension: To Kill A Mockingbird von Harper Lee

Genre: American Classic | Erscheinungsjahr: 1960 |Deutsche Übersetzung: Wer die Nachtigall stört | Taschenbuch: 448 Seiten | Verlag: Rowohlt  |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3499217548

Kurzinhalt

To Kill A Mockingbird erzählt die Geschichte einer Kindheit im Alabama der 1930er Jahre. Die beiden Geschwister Scout und Jem verbringen regelmäßig die Sommerferien mit ihrem Freund Dill. Dabei lernen sie auch ihre Nachbarn gut kennen. Nur die Familie Radley lässt sich selten blicken und vor allem über den Sohn mit dem Spitznamen Boo gibt es viele Legenden und Gerüchte. Als Scout und Jems Vater, der Anwalt Atticus, den Auftrag erhält, einen schwarzen Mann vor Gericht zu verteidigen, brechen die Kämpfe der Erwachsenen in die Lebenswelt der Kinder ein.

Eigene Meinung

Dieses Buch hat mich definitiv positiv überrascht. Ich hatte vor Jahren mal die ersten paar Seiten gelesen und dann aufgegeben. Seitdem liegt es auf meinem SuB rum. Nun habe ich ihm für die #DasSuBabc Challenge doch noch einmal eine Chance gegeben und ich bin so froh über diese Entscheidung! Letzten Endes gibt es doch immer einen Grund, weshalb Bücher zu Klassikern wurden. Hier ist es der hervorragende Umgang mit dem Thema des Rassismus.

Rassismus wird in To Kill A Mockingbird als etwas vorgestellt, das für die Südstaaten-Gesellschaft der 30er zum Alltag gehört und kaum hinterfragt wird. Mit dem Fall eines schwarzen Mannes, der der Vergewaltigung eines weißen Mädchens bezichtigt wird, erhält der Rassismus in der Geschichte Eingang in die Justiz. Der Vater Atticus hält zwar stur an der Hoffnung fest, dass die Freiheit der Justiz den Vorurteilen der Menschen überlegen ist, doch weiß er auch, dass seine Aufgabe als Pflichtverteidiger nicht einfach sein wird, da der Rassismus so tief in seiner Gesellschaft verankert ist.

Die einzigen Figuren, die das rassistische Denken der Bevölkerung nicht nachvollziehen können, sind die Kinder. Hier wird schön gezeigt, wie unerklärlich das Phänomen Rassismus im Prinzip ist. Deshalb war die Entscheidung, die Leser die Geschichte durch die Augen der kleinen Scout sehen zu lassen, definitiv die Richtige! Scouts Unwissen und Unverdorbenheit in dieser Sache sind teilweise wirklich rührend. Den Rassismus aus einer kindlichen Perspektive mitzuerleben, ließ ihn letztlich noch grausamer erscheinen. Leider konnte ich vieles, das in dem Buch beschrieben wurde, in unserer heutigen Gesellschaft wiedererkennen, ganz besonders die Darstellung des amerikanischen Gerichtssystems. Deshalb ist To Kill A Mockingbird heute so aktuell wie eh und je.

Die beiden Kinder Scout und Jem habe ich schnell ins Herz geschlossen. Mit dem Vater Atticus – der aufrichtige Held, der stets alles im Namen der Gerechtigkeit tut – hatte ich allerdings manchmal meine Probleme. Ich verstehe, dass es für die Geschichte wichtig ist, dass Scout und Jem solch ein Vorbild haben, doch persönlich hätte ich Atticus nicht gerne als Vater. Er tut immer das Richtige, auch wenn das bedeutet, seine eigenen Kinder in Gefahr zu bringen.

Der Grund, weshalb ich das Buch damals nach ein paar Seiten abgebrochen habe, ist, dass am Anfang wenig passiert. Und das bleibt auch so für ganze 100 Seiten. Wir lernen die Figuren und die Gesellschaft kennen. Aber als dann endlich der Hauptplot, die Gerichtsverhandlung, begann, konnte ich das Buch plötzlich gar nicht mehr zur Seite legen. Ich kann versprechen, dass es sich auf jeden Fall lohnt weiterzulesen, denn die Geschichte wird noch richtig spannend und aufregend. Außerdem war ich beeindruckt, wie am Ende mehrere Plots, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hatten, elegant zusammengeführt wurden. Erst nach dem Lesen ist mir aufgefallen, dass ich vieles schon hätte voraussehen können, wenn ich die ersten 100 Seiten ein bisschen aufmerksamer gelesen hätte. Insgesamt hat mir das Buch deshalb sehr gut gefallen. Es ist eine einwandfrei konstruierte Geschichte über ein schwieriges Thema.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Meine Bücherwunschliste

Seit Monaten lese ich (fast) nur Bücher von meinem SuB. Deshalb habe ich beschlossen, mir – sobald die #DasSuBabc Challenge Ende diesen Monats abgelaufen ist – zu erlauben, das ein oder andere Buch zu kaufen. Außer an Artemis, was ich Anfang des Jahres als eBook erworben habe, kann ich mich an kein Buch erinnern, welches ich mir in letzter Zeit gekauft habe.

