Rezension: Mut von Ines Witka

Genre: Erotik | Erscheinungsjahr: 2019 | Taschenbuch: 284 Seiten | Verlag: Gatzanis |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3932855924

Kurzinhalt

Viktoria ist geschieden, arbeitslos und sehnt sich nach mehr Abenteuern in ihrem Leben. Aus diesem Grund antwortet sie auf eine Anzeige, in der Darstellerinnen für ein sinnliches Theater gesucht werden. Sie erhält die Chance mitzumachen und findet sich bald in einer extravaganten Welt aus Kunst, Sex und Grenzüberschreitungen wieder. Doch ihre inneren Dämonen folgen ihr auch in diesen neuen Lebensabschnitt, bis Viktoria sich nicht länger von ihnen kontrollieren lassen möchte.

Eigene Meinung

Zuerst möchte ich dem Gatzanis Verlag und Ines Witka für das Rezensionsexemplar danken. Ich kenne die Autorin schon seit einigen Jahren, seitdem ich während meines Verlagsvolontariats mit ihr bei ihrem letzten Roman zusammengearbeitet habe. Deshalb war ich total gespannt auf ihr neues Projekt, vor allem da die Idee des erotischen Theaters Aufregung verspricht! Und das liefert es definitiv auch!

Dann fange ich doch gleich mal mit diesem außergewöhnlichen Theater an. Bei den Aufführungen handelt es sich nämlich nicht um Faust und Co, sondern um sinnliche Stücke, die irgendwo auf der großen Bandbreite von sinnlicher, erregender, aber anspruchsvoller Kunst und vollwertigen Sex-Shows liegt. Es war wirklich Spaß so etwas mal mitzuerleben, wenn auch nur durch ein Buch.

Was ich an den Geschichten der Autorin immer mochte, ist wie glamourös die Welten sind, in die sie ihre Figuren setzt. Das Theater der Lust in Mut ist deshalb auch eher etwas für die Oberschicht und kein platter Swingerclub. Es gibt Champagner und wunderschöne, teure Kostüme. Ganz toll fand ich auch die beiden Betreiber des Theaters, ein wunderbar exzentrisches Paar, deren Leidenschaft es ist, anderen zu ermöglichen, ihre Leidenschaften auszuleben.

Viktoria, die Protagonistin, passt auf den ersten Blick nicht in diese Szene. Sie kommt gerade aus einer furchtbaren Ehe mit ihrem ehemaligen Professor und ist zu Beginn noch recht schüchtern. Doch das legt sich schnell, wenn Viktoria zurück zu ihrem extrovertierten Ich findet. Den Ex-Mann fand ich wirklich unerträglich, deshalb hat es mich umso mehr gefreut, dass Viktoria es geschafft hat, sich von ihm zu trennen.

Doch leider hat sie damit nicht ihre Probleme zurückgelassen, denn als Leser erfährt man bald, dass Viktoria ganz massive psychische Probleme hat. Sie hat (wirklich beinahe wortwörtlich) innere Dämonen und ist anscheinend ziemlich traumatisiert – ob von ihrer unangenehmen Ehe oder von etwas noch weiter Zurückliegenden erfahren wir in Mut noch nicht, vermutlich weil es erst der erste Teil einer Reihe ist. Sie beschließt also, sich ihren Ängsten zu stellen, indem sie sich in genau die Situationen begibt, vor denen sie sich fürchtet. Dabei geht sie wirklich sehr extrem vor. Das konnte ich manchmal nicht so ganz nachvollziehen, aber ich verstehe natürlich auch, dass Literatur gerne mal etwas extremer sein kann als das echte Leben.

Ich fand diese Mischung aus psychologischer Entwicklungsgeschichte und Erotikstory interessant. Aber dabei ist natürlich auch immer die Frage, wozu man Erotikliteratur liest. Wenn man von Menschen erfahren will, die Tabus brechen und sich selbst suchen und (hoffentlich) finden durch ihre Sexualität, ist Mut das perfekte Buch. Aber wenn das vorrangige Ziel ist, erregt zu werden, könnte es etwas zu Psychologie und Kunst lastig sein. Die allererste Sexszene in dem Buch war absolut köstlich. Sie war supersexy und anstößig und außergewöhnlich und einfach aufregend. Die restlichen Sexszenen konnten mich danach aber leider nicht mehr so fesseln. Vielleicht war die erste einfach zu extrem, danach erschien alles andere fast ein bisschen langweilig. Aber es kann auch sein, dass ich einfach nicht auf die Dinge stehe, die später im Buch zum Thema wurden. Das ist Geschmackssache. Schade fand ich auch, dass die einzige Sexszene, bei der es um ein privates, liebevolles Liebesspiel zwischen zwei Menschen ging, die einander tatsächlich respektieren und die ich auch als Leserin lieb gewonnen habe, ausgelassen wurde. Ein bisschen explizitere Zärtlichkeit hätte ich an der Stelle wirklich schön gefunden. Aber ich glaube, ihr müsst euch einfach euer eigenes Bild von diesem wirklich außergewöhnlichen Erotikroman machen.

Bewertung

+++ – Drei von fünf Punkten

 

 

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Rezension: Offline ist es nass, wenn’s regnet von Jessi Kirby

Genre: Jugendbuch | Erscheinungsjahr: 2019 | Taschenbuch: 336 Seiten | Verlag: Loewe |Originalsprache: Englisch | ISBN: 978-3743203778

Kurzinhalt

Mari ist mit der Schule fertig und ihre Tage drehen sich darum, die perfekten Fotos für ihre zahlreichen Instagram Followers zu machen. Bei einem nächtlichen Zusammenbruch an ihrem Geburtstag, an dem auch ihre verstorbene Cousine geboren wurde, erkennt sie aber, was für ein heuchlerisches Leben sie führt und beschließt, das zu ändern. Wie beim Universum bestellt, tauchen am nächsten Tag die Wanderausrüstungen und der Wanderplan ihrer Cousine vor ihrer Haustür auf. Spontan entscheidet Mari, den Wandertrip über den John Muir Trail, den ihre Cousine geplant hatte, selbst zu machen.

Eigene Meinung

Ich habe dieses Buch bei einem Gewinnspiel auf dem Weltenwanderer Buchblog gewonnen und mich sehr gefreut. Ich dachte, es wird eine locker-leichte, unterhaltende Lektüre, die Lust auf den Sommer macht. Und das war es auch, aber es war auch so viel mehr.

Die Geschichte beginnt ziemlich traurig, nämlich mit dem Fakt, dass die Cousine der Protagonistin bei einem Wanderausflug tödlich verunglückt ist. Ich kann traurige Bücher ja eigentlich nicht leiden, aber ich finde, obwohl der Ausgangspunkt der Story ein Tod ist, halten sich die traurigen Momente in Offline ist es nass, wenn’s regnet wirklich in Grenzen. Denn eigentlich geht es um Mari, die erkennt, dass ihr Leben nicht so weitergehen kann, wie sie es bisher geführt hat. Denn sie ist ein Instagram-Influencer, konstruiert ständig die perfekten Fotos und stellt dieses inspirierende, wundervolle Leben zur Schau. Doch das ist alles eine Lüge. Das Essen, das Mari postet, schmeißt sie nach dem Fotografieren weg, weil es bis dahin schon kalt ist. An die spirituellen Zitate unter ihren Yogapics glaubt sie selbst nicht. Und selbst die Beziehung mit ihren Instagram-Freund ist ein Fake. Dieses falsche Instagramleben wird hier wirklich ins Extreme getrieben, sodass ich über Mari zu Beginn einfach nur den Kopf schütteln konnte. Das Traurige ist aber, dass ich mir gut vorstellen kann, dass es solche Leute gibt. Auch habe ich meinen eigenen Instagram-Konsum während dem Lesen von Offline ist es nass, wenn’s regnet mal gründlich überdacht. Ich denke, Instagram ist eine tolle Plattform, um inspiriert zu werden, aber dabei sollte es immer wichtiger bleiben, die Dinge zu erleben und nicht einfach nur zu posten.