Deshalb bin ich meine gigantische Liste an Büchern, die ich mal lesen möchte, durchgegangen und habe mir die zehn Werke ausgesucht, die mich im Moment am meisten reizen. Es war nicht einfach, meine zehn Lieblinge zu wählen. Von diesen werde ich mir natürlich auch nicht alle kaufen, (dann würde ja doch nur die Mehrheit wieder auf dem SuB landen) sondern höchstens drei. Deshalb würde ich mich riesig über eure Hilfe beim Auswählen freuen.

Welche Bücher der folgenden Liste kennt ihr und könnt ihr empfehlen? Oder möchtet ihr vielleicht sogar von einem der Bücher abraten? Hinterlasst gerne eure Meinung in den Kommentaren!

Die Illuminae-Akten von Amie Kaufman und Jay Kristoff (Science Fiction)

Vor ein paar Wochen war das erste Buch dieser Reihe in aller Munde. Ich habe viele positive Rezensionen gelesen und auch ein paar negative. Worum genau es geht, habe ich zwar immer noch nicht wirklich verstanden, doch bei mir hängengeblieben ist vor allem, dass das Buch anscheinend ein total wirres/experimentelles/originelles Layout hat, wodurch es eine neue Art zu lesen erfordert. Das kann ich mir nicht entgehen lassen! Es bedeutet aber auch, dass ich mir dieses Werk wohl als materielles Buch beschaffen muss, weil ich nicht glaube, dass mein zurückgebliebener E-Reader irgendeiner Art von ungewöhnlichem Layout gewachsen ist.

Armageddon von Wolfgang Hohlbein (Fantasy)

Nach diesem Buch sehne ich mich schon seit Monaten, nämlich seit der Frankfurter Buchmesse, als ich die Buchvorstellung Hohlbeins besucht habe. Ich habe bisher noch nie etwas von ihm gelesen und war auch gar nicht wegen ihm bei der Veranstaltung, sondern wegen Andreas Brandhorst, der in einer Doppellesung mit Hohlbein sein neues Buch Das Erwachen vorgestellt hat. Überraschenderweise hat mich dann aber Hohlbeins Armageddon viel mehr interessiert. Hinzu kommt, dass ich mich im Moment ohnehin mit dem Thema der biblischen Apokalypse beschäftige und Armageddon auf ebendieser basieren soll. Dieses Buch muss ich unbedingt lesen! Was mich bisher davon abgehalten hat, ist der übertrieben hohe Preis.

Maybe Someday von Colleen Hoover (Liebesroman)

Ich habe lange geglaubt, dass ich nie ein Fan von Liebesromanen sein werde, bis ich im letzten Jahr entdeckt habe, dass ich mich doch ganz gerne mal in eine Liebesgeschichte verliere. Allerdings ist es mir wichtig, dass sie nicht abgeschmackt ist und dass vielschichtige und nachvollziehbare Figuren die Handlung bestimmen. Ob das bei Colleen Hoover so ist, kann ich nicht einschätzen, aber da sie eine sehr erfolgreiche Autorin ist, würde ich ihr gerne eine Chance geben.

The Long Way to a Small, Angry Planet von Becky Chambers (Science Fiction)

Auch Science Fiction ist ein Genre, in dem ich relative neu bin und bei dem ich erst einmal herausfinden muss, was mir gefällt. Ich habe aber das Gefühl, dass dieses Buch mein Ding sein könnte. Die Autorin schreibt auf der wunderbaren Sci-Fi-News-Seite io9, die ich oft und gerne lese. Außerdem hat eine meiner liebsten Booktuberinnen Julie von Pages and Pens das Buch gelobt. Das genügt mir, um ihm eine Chance zu geben.

Prep von Curtis Sittenfeld (Jugendroman)

Ich muss zugeben, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnere, wieso dieses Buch auf meiner Wunschliste gelandet ist oder worum es geht. Woran ich mich erinnere ist, dass ich es sowohl auf meiner überlaufenen Liste von Büchern, die ich lesen möchte, als auch auf meinem Desktop abgespeichert habe, damit ich es ja nicht vergesse. Also mein früheres Ich wollte dieses Buch wohl unbedingt – wieso auch immer. Ich gehe mal davon aus, dass es sich um ein Privatinternat dreht.

One Fifth Avenue von Candace Bushnell (Chick Lit)

Candace Bushnell ist die echte Carrie Bradshaw und ihre Bücher, die sich wohl wiederum an ihrem Leben orientieren, sind die Grundlange der Serie Sex and the City. Sex and the City ist natürlich nicht gerade der anspruchsvollste Zeitvertreib, aber ich habe den erfolgreichen und unabhängigen vier Ladys immer gerne zugeschaut und Carries Humor und Ausdrucksweise hat mir zugesagt. Deshalb brenne ich darauf, ein Buch von Candace Bushnell zu lesen, in der Hoffnung, diese Ausdrucksweise und das dazugehörige Lebensgefühl wiederzufinden.

Wolkenschloss von Kerstin Gier (Fantasy)

Ich muss zugeben, dass ich nicht gerade der größte Kerstin Gier Fan bin. Aber ich lese gerne und schreibe selbst Jugendliteratur, deshalb möchte ich etwas von Kerstin Gier lesen. Immerhin ist sie die erfolgreichste deutsche Jugendbuchautorin und ich kann mit Sicherheit etwas von ihr lernen. Mir wurde zwar Rubinrot als Einstieg empfohlen, aber da mir der Film dazu überhaupt nicht gefallen hat, beginne ich lieber mit Wolkenschloss.