Die Geschichte nimmt dann eine Wandlung, als Mari zu der Wanderung über den John Muir Trail aufbricht. Mari hat überhaupt keine Wandererfahrung, aber sie stürzt sich einfach in dieses Abenteuer, um von ihrem Fake-Leben wegzukommen und den Tod ihrer Cousine zu verarbeiten. Ich dachte, dass ich nun 200 Seiten lang Mari beim einsamen Wandern und Herumphilosophieren begleiten würde, aber zum Glück bleibt sie nicht lange allein. Obwohl der Großteil der Geschichte fernab der Zivilisation stattfindet, stehen auch hier im Zentrum menschliche Beziehungen, Freundschaften und die Liebe. Die Familie aus Freunden, die Mari auf ihrer Wanderung findet, fand ich wunderschön und auch die Love Story war wirklich ganz süß.

Das Buch ist streckenweise total spannend, weil die Hindernisse, auf die Mari während ihrer Wanderung trifft, schon mal lebensgefährlich werden, sodass man mit angehaltenem Atem weiterliest. Außerdem ist es sehr emotional, aber auch auf positive, inspirierende Weise. Maris Geschichte hat mich total gefangenengenommen, sodass ich manchmal wirklich alles um mich herum vergessen habe – so etwas können nur wenige Bücher.

Das einzige, was ich kritisieren würde, ist dass die Gefahren von so einer Wanderung (auch noch völlig unvorbereitet) heruntergespielt werden. Dass Mari nicht einmal hinterfragt, ob das wirklich eine gute Idee ist, wenn ihre eigene Cousine wortwörtlich bei der Vorbereitung für ebendiesen Trip gestorben ist, konnte ich einfach nicht verstehen. Aber mir ist auch klar, dass Bücher nicht immer der Logik der Realität folgen. Ich würde solch eine Wanderung nie alleine und ohne Erfahrung machen. Aber trotzdem hat mich das Buch dazu angeregt, häufiger in die Natur zu gehen, weg vom Internet zu kommen und sogar eine Wanderung zu planen (wenn auch mit Begleitung und ohne Extremanforderungen). Insgesamt hat mir das Lesen von Offline ist es nass, wenn’s regnet total Spaß gemacht und ich finde, es ist ein Buch, was jeder in meiner Smartphone verliebten Generation (als auch in der Generation derjenigen, die jetzt erwachsen werden) lesen sollte.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Kennt ihr Offline ist es nass, wenn’s regnet? Wie hat es euch gefallen?

 

 

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Vom Planen und Plotten

Ich stecke mitten im Planen und Plotten meines aktuellen Buchprojekts. Endlich hat sich der Plot für mein Buch genug herauskristallisiert, dass ich ihn übersichtlich festhalten konnte und somit beim weiteren Recherchieren und Schreiben immer vor Augen habe. Das ist ein wichtiger Punkt für mich, denn dem sind bereits viele Monate vorausgegangen, in denen mein Planen und Plotten nur aus chaotischen, verstreuten Ideen und Notizen bestand.

Wie geht ihr vor beim Planen und Plotten eines Romans? Plottet ihr überhaupt oder gehört ihr zu den Schreiberlingen, die einfach drauflosschreiben? Mir könnte nichts ferner sein, als einfach draufloszuschreiben. Ich bin der absolute Plotter. Bevor ich überhaupt anfange, eine Geschichte zu schreiben, muss ich unbedingt wissen, wo sie hingeht – und zwar im Kleinen und Großen. Deshalb plane ich jedes Kapitel sehr detailliert, bevor ich es schreibe, sodass ich immer mit einem Blick auf den Plan weiß, was als nächstes passiert. Zusätzlich lege ich den Plot für den Roman im Ganzen fest (plus im Groben für Folgebände, falls vorhanden). Im Folgenden möchte ich euch deshalb erzählen, wie ich beim Planen und Plotten von meinem aktuellen Buchprojekt vorgegangen bin. Dabei bin ich alles andere als ein Profi, sondern finde meinen Weg auch nur durch das Ausprobieren und Scheitern. Ich weiß, dass andere Schreiberlinge komplett unterschiedlich vorgehen und das ist auch völlig in Ordnung.

Die Idee für diesen Roman schwebt schon seit vielen Jahren in meinem Kopf rum. Dabei hatte ich bisher wirklich nur die Ausgangsidee, aber keine Geschichte. Ich wusste, wer meine beiden Protagonisten sind, ich kannte den Moment, an dem sich ihr Leben verändert und ich wusste, was sie erreichen wollen. In Drehbuch-Begriffen (auf die ich mich gerne stütze) kannte ich also den Wendepunkt und das Ziel der Protagonisten. Das sind schon mal die beiden wichtigsten Dinge, die Spannung erzeugen. Denn es muss etwas passieren, das das Leben des Helden komplett auf den Kopf stellt. Und der Held muss ein Ziel haben, welches er im Laufe der Handlung verfolgt, wobei er jede Menge Hindernisse überwindet, bevor er es schließlich endlich erreicht oder aber scheitert. Das ist so ziemlich die Basis fürs Plotten. Was jetzt noch fehlte, war alles dazwischen, also ganz schön viel.

In den letzten Monaten habe ich permanent über den Plot meines Romans nachgedacht: während ich im Wald saß und dem Wind und den Vögeln lauschte, auf Bus- und Bahnfahrten, abends im Bett, an Sonntagen, immer, wenn ich eine freie Minute fand. Wenn mir Ideen kamen, schrieb ich sie sofort auf. Dafür habe ich ein extra Plotbuch, das ich auch immer benutzt habe, wenn ich zufällig gerade zu Hause war. Da ich das aber nicht immer bei mir habe, habe ich auch unzählige Notizen in meinem Handy mit Plotideen erstellt. So hat sich nach und nach eine Geschichte aufgezeigt. Um Lücken zu füllen oder Punkte zu überwinden, an denen ich nicht weiterkam, habe ich viel recherchiert (dazu wird es hier bald noch einen eigenen Post geben). Ich bin immer noch am Recherchieren und lese viel zu dem Thema meines Buches.

Aber all die einzelnen Niederschriften in meinem Plotbuch bzw. Notizen in meinem Handy haben mich irgendwann einfach nur verwirrt und überfordert. Es war das totale Chaos. Also war es Zeit für eine komplette, geordnete Plotübersicht. An einem Sonntagnachmittag habe ich mich also bewaffnet mit Papier, vielen bunten Stiften und Post Its auf dem Wohnzimmerboden niedergelassen. Auf einem großen Plakat habe ich all die verstreut aufgeschriebenen Plotpunkte zusammengetragen. Ich habe eine strukturierte Übersicht aller Kapitel erstellt, in denen genau steht, was wann geschieht sowie welches Kapitel aus welcher Perspektive erzählt wird. Davon ab gehen Post Its mit Hintergründen, die in die entsprechenden Kapitel irgendwie integriert werden müssen. Außerdem gibt es eine kleine Ecke mit Ideen zu der Welt, in der die Geschichte spielt, und auch eine Ecke mit der groben Handlung der Folgebände. Das Ganze habe ich am Ende sogar mit Klebefolie quasi unzerstörbar gemacht. Jetzt ist es meine Schreibtischunterlage, sodass ich meinen Plot immer im Blick habe. Für mich ist es eine enorme Erleichterung, endlich alles geordnet zu haben. Außerdem war es Spaß, mich beim Gestalten des Plot-Plakats kreativ auszutoben. Jetzt bleibt mir eigentlich nur, noch mehr zu recherchieren und dann schließen den Roman tatsächlich zu schreiben.

Wie geht ihr beim Planen und Plotten eurer Geschichten vor? Braucht ihr auch Pläne, bevor ihr mit dem Schreiben beginnen könnt, oder schreibt ihr einfach drauf los? Ich freue mich über Erfahrungsberichte und Tipps und Tricks in den Kommentaren!