This Adventure Ends von Emma Mills (Zeitgenössischer Roman)

Ich bin mir nicht sicher, in was für ein Genre dieses Buch einzuordnen ist. Ich denke aber, dass es ein ganz normaler Roman ist, also weder Fantasy, Liebe, Thriller, noch sonst etwas Außergewöhnliches. Tatsächlich weiß ich absolut nichts über dieses Buch, doch das ist, wie ich am allerliebsten mit dem Lesen beginne. Umso weniger ich weiß, desto besser. Julie von Pages and Pens hat das Buch auf jeden Fall in den Himmel gelobt, also dachte ich mir: Wieso nicht mal etwas ausprobieren, was für mich für gewöhnlich nicht in Frage käme?

Cyberempathy von E. F. Hanwald (Science Fiction)

Auf dieses Buch bin ich erst vor ein paar Tagen durch einen Facebook-Post aufmerksam geworden. Ich habe schon wieder vergessen, worum genau es geht, aber es hat wohl etwas mit künstlicher Intelligenz zu tun und kann auch dem Genre Dystopie zugerechnet werden. Da dystopisches Science Fiction im Moment genau meinen Geschmack trifft, könnte dieses Buch perfekt für mich sein.

Magnus Chase von Rick Riordan (Fantasy)

Okay, das ist gleich eine ganze Buchreihe und kein Einzelband. Aber das ist auch der Listenpunkt, bei dem ich mir am wenigsten sicher bin, ob ich wirklich Lust darauf habe. Ich habe vor Jahren die Percy Jackson Reihe verschlungen und sie geliebt. Deshalb würde ich gerne wieder in dieses Universum eintauchen. Ich dachte erst daran, Die Helden des Olymp zu lesen, aber da ich Spin-Off-Reihen gegenüber immer recht skeptisch bin und mich die griechische Mythologie mittlerweile fast ein bisschen langweilt, würde ich schon eher einen Ausflug in die nordische Mythologie mit Magnus Chase machen.

Inspiration für Schreiberlinge: Die Erfolgsstory von Andy Weir

Schreiben ist schwer. Da sind sich angehende und bereits veröffentlichte Autoren einig. Aber wisst ihr, was noch schwerer ist? Das eigene Buch an den Mann zu bringen. Auch wenn heutzutage jeder ein selbstverlegter Autor werden kann, liegt die wahre Herausforderung darin, dass euer Buch gekauft und gelesen wird. Deshalb träumen viele Schriftsteller (ich eingeschlossen) davon, den herkömmlichen Weg zu gehen: Eine Agentur und einen Verlag zu finden, die sich um alles kümmern. Doch leider bleibt dieser Weg für viele ein Traum. Das kann enorm frustrieren und entmutigen. Deshalb bin ich ein Fan von Erfolgsgeschichten von Autoren, die es ebenso schwer hatten wie wir, bevor sie (mega-)erfolgreich wurden.

Eine meiner liebsten Erfolgsstorys ist die von Andy Weir. Da der Autor gerade sein neues Buch Artemis herausgebracht hat, nutze ich die Gelegenheit, seine unglaubliche und inspirierende Story zu teilen und dem einen oder anderem Schreiberling damit hoffentlich die Motivation zu schenken, trotz aller Zweifel und Ängste weiterzumachen

Zuerst muss ich festhalten, dass Andy Weir zwar als Kind davon geträumt hat, Autor zu werden, aber diesen brotlosen Beruf nie wirklich in Erwägung gezogen hat. Stattdessen wurde er Programmierer. Sein Lebensunterhalt hing also nicht vom Schreiben ab. Nebenbei schrieb er allerdings seit Jahren Geschichten, die er auf seiner Homepage teilte. Es gab eine Zeit in seinem Leben, in der er versuchte, seinen Traum zu verwirklichen. Er gab seinen Job auf und konzentrierte sich drei Jahre lang darauf, verlegt zu werden. Nachdem dieser Versuch kläglich scheiterte, nahm er seinen alten Beruf wieder auf und begann zu akzeptieren, dass das Schreiben für ihn nichts weiter als ein Hobby sein würde.

Eine seiner Geschichten war Der Marsianer. Drei Jahre lang schrieb Andy Weir an dem Roman und veröffentlichte in regelmäßigen Abständen Kapitel um Kapitel kostenlos auf seiner Homepage. Er hatte schon viele Geschichten geschrieben und online gestellt, doch bei Der Marsianer war plötzlich alles anders. Diese Geschichte fand schnell sehr viele Leser. Nach einer Weile waren die es leid, über die Homepage zu lesen und forderten, dass Der Marsianer als E-Book erhältlich sein sollte. Da man bei Amazon für ein E-Book mindestens 99 Cent verlangen musste (was exakt der Preis von Der Marsianer war), verdiente Andy Weir bald Geld mit seinem Hobby. Leute kauften das Buch massenhaft und es landete auf der Amazon Bestsellerliste.

Danach geschah alles ganz schnell: Als erstes kam der Hörbuchverlag, dann ein Agent und dann zeitgleich ein Vertrag mit Fox Studios über die Filmrechte für Der Marsianer und mit Random House über eine Printversion. Andy Weir, derselbe Autor, der jahrelang vergeblich versucht hatte, einen Agenten zu finden, war nun so gefragt, dass die Agenten, Verlage und selbst Filmstudios ihm hinterherliefen. Lange war Der Marsianer kostenlos auf der Homepage oder aber für 99 Cent auf Amazon verfügbar gewesen – jetzt wurde es nicht nur verlegt, sondern auch gleich in einen Hollywood Blockbuster verwandelt mit Ridley Scott als Regisseur und Matt Damon in der Hauptrolle. Wenn das mal keine Erfolgsstory ist!