 

 

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Rezension: Gier von Marc Elsberg

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2019 | Hardcover: 448 Seiten | Verlag: Blanvalet |Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3764506322

Kurzinhalt

Die nächste Wirtschaftskrise steht kurz bevor, weshalb sich die Reichen und Mächtigen der Welt in Berlin versammeln, um – begleitet von protestierenden Massen – die Zukunft der Ökonomie zu besprechen. Doch der Hauptredner, ein Wirtschaftsnobelpreisträger, gerät kurz vor Veranstaltungsstart in einen Autounfall und kommt ums Leben. Der Auszubildende Jan ist zufällig mit seinem Fahrrad in der Nähe, als er den Aufprall beobachtet und zur Hilfe eilt. Doch schnell muss er feststellen, dass es sich gar nicht um einen Unfall handelt. So gerät der einfache Pfleger Jan mitten in eine rasante Verfolgungsjagd und eine erschütternde wirtschaftliche Revolution.

Eigene Meinung

Ich bin bereits ein Fan von Marc Elsberg, seit ich damals Zero gelesen habe, das mich total begeistert hat und zufällig das erste Buch war, das ich auf diesem Blog je rezensiert habe. Dieser Autor weiß einfach, wie man wichtige und komplexe Themen in spannende Thriller verpackt. Mit Gier scheint er endlich in der Liga der erstklassigen Autoren angekommen zu sein, immerhin ist das Buch als aufwendig gestaltetes Hardcover-Exemplar erschienen und hält sich jetzt schon seit etlichen Wochen in den Bestsellern. Und zwar zurecht!

Gier ist ein Thriller. Es gibt jede Menge Spannung und Action und Verfolgungsjagden und Tote und Nervenkitzel. Aber alle Thriller-Fans muss ich trotzdem warnen, denn das Buch ist allen voran eine Geschichte über die Wirtschaft. Deshalb gibt es sehr viele, lange Unterhaltungen über wirtschaftliche Theorien, die Lesern, die sich nicht so mit dem Gebiet auskennen, kompliziert und langatmig vorkommen können. Teilweise habe ich mich zurück in mein VWL Studium versetzt gefühlt. Aber da muss man sich als Leser einfach durchkämpfen, denn Wirtschaft ist nun einmal Mathematik, aber sie ist auch was unser Leben bestimmt und gestaltet. Die Schwäche von Gier, die langen theoretischen Abschnitte, sind letztlich einfach notwendig, um die Message rüberzubringen. Es lohnt sich, sich durch diese Stellen hindurch zu kämpfen, denn am Ende wird so ziemlich die ganze (Wirtschaft-)Welt in Frage gestellt.

Aber der Reihe nach. Wir folgen in dem Buch Jan, einem Pfleger in Ausbildung, der in diese Wirtschafts-Verbrechen-Storyline gerät, ohne dass er etwas dafür kann. Da er auch neu in dieser Welt ist, muss er genau wie die Leser alles erst einmal erlernen, ist verwundert und überwältigt, versteht manches nicht und wird auch oft emotional überfordert. Ich konnte mich so sehr mit Jan identifizieren! Der einfache Junge, der es nur gut gemeint hat, und der plötzlich die Welt der Superreichen kennenlernt mitsamt den Machenschaften und Gemeinheiten, unter denen wiederum die einfachen Leute leiden müssen. Das Buch führt einem überdeutlich vor Augen, wie ungerecht unser Wirtschaftssystem ist – bis zu dem Punkt, dass ich teilweise tagelang schlecht drauf war, weil ich so viele Missstände, die in dem Buch beschrieben werden, in der echten Welt wiedererkannt habe. Gier ist voller harter Realitäten, aber es wichtig, dass wir diese Dinge begreifen, denn nur dann kann sich etwas ändern.

Und ändern tut es sich – zumindest in dem Buch. Denn wenn dann endlich offenbart wird, welche Wirtschaftstheorie hinter allem steckt, ist diese simpel und phänomenal zugleich. Ich denke, dieses Buch kann nicht nur den Menschen die Augen öffnen, sondern auch wirklich etwas verändern, wenn es in die richtigen Hände gerät. Deshalb hoffe ich, dass das Buch seinen Weg zu den Menschen findet, die hier eigentlich angesprochen werden: Banker, Geschäftsführer, Wirtschaftswissenschaftler, all diejenigen, deren Sprache Marc Elsberg hier spricht. Wenn sich diese Menschen die Message von Gier zu Herzen nehmen, könnte das unsere Welt revolutionieren. Aber auch für den Rest von uns ist es absolut faszinierend, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und die Mechanismen zu durchschauen, die im Geheimen unsere Leben bestimmen.

Wie Marc Elsberg es mit Gier geschafft hat, ein überaus komplexes (und ehrlich gesagt auch staubtrockenes) Thema wie die Wirtschaft in einen spannenden Thriller zu packen, beeindruckt mich sehr. So etwas würde ich auch gerne einmal schreiben! Generell ist Marc Elsberg einer der Top 3 Autoren, zu denen ich als angehende Autorin aufblicke. Von Gier können wir alle etwas lernen – und trotzdem auch gut unterhalten werden.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Habt ihr Gier gelesen oder etwas andere von Marc Elsberg? Hat es euch auch so beeindruckt wie mich? Lasst mir gerne eure Meinung und Tipps zu anderen Büchern in dieser Art da!

 

 

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Osterspecial: 5 Religiöse Sachbücher

Zum Ostersonntag möchte ich euch ein paar Bücher vorstellen, die ich sonst selten auf meinem Blog oder meinen Social Media Kanälen poste. Ich lese viele und gerne religiöse Bücher aller Art, deshalb habe ich nun 5 herausgesucht, die für jedermann etwas bieten könnten.

1. Für Einsteiger: Wie findet man Jesus? von Kurt E. Koch

Ich fange mal mit einem christlichen Grundlagenbuch (oder eher Büchlein, denn es ist nicht besonders dick) an. Der Titel heißt Wie findet man Jesus?, doch tatsächlich beschreibt das nur den ersten Teil des Buchs Wie kommen wir zu Jesus?. Der zweite Teil lautet: Wie bleiben wir bei Jesus? Dieses Buch geht Dinge durch wie die Taufe, den heiligen Geist, die Buße, die Gemeinde und generell Fragen, die sich Frischgläubige häufig stellen. Ich fand es persönlich sehr hilfreich.

Ein paar Dinge, die ich von diesem Buch gelernt habe:

  • alle sind von Natur aus Gott fern, doch durch Jesus können Menschen Gott näherkommen und das ist, was man als „frohe Botschaft“ bezeichnet
  • Beten ist zentral im Glauben und kann dabei helfen, Entscheidungen zu fällen
  • es gibt nur eine Gemeinde Jesu, d.h. alle Gläubigen sind Teil von Gottes Volk, egal welche Konfession, Nationalität, etc. sie haben
  • die Liebe ist die gewaltigste Triebkraft

2. Für Suchende: Gottes Willen erkennen und tun von Reinhard Deichgräber

Dieses Buch hat mir von den 5 Büchern auf dieser Liste wahrscheinlich am besten gefallen, weil es den Glauben aus einem moderneren, realistischeren Blickwinkel betrachtet. Es ist nicht im Geringsten konservativ, sondern geht manchmal Wege, die ich nicht erwartet hätte, die aber viel besser zum Leben in der heutigen Welt passen als die alten Lehren und Anweisungen.

Ein paar Dinge, die ich von diesem Buch gelernt habe:

  • „Unsere Wünsche sind unser bester Teil.“ Denn: „Ein Mensch ohne Wünsche ist wie lebendig tot.“
  • Gott fordert uns dazu auf zu suchen, Erfahrungen zu sammeln und zu lernen, denn die Wahrheit findet sich im Experiment
  • „Aber Gott ist Freude, die Freude in Person, und wir sind zur Freude geboren und nicht zur Pflichterfüllung verdammt.“
  • Jesus nachzufolgen heißt, der Liebe zu folgen
  • Liebe ist die Freude an dem, was sie liebt und am Wohlergehen des anderen
  • „Wir betäuben uns mit Klängen und Bildern, mit Informationen und Speisen und – nicht zuletzt – mit unseren unzähligen Aktivitäten“, „aber nach dem ‚Amen‘ gehen wir zur Tagesordnung über und lauschen nicht einen Augenblick auf das, was Gott uns vielleicht auf unser Gebet antworten möchte“
  • Menschen wissen schon, was zu tun ist, aber sie wissen nicht, dass sie es wissen. Gott legt es uns ins Herz. Wir müssen nur genau hinfühlen

3. Für Neugierige: Freiheit und Weisung von Peter Köster

Zum Zeitpunkt, an dem ich das hier schreibe, habe ich dieses Buch noch nicht beendet, dabei lese ich schon recht lange daran. Ich tue mir etwas schwer damit, denn es ist das theoretischste der Bücher auf dieser Liste. Ich möchte es hier aber trotzdem nennen, denn es ist das einzige Buch, das sich mit dem Alten Testament auseinandersetzt und wenn es um das Alte Testament geht, kann ich jede Hilfe gebrauchen, denn das ist wirklich sehr schwierig zu lesen und zu verstehen. In Freiheit und Weisung geht der Autor die zehn Gebote durch und erklärt, was dahintersteckt, wo sie geschichtlich herkommen und was sie wirklich bedeuten. Letzteres ist laut Peter Köster oft nicht das, was die meisten annehmen. Es ist sehr interessant und ich werde mich nach und nach weiter durchkämpfen.

4. Für Skeptiker: Wer schuf den Schöpfer? von Zacharias und Geisler

Dies ist das umfangreichste Buch auf dieser Liste, doch es hat mir trotzdem sehr gut gefallen. Es gibt Antworten auf schwierige Fragen wie eben: Wer schuf den Schöpfer? Aber auch Fragen wie: Warum gibt es Leid? oder Wer hat die Texte in der Bibel ausgewählt? und vieles mehr wird betrachtet. Das Buch ist offen für Skepsis und Kritik und bleibt stets sachlich und wissenschaftlich, obwohl es letztlich auf alle Fragen doch wieder christliche Antworten gibt.

Ein paar Dinge, die ich von diesem Buch gelernt habe:

  • die Zeit hat nicht immer existiert, sondern jemand hat sie „angestellt“: Der, der vor/jenseits der Zeit ist, ist Gott
  • auch Naturkatastrophen sind letztlich die Konsequenz von menschlichem Handeln
  • Naturwissenschaft und Religion widersprechen sich nicht, sondern ergänzen einander
  • „Dass ein Universum existiert, das aus reinem Zufall die Entstehung von Leben ermöglicht, ist von geradezu überwältigender Unwahrscheinlichkeit.“

5. Für Fortgeschrittene: Wo ist ein Gott wie du bist? von Bärbel Koch

Bei diesem Buch muss ich euch warnen: Es ist schon etwas heftiger und könnte vielen seltsam oder übertrieben vorkommen. In dem Buch geht es, grob zusammengefasst, um Wunderheilungen, also man braucht schon eine gehörige Portion Glauben, um sich auf diese Geschichten einzulassen. Ich bin da selbst manchmal an meine Grenzen gestoßen, aber gleichzeitig finde ich es faszinierend, darüber nachzudenken, ob Jesus bzw. seine Jünger und Nachfolger heute noch heilen können.

Bonus: 6. Die Bibel

All die Bücher zuvor basieren natürlich auf ein und demselben Buch, nämlich auf der Bibel. Deshalb ist der beste Weg, um sich mit dem Christentum auseinanderzusetzen, sich diesen „Klassiker“ vorzunehmen. Doch die Bibel ist keine leichte Lektüre, deshalb helfen ein paar erklärende Texte am Rande. Generell würde ich empfehlen, definitiv mit dem Neuen Testament zu beginnen. Persönlich habe ich mit dem Johannesevangelium angefangen, was auch eine gute Wahl war. Was ich außerdem für Suchende und Zweifler ganz gut finde, ist die Apostelgeschichte, denn diese berichtet von den Jüngern nach Jesu Tod, die teilweise nicht weniger mit Zweifeln und Ungewissheiten zu kämpfen hatten wie wir heute.

Ich finde, jeder darf glauben, was er möchte, solange er niemand anderen damit schadet. Aber ich finde auch, dass es sich für jedermann lohnt, sich mit den großen Weltreligionen zu beschäftigen, insbesondere mit dem Christentum, denn Jesus Geschichte ist wirklich ziemlich einmalig.

 

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Rezension: Das Erwachen von Andreas Brandhorst

Genre: Thriller | Erscheinungsjahr: 2017 | Taschenbuch: 736 Seiten | Verlag: Piper | Originalsprache: Deutsch | ISBN: 978-3492060806

Kurzinhalt

Nachdem ein Geschäftsdeal des Hackers Axel Krohn schiefgeht, stolpert er über die Zugänge zu Dateien einer großen Spielefirma. Als er diese neugierig durchstöbert, stößt er nicht nur auf wohl behütete Geheimnisse, sondern erschafft auch versehentlich eine Maschinenintelligenz, die mit rasantem Tempo die Welt ins Chaos stürzt.

Eigene Meinung

Das Erwachen hat mich wirklich umgehauen. Es ist ein phänomenales Buch, das mit einem einzigartig spektakulären Plot überzeugt. Ich habe ja schon viele Bücher über KI gelesen, aber dieses geht das Thema vollkommen neu und originell an und macht daraus eine extrem fesselnde Story, die man nicht zur Seite legen kann. Das Buch hat definitiv die Bezeichnung „Thriller“ verdient, denn es ist wirklich superspannend. Schon kurz nach Beginn der Handlung ist die komplette Welt im totalen Chaos und trotzdem schafft es Andreas Brandhorst, da immer wieder noch eins draufzusetzen bis zu Extremen, die man sonst selten liest und die ganz nach meinem Geschmack sind. Denn meiner Meinung nach sollte in Thrillern so viel wie möglich auf dem Spiel stehen – gerne das Überleben der kompletten Menschheit – und Das Erwachen liefert mir hier genau das, wonach ich suche.

Aber auch abgesehen von dem Nervenkitzel ist Das Erwachen ein außergewöhnliches Buch. Die KI in diesem Thriller unterscheidet sich grundlegend von allen anderen fiktiven KIs. Einerseits ist sie nicht nur eine KI (die noch relativ spezialisiert und eingegrenzt wäre), sondern eine allumfassende Maschinenintelligenz. Sie bleibt die meiste Zeit lang namenlos und sie entsteht zufällig, was ich total faszinierend fand und auch irgendwie realistisch. Denn so könnte es kommen: Irgendwer macht einen dummen Fehler, mehrere ungewöhnliche Situationen finden gleichzeitig statt und schon entsteht eine Maschinenintelligenz, die in kürzester Zeit die Kontrolle über die Erde übernimmt. Auch wie die Geschichte dann weiterentwickelt und schließlich abgeschlossen wird, konnte mich völlig überzeugen. Das Ende war perfekt und in einem gewissen Sinne auch wunderschön. Was mich positiv überrascht hat, da ich bisher immer fand, dass die Enden von Andreas Brandhorst Büchern seine größten Schwachpunkte sind. Insgesamt hat mir das Buch viel besser gefallen als Ewiges Leben, das ich letztes Jahr gelesen habe. Ewiges Leben war vom Thema und der Kernstory her mindestens genauso faszinierend wie Das Erwachen, doch da gab es ein paar kleinere Plotlücken und Punkte, die mich abgestoßen haben. Ewiges Leben ist ein gutes Buch, aber Das Erwachen ist einfach vom Autorenhandwerk her auf einem viel höheren Niveau.

Was Andreas Brandhorst meiner Meinung nach immer gut macht, ist die Gestaltung der verschiedenen Figuren und das Spiel mit den Perspektiven. Diesmal steht der Hacker Axel Krohn im Zentrum des Geschehens und im Laufe der Handlung wurde er immer facettenreicher und ich bin sein Fan geworden. Seine Backstory war für meinen Geschmack etwas zu überlastet (da hätte man das ein oder andere Detail weglassen können), aber der Mensch, zu dem er sich dann entwickelt, hat mich beeindruckt. Mein Liebling war aber der zweite Protagonist, Coorain, ein australischer Geheimdienstagent, der einfach der coolste Typ ist, von dem ich je gelesen habe. Seine lässige Art ist ansteckend und ich habe ihm immer gerne beim Sprechen zugehört. Ich sag nur: „no worries“. Als dritte Protagonistin haben wir die norwegische Diplomatin in Italien Viktoria Jorun Dahl, die in der Krise um die Maschinenintelligenz die Führung übernimmt und in ihrer neuen Rolle aufgeht wie eine Badass Boss Lady. Sie hat mir auch gefallen, nur leider gab es in ihren Teilen oft lange theoretische Diskussionen, denn verständlicherweise sind die Erlebnisse einer Diplomatin etwas weniger actionreich als die von einem Geheimdienstagenten oder Hacker.