Mich inspiriert diese Geschichte ungemein. Sie beweist, dass es letztlich immer noch die Leser sind, die wir als Schriftsteller überzeugen müssen und nicht die Agenturen und Verlage. Wie wir das schaffen? Wir schreiben das beste Buch, dass uns möglich ist. Der Marsianer wurde sehr schnell sehr erfolgreich, weil es etwas geliefert hat, was sich die Leser wünschten, auch wenn die Buchbranche es nicht erkennen konnte: technisch detailliertes Science Fiction. Auch wenn ihr in einem anderen Genre schreibt, solltet ihr euch darauf konzentrieren, etwas zu kreieren, das die Leser begeistert. Habt ihr das geschafft, dann könnt ihr euch immer noch Gedanken darüber machen, wie ihr das Buch nun veröffentlichen wollt – egal ob ihr eure Glück bei Agenturen und Verlagen versucht oder es selbst verlegt. Gebt nicht auf! Immerhin könntet ihr der nächste Andy Weir werden.

Rezension: Artemis von Andy Weir

Genre: Science Fiction | Erscheinungsjahr: 2018 | Taschenbuch: 432 Seiten | Verlag: Heyne Verlag  |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3453271678

Kurzinhalt

Artemis ist die erste und einzige Stadt auf dem Mond. Dort lebt Jazz, ein Botenmädchen, das sich nebenbei Geld mit illegalen Schmugglerdiensten verdient. Ein reicher Geschäftsmann heuert sie an, einen durch und durch verbotenen und auch gefährlichen Auftrag auszuführen. Sie nimmt an, ohne zu wissen, dass der Auftrag sie in ein Gewebe aus Machenschaften und Problemen stürzen wird, aus denen es unmöglich scheint, sich wieder herauszuwinden.

Eigene Meinung

Ich bin ein riesen Fan des Films Der Marsianer und des Autors des gleichnamigen Buchs, Andy Weir. Als nun sein neues Buch erschien, habe ich gleich zugeschlagen. Ich habe das Buch in Englisch gelesen, in Deutschland erscheint die Übersetzung erst morgen (5. März). Meine Erwartungen waren ziemlich hoch und das obwohl ich ansonsten nur selten Science Fiction lese. Mit Artemis habe ich mich auch noch gleich an ein technisch extrem detailliertes Werk gewagt, denn die naturwissenschaftlichen Gegebenheiten des Mondes wie auch die Technik des Schweißens spielen eine große Rolle.

Bei Letzterem ist es mir manchmal etwas schwer gefallen zu folgen, doch meistens habe ich mich schon zurechtfinden können. Ersteres war hingegen das Beste an dem Buch. Andy Weir beschreibt das Leben auf dem Mond, so wie es tatsächlich aussehen würde. Das war absolut faszinierend mitzuerleben. Der komplette Science Fiction Teil von Artemis war großartig – da merkt man, dass hier ein Autor am Werk ist, der sich wirklich auskennt.

Was mich hingegen weniger überzeugt hat, waren die persönlichen Beziehungen, die in Artemis präsentiert werden. Ich verstehe, wieso es einen Ausgleich zur reinen Science Fiction Handlung geben muss, doch leider fand ich die Beziehungen der Protagonistin, Jazz, oft klischeehaft und schwer nachvollziehbar.

Was mich an dem Buch aber am meisten störte, war Jazz‘ Backstory, die in eingestreuten alten Emails, die sie und ihre Brieffreund auf der Erde sich jahrelang hin- und herschickten, erzählt wird. In den ersten zwei Dritteln des Buchs endet jedes Kapitel mit solchen Mails, was ich als extrem störend empfand, weil es aus der spannenden Haupthandlung herausreißt. Ich bin sowieso kein Fan von Flashbacks. In diesem Fall haben sie mich sogar noch mehr geärgert, weil die Informationen, die sie vermitteln, entweder vollkommen irrelevant für die Haupthandlung waren oder aber in einem kurzen Abschnitt erklärt hätten werden können, ohne eine komplette ermüdende Mailkorrespondenz dafür zu bauen. Für mich haben diese Flashbacks das Buch leider wirklich ein bisschen ruiniert. Zum Glück gab es im letzten Drittel von Artemis keine Flashbacks mehr, sodass zumindest das Ende mich total fesseln und begeistern konnte.

Interessant ist außerdem, dass in Artemis ein männlicher Autor aus der Perspektive einer weiblichen Protagonistin schreibt. Teilweise war mir Jazz ein bisschen zu sarkastisch und selbstzerstörerisch, doch alles in allem habe ich ihrer Erzählstimme gerne zugehört. Ich mochte, dass Jazz nicht die übliche naive weibliche Heldin ist, die nur so durch das Geschehen stolpert, sondern extrem intelligent und durchdacht in gefährlichen Situationen. In diesem Sinne war Jazz für mich, trotz ihrer fragwürdigen Lebensentscheidungen, durchaus eine Figur, zu der ich aufschauen kann. Außerdem hat mich ihre zynische Art das ein oder andere Mal zum Lachen gebracht, was die komplizierte Thematik des Buchs aufgelockert hat.