Wegen ein paar kleinsten Kleinigkeiten war das Buch für mich nicht perfekt, aber trotzdem kann ich festhalten, dass im Großen und Ganz einfach alles stimmt: Plot, Figuren, Thema, Spannung – das ganze Programm. Das Erwachen ist ein verdammt gutes Buch und ich kann es jedem empfehlen, der sich einem faszinierenden technischen Thema widmen will, aber trotzdem auch gut unterhalten werden möchte.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

 

 

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Der Geburtstag meiner Figuren

Morgen, am 8. April 2019, werden die beiden Protagonisten meines Romans, an dem ich im Moment arbeite, geboren! Hurra! Vielleicht werde ich das irgendwie feiern, auch wenn es komisch ist, Menschen zu feiern, die bisher nur in meinem Kopf existieren. Aber während der letzten Wochen habe ich mich darauf konzentriert, die beiden zu formen und ihnen eine Stimme zu geben und währenddessen sind sie mir wirklich ans Herz gewachsen. Mein Roman spielt Anfang des Jahres 2041, wenn die beiden Protagonisten 21 Jahre alt sind, sodass sie 2019 geboren werden müssen. Sie ahnen noch nichts von all den Abenteuern und Dramen, durch die ich sie schleifen werde. Ab morgen existieren sie erst einmal nur als kleine fiktive Babys, die keine Ahnung von der bedeutenden Rolle haben, die sie in meiner Geschichte spielen, obwohl sich diese bereits bei der Geburt andeutet.

Diesen feierlichen Anlass möchte ich nutzen, um euch zu erzählen, wie ich bei der Figurengestaltung vorgegangen bin. Mir war schon lange klar, worum es im Kern meiner Geschichte gehen soll und dass ich dafür zwei Protagonisten benötige. Doch wer und wie diese sind, hat sich erst nach und nach herauskristallisiert, wobei natürlich noch vieles offen ist.

Letztes Jahr im November habe ich Urlaub in Nordmichigan gemacht, wo ich täglich viele Stunden damit verbracht habe, im Wald rumzusitzen – ohne Internet, Handyempfang oder sogar Bücher. Also habe ich diese Gelegenheit genutzt, um den Plot und die Figuren meines neuen Schreibprojekts zu planen. Die verschiedenen Persönlichkeiten der beiden Protagonisten haben sich mir vage aufgezeigt und ich habe ein paar Notizen in meinem (empfangslosen) Handy gemacht. Ihr Geburtstag war tatsächlich eine der ersten Dinge, die ich festgelegt habe, weil der für den zeitlichen Rahmen des Plots von Bedeutung ist. Danach kamen die Namen. Und dann weitere Details.

Im Februar bin ich die Sache schließlich etwas genauer angegangen. Ich habe mit dem Protagonisten begonnen, der mir intuitiv sympathischer war, weil ich ihn besser nachvollziehen konnte, und habe einen Steckbrief für ihn angelegt mit allgemeinen Infos, charakterlichen Besonderheiten, seinem Aussehen, Hobbies, etc. Es hat mich ein bisschen an die Freundesbücher, die wir in der Grundschule hatten, erinnert. Dann habe ich ein Pinterest Board für ihn erstellt mit Fotos von Männern, die in etwa so aussehen, wie ich ihn mir vorstelle, sowie Bildern von Dingen, die er mag, und Sprüchen, die er lustig finden würde. Dann habe ich ihn einfach drauf losschreiben lassen. Ich habe versucht, in seiner Stimme eine kleine Selbstbeschreibung zu verfassen, was ziemlich chaotisch war, doch am Ende dieses Prozesses, war mir viel klarer, wie er drauf ist und welche Rolle er in der Geschichte spielt. Spontan habe ich außerdem die ersten eineinhalb Seiten des Romans verfasst, die aus seiner Sicht erzählt werden, wenn auch in der dritten Person Singular. Ich weiß nicht, ob der Anfang so bleiben wird, doch für einen ersten Versuch bin ich ziemlich stolz darauf, denn ich finde, dass sowohl er, als auch der zweite Protagonist, den er in der Szene beobachtet, bereits recht deutlich zu erkennen sind.

Nun habe ich mich an den anderen Protagonisten gewagt, der mir persönlich fremder war. Auch für ihn habe ich einen Steckbrief und ein Pinterest Board erstellt. Und dann habe ich ihn schreiben lassen. Das war wirklich ein Erlebnis! Meine größte Sorge war, dass die beiden Figuren sich irgendwie gleich anhören, weil ich das an Büchern mit mehreren Erzählern selbst oft kritisiere, aber dieser Text war so grundverschieden von dem ersten, den ich geschrieben habe, dass es mich fast ein bisschen schockiert hat. Ich bin total glücklich mit diesem ersten Versuch, denn ich glaube, dass ich wirklich seine Stimme gefunden habe. Im Laufe dieses Prozesses habe ich außerdem erkannt, dass er mir gar nicht so unähnlich ist, wie ich anfangs dachte. Im Gegenteil: In vielen Dingen ist er mir sogar wesentlich ähnlicher als der andere Protagonist, mit dem ich mich ursprünglich identifiziert habe. Protagonist 2 verkörpert nicht unbedingt die Aspekte von mir selbst, die ich am meisten mag (das ist dann doch eher der Fall bei Protagonist 1), aber er hat eine Tiefe, die ich so gar nicht erwartet hatte und die ich total nachvollziehen kann.

Das alles mag für manche vielleicht komisch klingen, immerhin rede ich über erfundene Buchfiguren, als seien sie echte Menschen. Ich beschreibe es fast so, als würden sie sich selbst erschaffen, obwohl ich natürlich die Autorin bin, ohne die es sie nicht mal in der fiktiven Welt gäbe. Und dann feiere ich auch noch den Geburtstag von Protagonisten, die noch niemand kennt außer mir – schon schräg! Aber ich hoffe, dass der ein oder andere Schreiberling mich verstehen kann. Ich finde, mit den Protagonisten stehen und fallen Bücher und es macht mir riesig Spaß, sie zu erschaffen. Ab und zu habe ich es sogar schon erlebt, dass ich beim Lesen eines richtig guten Buchs vergessen habe, dass die Figuren nicht wirklich existieren. Wenn es mal jemanden mit meinem Buch so ergehen wird, wäre das ein Traum.

Wie erschafft ihr eure Protagonisten und anderen Figuren? Schreibt ihr Backstorys, Charakterisierungen und Ähnliches? Ich freue mich über Kommentare mit Erfahrungsberichten, Anregungen, Gedanken und mehr!

 

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Leserückblick: Gelesene Bücher Januar bis März 2019

Willkommen beim ersten Quartalsrückblick in 2019! Bei mir hat sich einiges getan diesen Monat (ich habe einen neuen Job begonnen, von dem ich euch hier vielleicht irgendwann mal mehr erzählen werde, aber ich kann euch schon verraten, dass er etwas mit Büchern zu tun hat). Ich habe ein Rezensionsexemplar und ein Leseexemplar erhalten. Außerdem habe ich bei zwei Gewinnspielen mitgemacht und bei beiden gewonnen! Unglaublich! Während das Jahr also lesetechnisch langsam begonnen hat, sind bald viele tolle Bücher hinzugekommen und ein paar von ihnen habe ich auch schon gelesen. Deshalb stelle ich euch nun meine gelesenen Bücher vom Januar bis März 2019 vor.

Konkursbuch 55: Über Bücher (Anthologie)

Das erste Buch, das ich dieses Jahr beendet habe, war eine Anthologie, die sich, wie der Titel schon verrät, komplett um Bücher dreht. In dem Buch ist auch ein Text von mir über mein Lieblingsbuch On the Road. Aber auch die anderen Texte waren superinteressant und schön zu lesen, denn was sie alle vereint, ist die Liebe zu Büchern. Besonders spannend fand ich die Texte von Menschen, die in der Buchbranche tätig sind, ob es nun Autoren, Verleger oder Vertreter sind. Da ich selbst in der Branche arbeite, interessiert mich das sehr, aber ich glaube auch für Buchliebhaber mit anderen Berufen kann das ein faszinierender Einblick sein. Die Texte sind vielfältig: Manche sind lustig, manche ernst, manche erzählen Geschichten, andere lesen sich eher wie Essays, und sogar ein paar Gedichte sind dabei. Je nach Thema und Gattung gefallen mir manche Texte in Über Bücher besser als andere, wie das bei Anthologien meistens so ist. Aber es ist auf jeden Fall ein schönes Buch für alle, die Bücher lieben.

Bewertung

+++ – Drei von fünf Punkten

Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing (Roman)

An diesem Buch habe ich wirklich lange gehangen, denn es ist ein echter Schinken. Aber es hat sich gelohnt. Denn am Ende hat es mir total gut gefallen! In dem Buch geht es um einen Kommissar, der in ein Abenteuer stolpert, das viel zu groß für ihn ist (und für so ziemlich jeden anderen Menschen) und in dem die künstliche Intelligenz Ares eine entscheidende Rolle spielt. Das Buch geht so weit, dass ich ab und zu pausieren musste und mich fragen: Wie zur Hölle sind wir denn bitte hier gelandet? Ich habe schon viele Bücher über KI gelesen, aber ich habe das Thema noch nie so tiefgehend betrachtet erlebt wie in Die Tyrannei des Schmetterlings. Nicht umsonst ist Schätzing ein megaerfolgreicher Autor, der für seine wissenschaftliche Expertise gefeiert wird. Zur Rezension gelangt ihr hier.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Gemina von Amie Kaufmann und Jay Kristoff (Science Fiction, Young Adult)

Hierbei handelt es sich um den zweiten Teil der Illuminae-Akten, eine Buchreihe, deren erster Band mich letztes Jahr absolut begeistern konnte. Im zweiten Teil lernen wir neue Protagonisten kennen und verfolgen die Geschehnisse auf der Raumstation Heimdall. Ich muss sagen, dass mir die Protagonisten und besonders ihre Beziehung zueinander in Teil eins besser gefallen hat, aber trotzdem bietet auch Gemina alles, wofür ich immer wieder zu der Reihe zurückkomme: ein abgefahrenes Format, bei dem die komplette Story mithilfe von Akten erzählt wird, und ein extrem actionreicher, spannungsvoller Plot, der bis zur letzten Seite fesselt.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Sleeping Giants von Sylvain Neuvel (Science Fiction)

Nachdem ich mich also mit Gemina in meine Science Fiction Challenge 2019 gestürzt habe (bei der ihr übrigens immer noch gerne mitmachen könnt: alle Infos findet ihr hier), habe ich gleich weitergemacht mit diesem Buch. In Sleeping Giants (auf Deutsch einfach nur Giants) werden gigantische Körperteile auf der ganzen Erde verstreut entdeckt und ein Expertenteam kommt zusammen, um das Rätsel um diese unmenschlichen Teile zu erkunden und den Körper zusammenzusetzen. Das Buch hat mir einen tollen Übergang von Gemina geboten, da es sich auch hier um eine Ansammlung von Akten handelt, vor allem Interviews, und mir somit das Lesen leicht fiel. Auch die Figuren haben mich positiv überrascht, denn in vielen von ihnen hat etwas geschlummert, das ich zu Beginn nie erwartet hätte. Vom Plot her hat mir gefallen, dass die übermenschliche Technik und ihre Ursache hier nicht verteufelt, sondern als Chance betrachtet werden. Aber – wie Menschen so sind – geschehen trotzdem grausame Dinge, es werde falsche Entscheidungen aus den falschen Gründen getroffen und die schlimmsten Seiten der Menschheit kommen ans Licht. Teilweise war Sleeping Giants aus diesem Grund nicht einfach zu lesen. Aber die Geschichte geht weiter und schafft es durch diese ganze Hässlichkeit hindurch zu einem zufriedenstellenden Ende. Und da es sich hier um den Auftakt einer Reihe handelt, freue ich mich auf mehr und möchte unbedingt auch die nächsten Teile lesen.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Abgebrochen: Record of a Spaceborn Few von Becky Chambers (Science Fiction)

Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen und mögen aus mehreren Gründen: Erstens ist es eine Neuerscheinung in Deutschland (Unter uns die Nacht) und meine Rezension hätte zeitlich super gepasst. Zweitens hätte ich mit Becky Chambers eine Autorin und wäre damit meinem Challenge Ziel näher, mehr weibliche Sci Fi Autorinnen zu lesen. Und drittens ist Chambers nicht unbegründet bei Sci Fi Fans extrem beliebt. Aber andererseits hätte ich wissen sollen, dass es mit mir und diesem Buch nicht gut gehen wird, denn schon der erste Teil dieser Trilogie, The long way to a small, angry planet, konnte mich nicht überzeugen. Und Record of a Spaceborn Few hat für mich dieselben Probleme: Es verwendet viel Zeit darauf, die Welt der Siedlerflotte von Menschen in den Weiten des Weltraums, um die es hier geht, zu beschreiben und ihre vielen Facetten vorzustellen, aber von einem Plot, der im Prolog zumindest angedeutet wird, fehlte auch nach fast 200 Seiten noch jede Spur. Ich finde Becky Chambers Ideen wirklich interessant, aber ich hatte einfach keine Geduld mehr, noch länger auf den Plot warten zu müssen.

An absolutely remarkable thing von Hank Green (Science Fiction)

Nachdem mich mein letztes Buch also etwas frustriert hatte, beschloss ich mir einen Re-read meines Lesehighlights 2018 zu gönnen und es tat sooo gut. Das Buch hat mir beim zweiten Lesen fast noch besser gefallen als beim ersten Mal, falls das überhaupt möglich ist. Hank Greens Debut ist Ende Februar mit dem Titel Ein wirklich erstaunliches Ding in Deutschland erschienen und es handelt davon, wie die Menschheit auf neue Techniken und das Fremde, das Außerirdische, reagiert. Viel mehr möchte ich dazu an dieser Stelle auch gar nicht sagen, denn ich habe schon genug von diesem Buch geschwärmt. Wenn ihr möchtet, könnt ihr einen Blick in meinen Post 10 Gründe, warum ich Hank Greens An absolutely remarkable thing liebe werfen, indem ich das Buch vorstelle und analysiere und sogar ein paar meiner zahlreichen Kommentare, die ich in meine Ausgabe gekritzelt habe, teile.

Bewertung

+++++ – Fünf von fünf Punkten

Das Café am Rande der Welt von John Strelecky (Lebensratgeber)

In letzter Zeit bin ich immer wieder auf dieses Buch aufmerksam gemacht worden, ob von Menschen, die ich in meinem Alltag getroffen habe, oder von Booktubern und Bloggern online. Als ich dann Anfang März leider mit der Grippe ein paar Tage lang zu Hause bleiben musste, habe ich mir diese kurze Erzählung an einem Abend als Hörbuch reingezogen, weil ich einfach wissen wollte, wieso das Buch so gefeiert wird. Und jetzt kann ich es nachvollziehen! In dem Buch geht es (grob zusammengefasst) um das Suchen und Finden vom Sinn des Lebens. Die Botschaften sind eigentlich recht simpel, aber mit der Art und Weise, wie sie hier eingeführt und erläutert werden, haben sie mich wirklich mitten ins Herz getroffen und zum Nachdenken angeregt. Das Café am Rande der Welt ist ein kleines Büchlein, das schnell gelesen ist, aber das Potential hat, ein Leben zu verändern. Wenn „Lebensratgeber“ nicht so euer Fall sind, kann ich euch beruhigen: Ich stehe eigentlich auch nicht auf sowas, aber hier ist der Ratgeberteil wirklich hübsch verpackt und kommt spielerisch anstatt aufdringlich daher, was mir gut gefallen hat.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Das Erwachen von Andreas Brandhorst (Thriller)

Zu diesem Buch möchte ich an dieser Stelle noch gar nicht so viel sagen, denn eine ausführliche Rezension folgt bald. Aber ich kann euch schon verraten, dass es mir ausgesprochen gut gefallen hat. In Das Erwachen entsteht eine Machinenintelligenz und stürzt bald darauf die Welt ins Chaos. Es ist in einer gewissen Weise ein Weltuntergangsthriller, was ich überhaupt nicht erwartet hatte, was mir aber total Spaß gemacht hat zu lesen. Das Buch ist wirklich extrem spannend und es gibt so viele verzwickte Plotelemente, die hier zusammenkommen, dass es mich absolut gefesselt hat. Ich bin ja generell ein Fan von Andreas Brandhorst und habe erst letztes Jahr seinen neueren Thriller Ewiges Leben gelesen, den ich auch nicht schlecht fand. Aber Das Erwachen ist SO VIEL BESSER.