Trotzdem kann ich Artemis leider nur eine mittlere Wertung geben. Die Science Fiction und Actionteile waren hervorragend, doch die Darstellung der Beziehungen der Figuren untereinander und vor allem die nervigen Flashbacks im Mail-Format haben die Spannung zerstört.

Bewertung

+++  Drei von fünf Punkten

Rezension: She von Thomas Karsten

Fotobuch | Erscheinungsjahr: 2006 | Gebundene Ausgabe: 240 Seiten | Verlag: konkursbuch Verlag  |Sprache: Deutsch + Englisch (bilingual) | ISBN: 978-3887693459

Kurzinhalt

She ist ein Bildband voller Aktfotografien, die Thomas Karsten über Jahre hinweg von seiner Freundin Sarah machte – teils alleine, teils mit anderen Frauen, manchmal noch leicht bekleidet, manchmal komplett nackt. Die Fotos werden von Interviews mit den beiden Beteiligten (Fotograf und Modell) begleitet, in denen sie die Entwicklung ihrer Liebesgeschichte erzählen.

Ich habe dieses Buch im Rahmen der SuBventur Challenge #DasSuBabc gelesen in der Kategorie: W – Lies ein Buch mit weniger als 500 Seiten (aber mindestens 100).

Eigene Meinung

Einen Fotoband zu besprechen, ist natürlich etwas anderes, als einen Roman zu rezensieren. Aber ganz so unterschiedlich ist es dann doch nicht, denn obwohl das Buch wenige Wörter beinhaltet, erzählt es trotzdem eine Geschichte – und das ist auch, was mich an She am meisten begeistert hat. Die beiden Interviews stehen zu Beginn des Buchs. Darin erzählen Thomas Karsten und Sarah im Gespräch mit der Verlegerin, wie sie sich kennenlernten und ineinander verliebten, wie sie eine Zeit lang ihr Leben miteinander teilten und wie die Beziehung schließlich begann zu zerbröckeln. Die Gespräche sind wundervoll ehrlich und beleuchten die guten und schlechten Seiten von Beziehungen, die sicher viele der Leser selbst schon einmal erlebt haben.

Durch das Buch hindurch finden sich dann auch Zitate aus den Interviews direkt neben den Fotos platziert, sodass die Leser gar nicht drum herum kommen, als das eine auf das andere zu beziehen. Das erzeugt teils ein wirklich berührendes Zusammenspiel von Bild und Text, das mir oft das Gefühl gab, in der erzählten und fotografierten Situation mit dabei zu sein. Text und Bild gemeinsam können eben eine Illusion von Authentizität erschaffen, die eins der beiden Medien alleine so nicht hinbekommt. Das hat mir das ein oder andere Mal eine wahre Gänsehaut über den Rücken gejagt.

Was die Aktfotografien an sich betrifft, kenne ich mich nicht gut genug aus, um auf die technischen Details einzugehen, doch selbst ich als Hobbyfotografin kann sehen, dass hier ein professioneller Fotograf am Werk war. Beim Betrachten der Bilder habe ich definitiv die Verbundenheit zwischen Fotograf und Modell gespürt und die ist letzten Endes auch, was mir in Erinnerung geblieben ist.

Davon abgesehen will ich anmerken, dass das Layout einfach super ist. Die Fotos sind in Schwarzweiß gehalten, wovon ich persönlich nicht der größte Fan bin, doch das Layout des Buchs bringt einen schönen, hellen Blauton ein und die Platzierung der Bilder und Zitate trägt zum Fluss der Geschichte bei.

Anmerkung

Auf die Bewertung verzichte ich hier mal, da es schwer ist, ein Fotobuch mit den Romanen, die ich sonst lese, zu vergleichen. Außerdem will ich darauf hinweisen, dass ich ein Volontariat bei dem konkursbuch Verlag, in dem She erschienen ist, gemacht habe und das Buch geschenkt bekommen habe. Das Buch war allerdings ein Abschiedsgeschenk und kein Rezensionsexemplar.

SuBventur-Challenge: #DasSuBabc

Ich bin leider ein bisschen spät auf die wunderbare SuBventur-Challenge von KeJas BlogBuch gestoßen, doch ich möchte gerne trotzdem noch mitmachen. Das Ziel der Challenge ist, so viele Bücher wie möglich zu lesen, die man schon besitzt und die sich auf dem eigenen Stapel ungelesener Bücher (SuB) tummeln. Um das ganze spaßiger zu gestalten, gibt es 26 Aufgaben, die je mit einem Buch erfüllt werden müssen – also ein ganze ABC voller Anreiz, den eigenen SuB abzuarbeiten. Die komplette Liste und die Teilnahmeregeln findet ihr HIER. Die Challenge läuft eigentlich von Anfang Januar bis Ende März, also ich starte ein bisschen zu spät – mal sehen, wie weit ich kommen werde.

Inspiriert von der Challenge bin ich letzte Woche meinen SuB durchgegangen. Dort bin ich auf ein paar Überraschungen in Form von Büchern, von denen ich ganz vergessen hatte, dass ich sie besitze, gestoßen. Insgesamt umfasst mein SuB 47 Bücher. Davon sind vier geliehen und sechs halb gelesen. Von den restlichen Büchern sind 17 aus dem Bereich Belletristik, 20 Sachbücher und eines ein Fotobuch. Sachbücher bleiben einfach am längsten bei mir liegen, dabei finde ich die Themen alle extrem spannend.