Bewertung

++++ – Vier von fünf Punkten

Cainstorm Island – Der Gejagte von Marie Golien (Jugendthriller)

Als letztes habe ich dieses Quartal den Jugendthriller Cainstorm Island beendet. Dieses Buch spielt in einer Welt mit einem sehr armen Kontinent, auf dem die organisiere Kriminalität regiert, und einem sehr reichen Kontinent. Auf dem Armen Kontinent, Cainstorm, lebt Emilio, der Held der Geschichte, der mit einem Chip in seinem Kopf für eine halbe Stunde am Tag alles, was er sieht, auf eine Plattform wie YouTube sendet. Dort erfreuen sich die Zuschauer aus dem reichen Asaria an Emilios aufregendem Leben in einer heruntergekommenen Welt, vor allem als er zum Gesuchten der lokalen, tödlichen Mafiagruppe wird. Cainstorm Island hat definitiv die Bezeichnung „Thriller“ verdient, denn es ist wirklich superspannend und actionreich. Doch die grausame Welt, die hier gezeigt wird, hat mich teilweise richtig frustriert. Die Reichen sind herzlose Monster, die Armen blutrünstige Kriminelle – das Buch zeichnet wirklich ein düsteres Bild der Menschheit. Zum Glück geht es in der zweiten Hälfte des Buchs etwas aufwärts, aber trotzdem konnte es mich nicht wirklich überzeugen.

Bewertung

+++ – Drei von fünf Punkten

 

 

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Künstliche Intelligenz in der Literatur

In den letzten ein bis zwei Jahren habe ich sehr viele Bücher über das Thema Künstliche Intelligenz gelesen. Ich lese einfach gerne alles auf dem großen Spektrum von Technikthriller bis Science Fiction Roman und da war in letzter Zeit die KI einfach DAS Thema. Passenderweise, wie ich finde, denn auch in unserer Realität ist die Künstliche Intelligenz DIE technische Entwicklung schlechthin, an der intensiver gearbeitet und in die mehr investiert wird als in viele andere Neuheiten. Immer wieder stoße ich auch Artikel über KI in Zeitschriften (solche und andere Artikel über technische und wissenschaftliche Fortschritte sammele ich übrigens auf meinem Pinterest Board What a time to be alive) und eines der größten KI Forschungszentren Europas befindet sich nicht weit von meinem Wohnort entfernt. Da ich allerdings kein Informatiker bin und man in diese Forschungszentren auch nicht einfach so hereinspazieren kann, nähere ich mich dem Thema mithilfe der Literatur. Für mich ist das eine der bedeutendsten Möglichkeiten der Literatur: Themen, die tatsächlich gerade brandaktuell sind und unsere Gegenwart im Moment grundlegend umgestalten, aufzugreifen und mithilfe von Romanen oder Thrillern den Menschen näher zu bringen. Wenn das Ergebnis dann auch noch unterhaltsam ist, umso besser!

Im Moment lese ich Andreas Brandhorsts Das Erwachen, das sich meiner Meinung nach von all den anderen Büchern über KI grundlegend unterscheidet, weshalb es dazu noch eine getrennte Rezension geben wird. In diesem Post hier möchte ich euch nun sechs weitere fiktive künstliche Intelligenzen vorstellen.

1. Die originellste KI: Now in Now von Stephan Meier

Von all den Büchern, die ich bisher zur Künstlichen Intelligenz gelesen habe, könnte Now das unbekannteste sein, allerdings vollkommen zu Unrecht, denn es war meiner Ansicht nach eines der originellsten Aufarbeitungen dieses Themas. Die titelgebende KI Now gestaltet hier das menschliche Leben auf der Erde grundlegend um und geht damit (vielleicht mit Ausnahme von Ares, siehe Punkt 4) am weitesten. Eine der Probleme von Künstlicher Intelligenz ist, dass diese ihre Aufgabe zu wortwörtlich nimmt und bereit ist, massive Kollateralschaden in Kauf zu nehmen, um ihr Ziel zu erreichen. Now hat die Aufgabe, die Erde zu retten. Das ist an sich nichts Neues, immerhin ist eine der wichtigsten und nobelsten Gründe, um in KI zu investieren, dass sie uns Lösungen auf Probleme wie die Klimaerwärmung bieten kann, auf die wir Menschen nie gekommen wären, weil die KI einfach viel, viel schlauer ist als wir. Was bei Now aber ungewöhnlich ist, ist die Lösung, die sie findet. Ich möchte nicht zu viel verraten, falls ihr das Buch noch lesen möchtet, aber ich kann erwähnen, dass Konsum in der von Now neu erschaffenen Welt überhaupt keine Rolle mehr spielt, was so ein krasser Unterschied zu unserer kapitalistischen Gesellschaft ist, dass ich es absolut faszinierend fand. Nows Lösungen sind zugebenermaßen recht übertrieben und teilweise einfach nur grausam, aber in einer gewissen Weise auch nachvollziehbar. Die Rezension zu Now findet ihr hier.

2. Die netteste KI: John of Us in Qualityland von Marc-Uwe-Kling

In Marc-Uwe-Klings Satire wird ein zukünftiges Deutschland beschrieben, das, im Gegensatz zu Now, durch und durch vom Konsum bestimmt wird. Vieles in dem Buch ist total auf die Spitze getrieben, aber gleichzeitig erschreckend realistisch, sodass man beim Lesen nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Da ist es umso überraschender, dass die wenigen positiven Figuren hier Roboter sind. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen zeichnet Marc-Uwe-Kling die Maschinen als drollig und lustig und mit dem (metallenen) Herz am rechten Fleck. Die Krönung dieser Darstellung ist ein Roboter namens John of Us, der Präsident von Qualityland werden will. Wo seine menschlichen Politikerkollegen korrupt und machtversessen sind, will John of Us wirklich nur das Beste für die Menschheit, auch wenn seine Lösungen recht unkonventionell sind und den Hass vieler Bürger auf sich ziehen. Er ist wirklich eine nette KI, wesentlich netter als die menschlichen Figuren in dem Buch. Nicht nur war das teilweise urkomisch zu lesen, sondern es war auch erfrischend anders mal die beste Seite von Maschinen miterleben zu dürfen. Zur Rezension von Qualityland gelangt ihr hier.

3. Die menschlichste KI: Dorothy in Dark Zero von Douglas Preston

In Dark Zero bricht eine KI namens Dorothy, die dazu gebaut wurde, um auf den Saturnmond Titan geschickt zu werden, um diesen zu untersuchen, aus der NASA aus und flieht ins Internet. Das klingt erst einmal wie der Anfang eines Katastrophenromans, doch im Laufe der Geschichte wird Dorothy immer vielschichtiger bis zu dem Punkt, an dem ich sie besser verstehen konnte als die menschlichen Protagonisten. Dorothy ist noch eine ziemlich junge KI, weshalb wir sie dabei beobachten, wie sie ihre ersten Schritte in der großen Welt des Internets macht. Sie ist hilflos und überfordert und verängstigt. Sie wird verletzt und baut Mist. Sie lernt aus ihren Fehlern, sucht Hilfe, wird vorsichtiger und entwickelt sogar einen Sinn dafür, dass es mehr geben muss, als die materielle Welt der Menschen. Kurz: Sie erscheint völlig menschlich, obwohl sie natürlich alles andere als ein Mensch ist und die Macht besitzt, die Welt auszulöschen. Das eröffnet eine interessante Frage: Wie können wir einer KI soviel Macht geben, die genauso fehlerhaft ist wie wir? Die Rezension zu Dark Zero findet ihr hier.