Ich habe vierzehn meiner Bücher für die Aufgaben der #DasSuBabc Challenge ausgewählt und seit dem auch schon das ein oder andere Buch dieser Liste gelesen.

Hier kommt meine Übersicht zur SuBventur-Challenge:

A – Bücher angefangen, beiseitegelegt und nie beendet, lies ein anfangendes Buch nun zu Ende

Isadora von Peter Kurth (Biografie): Diese Biografie der Tänzerin Isadora Duncan habe ich letzten April in London gekauft. Sie ist interessant und Isadoras Leben fasziniert mich, aber das Buch ist nun mal auch extrem dick. Es dauert wohl noch eine Weile, bis ich es komplett gelesen habe, aber ich will zumindest versuchen, ein Stück weiterzukommen.

B – Nur was für „Babys“? Lies ein Buch aus dem Bereich Kinder- und Jugendbücher

Nichts von Janne Teller (Jugendbuch): Das Buch habe ich letzten Sommer auf einem Flohmarkt gekauft und ich habe es gerade vor ein paar Tagen gelesen. Eine Rezension folgt entweder als einzelner Post oder im Rahmen meines Rückblicks Ende März. Bisher kann ich nur sagen, dass diese Geschichte nicht war, was ich erwartet hatte.

D – Doppelte Freude! Du darfst bei dieser Aufgabe ZWEI Bücher DEINER Wahl lesen

Das Handbuch zum Drehbuch von Syd Field (Lehrbuch) und Wer schuf den Schöpfer? von Ravi Zacharias und Norman Geisler (Sachbuch Religion): Das Drehbuch-Lehrbuch hat eine Freundin auf der Straße gefunden und mir geschenkt, weil sie weiß, dass es einer meiner Lebensziele ist, das Drehbuchschreiben zu erlernen. Sobald ich mit der Überarbeitung meines Romans fertig bin, soll mein nächstes Schreibprojekt ein Drehbuch sein. Ich habe schon ein Exposé, aber ich muss noch das Drehbuchschrieben an sich lernen und hoffe, dass dieses Buch mir dabei helfen wird. Das Buch Wer schuf den Schöpfer? habe ich selbst in einer Zu-Verschenken-Box gefunden. Da ich mich im Moment intensiv mit Religion beschäftige, bin ich gespannt, ob mir dieses Buch neue Perspektiven eröffnen wird.

E – Lies ein eBook

Der Marsianer von Andy Weir (Science Fiction): Der Marsianer habe ich zusammen mit Artemis vor einer Weile als eBook gekauft. Letzteres habe ich sofort gelesen und die Rezension kommt Anfang März. An Der Marsianer habe ich mich allerdings noch nicht gewagt. Ich liebe den Film und erwarte deshalb viel von dem Buch.

F – Ferne Länder, lies ein Buch welches nicht in Deutschland spielt

Die unglaubliche und traurige Geschichte von der einfältigen Eréndira und ihrer herzlosen Großmutter von Gabriel García Márquez (Kurzprosa): Dieses Buch hat mir vor ein paar Jahren ein Freund zum Geburtstag geschenkt und seitdem verstaubt es auf meinem SuB. Ich habe keine Ahnung, was mich da erwartet, aber der Autor ist aus Kolumbien und ich denke, dass auch das Buch dort spielt. Ich lasse mich überraschen.

G – Lies ein Buch, dessen Genre kaum bis gar nicht von Dir gelesen wird

Four Novels of the 1960s von Philip K. Dick (Science Fiction): Ich lese eigentlich fast gar kein Science Fiction. Artemis war mein erstes richtiges Sci Fi Buch und dadurch bin ich ein bisschen auf den Geschmack gekommen. Mein Mann ist ein großer Philip K. Dick Fan und hat mir schon vor Ewigkeiten zwei Sammelbände mit Philip K. Dick Geschichten gegeben. Einer davon hat es jetzt endlich auf meine Leseliste geschafft. Ich kenne einige Filme und Serien, die auf Philip K. Dick Büchern beruhen (Man in a High Castle, Minority Report, Blade Runner, Philip K. Dick’s Electric Dreams) und bin bereit, mich auf diesen Kult-Sci Fi-Autor einzulassen.

I – Lies ein informatives Buch (Sachbuch)

Die Zeit vor der Zeit von Heinz R. Pagels (Sachbuch Astronomie): Dieses Buch habe ich vor Jahren in einem Second Hand Shop erworben. Ich bin absolut fasziniert von der Dimension der Zeit und von Astrophysik. Das Buch behandelt anscheinend das, was vor dem Urknall geschehen ist – was auch immer das sein mag. Es scheint aber etwas mit Raumzeit zu tun zu haben.

K – Kaum Worte – lies ein Buch mit nur einem Wort als Titel (ohne Untertitel!)

Geld von Sigrun Casper (Hg.) (Anthologie): Diese Anthologie ist von dem Verlag, bei dem ich ein Volontariat gemacht habe, und wurde mir von der Verlegerin geschenkt. Bisher bin ich nicht dazu gekommen, es zu lesen, aber da ich mich extrem für das Thema Geldwirtschaft interessiere und die Herausgeberin gut kenne, freue ich mich auf das Buch.

N – Ein Name im (Buch)Titel

Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll (Klassiker): Seit ich mit 11 Jahren beschlossen habe, Journalistin zu werden, sagen mir immer wieder Leute, dass ich unbedingt dieses Buch lesen muss, weil es sich wohl darum dreht, was passiert, wenn Journalisten zu weit gehen. Ich habe es schon vor einer Weile in einem Antiquariat gekauft und möchte es nun endlich mal lesen.

Q – Quatsch machen, lies etwas total Verrücktes bzw. Fantasievolles

Die Nacht der Masken von Ines Witka (Reportage): Dieses Buch ist von einer Autorin, die ich persönlich kenne und schätze. Ich habe ihre neueren Bücher gelesen, aber noch nicht dieses Debüt. Es sieht schön edel aus, was mich gleich zu dem Buch hingezogen hat. Wie verrückt es wirklich ist, kann ich noch nicht beurteilen, aber da es um Sexparties geht, dachte ich mir, dass es in diese Kategorie passen könnte.

S – Lies ein Buch, dessen Cover vorrangig schwarz ist

Inside WikiLeaks von Daniel Domscheit-Berg (Reportage): Dieses Buch hat mir vor Jahren meine Mutter geschenkt, weil sie meint, dass ich es unbedingt lesen müsse. Die anderen Bücher, die mir meine Mutter mit diesen Worten in die Hand gedrückt hat, waren Der Circle von Dave Eggers und Zero von Marc Elsberg und sie waren beide fantastisch, deshalb will ich auch Inside WikiLeaks eine Chance geben.

U – Lies ein Buch eines dir unbekannten Autors oder Verlags

To kill a mockingbird von Harper Lee (Klassiker): Ich habe weder dieses noch ein anderes Buch von dieser berühmten Autorin gelesen, aber das möchte ich nun ändern, vor allem da dieses Buch wirklich schon ewig auf meinem SuB ist. Ich weiß nicht viel darüber, außer dass es ein richtiges Kult-Buch geworden ist.

V – Lies ein Buch, welches in der Vergangenheit spielt (mind. 10 Jahre)

Der scharlachrote Buchstabe von Nathaniel Hawthorne (Klassiker): Ich weiß nicht genau, wann das Buch spielt, aber doch sicher vor ein paar Jahrhunderten, also passt es gut in diese Kategorie. Der scharlachrote Buchstabe ist ja ziemlich bekannt, aber alles, was ich darüber weiß, stammt aus dem Film Leicht zu haben und ehrlich gesagt, ist der Film auch der Grund, weshalb ich dieses Buch lesen will.

W – Lies ein Buch mit weniger als 500 Seiten (aber mind. 100!)

She von Thomas Karsten (Fotobuch): She hat nicht nur weniger als 500 Seiten (aber mehr als 100), sondern auch sehr wenige Worte, weil es ein Fotobuch ist. Deshalb war es das erste Buch dieser Liste, das ich gelesen habe. Es gibt auch Text darin, aber eben überwiegend Bilder. Ich plane eine Rezension zu dem Buch, auch wenn ich mir nicht sicher bin, wie die aussehen soll, weil ich noch nie ein Fotobuch rezensiert habe.

Was ich gelernt habe, während ich meinen ersten Roman geschrieben habe

Ich bin nicht nur begeistert vom Lesen, sondern auch vom Schreiben. Ich schreibe seit ich 11 Jahre alt bin. Dabei habe ich mich schon das ein oder andere Mal daran gewagt, ein Buch zu schreiben, doch habe immer früher oder später aufgegeben. Erst jetzt habe ich endlich die erste Version meines ersten Romans beendet. Ich habe ganze zwei Jahre daran gearbeitet und er ist noch Lichtjahre davon entfernt, perfekt zu sein. Im Moment bin ich in der mindestens genauso anstrengenden Phase der Überarbeitung, bevor ich mein Glück bei Agenturen und Verlagen versuchen kann.

Trotzdem fühlt es sich gut an, die erste Version fertiggeschrieben zu haben. Mein Manuskript ist wirklich wie mein Baby, auch wenn es teilweise eine schwere Geburt war. Ich hätte es nie soweit geschafft, wenn ich stur auf meine früheren romantischen Ideen vom Schreiben beharrt hätte. Dann wäre dieses Manuskript wie so viele zuvor in den Tiefen meiner Festplatte verschwunden. Stattdessen habe ich mich auf den Schreibprozess in all seinen unromantischen Facetten eingelassen und dabei einige überraschende Dinge über mich und das Schreiben gelernt.

1. Kritikpartner sind das A und O

Ich kann gar nicht genug betonen, wie essentiell Kritikpartner bei der Entstehung meines Romans waren. Ich hätte gar nicht erst mit ihm begonnen, wenn ich nicht an einem Seminar mit dem Titel „Work in Progress“ teilgenommen hätte. Dort hat jeder von uns an seinem eigenen Schreibprojekt gearbeitet, über das wir uns regelmäßig ausgetauscht haben. Die Kritik in diesem Seminar hat mir geholfen, meinen Schreibstil für dieses Buch zu finden. Nach dem Ende des Seminars habe ich meine eigene Schreibgruppe gegründet. Dort haben wir uns gegenseitig unsere Arbeit vorgelesen, kritisiert, Tipps gegeben und uns mit zahlreichen Plot-Problemen geholfen. Mein Buch würde ohne diese Gruppe wahrscheinlich immer noch in Kapitel Fünf feststecken.