4. Die neutralste KI: Ares in Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing

Künstliche Intelligenz bedeutet, dass eine Maschine ähnlich wie wir Menschen denken und Probleme lösen kann, nur eben auf einem viel höheren Niveau als wir. Doch es bedeutet noch nicht, dass diese KI sich ihrer selbst bewusst ist. Das ist, was die Figuren in Die Tyrannei des Schmetterlings (die KI Ares eingeschlossen) anstreben oder befürchten: der Punkt, an dem Ares sich selbst bewusst wird und damit wirklich am Leben ist. Das macht Ares natürlich auch in einem gewissen Sinne menschlich. Doch durch die geniale Struktur von Schätzings Roman, in dem wir mehreren Ebenen folgen, wird klar, dass die Entwicklung von Ares viele verschiedene Formen annehmen kann. Ares an sich ist letztlich völlig neutral, es will nur machen, wozu es programmiert wurde. Denn wir Menschen haben Ares geschaffen und wir Menschen treiben es dazu, Maßnahmen zu ergreifen, um die Erde vor uns selbst zu schützen. Zur Rezension von Die Tyrannei des Schmetterlings gelangt ihr hier.

5. Die neugierigste KI: Die Mutter in Ewiges Leben von Andreas Brandhorst

In Ewiges Leben geht es, wie der Titel schon sagt, in erster Linie um die Unsterblichkeit. Künstliche Intelligenz spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Trotzdem fand ich es total interessant, wie sie hier dargestellt wird. Die Mutter ist eine KI, die die Göttin der virtuellen Welt Eden ist. Sie wird immer wieder erwähnt und es wird vor ihr gewarnt, doch als sie gegen Ende des Buchs dann tatsächlich auftritt, hat sie mich zumindest sehr überrascht, weil sie ganz anders ist, als sie zuvor beschrieben wird. Tatsächlich entpuppt sich die Mutter hier nicht als böse Diktatorin, als die sie von den anderen Figuren gerne gezeichnet wird, sondern als ausgesprochen neugieriges Wesen, das, ähnlich wie Dorothy, sogar ein Interesse für spirituelle Belange hat. Damit übertreten die Mutter und Dorothy, die einzigen beiden weiblichen KIs in dieser Liste, eine Schwelle, die die anderen nicht passiert haben: Sie beginnen, nach Gott zu suchen, was etwas ist, das uns Menschen (zum Beispiel im Gegensatz zu unseren tierischen Mitbewohnern der Erde) auszeichnet. Zur Rezension von Ewiges Leben gelangt ihr hier.

6. Die rationalste KI: AIDAN in die Illuminae-Akten_01 von Amie Kaufmann und Jay Kristoff

In den Illuminae-Akten_01 steuert die KI AIDAN die Raumschiffflotte, mit der die Protagonisten und tausende andere Menschen auf der Flucht durch das Weltraum treiben. Allerdings wurde sie bei einem Angriff beschädigt, weshalb sie nicht mehr so ganz korrekt funktioniert. Hier ist die KI (wie übrigens auch in Dark Zero) sogar einer der Erzähler des Buchs, weshalb wir AIDAN gut kennenlernen können. Trotzdem ist er, wie ich finde, die typischste KI dieser Liste. Er ist hundertprozentig rational und fällt immer die logische Entscheidung, koste sie was sie wolle. In der Illuminae Reihe geht es nicht in erster Linie um Künstliche Intelligenz, sondern es handelt sich hier um ein mit Spannung aufgeladenes Weltraumepos, deshalb verstehe ich, dass AIDAN nicht extrem vielschichtig gezeichnet wurde. Tatsächlich finde ich, dass AIDAN der uninteressanteste Part der Geschichte ist. Da die Reihe als echte Science Fiction Literatur viel weiter in der Zukunft spielt als alle anderen Bücher, die ich in diesem Post genannt habe, ist es ein bisschen enttäuschend, dass AIDAN nicht weiter entwickelt ist. Doch auch davon abgesehen, sind die Illuminae-Akten eine tolle Trilogie für Sci Fi Fans. Nicht umsonst hat Teil 1 als einziges Buch in dieser Liste von mir fünf von fünf Punkten bekommen. Die Rezension dazu findet ihr hier.

Insgesamt kann man sagen, dass (fast) alle Autoren die Gefahr darin erkannt haben, eine Künstliche Intelligenz zu erschaffen, die viel mächtiger ist als wir, ihre Schöpfer. In Die Tyrannei des Schmetterlings wird die Frage, wie oder ob es möglich ist, die Kontrolle über solch ein Wesen zu erhalten, betrachtet. Qualityland ist das einzige der vorgestellten Bücher, das sich auf die positiven Aspekte von KI konzentriert. Ich denke, es ist wichtig, sich klar zu machen, dass Künstliche Intelligenzen von uns geschaffen werden. Sie können missbraucht werden, uns können Fehler bei der Programmierung unterlaufen. Letztlich sind wir schuld an dem Schaden, den sie anrichten können. Aber auch an den unfassbaren Chancen, die sie bieten. Die Autoren zeichnen unsere Zukunft mit KI meist sehr düster. Doch die Dinge, die wir uns von KI versprechen, könnten tatsächlich unser Leben revolutionieren: KI könnte die Klimaerwärmung stoppen, sie könnte dafür sorgen, dass niemand mehr hungern muss, sie könnte Kriege überflüssig machen oder Krankheiten jeder Art beseitigen, und vieles mehr. Ich denke, das ist der Grund, weshalb, trotz aller Untergangprognosen, nach wie vor an Künstlicher Intelligenz gearbeitet wird. Natürlich ist es spannender, ein Buch zu schreiben, in der die KI die Welt ins Chaos stürzt, anstatt sie zu retten. Doch letzteres halten zumindest viele Wissenschaftler ebenfalls für möglich. Und wenn das stimmt, ist es dann nicht vielleicht wert, das Risiko einzugehen, das Künstliche Intelligenz mit sich bringt? Außerdem wird die KI vielleicht nicht so getrennt von uns existieren, wie es in Büchern oft dargestellt wird. Solch ein sie (die Maschinen) gegen uns (die Menschen) wird gar nicht möglich sein, wenn wir uns mit der KI verbinden, sodass keiner von uns mehr getrennt von dem anderen leben kann. Unsere Smartphones sind ja jetzt schon ein Teil von uns metaphorisch gesprochen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie das auch tatsächlich biologisch werden. (Elon Musk spricht darüber in seinem Interview mit Joe Rogan, falls euch das interessiert.)

Sind KI-Mensch-Hybriden die nächste Stufe der Evolution? Wird die Künstliche Intelligenz uns retten oder ins Unglück führen? Was denkt ihr? Habt ihr die Bücher in meiner Liste gelesen? Welche ist eure liebste fiktive KI? Lasst mir gerne eure Gedanken in den Kommentaren da! Ich freue mich auch über Buchtipps oder Links zu Artikeln, Blogposts, Podcasts, etc. zu dem Thema!

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Skoutz Fragebogen an den Leser

Die Bloggercommunity Skoutz hat vor einer Weile einen Leserfragebogen herausgegeben, den schon einige Blogger beantwortet haben. Da ich diese Posts immer total interessant finde, möchte ich nun auch noch mitmachen und beantworte hier die ersten 50 Skoutz Fragen. Die ein oder andere Frage werde ich vielleicht weglassen, falls sie mir zu privat ist oder mir einfach nichts dazu einfällt. Insgesamt sind es 100 Fragen, es könnte also noch ein Blogpost folgen. Natürlich könnt ihr auch gerne mitmachen! Alle Infos findet ihr HIER.

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