Außerdem hat eine Freundin gewissenhaft und treu Kapitel um Kapitel meines Manuskripts gelesen und mir Feedback, Korrekturen und Anmerkungen gegeben. Ich habe dasselbe für ihre Bücher gemacht. Sie hat Fehler und Ungereimtheiten gefunden. Vor allem aber hat sie mich mit jede Menge Inspiration und Motivation versorgt. Sie hat immer an meine Geschichte geglaubt und mich dazu ermutigt weiterzuschreiben.

Es ist schwer, Motivation zu finden, wenn man alleine in seinem Zimmer sitzt und vor sich hin tippt. Noch viel schwerer ist es, auf diese Art besser zu werden. Denn wer etwas schreibt, das eines Tages von (möglichst vielen) Menschen gelesen werden soll, der darf keine Angst davor haben, seine Arbeit zu teilen, denn nur so lernt man. Kritik ist unverzichtbar. Ich glaube, der Grund, wieso ich diese Manuskript im Gegensatz zu den früheren durchgezogen habe, ist, dass ich Kritikpartner hatte, die mir geholfen haben und die mich auch in einer gewissen Hinsicht dazu verpflichtet haben weiterzuschreiben.

2. Erst beim Schreiben eines Romans zeigt sich, ob du ein Plotter oder ein Pantser bist

Als Plotter bezeichnen wir Schreiberlinge jemanden, der seine Geschichte zuerst durchplant, bevor er sie aufschreibt, während wir unter einem Pantser jemanden verstehen, der einfach drauflosschreibt. Mein früheres romantisches Schreiber-Ich fand nichts aufregender, als bei einer Kurzgeschichte einfach draufloszuschrieben und meiner (wie ich dachte: genialen) Kreativität freien Lauf zu lassen. Da ist auch nichts Schlimmes dran. Man kann es im Nachhinein ja immer noch überarbeiten.

Umso überraschter war ich, als sich beim Schreiben meines Romans herausgestellt hat, dass ich eigentlich ein Plotter bin. Ohne dass ich ein Kapitel und jede einzelne Szene darin zuerst bis ins Detail geplant hatte, konnte ich nicht schreiben. Wenn ich vorher anständig geplottet hatte, dann musste ich nun ja nur noch Worte finden, um den Plot zu Papier zu finden. Das war natürlich immer noch extrem schwer, doch für mich war es bereits eine Erleichterung, mir beim Schreiben nicht auch noch Gedanken darüber machen zu müssen, was in der Geschichte als Nächstes geschehen soll.

3. Dein Schreibstil wird sich ändern

Überraschung! Die Art und Weise, wie ich mit 20 geschrieben habe, war nicht so genial, wie ich dachte. Sie war vielmehr eine zufällige Mischung aus Stilen anderer Autoren, die ich bewunderte. Wir alle schauen uns was von den Autoren ab, die wir lesen. Das ist ganz normal und ohne das Lesen würden wir auch nie lernen zu schreiben. Trotzdem müssen wir uns früher oder später über dieses Imitieren erheben und unseren eigenen Stil finden. Und Mann, bei mir hat das wirklich gedauert.

Als ich kürzlich die allererste Szene, die ich je für meinen Roman geschrieben hatte, gelesen habe, habe ich weder meine Stimme noch meine Figuren wiedererkannt. Es war, als hätte das jemand anderes geschrieben, dabei war es nur eine frühere Version meiner selbst. Mittlerweile habe ich zum Glück meinen Stil für diesen Roman gefunden, auch wenn dieser ganz anders ist, als ich ihn mir ursprünglich vorgestellt hatte.

4. Deine Figuren und dein Plot haben eine Eigendynamik

Von dieser Eigendynamik sprechen Autoren ja schon lange, doch bevor ich selbst an einem Roman gearbeitet habe, wusste ich nie, was sie damit meinen. Wie können Figuren etwas tun, was der Autor (also ihr Schöpfer) nicht beabsichtigt? Ich glaube, dass das auch weniger mit Eigendynamik gemeint ist. Stattdessen geht es darum, dass die Geschichte, die man erzählt, am Ende ganz anders aussehen wird, als zu Anfang gedacht. Denn unsere ersten Ideen sind immer fehlerhaft.

Meine ursprüngliche Idee der Geschichte hat wenig mit dem Roman zu tun, den ich jetzt geschrieben habe. Sie befand sich sogar noch in einem anderen Genre. Das liegt nicht daran, dass meine Figuren plötzlich lebendig wurden und machten, was sie wollten, sondern daran, dass ich erkannt habe, dass die Geschichte, so wie ich sie geplant hatte, einfach nicht funktioniert. Beim Schreiben und beim Austausch mit Kritikpartnern lernt man einiges und das wirkt sich auch auf den Plot aus.

Was die Figuren betrifft, liegt die Eigendynamik darin, dass man als Autor nicht kontrollieren kann, wie diese letztlich bei den Lesern rüberkommen. Eine Figur, die für mich eine eher negative war und die ich auch entsprechend zeichnen wollte, ist nun die Lieblingsfigur meiner Kritikpartnerin. Sie hat sich vom Bösewicht zum inspirierenden Beinahe-Helden entwickelt, was ich wiederum irgendwie bezaubernd finde.

Schreibt ihr auch und habt vielleicht sogar schon einen Roman geschrieben?
Was habt ihr dabei gelernt?